ZAK BRANICKA

Welt aus den Fugen: Vlatka Horvats „Immeasurables“

Vlatka Horvat setzt die menschliche Figur, besonders aber den politisch, religiös oder sozial doch immer irgendwie unpassenden weiblichen Körper gerne in befremdliche Positionen. Und zwar derart, dass diese Verschiebungen und Verschneidungen eine politische Aussage ergeben. Auf welche spielerische, gleichwohl alarmierende Weise die Welt ihr dabei aus den Fugen gerät, zeigt beispielhaft Peripheral Awareness. Die 1974 in Kroatien geborene und heute in London lebende Künstlerin hat mehrere kugelförmige und runde Objekte so an den Rand eines Tisches gelegt, dass sie jederzeit herunterzukullern drohen. Gleichzeitig ist hier jede Menge Action, während die Tischmitte, wo solche Objekte üblicherweise zu liegen kommen, zwar sicher und ruhig, aber auch leer und langweilig ist. Ähnlich vertrackt argumentiert sie mit ihren Fotoausschnitten. Die Bilder stammen aus ihrem Familienalbum, aus einer Zeit, als es noch Jugoslawien gab und den Glauben an die Zukunft der sozialistischen Gesellschaft, aus der Horvat freilich die Mutterfigur im Bild herausbricht und isoliert. WBG

■ Bis 18. April, Di.–Sa. 11–18 Uhr, Linienstraße 35