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Die Dronning-Louises-Brücke liegt auf Robert Habecks Weg ins Büro Foto: Mathias Eis

Demokratie in DänemarkZum Glück geht’s nach Norden

Die Zufriedenheit mit der Demokratie in Dänemark ist hoch. Das erlebt auch Robert Habeck, der in Kopenhagen wohnt. Was kann Deutschland sich abgucken?

Antje Lang-Lendorff

Aus Kopenhagen

Antje Lang-Lendorff

E s wirkt wie eine lang eingeübte Performance. Die Rad­fah­re­r*in­nen rollen über die historische Dronning Louises Bro, eine Brücke, die ins Kopenhagener Zentrum führt, und sammeln sich an der Kreuzung vor der roten Ampel. Erst 10, dann 20, 50, 80. Immer mehr kommen dazu, auf der Radspur staut es sich zurück bis auf die steinerne Brücke. Viele tragen wollene Mäntel und dicke Jacken. Die Sonne glitzert an diesem Morgen Mitte März auf dem Wasser des Sees, doch noch ist es kalt. Die Menschen warten ruhig. Kaum jemand redet, viele haben Kopfhörer auf.

Als die Ampel auf Grün springt, setzt sich der Pulk in Bewegung. Auch das erstaunlich leise, man hört nur das Sirren der Räder, mal quietscht etwas, mal rumpelt ein holzverkleidetes Lastenrad. Die Reihen lichten sich. Keine Minute später schaltet die Ampel wieder auf Rot. Das Schauspiel beginnt von vorne.

Auch Robert Habeck kommt über die Brücke gefahren, auf einem dunkelgrauen Rennrad mit Helm. Die Kreuzung liegt auf dem Weg zu seinem Büro. Der ehemalige Grünen-Chef und Wirtschaftsminister lebt gerade in Kopenhagen, wobei ihm das Wort „gerade“ wichtig ist. Aber dazu später mehr.

Habeck kennt das Land sehr gut und spricht auch Dänisch. Er hat schon als Student in Kopenhagen gewohnt, mit der Familie dann eine Weile in Svendborg in dem Haus, in das Bertolt Brecht vor den Nazis geflohen ist. Zurzeit arbeitet er am Dänischen Institut für Internationale Studien. Er beschäftigt sich mit Sicherheits- und Verteidigungspolitik und Klimawandel, hält Vorträge, nimmt an Diskussionsrunden teil. Im Januar war er Gastprofessor in Jerusalem, er unterrichtet auch an der Universität Berkeley in Kalifornien. Aber in Kopenhagen haben er und seine Frau, die Schriftstellerin Andrea Paluch, ihren Lebensmittelpunkt. Jedenfalls gerade.

Habeck, in dunkler Jacke und Turnschuhen, hat sein Rad angeschlossen und steht auf dem Bürgersteig. Er deutet auf die Karawane, die auf der Straße vorbeigleitet. „Keiner drängelt oder wird aggressiv. Wer abbiegen will, macht ein Handzeichen. Alle sind rücksichtsvoll und entspannt.“ Für ihn ist das, was hier morgens an der Kreuzung abläuft, eine „Metapher für das Zusammenleben in Dänemark“.

Am Dienstag wählen die Menschen im kleinen Nachbarland im Norden ein neues Parlament, das Folketing. Eigentlich wäre dafür noch bis zum Herbst Zeit gewesen. Wahlen müssen in Dänemark mindestens alle vier Jahre stattfinden, aber die Ministerpräsidentin kann jederzeit Neuwahlen ausrufen. Und weil die Sozialdemokraten von Regierungschefin Mette Frederiksen seit der Grönlandkrise in den Umfragen ganz gut dastehen, lässt sie schon jetzt abstimmen. Überall in Kopenhagen hängen an Strommasten oder Geländern Plakate der Kandidat*innen, auch auf der Dronning Louises Bro. Von den Laternen sieht man teils nur die Spitze, so viele Gesichter sind den Mast hinauf aufgereiht.

Das Gesetz von Jante stellt eine Art Verhaltenskodex dar: Glaube nicht, dass du besser, klüger oder wertvoller bist als andere

In Deutschland hält sich das Interesse an den dänischen Wahlen in Grenzen. In den Umfragen sind die Sozialdemokraten stärkste Kraft, Mette Frederiksen kann vermutlich weiterregieren. Ansonsten ist die Gemengelage mit zwölf zur Wahl zugelassenen Parteien unübersichtlich. Und doch lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Nirgendwo sonst in der EU sind so viele Menschen zufrieden mit der Demokratie wie in Dänemark, 88 Prozent. In Deutschland sagen das nur 58 Prozent. Das Vertrauen der Dänen in die Institutionen ist groß – und das, obwohl das Land fast durchgängig Minderheitsregierungen hat. Was in Deutschland zunehmend zum Problem wird – das Misstrauen gegenüber dem Staat, die Entfremdung vom politischen System –, gibt es in Dänemark so nicht.

Und dann sind die Dänen auch noch ausgesprochen glücklich. Sie landen im World Happiness Report immer auf den ersten drei Plätzen, Deutschland steht aktuell auf Platz 17.

