Synthetisch, elektronisch, trautonisch

Sound „Good Vibrations – Eine Geschichte der elektronischen Musikinstrumente“ im Musikinstrumentenmuseum

Lang ist’s her, dass der Physiker Friedrich Trautwein in Berlin sein Trautonium kreierte. Im Jahr 1930 war es, als der Vorläufer der Synthesizer bei einem Berliner Fest an der Universität der Künste namens „Neue Musik“ vorgestellt wurde. Das Spektrum der Trautonium-Klänge reicht über Streicher, menschliche Stimmen und metallische Geräusche, es war damals eine absolute Sensation. Nur knapp zehn Mal wurde das Trautonium mit seinem orgelartigen Korpus hergestellt.

Eines davon kann man nun im Rahmen der Ausstellung „Good Vibrations – Eine Geschichte der elektronischen Musikinstrumente “ bestaunen. Noch bis Ende Juni ist die Schau, die von der Frühgeschichte der elektronischen Instrumente bis ins Heute reicht, im Musikinstrumentenmuseum zu sehen.

Oskar Sala, der das Trautonium seinerzeit mitentwickelte, komponierte noch bis zu seinem Tod 2002 an diesem Instrument und baute für Reisezwecke kleinere Versionen davon. Eindrücklich steht Skalas Mixturtrautonium, das wie halb Klavier, halb Maschine aussieht, direkt am Eingang von „Good Vibrations“. Die wohl bekannteste Musik, die er auf dem Instrument geschrieben hat, ist der Soundtrack für Hitchcocks „Die Vögel“. Für viele zeitgenössische Musiker wie Kraftwerk oder die Einstürzenden Neubauten ist Sala ein Wegbereiter der elektronischen Musik und Avantgarde.

Blitzschnell kann man zwischen ­Knisterbass und ­Wah-Wah wechseln

Ein Neo-Bechstein-Flügel von 1932

Neben diesen ersten Schritten in die Richtung der elektronischen Instrumente, die Elektrophone genannt werden, findet man auf der oberen Etage des Museums aber auch Mischformen von traditionellen Instrumenten, die mit einer elektronischen Komponente ausgestattet sind. Für Klavierspieler ist besonders der Neo-Bechstein-Flügel von 1932 interessant. Der Flügel wurde so ausgestattet, dass man seine Lautstärke regulieren kann – Siemens sei Dank. Was heute bei Besitzern echter Klaviere in hellhörigen Altbauwohnungen zum guten Ton gehört, war damals revolutionär.

Ein Instrument, das am Markt scheiterte, dessen Klang aber jeder von uns kennen sollte, ist das Lyricon, zum Beispiel in Michael Jacksons „Billy Jean“ wird es benutzt. Es sieht aus wie ein Sopransaxofon, zu dem ein kleines Pult mit Drehknöpfen gehört. So kann der Musiker den natürlichen Klang mit elektrischen Signalen anreichern.

Auch „reine“ Synthesizer sind in der Schau zu sehen. Der Music Easel aus dem Jahr 1972, konstruiert vom Synthesizer-Pionier Don Buchla, wirkt durch die Kofferform und großen bunten Knöpfe fast wie ein Kinderspielzeug. Über die Museumsapp kann man die außergewöhnlichen Klänge in einer Videopräsentation sehen und zugleich hören. Dieses Feature gibt es fast bei jedem ausgestellten Instrument.Manchmal darf man aber auch selbst ausprobieren, welche Sounds die Geräte von sich geben. Das Herumspielen am Theremini der Firma Moog, welches im vergangenen Jahr auf den Markt kam, zeigt, was durch die Digitaltechnologie an Klängen möglich ist. Durch das Drehen der drei Rädchen entströmen dem kleinen weißen Kasten mit Antenne Geräusche, die durch die Umgebung beeinflusst werden. Die verschiedenen Soundeinstellungen sowie die Skalen, in denen sich die Töne bewegen, kann man per Hand verändern. So kann blitzschnell zwischen einem knisterndem Bass und Wah-Wah Effekt gesprungen werden.

Angedeutet wird in der Ausstellung, dass derzeit eine Rückbesinnung auf traditionelle Instrumente en vogue sei – die Auswahl an Sounds und Knöpfen sei bei vielen Synthesizern einfach überfordernd und wirke für viele Musiker profillos. Doch auch wenn der Trend unter Musikliebhabern wieder auf die Körperlichkeit des Spielens und den damit verbundenen Ausdruck zurückgeht – elektronische Musik wird nicht mehr wegzudenken sein aus unserem Leben.