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DatenschutzWarum Whatsapp wie ein offenes Telefonbuch mit Fotos ist

Forscher fanden für eine Studie rund 3,5 Milliarden bei Whatsapp registrierte Telefonnummern heraus – zum Teil mit Bild und persönlichen Informationen.

Whatsapp ist quasi ein großes Telefonbuch, und vielen der Nummern in diesem Telefonbuch sind Profilfotos zugeordnet Foto: Norman Owen Tomalin/Avalon/imago

Signal oder Threema? Telegram oder Whatsapp? Wire oder KakaoTalk? Oder gleich mehrere Apps für verschiedene Freundeskreise? Die Welt der Messenger ist groß und unübersichtlich, am Ende entscheiden sich viele für den Platzhirsch und laden Whatsapp herunter. Dazu trägt der Netzwerkeffekt bei: Alle gehen dahin, wo alle sind. Doch bei Whatsapp sind die Nut­ze­r:in­nen ziemlich transparent.

Die Studie

Auch wenn Whatsapp die Inhalte der versendeten Nachrichten verschlüsselt – jenseits dessen sind persönliche Nut­ze­r:in­nen­da­ten ziemlich leicht verfügbar. Das zeigt nun eine Gruppe von Wiener For­sche­r:in­nen in einem auf der Entwicklerplattform Github veröffentlichten Paper. Denn Whatsapp ist quasi ein großes Telefonbuch, und vielen der Nummern in diesem Telefonbuch sind Profilfotos zugeordnet sowie weitere persönliche Informationen, etwa zum Wohnort, zum Arbeitgeber, zur sexuellen Orientierung oder zu politischen Überzeugungen.

Die For­sche­r:in­nen zeigen, welche Konsequenzen das hat. Sie überlegten sich Bereiche von Telefonnummern, zum Beispiel beginnend bei 0049150 für Deutschland, mit denen Whatsapp-Accounts verknüpft sein könnten, und definierten schließlich 63 Milliarden Nummern für 245 Länder und Territorien. Diese ausgedachten Nummern glichen sie dann über Whatsapp-Konten mit den Servern des Dienstes ab.

Am Ende erhielten sie so rund 3,5 Milliarden bei Whatsapp registrierte Telefonnummern – gut die Hälfte davon samt Bild und etwa ein Drittel samt persönlichem Infotext. Anhand einer Stichprobe von einer halben Million der Konten fanden die For­sche­r:in­nen heraus, dass etwa zwei Drittel der Profilfotos ein menschliches Gesicht zeigen. Ihre Ergebnisse stellen sie im Februar auf einer Fachkonferenz in Kalifornien vor.

wochentaz

Dieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Was bringt’s?

Wenn Kriminelle Zugriff auf solche Daten erhalten, könnten diese „für Spam-Kampagnen, Phishing-Angriffe oder Robocalls missbraucht werden, was ernsthafte Risiken für die Privatsphäre und Sicherheit mit sich bringt“, schreiben die Forscher:innen. Persönliche Angaben wie der Arbeitsplatz oder die sexuelle Orientierung können, je nach politischer Situation, auch Menschen in Gefahr bringen.

Die For­sche­r:in­nen haben vor der Veröffentlichung mehrfach den Whatsapp-Mutterkonzern Meta kontaktiert und auf die Gefahr hingewiesen, schließlich sogar ihre Veröffentlichung verschoben, um Meta mehr Zeit für die Umsetzung der technischen Gegenmaßnahmen zu geben. Doch mal ein paar Telefonnummern durchprobieren, das bleibt möglich.

Solange also nicht gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Plattformen wie Whatsapp sämtliche Standardeinstellungen auf möglichst privat zu setzen haben, müssen sich die Nut­ze­r:in­nen selbst darum kümmern – und um Datenminimierung. Denn Meta kann die persönlichen Informationen natürlich trotzdem auswerten.

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17 Kommentare

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  • Selber schuld, wer überhaupt Social-Media nutzt.

  • Schon möglich das dem einzelnen Nutzer es egal ist diese Dienste zu nutzen, nur es stellt sich auch die Frage warum ist das so .



    Nach jetzt dreißig Jahren Handy sind wir abhängig von dieser Technik. Andere, darunter überwiegend Ältere "verweigern " sie.



    Aber der Alltag ist ohne Internet kaum zu bewältigen, das geht über ständige Erreichbarkeit über Buchungen bis zu Behördenkontakt.



