die dritte meinung

Wie säkular ist die Initiative „islamkritischer“ Muslime tatsächlich, fragt Farid Hafez

Farid Hafez ist Politikwissenschaftler und Senior Researcher bei The Bridge Initiative an der School of Foreign Service/Georgetown University.

Mit der Gründung der Initiative Säkularer Islam machten zuletzt Personen wie Cem Özdemir, Ahmad Mansour und Necla Kelek Schlagzeilen. Bei genauerem Hinsehen fällt jedoch auf, dass das Verständnis von Säkularität eher verkürzt ist und eine weitere Politisierung von Religion stattfindet. Zudem befinden sich mehr als nur fragwürdige Personen unter den Gönnern dieser Initiative.

Zweifellos ist die Gründung in ein spezielles politisches Moment eingebettet. Auch wenn die Initiatoren vorgeben, keine Konkurrenz zu bestehenden muslimischen Verbänden sein zu wollen, scheint gerade das der Fall zu sein. Man wolle einen Rat gemeinsam mit den Verbänden bilden, um gegenüber dem Staat als Ansprechpartnerin zu gelten. Dabei scheinen die Forderungen eher ins Reservoire der sogenannten Islamkritiker zu passen, wie die Befürwortung des Kopftuchverbots für den Staatsdienst zeigt.

Die Unterzeichner scheinen zudem noch im Zeitalter der Säkularität und noch nicht in das postsäkulare Zeitalter eingetreten zu sein. In diesem existiert ein religiöser Diskurs gemeinsam mit einem säkularen gleichberechtigt im öffentlichen Raum. Die Trennung von Religion und Politik wird nur beschränkt verfolgt. In einer Forderung heißt es etwa, dass zur Förderung von Integration und Toleranz ein „humanistisch orientierter islamischer Religionsunterricht an allen Schulen“ eingerichtet werden solle. So unpolitisch scheint dann der Religionsbegriff auch nicht mehr.

Besonders auffällig sind die rechten „Unterstützer“. Seyran Ateş, die zuletzt bei der rechten Regierungspartei FPÖ in Österreich auftrat, steht als Unterzeichnerin neben Michael Ley, einem Intellektuellen der Neuen Rechten.

Dieser meinte ähnlich wie der Terrorist Anders Breivik in seinem Manifest: „Europa steht vor der Wahl zwischen einer Reconquista – einer Rückeroberung seiner Zivilisation – und seinem Selbstmord“.

Islamreform also als Zivilisierungsmission? Darum scheint es hier eher zu gehen.