Kann sich Deutschland nicht ein bisschen was von Dänemark abgucken?

wochentaz

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Wollte man beschreiben, was das dänische Miteinander ausmacht, dann vielleicht am ehesten mit „Janteloven“, dem Gesetz von Jante. Es geht auf einen Roman aus den 1930er Jahren zurück und stellt in den skandinavischen Ländern eine Art Verhaltenskodex dar: Glaube nicht, dass du besser, klüger oder wertvoller bist als andere. Janteloven ist eine Aufforderung zu Bescheidenheit, zu Gleichheit, zu Konformität. „Man möchte nicht herausstechen. Das Gemeinsame wird als Weg zum Glück angesehen“, sagt eine Mitarbeiterin des Happiness Research Institute nahe des Kopenhagener Hafens. Sie heißt Catarina Lachmund, wie passend.

Den dänischen Gemeinsinn kann man im Kleinen im morgendlichen Radverkehr beobachten, aber auch im Großen. Etwa im starken dänischen Wohlfahrtsstaat, den schon Bernie Sanders im US-Wahlkampf 2016 zu seinem Vorbild erklärte. Dänemark zählt zu den Ländern mit den höchsten Steuern in Europa. Die Dänen stecken viel Geld in die Unterstützung von Familien, in frühkindliche Betreuung, in die gesundheitliche Versorgung, auch in Bildung. Die soziale Mobilität ist größer als in Deutschland. Man kann in Dänemark zwar leichter seinen Job verlieren, der Kündigungsschutz ist seit der Sozialstaatsreform in den 90ern und der Einführung des sogenannten Flexicurity-Modells aufgeweicht. Dafür sind die Ersatzleistungen sehr hoch, man bekommt Weiterbildungen finanziert und wird auf der Jobsuche unterstützt, sodass viele schnell einen neuen Arbeitsplatz finden.

Die soziale Absicherung fördere das Grundvertrauen, sagt Catarina Lachmund. „Die Menschen wissen: Wenn ich falle, werde ich aufgefangen, von Freunden, aber auch von der Gesellschaft.“ Sie sitzt auf einem Baumstumpf im Happiness-Museum, das von ihrem Institut bespielt wird, und erzählt vom Glück. Dass nicht nur man selbst, sondern alle, die man kennt und liebt, in der Not Hilfe bekämen, sei wichtiger als individueller Reichtum, sagt sie. So steht es auch an einer der Wände des Museums. Und weiter: „Vielleicht ist das der Grund, warum 88 Prozent der in Dänemark lebenden Menschen sagen, sie zahlten gerne ihre Steuern.“

Der Politologe Alexander Horn hat ein Buch verfasst, „Das politische System Dänemarks“. Er beschreibt den Effekt im Videogespräch so: „Wir sprechen von einem Feedbackloop. Der Wohlfahrtsstaat stützt und verstärkt sich selbst.“ In Dänemark gebe es eine breite Mittelschicht, die wisse, was sie bekomme für ihre Steuergelder. Das Modell werde nur von der libertären Partei Liberale Allianz infrage gestellt, sagt Horn. Die übrigen trügen den Wohlfahrtsstaat mit, selbst rechtspopulistische Parteien wie die Dänische Volkspartei oder die Dänemarkdemokraten.

Weil Mette Frederiksen es so will, wird am Dienstag gewählt Foto: Mathias Eis

Auch in der politischen Kultur macht sich der Gemeinsinn bemerkbar. Dänemark gilt als Konsensdemokratie. Das heißt, die Dinge werden stärker verhandelt, man sucht den Ausgleich mit verschiedenen Gruppen und Parteien. Das Wort Kompromiss hat in Dänemark, anders als in Deutschland, ein gutes Standing.

Insofern passt es, dass Robert Habeck sich in Dänemark wohlfühlt. Er hat als pragmatischer Grünen-Politiker und schließlich als Vizekanzler in der Ampel oft versucht, Kompromisse als wertvoll zu verteidigen. Der Weg von der Dronning Louises Bro zu Habecks Büro führt am Ufer entlang und durch ein Viertel mit hübschen Backsteinhäusern. Passanten erkennen Robert Habeck nicht. Falls doch, dann machen sie kein Aufheben darum. In Deutschland trage er draußen eine Cap, erzählt er. „Das wirkt wie eine Tarnkappe.“ Hier ist das nicht nötig.

Vor dem Gespräch will Habeck in der Küche des Instituts Kaffee holen. Die Maschine pustet Milchschaum in die Tasse, dann stoppt sie. „Pause“, steht auf dem Display. Habeck wird ungeduldig. Als Minister habe er immer drängeln müssen, dass alles schnell geht, sagt er. Das habe er noch nicht ganz wieder raus. Er lacht. Irgendwann läuft der Espresso in die Tasse.

Ich gehe komplett ins Offene und lasse die Leinen los

Robert Habeck

Das Institut ist kürzlich umgezogen. In Habecks Büro stehen zwei Schreibtische – demnächst kommt noch ein Kollege von der schwedischen Verteidigungsakademie – und leere Bücherregale vor einer kahlen weißen Wand. Personal beschäftigt er nicht. Die Kollegen hätten es sich schön gemacht mit Pflanzen, „typisch dänisch“. Er lässt den Raum lieber, wie er ist. „Ohne Ballast, frei.“

Im taz-Interview vom August hatte Habeck anlässlich seines Abschieds vom Bundestag gesagt, er wolle Abstand bekommen „zu dem engen Korsett des Berliner Politikbetriebs“, um „erst mal wieder zu empfangen und nicht gleich weiter zu senden wie die letzten Jahre“. Er wolle eine neue Geschichte. „Ich gehe jetzt komplett ins Offene und lasse die Leinen los.“ Wohin ihn dieser Weg führe, wisse er nicht.