    Für viele "Verweigerer " ist das ein Problem.



    Was hat das jetzt mit WhatsApp zutun?



    Vielen ist es bewusst das ihre Daten abgefischt und missbraucht werden, nur in diesen 30 Jahren des langsamen Heranführen ,der Kondition und dadurch das Verhalten zu optimieren ist es mittlerweile ein leichtes für Unternehmen wie Facebook. Jetzt ist Erntezeit, die Saat ist sehr gut aufgegangen.



    Und jeder von uns weiß oder sollte es wissen was passiert wenn ich online gehe!



    Aber das Gefühl des Misstrauen sitzt gefesselt in einer dunkelen Kammer, aber nicht so ganz . Von jemandem Fremdes ,im Café z.B.



    Geben Sie mir ,wo ich schon mal hier bin, all Ihre Daten. Wohl kaum!



    Letztendlich sind es menschliche Schwächen, Psychologie die Anwendung findet und eine Entwicklung. Deshalb funktioniert WhatsApp?! Alles Banane

  • Die EU und auch Deutschland werden diesen Datendiebstahl schon daher nicht regulieren (geschweige denn verschobene Gewinne besteuern!) da sonst Herr Trump uns die Server abschaltet. Aufmerksame Beobachterinnen erinnern sich, dass merz während des Beginns der trumpschen Strafzollwelle einmal (!) damit gedroht hatte, die EU könnte ja auch mal anfangen big tech zu besteuern. Immerhin hat er damit zugegeben, dass diese Ungerechtigkeit offen bekannt ist.



    Ich habe allerdings null Hoffnung, dass die EU unter dem gegenwärtigen Lobbydruck den Datenmissbrauch der big tech Firmen in irgendeiner Weise einschränken wird.



    Marktwirtschaft, Bürgerrechte und Demokratie existieren nur in Sonntagsreden.



    taxjustice.net

  • Dann wissen Kriminelle ja jetzt Bescheid. Ich frag mich trotzdem was Sie damit anfangen wollen. Wenn es spannend wäre, hätten Sie es vermutlich längst getan. Auch frage Ich mich wer in einem What's App Profilspruch eigene sensible Daten versteckt. Ich denke die allerwenigsten. Scheinproblem?

  • WhatsApp war irgendwie zur rechten Zeit am rechten Ort. Als der Boom von Smartphone und Internet für jeden los ging, war eine Zeit lang "Facebookzwang", weil das als online Messenger genutzt wurde und dann holten sich alle WhatsApp. Dass es andere kostenlose Apps mit besserer Datensicherheit gab, interessierte keinen. Dann wurde die App vom "Datenkraken" gekauft, es gab eine Zeit lang Geraune und jetzt geht es weiter wie bisher.

  • Teilen kann ich diesen Artikel aber am einfachsten über Whatsapp oder Facebook. Möchte ich das über Threema oder Signal tun, finde ich hier keinen Button und muss den Link kopieren.

  • So what?

    • @Richie:

      Richtig! That's the spirit! Billionäre bereichern sich mit gestohlenen Daten immer weiter, die Nutzer(daten) werden als Ware betrachtet. Wehren können sie sich kaum oder gar nicht. Zwar kann jede/r selbst bestimmen ob sie/er diesen Betrug mitmacht, doch das gesellscahftliche Umfeld lässt meist keine andere Wahl, will man nicht ausgeschlossen und als Dorftrottel betrachtet werden. Es ist eine geschickt aufgebaute Falle, eine Zwickmühle. Und daher nicht "so what?" sondern Druck von den Institutionen, die den Druck erzeugen könn(t)en.

      • @Perkele:

        Das hier ist meine einzige kommunikative Tätigkeit im Netz, eine Ablenkung in der Kaffeepause.



        Ich habe alle Kontakte, die ich will und brauche, und wir betrachten uns gegenseitig nicht als Dorftrottel.



        Der Wert der Zeit, die ich NICHT im Netz verplempere, lässt sich kaum beziffern.



        Lesetipp: Jaron Lanier "10 Gründe, aus denen du deine Social Media Accounts sofort löschen musst!"



        Bei mir hat er offene Türen eingerannt, denn ich hatte noch nie eins.

      • @Perkele:

        Dafür geben die Billionäre aber in diesem Fall eine werbefreie und kostenlose Kommunikationsmöglichkeit.

      • @Perkele:

        Sie haben mein "So what"



        fehlgedeutet.

