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Prospekte von Aldi, Lidl, Rewe und Co.Vegan reden, Fleisch bewerben

Foodwatch wirft Supermärkten vor, vor allem für Fleisch zu werben. Bekenntnisse der Konzerne zu einer pflanzenbetonten Ernährung seien irreführend.

Fleisch wird massiv beworben. Es gibt bei großen Supermärkten eine Diskrepanz zwischen Wort und Tat Foto: Martin Wagner/imago

Supermarktketten wie Aldi Nord, Lidl und Rewe bekennen sich zwar öffentlich zu einer fleischarmen Ernährung, bewerben aber vor allem Fleisch. „Eine Auswertung von Werbeprospekten im Januar – in der Branche auch als ‚Veganuary‘ bekannt – zeigt: Sonderangebote und Rabattaktionen gelten mehrheitlich für Fleisch und Milchprodukte“, berichtete die Verbraucherorganisation Foodwatch am Mittwoch. Dabei unterstützten die Unternehmen offiziell eine gesündere und umweltschonendere Ernährung nach der „Planetary Health Diet“.

Für tierische Lebensmittel wird pro Kilogramm mehr Treibhausgas ausgestoßen als für die Produktion pflanzlicher Lebensmittel. Die Haltung von Tieren in der Landwirtschaft ist auch aus ethischen Gründen umstritten. Zudem essen die Menschen in Deutschland mehr Fleisch, als Experten aus gesundheitlicher Sicht für vertretbar halten.

Deshalb kommt es in weiten Teilen der Öffentlichkeit gut an, dass zum Beispiel Lidl angibt, das Unternehmen orientiere sich in der Gestaltung seines Sortiments „am Ernährungsleitbild der Planetary Health Diet“. Dieser Speiseplan der wissenschaftlichen EAT-Lancet-Kommission besteht zu etwa 80 Prozent aus pflanzlichen Lebensmitteln. Auch Aldi Nord, Rewe und Edeka äußern sich positiv über sie.

Doch in der Prospektwerbung von Lidl machen pflanzenbasierte Lebensmittel in den ersten zwei Wochen des Januars Foodwatch zufolge lediglich 21 Prozent aus. Bei Aldi Nord seien es nur 28 Prozent gewesen. Rewe kam demnach immerhin auf 44, Edeka auf 38 Prozent – wohl wegen des „Veganuary“. Denn im Dezember hatten auch diese beiden Ketten nur einen Anteil von 24 beziehungsweise 19 Prozent.

Mehr Werbung für pflanzliche Lebensmittel gefordert

Foodwatch kritisierte, dass die Supermarktketten Ver­brau­che­r:in­nen „mit ihren Nachhaltigkeitsversprechen in die Irre führen“ und forderte die Unternehmen auf, mehr Sonderangebote und Prospektwerbung für pflanzliche Produkte zu machen.

Rewe schrieb der taz dazu: „Wir bauen unser Angebot an pflanzlichen Produkten kontinuierlich aus und fördern deren Sichtbarkeit“. Die anderen Unternehmen ließen eine Bitte der taz um Stellungnahme bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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