Deswegen lebt er „gerade“ in Kopenhagen. Zu Themen jenseits der Bundespolitik, die ihn interessieren, äußert er sich weiterhin auch öffentlich. Beispielsweise zur politischen Kultur in Dänemark.

Die sei historisch gewachsen, sagt Habeck. 1864 verloren die Dänen gegen Preußen unter Bismarck, die Grenze wurde nach Norden verschoben. Mit den Provinzen Schleswig und Holstein fiel ein Drittel des dänischen Staatsgebiets an Preußen. „Für das kleine Land war das ein Trauma. Danach sagten sie: Jetzt setzen wir nicht mehr auf äußere, sondern auf innere Größe“, sagt Habeck. Die Dänen verabschiedeten sich von Expansionsbestrebungen und einem starken Militär. „Sie wollten einen guten Zusammenhalt haben und förderten Bildung und Kultur.“

Teile der Bildungsreformen aus dem 19. Jahrhundert gelten bis heute, etwa die Efterskole. Dänische Jugendliche verbringen dabei in der Regel ein Schuljahr im Internat, es gibt Themenschwerpunkte wie Sport, Musik oder Film. Vor allem aber geht es um die Gemeinschaft. „Du kommst als me, und du gehst als we“, sagt Habeck.

Mit den deutschen Gebieten verlor Dänemark 1864 auch den größten Teil seiner deutschsprachigen Minderheit, die Bevölkerung wurde homogener – was die Ausbildung der Konsensdemokratie und des Wohlfahrtsstaats begünstigte, wie Alexander Horn in seinem Buch schreibt. Arbeitsschutzgesetze und Sozialversicherungen wurden nach deutschem Vorbild eingeführt, da war das Land kaum industrialisiert. Eine erste demokratische Verfassung gab es 1849, seitdem ist Dänemark eine konstitutionelle Monarchie. Die demokratischen Spielregeln wurden mehrfach reformiert, 1915 führte Dänemark relativ früh das aktive Wahlrecht für Frauen ein.

Einschneidend für das politische System war die sogenannte Erdrutschwahl 1973. Bis dahin gab es vor allem vier große Parteien. Von links nach rechts: die Sozialdemokraten, die Sozialliberalen, die Liberalen und die Konservativen. Auch weil Sozialliberale und Sozialdemokraten nicht fähig schienen, der steigenden Steuerlast zu begegnen, verdoppelte sich die Zahl der Parteien im Folketing auf einen Schlag, schreibt Alexander Horn. In Dänemark gilt eine Zweiprozenthürde, kleine Parteien können relativ leicht ins Parlament einziehen.

Robert Habeck hat seinen Lebensmittelpunkt zurzeit in Kopenhagen Foto: Mathias Eis

Die Zersplitterung des Parteiensystems ist ein Grund, warum Minderheitsregierungen in Dänemark der Normalfall sind. Nur 2 von 23 Regierungen seit 1973 hatten eine eigene Mehrheit, dazu zählt auch die aktuelle von Mette Frederiksen. Nach der Wiederwahl 2022 gingen die Sozialdemokraten nicht nur mit den Moderaten zusammen, sondern auch mit der liberal-konservativen Venstre-Partei, die zum sogenannten blauen Block gehört, also zu den rechten Parteien.

Habeck erzählt, dass ihn damals ein dänischer Freund angerufen habe. „Er sagte: ‚Robert, du kannst dir nicht vorstellen, was bei uns los ist. Jetzt haben die eine Mehrheit. Jetzt können die machen, was sie wollen!‘ Ich meinte: ‚Das ist doch super. Ich habe die FDP an der Backe, ich hätte gerne eine stabile Mehrheit.‘ Aber der Freund war richtig empört. ‚Das ist gar nicht super. So läuft das bei uns nicht. Wo bleibt denn das Verhandeln, die Konsenskultur, der Ausgleich?‘ “

In Deutschland gelten Minderheitsregierungen als instabil, als Notlösung, wenn es gar nicht anders geht. In Dänemark ist das Verständnis ein völlig anderes. Man sieht dort, dass es durchaus funktionieren kann.

Eine Minderheitsregierung muss zwangsläufig mit der anderen Seite Kompromisse finden, um toleriert zu werden und den Haushalt durchzubringen. Der Einfluss der Opposition ist entsprechend groß. Je nach inhaltlicher Schnittmenge sucht die Regierung unterschiedliche Mehrheiten für ihre Gesetze. Das klingt für deutsche Ohren abenteuerlicher, als es ist. Flexible Mehrheiten „lassen sich als normale Variante demokratischen Regierens regelhaft und langfristig organisieren“, schreibt der Politikwissenschaftler Christian Stecker aus Darmstadt in seinem neuen Buch „Ohne Koalitionskorsett und Brandmauern“. Man muss Steckers Thesen zur Abschaffung der Brandmauer nicht teilen, um seinen Überlegungen zu Minderheitsregierungen etwas abgewinnen zu können. Als Beispiele, wo das gut funktioniert, führt Stecker Neuseeland an – und Skandinavien.

