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Klimabilanz von RegierungsflügenMerz sollte Linie fliegen

Kommentar von

Jost Maurin

Wenn die Bundeswehr Regierungsmitglieder durch die Gegend fliegt, leiden Klima und Haushalt. Besonders schädlich: die hohe Zahl dann nötiger Leerflüge.

Winke, winke: Friedrich Merz vor dem Abflug Foto: Kay Nietfeld/dpa

D iese Zahlen verdeutlichen besonders eindrücklich, wie ineffizient Reisen von Regierungsmitgliedern und des Bundespräsidenten mit der Flugbereitschaft der Bundeswehr sind: Seit Amtsantritt des Kabinetts von Friedrich Merz im Mai 2025 bis Ende Dezember flog das Militär laut Verteidigungsministerium 488 Mal mit Politikern durch die Weltgeschichte. Dafür waren 700 Leerflüge nötig, zum Beispiel damit die Jets von ihrem Stützpunkt in Köln zu dem Ort gelangen, wo sie Merz & Co. abholen.

Die Regierungsfliegerei ist also nicht nur sehr klimaschädlich, weil die Treibhausgasemissionen solcher Privatflüge oft höher sind als von Linienflügen: Der Kanzlerjet fliegt halt auch, wenn nur wenige Plätze belegt sind, was die Pro-Kopf-Emissionen steigert.

Zudem kostet diese Exklusivität die Steuerzahler viel Geld. Man will gar nicht wissen, wie katastrophal die Bilanz des Kabinettsausflugs nach Rom Ende Januar war: Zum nur wenige Stunden dauernden Treffen mit der italienischen Regierung reisten Merz und seine Minister mit sage und schreibe sechs Jets an.

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Leerflüge können die Kosten für Klima und Bundeshaushalt locker verdoppeln. Kritik an diesen „Bereitstellungsflügen“ konterte das Verteidigungsministerium in der Vergangenheit damit, dass es sie für Aus- und Weiterbildung nutze. Aber dafür sind wohl kaum 700 Leerflüge in acht Monaten nötig.

Aus diesen Gründen sollte die Regierung weit weniger mit Privatjets etwa der Bundeswehr unterwegs sein. Es ist auch einem Herrn Merz zuzumuten, mit einem Linienflug zu einem Gipfeltreffen anzureisen – wenn es unbedingt sein muss, in der First Class.

Dann reduzieren sich Emissionen und Kosten schon deshalb, weil in der Regel keine Leerflüge anfallen: Wenn Merz mit der Lufthansa nach Washington, D.C. jettet, kommt der Airbus mit anderen Passagieren zurück. Ja, manche Regierungstermine sind so schlecht planbar, dass Kabinettsmitglieder um die Bundeswehrflugzeuge nicht herumkommen. Aber wenn die Politiker in allen anderen Fällen Linie fliegen würden, wäre schon viel gewonnen.

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Redakteur für Wirtschaft und Umwelt
Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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