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Alle klagen gegen den Belt-Tunnel

Auch die Reederei Scandlines hat jetzt Klage gegen die Fehmarnbelt-Querung beim Bundesverwaltungsgericht in Leipzig eingereicht, wie sie am Mittwoch mitteilte. Im Wesentlichen moniert das Unternehmen, das die Fährverbindung auf dem Fehmarnbelt zwischen Fehmarn und der dänischen Insel Lolland betreibt, zwei Punkte im Planfeststellungsbeschluss des Landes Schleswig-Holstein.

Zum einen sei unklar, wie die Sicherheit der Schiffe während des Tunnelbaus gewährleistet werden soll. Die Bedenken seines Unternehmens seien nicht berücksichtigt worden, sagte Scand­lines-Chef Søren Poulsgaard Jensen. Zudem bestünden Zweifel am Bedarf für den 18 Kilometer langen Tunnel. Laut Realisierungsgesellschaft Femern AS werde er den kompletten Straßen- und Frachtverkehr aufnehmen und Scandlines aus dem Markt drängen; die deutsche Planfeststellung jedoch geht davon aus, dass 40 Prozent des Frachtverkehrs weiter die Fährlinie nutzen. „Das passt nicht zusammen“, sagte eine Reederei-Sprecherin.

Dabei stützt sie sich auch auf eine Studie des Consulting-Unternehmens PWC im Auftrag der deutschen Planbehörde. Dieses kommt zu dem Schluss, dass Scandlines dem Tunnel zum Trotz 40 Prozent der Frachteinheiten und 30 Prozent der Pkw auf dem Fehmarnbelt transportieren wird. Auch werde die Reederei rentabel bleiben.

Außer Scandlines haben auch der Naturschutzbund (Nabu), das Aktionsbündnis gegen eine feste Fehmarnbelt-Querung und die Städte Fehmarn und Bad Schwartau Klagen in Leipzig eingereicht. Sie begründen ihre Klagen einerseits mit ökologischen Bedenken, andererseits mit mangelndem Lärmschutz an der Schienenstrecke nach Lübeck.

Dessen ungeachtet will Femern AS mit „vorbereitenden Maßnahmen“ bereits beginnen. So soll am geplanten Tunnelausgang „ein Zaun zum Schutz von Amphibien wie den dort lebenden Kammmolchen“ errichtet werden. „Ein Unding“, sagt Karin Neumann von der Anti-Tunnel-Ini Beltretter. Trotz des laufenden Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht „sollen offenbar Fakten geschaffen werden“.

Femern AS wolle wohl „mit möglichst viel Baufortschritt die dänische und die deutsche Regierung, die Europäische Kommission sowie deutsche und europäische Gerichte gleichzeitig unter Druck setzen“, vermutet Malte Siegert, Fehmarnbelt-Experte des Nabu. Aus seiner Sicht ist es jedoch „juristisch wie finanziell weiterhin fraglich, ob das Vorhaben überhaupt je realisiert wird“.

Sven-Michael Veit