Im Jahr 2040 werden die Menschen in Dänemark erst mit 70 in Rente gehen

Zu wichtigen Themenfeldern wie zur Verteidigungspolitik oder zur Energiewende werden in Dänemark Vereinbarungen getroffen, sogenannte forligs. Die sind langfristig bindend. Ein Hin und Her wie in Deutschland, wo die Regierung Entscheidungen der Vorgänger gerne mal zurückdreht – wie beim Bürgergeld oder dem Heizungsgesetz –, wird vermieden.

Die Rente ist so ein Beispiel für einen breit getragenen Konsens. 2006 beschloss das dänische Parlament mit großer Mehrheit, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu knüpfen. Seitdem wurde es mehrfach erhöht, zuletzt im vergangenen Mai. Im Jahr 2040 werden die Menschen in Dänemark demnach erst mit 70 in Rente gehen. Gewerkschaften sehen das kritisch, das Rentenalter wurde auch zum Thema im Wahlkampf. Frederiksens Sozialdemokraten kündigten an, die Absprache zum steigenden Rentenalter neu verhandeln zu wollen. Aber bis heute fühlen sich alle Seiten daran gebunden.

Weil man aufeinander angewiesen ist, spricht man auch anders miteinander. Es könnte ja sein, dass man selbst nach der nächsten Wahl wieder auf der anderen Seite sitzt und auf Unterstützung angewiesen ist. Es gibt also durchaus Möglichkeiten für Minderheitsregierungen, eine Politik zu machen, die langfristig trägt. „Die Kultur von Minderheitsregierungen bedeutet nicht permanente Krise, sondern permanente Vermittlungsarbeit. Hier klappt’s“, sagt Habeck.

Wobei die Stabilität der Regierungen selbst in Dänemark tatsächlich geringer ist. Eine Legislaturperiode dauert bis zu vier Jahre. Im Schnitt wählen die Dänen aber etwa alle zweieinhalb Jahre neu, sagt Alexander Horn. Auch das gilt als normal.

Robert Habecks Freund hätte sich übrigens gar nicht so aufregen müssen. Weil einzelne Abgeordnete aus ihren Parteien austraten, verlor Mette Frederiksen die Mehrheit im Parlament wieder, ab März 2024 regierte sie erneut mit einer Minderheit.

Die Work-Life-Balance ist wichtig. Nach 17 Uhr arbeitet kaum jemand, viele Dänen treiben Sport Foto: Mathias Eis

Wer sich durch Kopenhagen treiben lässt, bekommt den Eindruck: Es geht den Dänen ganz gut mit ihrem Modell. Die Altstadt ist saniert, ehemalige industrielle Hafengegenden wurden zu Wohngebieten mit moderner Architektur direkt am Wasser. Überall gibt es Orte der Begegnung, Cafés, kleine Läden. Parks und Sitzbänke. Öffentliche Bibliotheken, in denen Eltern mit Kindern in Socken rumlaufen, als wären sie zu Hause. Vielerorts kann man mitten in der Stadt baden. Dänemark ist teuer. Für eine unspektakuläre Hauptspeise zahlt man im Restaurant schnell 200 Kronen, also 26 Euro. Die Metro ist vollautomatisiert, sie fährt ohne Fahrer und rund um die Uhr. Wer ganz vorne sitzt, sieht durch die Scheibe, wie der Zug durch den Tunnel rast. Das fühlt sich ein bisschen wie Science-Fiction an.

Was im Vergleich zu Deutschland auch auffällt: Man sieht im Zentrum Kopenhagens viele weiße, viele gut gekleidete Menschen auf den Straßen. Es gibt weniger Diversität. Auch das gehört zur Realität in Dänemark: Einwanderer, vor allem muslimische, sind nicht erwünscht.

Das hängt mit der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei zusammen. Sie galt nach ihrer Gründung zunächst als Paria unter den Parteien. 1999 rief der damalige sozialdemokratische Ministerpräsident Poul Nyrup Rasmussen ihren Vertretern im Parlament zu: „Egal, wie sehr ihr euch anstrengt, in meinen Augen werdet ihr niemals stubenrein sein!“ Doch schon ab 2001 war die Dänische Volkspartei eine wichtige Stütze der Minderheitsregierung des blauen Blocks und hatte danach großen Einfluss auf die Politik. Bei der Europawahl 2014 wurde sie mit knapp 27 Prozent stärkste Kraft.

Sowohl die rechten Parteien der Mitte als auch die Sozialdemokraten machten sich Forderungen der Rechtspopulisten zu eigen. Mette Frederiksen hat als Ziel „null Asylbewerber“ ausgegeben. Dänemark praktiziert heute eine harte Abschiebepraxis, schlechte Bedingungen sollen Geflüchtete abschrecken. Die Dänische Volkspartei lag 2022 nur noch bei knapp 3 Prozent. Doch es sitzen neue rechtspopulistische Parteien im Parlament. Zusammen kommen sie auf gut 14 Prozent.

Auch die sehr restriktive Migrationspolitik ist inzwischen Teil der dänischen Konsenskultur. Das Gesetz von Jante, andere so ernst zu nehmen wie sich selbst, gilt unter Einheimischen. Der Gemeinsinn kennt Grenzen.