  • Wen das wirklich wundert, hat sich bisher alles diesbezüglich bisher schön geredet. Menschen die Meta vertrauen, wollen betrogen werden. So einfach ist das.

  • Das sind dann bestimmt zu 90% die Leute die sich aus Datenschutzgründen nicht ins Telefonbuch eintragen lassen.



    Wer sich jetzt nicht von dem Quatsch trennt soll bitte auch weiter kein Wort über Datenschutz verlieren und sich in irgendeiner Form beschweren.



    "... am Ende entscheiden sich viele für den Platzhirsch und laden Whatsapp herunter. Dazu trägt der Netzwerkeffekt bei: Alle gehen dahin, wo alle sind. ..." Genau, Scheisse muss schmecken, Milliarden Fliegen können nicht irren und AgD kann man ja wählen weil die nicht verboten sind und ein T-Shirt ist ein Norwegerpullover.

    • @Axel Schäfer:

      Wer dort Name und Bild veröffentlicht kann sich kaum damit herausreden nicht gewusst zu haben, dass das sichtbar ist. Das sieht er ja anhand seiner gespeicherten Nummern deutlich, was alles bei WhatsApp angezeigt wird. Seine Datenschutzeinstellungen sollte man bedienen können oder auf Messenger verzichten. Wer ein Auto kauft erwartet schließlich auch nicht, dass es von alleine bremst. Obwohl, der Weg zur vollkommenen praktischen Verblödung ist nicht mehr weit. Außerdem, wie heißt es so schön? Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Erstaunlich, dass gerade im IT Bereich Vollkasko plus Nanny erwartet wird.

    • @Axel Schäfer:

      Ich erkläre gerne,warum das klassische Telefonbuch sehr viel gefährlicher ist:

      Ein böser Mensch in einer Kleinstadt ist mega sauer auf die Bedienung im Restaurant. Er guckt auf die Rechnung und da steht, ,"Es bediente Sie Herr Axel Schäfer." Böser Mensch guckt ins Telefonbuch und weiß jetzt, wo Herr Schäfer wohnt und kennt den ggf. den Namen der Ehefrau von Herrn Schäfer, und er kennt deren Telefonnummer. Der Bedrohung ist jetzt Tür und Tor geöffnet. Zum kompletten Datensatz fehlt nur noch das Geburtsdatum, aber auch ohne reicht's für Werbeterror aus.

      Und jetzt andersrum: Böser Mensch kennt diese Telefonnummer der Bedienung. Er guckt in WhatsApp nach und findet vielleicht eine Foto der Person, was aber uninteressant ist, denn er weiß ja eh schon wie die Person aussieht. Er kennt aber nicht den Namen und nicht die Adresse! Die Telefonnummer (+ Aussehen in der Erinnerung) allein ist nahezu wertlos.

      Gern geschehen.

    • @Axel Schäfer:

      Im Gegensatz zum Telefonbuch kann ich bei WhatsApp aber selbst festlegen, ob ich mein Namen dort vollständig veröffentliche oder nicht.

  • So besorgniserregend war es wahrscheinlich auch wiederum nicht.



    Bei chip.de am 1.12.25



    "...sonst hätte sie es auch nicht auf 3,5 Milliarden Nutzer weltweit gebracht. Doch es gibt ein Problem: Hinter WhatsApp steht Facebook bzw. Meta und das ist eine der größten Datenkraken der Welt.



    Kritik daran, dass über WhatsApp jede Menge Daten abfließen, kommt immer mal wieder auf, ebbt dann aber ebenso schnell wieder ab und zumindest merkt man nicht, dass der Messenger in großem Stil Nutzer verlieren würde, im Gegenteil."



    Weiter dort zum Vorgehen:



    "Unser wichtigster Tipp bleibt deshalb: Nutzen Sie WhatsApp-Alternativen wie Signal oder Threema so oft es geht, weil diese Messenger viel datensparsamer sind."



    Vielen ist das Ganze aber wohl auch "schlicht egal".



    Bei uns kursiert der spaßhaft gemeinte Hinweis, im Falle von Datenverlust doch die NSA anzufragen, die haben den Ruf des echten großen Bruders.



    "Snowden: „EU-Freunde: Was ist passiert?“



    Und was ist mit der EU? Es fühle sich an, als hätten sich die EU-Gremien in nur zehn Jahren von „unserer größten Hoffnung auf einen aufrichtigen Garanten der globalen Menschenrechte“ in eine „autoritäre Kabale verwandelt, die sich..."



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