„Nicht nur herumsitzen“

FUSSBALLTURNIER Lampedusa-Flüchtlinge kicken im Solidaritäts-Spiel gegen den FC St. Pauli

taz: Herr L., ist der „FC Lampedusa“ ein neuer Fußballclub in Hamburg?

Andreas L.: Ein offizieller Verein sind wir nicht, aber seit einigen Wochen trainieren wir Flüchtlinge aus der Gruppe „Lampedusa in Hamburg“ unter diesem Namen miteinander. Viele von uns waren nämlich schon in ihren Heimatländern begeisterte Kicker, haben dort in Vereinen und auf der Straße gespielt. Wir lieben einfach Fußball, und diese Begeisterung wollen wir auch in Hamburg weiter ausleben.

Heute Abend spielen Sie gegen die 8. Herren vom FC St. Pauli. Geht es dabei nur um den Sport?

Nein, wir wollen den Menschen damit auch ein anderes Bild von uns zeigen: In der Öffentlichkeit werden Flüchtlinge leider oft als passiv, nutzlos und faul dargestellt. Aber wir sind Menschen mit vielen Leidenschaften und Talenten. Wir sitzen nicht nur herum, sondern wollen aktiv auf unsere Situation aufmerksam machen.

Und ein Fußballspiel ist dafür das richtige Mittel?

■ 30, hat in Ghana Marketing studiert und musste im Jahr 2011 aus Libyen fliehen, wo er damals arbeitete.

Ja, denn die Liebe zum Sport verbindet uns mit den Menschen hier in der Stadt. Wir haben Spaß an der Aktion, kommen mit anderen Spielern in Kontakt. Vor allem aber zeigen wir, dass wir nicht nur passive Opfer sind.

Warum muss es der FC St. Pauli sein?

Wir haben eine besondere Verbindung zum Verein. Viele Spieler und Fans haben uns schon in der St.-Pauli-Kirche besucht, wo 80 von uns seit zwei Monaten leben. Der Club hat uns mit Spenden unterstützt. Einige von uns konnten sich kostenlos Heimspiele im Millerntor-Stadion ansehen, weil der Verein sie eingeladen hatte. Als uns dann das Fußballspiel vorgeschlagen wurde, haben wir sofort zugesagt.

FC Lampedusa, das klingt schon wie ein richtiger Verein. Werden Sie jetzt regelmäßig spielen?

Geplant ist nichts, aber es wäre toll, wenn wir noch oft gegen andere Teams spielen könnten. Wir spielen schon sehr gut, wollen in Zukunft aber regelmäßiger trainieren. Ein Spiel vor sich zu haben, ist besonders motivierend.

Wie wichtig ist Sport für Sie?

Sehr wichtig. Leider ist das Angebot für uns nicht sehr groß. Ohne Aufenthaltsstatus können wir ohnehin nicht in richtigen Vereinen spielen. Aber wir gehen gerne joggen oder spielen Basketball vor der St.-Pauli-Kirche. Es ist wichtig, aktiv zu bleiben – das hilft uns, mit unserer Lebenssituation besser umzugehen.