Wenn du aus irgendwelchen Gründen nicht Teil der Konsenskultur bist, dann gehörst du nicht dazu

Robert Habeck

Und was kann und will man nun aus alledem für Deutschland ableiten?

Erst mal nicht so viel, würde man meinen, besonders angesichts der Migrationspolitik. Abgesehen davon lässt sich ein ausgeprägterer Gemeinsinn schlecht verordnen, höchstens langfristig fördern. Einen stärkeren Wohlfahrtsstaat könnte man wiederum nur mit linker Mehrheit durchsetzen, die ist derzeit nicht in Sicht. Und eine Konsenskultur, wie sie in Dänemark historisch verwurzelt ist, lässt sich auch nicht einfach auf Deutschland übertragen.

Er habe sein politisches Leben lang darüber nachgedacht, sagt Robert Habeck. „Aber mit dem derzeitigen Mindset funktioniert das dänische Modell in Deutschland nicht.“ Auch er würde seiner eigenen Partei immer raten, selbst in die Regierung zu gehen, statt eine andere zu tolerieren. Habeck war Teil der letzten bundesweiten Minderheitsregierung. Nach dem Ende der Ampel regierten SPD und Grüne von November 2024 bis zu den Neuwahlen im Februar 2025 ohne eigene Mehrheit. Viel ging da nicht.

Und doch kann der Blick nach Dänemark mittelfristig auch Hoffnung machen. In deutschen Parlamenten wird es angesichts von Volksparteien, die keine mehr sind, und einer starken AfD immer schwieriger, Mehrheiten zu bilden. Ein Teufelskreis: Je mehr Parteien sich in einer Koalition zusammenfinden, umso stärker müssen sie von eigenen inhaltlichen Positionen abweichen, umso verwaschener wird ihr Profil, umso mehr Streit gibt es innerhalb der Koalition, umso mehr Stimmen verlieren die Parteien an die AfD, umso mehr Parteien braucht es für eine Koalition.

Dänemark zeigt: Kommt es in Zukunft auch in Deutschland vermehrt zu Minderheitsregierungen, weil eine breitere Koalitionsbildung zu schwierig wäre, dann muss das nicht nur eine Bedrohung sein. Es kann auch Chancen bieten: für Vereinbarungen jenseits der eingeübten Rollenspiele von Koalition und Opposition; für Mehrheiten, die sich entlang inhaltlicher Schnittmengen bilden, sodass sich Parteien weniger verbiegen müssen; für eine politische Kultur, die den Konsens sucht.

Möglich wäre das. Christian Stecker hat in seinem Buch untersucht, inwiefern die institutionelle Ordnung in Deutschland – mit 83 Millionen Ein­woh­ne­r*in­nen deutlich größer als das 6-Millionen-Land Dänemark – Minderheitsregierungen zulässt. Weder die Regeln zur Kanzlerwahl noch die zum Misstrauensvotum stellen demnach eine echte Hürde dar. Schon eher der Bundesrat, also die Vertretung der Länder. Die gibt es in Dänemark so nicht.

Einige kleine Regeländerungen, etwa eine Abschwächung des Bundesratsvetos, könnten helfen, schreibt Stecker. Alles in allem kommt er aber zu dem Schluss: „Flexible Mehrheiten sind im bestehenden institutionellen Gefüge der Bundesrepublik möglich.“ Die deutschen Parteien hätten im gegebenen Verfassungsrahmen schon seit 1949 flexibler miteinander kooperieren können. Das war und ist nur nicht üblich und erlernt.

In Kopenhagen hängen an Geländern, Strommasten und Laternen die Plakate der Kan­di­da­t*in­nen Foto: Mathias Eis

Nun werden manche einwenden, das seien theoretische Überlegungen, die mit der deutschen Wirklichkeit nichts zu tun hätten.

Dann sollten sie nach Thüringen und Sachsen schauen, wo Minderheitsregierungen relativ geräuschlos zugange sind. In Sachsen kooperiert die schwarz-rote Minderheitsregierung mit der Linkspartei, den Grünen oder dem BSW. Dort wurde ein Konsultationsmechanismus entwickelt, der regelt, wie Gesetze in Zusammenarbeit mit der Opposition entstehen. Das sei mühsam und brauche viel Geduld von allen Beteiligten, heißt es. Aber bislang funktioniert es. Es wurden auch bereits Initiativen von Linken und Grünen beschlossen, was vorher undenkbar schien.

Eine Sache will Habeck am Ende des Gesprächs in seinem Büro noch loswerden, ohne die das Bild der dänischen Gesellschaft nicht vollständig wäre. „Wenn du aus irgendwelchen Gründen nicht Teil der Konsenskultur bist, dann gehörst du nicht dazu“, sagt er. Dänemark habe ein höheres Wohlstandsniveau als Deutschland. Die Menschen achteten sehr auf ihre Work-Life-Balance, nach 17 Uhr arbeite keiner mehr. Sie seien liberal und zufrieden. Im Sommer machten alle Sport, in den neuesten Klamotten.

Wenn man zu den wenigen gehöre, die nicht erfolgreich und zufrieden sind, wenn man vielleicht den Job verloren habe und keinen neuen finde, dann sei es schwer.

