LIEBESERKLÄRUNG

Buschklepper

DAS UNBEKANNTE SCHÖN ZU FINDEN. DEM UNVERSTANDENEN MIT WÄRME ZU BEGEGNEN. DAS IST WAHRE LIEBE

Wörter sind nicht nur dazu da, sich verständlich zu machen. Wörter können trösten, die Seele wärmen, für Rührung sorgen oder für Amüsement. Bestimmte Wörter, die klingen, als seien sie aus der Zeit gefallen, bescheren mir nicht unbedingt ein feuchtes Höschen, aber die Augen können es schon werden.

Buschklepper ist solch ein schönes Wort, bei dem mir warm ums Herz wird, auch wenn die Bedeutung weniger schön ist. Ein Buschklepper ist nämlich ein Dieb, der sich in Büschen versteckt.

Ich gebe zu, ich habe erst in dieser Woche, als die 26. Auflage des Dudens herausgekommen ist, das erste Mal vom Buschklepper gehört. Und das auch nur, weil er auf der Liste der Wörter steht, die die Dudenredaktion gestrichen hat. Der Buschklepper musste Platz machen für so moderne Verbrechensbegriffe wie Enkeltrick oder Klaukind.

Seit ich weiß, dass es den Buschklepper gibt und dass bald kein Hahn mehr nach ihm krähen wird, ist meine Liebe zu ihm entbrannt. Als Zeichen meiner Zuneigung werde ich nun aber nicht stehlen und mich dann in einem Busch verstecken. Aber ich werde den Buschklepper, sooft es geht, im Munde führen, auch auf die Gefahr hin, nicht oder falsch verstanden zu werden.

Zur Not kann ich den kleinen Bruder des Buschkleppers ins Feld führen. Das ist der Strauchdieb. Der steht zwar noch in der neuen Ausgabe des Dudens, aber er ist bereits mit dem Zusatz „veraltet“ versehen, der Vorstufe zum Rauswurf aus dem Wörterbuch der deutschen Sprache. BARBARA BOLLWAHN