Das geballte Glück, es kann auch nerven.

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23 Kommentare

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  • Dänemark hat den Krieg von 1864 nicht gegen Preußen verloren („Bismarck“), wie im Artikel behauptet wird. Auch Österreich war an den Kämpfen maßgeblich beteiligt.

  • Für mich fehlen in diesen ansonsten anschaulichen Artikel die Informationen zu denen, die es nicht in die Mittelschicht geschafft haben: Wieviele Menschen leben an / unter der Armutsgrenze in Dänemark? Wie geht es denen?`Können die auch am kulturellen / sportlichen / sozialen Leben teilhaben, und wie tun sie das? Und: wie funktionieren der Care- und der Niedriglohn-Sektor in Dänemark? Beides sind Sektoren, die in D nicht ohne Migranten funktionieren würden. Was mensch in Ostdeutschland völlig aus dem Blick zu verlieren scheint.

  • Zustimmung zu Sozialstaat und gesellschaftliche Solidarität sind in einer diversen Gesellschaft eben nicht zu haben. Die USA hätten ohne die Afroamerikaner sicher auch einen Sozialstaat mit Krankenversicherung entwickelt, aber die Weißen waren eben nie bereit zur Solidarität. Deshalb gibt es in diversen Gesellschaften auch keine Gewerkschaften usw. Ein Traum für die Wirtschaft die das genau deshalb auch so forciert. Die ostdeutsche Helotenklasse wurde dann in den letzten Jahren durch eine neue migrantische Unterschicht erweitert, die sich nie organiseren wird. Der Traum für jeden Kapitalisten mit dankbarer Hintergrundmusik der Linken angenehm begleitet. Werde nie verstehen warum wir das mit uns haben machen lassen. So wird es in den nächsten 50 Jahren völlig unmöglich sein jemals wieder eine kritische Masse auf die Straße zu bringen wie 89, aber genau das war ja vermutlich auch das erklärte Ziel.

  • Die Dänen bekommen viel für ihr Geld aber was definitiv nicht gefördert wird, ist Langzeitarbeitslosigkeit.

    Es gibt grundsätzlich nur zwei Jahre "Dagpenge" von der A-Kasse. Die Versicherung dort ist auch freiwillig. Danach gibt es nur noch Kontanthjælp, und auch die nur, solange und soweit man kein Vermögen hat und aktiv nach Arbeit sucht.

    Langzeitarbeitslose (in Dänemark werden hierzu alle Arbeitssuchenden gezählt, die seit 12 Monaten oder länger arbeitssuchend gemeldet sind) lagen aktuell (Q4 2025) bei 1.00% der insgesamt Berufstätigen oder Arbeit suchenden Personen.

    Das heißt 99% der arbeitenden oder arbeitssuchenden Bevölkerung in Dänemark findet binnen 12 Monaten einen neuen Job.

  • Man stelle sich folgendes in Deutschland vor: die Deutsche Bank entwickelt eine Bezahl-App namens "Mobile Pay". Voraussetzung zur Nutzung: Nutzer benötigen ein deutsches Bankkonto, eine deutsche Mobilfunknummer sowie eine deutsche Steuernummer, um mitzuspielen. Alle anderen werden ausgeschlossen: sie können nicht einmal am Verkaufsstand des Bauern Feldfrüchte kaufen, wenn sie das System nicht nutzen (können).

    Das gäbe in Deutschland sicher ein grosses lautes Bohei. Den Dänen lässt man das in der EU durchgehen, weil dort ja immer alles so schön hyggelig ist. Dabei erkenne ich wenig Unterschied zum 'Cherrypicking' der Briten, als sie noch in der EU waren.

    Andererseits hat Habeck Recht wenn er sagt, dass das derzeitige Mindset in Deutschland das dänische System bei uns verhindert. Die Parteien sagen zwar immer "erst das Land, dann die Partei", handeln aber nicht so - heute leider nur noch zu einer Phrase verkommene schöne Worte in der deutschen Politik.

    • @Grenzgänger:

      @Grenzgänger



      " Erst das Land, dann die Partei " wird doch nur von Polikern genutzt um, vor den entsetzten Wählern, ein völliges abweichendes politischen Verhalten / Entscheiden, gegen die sonst gültigen Parteien Doktrin, zu entschuldigen / zu rechtfertigen. Z. B. Wenn angebliche Demokraten mit den Rechtsextremisten zusammenarbeiten 🤑

  • Wir sollten die 5%-Hürde auch auf 2% absenken. Die 5% sind wie eine krankmachende Droge. Man denkt, das schützt vor Radikalen, aber unsere Landtage und der Bundestag zeigen, dass das gar nicht stimmt. Vielmehr zementiert sie die Macht der etablierten Parteien, die sich -einschließlich AfD - den Staat über Fördergelder, Stiftungen, jahrzehntealte Pfründe und Vetternwirtschaft mit gezielter Karriereförderung immer mehr zur Beute machen. Das wäre bei vielen kleinen Parteien so nicht möglich, weil das hochkomplexe Kompromisssystem auf Dauer nur mit Transparenz und klaren Regeln funktioniert.

    • @hedele:

      Es ist ein bisschen naiv, zu denken, dass man mit einer kleinen Regeländerung eine ganze politische Kultur verschieben kann. Regeln wirken unterschiedlich, je nach der politischen Kultur, in die sie eingebettet sind.

      Die Dänen haben da Jahrzehnte Erfahrung und in einer Konsenskultur funktioniert die Aushandlung mit vielen Kleinen.

      Wir haben aber bei uns keine Konsenskultur mehr. Und dann kann so eine Regeländerung ziemlich in die Hose gehen in ihren tatsächlichen Auswirkungen, nämlich zur Dauerblockade und Unregierbarkeit führen.

      Das muss man jedenfalls zu Ende denken...

    • @hedele:

      sehe ich genauso

  • Dänemark gilt vielen als Sehnsuchtsort: Soziale Sicherheit, „Hygge“ und ein beneidenswerter gesellschaftlicher Zusammenhalt. Doch dieses Bild bekommt tiefe Risse, wenn man die dänische Flüchtlingspolitik betrachtet. Unter dem Deckmantel des Erhalts dieses Wohlstands wird eine Politik der Abschreckung betrieben, die mit europäischer Humanität bricht.



    ​Dahinter steckt ein fatales ökonomisches Kalkül, das wir auch aus der Finanzwelt kennen: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert. Dänemark pickt sich die Rosinen globaler Stabilität heraus, verweigert aber die Mitverantwortung für die menschlichen Folgen globaler Krisen. Während der eigene Wohlstand auf internationalem Handel fußt, schiebt man die humanitäre Last auf die europäischen Nachbarn ab. Ein Paradies, das seine Mauern auf Kosten der Menschlichkeit baut, verliert seine moralische Strahlkraft. Wahre Größe zeigt sich nicht in der Abschottung, sondern in der Kraft, Verantwortung für das große Ganze zu übernehmen.

  • Da sieht man mal wieder, was geschieht, wenn Politik und Verwaltungen im Sinne des Willens und der Wohlfahrt der eigenen Bürger handeln, und diese nicht, wie bei uns, als zu erziehende Subjekte behandelt.

  • "Dänemark praktiziert heute eine harte Abschiebepraxis, schlechte Bedingungen sollen Geflüchtete abschrecken."



    Wo und bei welcher Partei würden wir diesen Satz denn in Deutschland verorten wollen?



    Einseitiger Isolationismus in Fragen der Humanität und Solidarität ist nicht deutsche Staatsräson, um dieses schöne Wort aus der Unions-Sprache hier einmal einzufügen.



    Die Dänen haben auch eigene Methoden, lokal sich anbahnende lokale "Überfremdung" in Kommunen zu verhindern.



    Diese "Homogenisierung" und quasi gesetzlich geförderte bzw verordnete Harmonisierung ist ganz das Gegenteil unserer Wirklichkeit mit vergleichsweise sehr großzügig ausgelegten Möglichkeiten, auch für Asylsuchende und Geflüchtete, eben nicht nur aus der Ukraine.



    Eine neue Welle aus der Ukraine ist in naher Zukunft keinesfalls ausgeschlossen, aber die dänische Haltung steht bestimmt (schon wieder) fest.



    2022 bei t-online.de



    "Dänemarks Kehrtwende



    Christen sind willkommen – Muslime aber nicht"



    Interessant zur Situation der Betroffenen:



    www.tagesschau.de/...daenemark-100.html



    Titel:



    "Klarmachen: Du bist unerwünscht"

    • @Martin Rees:

      Himmel, muss man immer so in Extremen formulieren?

      Man kann auch einfach einmal festhalten: bei denen funktioniert etwas, und bei uns klappt es nicht.

      Die Linke kann nicht so krass gegen den Willen der Mehrheit einen Universalismus durchsetzen. Das heißt ja keineswegs, dass man gegen Migration im Allgemeinen ist, aber schon gegen bestimmte Formen, und für Grenzen der Aufnahmefähigkeit.

      Die Sozialdemokraten in Deutschland verstehen es einfach nicht: am Ende wird der Sozialstaat geopfert werden, weil man es dem ehemaligen Opelaner nicht erklären kann, wieso jemand, der nie in die Systeme eingezahlt hat, fast genauso viel bekommt wie er. Das Leistungsprinzip ist ur-sozialdemokratisch...

      Aber klar, wer Anarchist ist, findet das unbequem. Aber mit Anarchisten gibt es eben auch keinen Sozialstaat; Anarchisten sind im Letzten Libertäre.

      • @EH 553:

        Wir reden aneinander vorbei!



        "Weil deshalb viele der betroffenen Syrer nicht abgeschoben werden konnten, landeten sie in den sogenannten Rückführungszentren, die es in Dänemark für solche Fälle gibt und die mit schlechten Bedingungen zur Ausreise „motivieren“ sollen. Inspekteure des Europarats konstatierten beim Besuch des Zentrums Ellebæk, die Lebensbedingungen dort seien schlechter als in russischen Gefängnissen."



        taz.de/Asylpolitik...aenemark/!6122173/



        Das kann niemand wirklich gutheißen.



        Bericht taz 2025

  • Was im Artikel dann am Rande schon noch vorkommt, ist die Schattenseite des großen Konformismus und der (z.T. etwas arg falschen) Harmonie.



    Dazu zwei ältere Artikel:

    Vorreiter Skandinavien? - von Thomas Loer



    blog.freiheitstatt...iter-skandinavien/



    darin: "Das skandinavische System der Wohlfahrt, das auch hier immer wieder als Vorbild hochgehalten wird, ist also nicht etwa da, um den Bürgern ein würdevolles und freies Leben zu ermöglichen."

    Den demokratiske fascisme (leider jetzt hinter Bezahlschranke)



    jyllands-posten.dk...kratiske+fascisme/

  • Ein sehr wichtiger Punkt fehlt in diesem Beitrag. In Dänemark haben kommunale/regionale Körperschaften einen viel höheren Stellenwert, mehr Verantwortung, mehr Geld während in Deutschland die Kommunen ständig unterfinanziert sind. In Deutschland verfügt die Bundesregierung über den größten Teil der Steuereinnahmen, in Dänemark wird der weitaus größte Teil der Steuereinnahmen dezentral ausgegeben. Das ist für das demokratische Selbstverständnis entscheidend.

  • Ich lese und lese und denke bri der ganzen Lobhudelei : Kommt noch was zur Migrationspolitik? Schließlich kam noch was. Seit 2015 hat Dänemark eine der härtesten Migrationspolitiken Europas, mitgetragen von den Sozialdemokraten. 2015, als Angela Merkel sagte:Wir schaffen das, 2015, als das Nachbarland Schweden im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die größte Zahl von Flüchteten aufnahm, 2015 verschloss das reiche Dänemark seine Herzen und machte die Grenzen dicht. Der Gemeinsinn ist etwas begrenzt. Und Jantes Gesetz, das kommt ursprünglich als Ideologie aus dem Nachbarland, aus Schweden.

    • @Elke Weyel:

      Kann man das bitte auch auf der Linken einmal unpolemisch diskutieren?

      Vielleicht ist es ja richtig, dass man Flucht-Migration begrenzt, weil die Kapazitäten einfach begrenzt sind... nicht Arbeitsmigration.

      Eine Linke, die das nicht sachlich diskutieren kann, wird bald im Abgrund verschwinden.

    • @Elke Weyel:

      ...kurz mal eine andere Perspektive: Dänemark nimmt sie Energiewende sehr ernst und belegt im Ranking der Klimaneutralität gleich nochmal welchen Platz?

      Lebensgrundlagen südlichen Gefilden nicht zu zerstören ist vielleicht ein ehrlicherer und wesentlich effektiver Weg in der Migrationspolitik, als die dt. Industriepolitik oder dem mittlerweile standardisierten 'aus' vom 'aus'?

    • @Elke Weyel:

      Das janteloven entstammt der dänisch-norwegischen Kultur. Der Roman „En flyktning krysser sitt spor“ von Aksel Sandemose ist in der fiktiven dänischen Kleinstadt Jante angesiedelt und erschien 1933.

      Zugegeben, Dänemark betreibt ähnlich wie Norwegen eine harte Migrationspolitik, die besonders in Dänemark oftmals über das Ziel hinausschießt. Vom "Ghetto Gesetz" bis zu "Abschiebegefängnissen".

      Der Verweis auf 2015 greift aber nicht. Zum einen hat Dänemark hinsichtlich der Asylpolitik zahlreiche Ausnahmeregelungen mit der EU vereinbart und Solidarität hat gerade Frau Merkel in Bezug auf die EU Partner vermissen lassen die eine gemeinsame Grenze mit Deutschland haben, indem sie eigenmächtig und ohne Absprache die Grenzen geöffnet und die Migranten unkontrolliert in die Nachbarländer hat ziehen lassen.

      Das war ein Affront für die Dänen und nachdem sie erkannt haben das der Zustrom nicht abreist, wurden die Grenzen geschlossen, übrigens mit Zustimmung von Schweden. Ähnlich hat sich Norwegen verhalten. Das hat nichts mit Misanthropie sondern mit Realismus zu tun. Und wie sich heute an den Zuständen ablesen lässt, war die Entscheidung der Dänen und Norweger nicht grundverkehrt.

      • @Sam Spade:

        Man muss fairerweise aber sagen, dass Merkel die Grenze zu Österreich nur hätte verteidigen können, indem sie systematisch Menschen in größerer Zahl erschießt, so wie es die Türkei macht. Dann hätte dass kleine Österreich die verbliebenen Massen nach Ungarn abgeschoben, von dort wäre es per Refoulement bis zurück nach Syrien gegangen. Die Welt wäre heute eine komplett andere, und zwar nicht eine bessere, wie ich meine. Denn nach so einem Menschheitsverbrechen kehrt die alte Ordnung ja nicht wieder ohne Weiteres zurück, vielmehr schließen sich bleierne Jahre wie unter Adenauer an, die unser offenes Wettbewerbsverhältmis zur Welt erstickt hätten. Man kann es gerade an den USA sehen. Niemand will in so ein Land.

        • @hedele:

          >Die Welt wäre heute eine komplett andere, und zwar nicht eine bessere, wie ich meine.<

          Viel anders wäre die Welt wohl nicht. Der Kollaps in Syrien wäre vielleicht einige Monate früher eingetreten. Die Probleme hier wären geringfügig geringer.

          Die Auffassung, dass die Merkel-Caritas die Welt zum Positiven verändert hat, ist wohl eher abwegig.