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Rechtsextreme in Mecklenburg-VorpommernAfD-Mann verteilt rechtsextreme Comics an Schulen

In Mecklenburg-Vorpommern verschickt ein AfD-Abgeordneter Comics eines Verlags von Identitären an Grundschulen. Die Linke reagiert empört.

Bluttriefender Nationalismus: Ausschnitt aus rechtsextremen Comic „Grimbart“ Foto: Repro taz

Auf dem Deckblatt des Comics posiert ein Soldat mit Gewehr und Bajonett, im Hintergrund prangt ein stilisierter Stahlhelm, unten die Zeile „Eine Nation erwacht“. In dem Heft geht es um die Völkerschlacht von 1813 in Leipzig, zwischen Napoleons Armee und preußischen sowie verbündeten Truppen. Erzählt wird dies an der Geschichte eines Soldaten und dessen „Abwehrkampf gegen das fremde Joch“, wie es im Comic heißt.

Das Heft strotzt vor Nationalismus, es geht um „Ehre, Heldenmut, Kampf“. An einer Stelle heißt es: „Aufgeben ist Verrat an mir und dem Vaterland“, an anderer: „Der Mensch ist nicht gleich“. Gewidmet ist das Büchlein „den gefallenen Helden der Befreiungskriege“.

Und wenig überraschend wird der Comic von einer einschlägigen Medienagentur herausgegeben: Tannwald Media aus Leipzig, betrieben von einem früheren Aktivisten der rechtsextremen Identitären. Dort wird das Heft damit beworben, dass es hervorragend geeignet sei, „Lesern jeden Alters die deutsche Nationalromantik näherzubringen“. Entsprechend bedient sich der Titel „Eine Nation erwacht“ kaum verhohlen der verbotenen NS-Losung „Deutschland erwache“.

Für den AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Grimm aus Mecklenburg-Vorpommern war all dies kein Hinderungsgrund, den Comic an Grundschulen in seinem Landkreis Nordwestmecklenburg zu verteilen – im Gegenteil. Er könne sich „nur noch an den Kopf fassen“, welche Werte heute in Kinderbüchern transportiert würden, schreibt er auf seinem Social-Media-Kanal. Deshalb habe er Kinderbücher „mit richtigen und wichtigen Werten“ an Kindergärten und Grundschulen in seinem Wahlkreis verschenkt.

Hat offensichtlich ein Faible für nationalistische Lektüre: der AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Grimm Foto: Imago/dts Nachrichtenagentur

In die Kindergärten schickte Grimm nach eigenen Angaben auch Bücher des Verlags „klein und ehrlich“ – der ebenfalls von einer Frau aus dem Identitären-Umfeld betrieben wird und mit Titeln wie „Der kleine Fisch schwimmt gegen den Strom“ aufwartet. Bei der AfD stehen die Identitären eigentlich auf einer Unvereinbarkeitsliste. Zuerst hatte der NDR über den Fall berichtet.

„Kinder für rechtsextreme Propaganda vorbereiten“

Das Bildungsministerium Mecklenburg-Vorpommern und Stefan Kollasch, Leiter des Regionalzentrums für demokratische Kultur Westmecklenburg, bestätigten der taz, dass der Comic tatsächlich an Schulen verteilt wurde. In einem Begleitschreiben von Christoph Grimm, das der taz vorliegt, heißt es: Das Bücherpaket richte sich „an Kinder im Grundschulalter, etwa um das siebte Lebensjahr“. Die Bücher seien „altersgerecht“ und böten „spannende, humorvolle und zugleich anregende Inhalte“, so das Schreiben. „Gerade in der Grundschule entwickeln Kinder ihre eigene Beziehung zu Geschichte und Figuren.“ Der AfD-Politiker selbst ließ eine taz-Anfrage zu seiner Aktion unbeantwortet.

Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) kritisierte die Aktion scharf. „Es ist verwerflich, dass hier versucht wird, die Kleinsten mit kriegsverherrlichendem Material zu manipulieren“, sagt sie der taz. Ihr Ministerium verurteile die Verteilaktion des AfD-Abgeordneten. „Es ist besonders perfide, bereits die Kleinsten mit extremistischem Gedankengut beeinflussen und indoktrinieren zu wollen“, so Oldenburg. „Der Bundestagsabgeordnete verstößt damit fundamental gegen den demokratischen Auftrag von Schule, nach dem sich Schülerinnen und Schüler zu mündigen und handlungsfähigen Bürgern in der Demokratie entwickeln und zur eigenen Urteilsbildung befähigt werden sollen.“

Zudem entlarve die Aktion den vermeintlichen Einsatz der AfD um „politische Neutralität“ in Schulen, so die Ministerin. Vielmehr gehe es der Partei um „einen fundamentalen Angriff auf die Demokratiebildung und politische Bildung an Schulen und damit auf unsere Demokratie insgesamt“. Es habe sich erneut als notwendig und sinnvoll herausgestellt, den Demokratieauftrag von Schulen sowie die Grundprinzipien der politischen Bildung gemäß dem Beutelsbacher Konsens, insbesondere das Überwältigungsverbot, im neuen Schulgesetz zu verankern.

Auch Demokratieberater Kollasch übt deutliche Kritik. Mit dem Comic sollten „Kinder für Patriotismus und rechtsextreme Propaganda vorbereitet“ werden. In der Geschichte werde Gewalt verherrlicht und eine „codierte völkisch-revolutionäre Erzählung“ vermittelt. Wenn solch ein Comic von der AfD an Grundschulen verbreitet werde, treffe dies „besonders vulnerable Persönlichkeiten“, sagt Kollasch. Und: „Kinderbücher sollen zu Empathie, Fantasie und Perspektivenvielfalt anregen, aber das ist rechtsextreme Hasspropaganda in Comicoptik.“

Der mecklenburg-vorpommerische Linken-Politiker Michael Noetzel zeigt sich ebenso alarmiert. Die AfD versuche systematisch Engagement für Demokratie und Menschenrechte in Schulen zurückzudrängen, nehme Leh­re­r*in­nen ins Fadenkreuz, die angeblich gegen die politische Neutralität verstießen, sagt der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag der taz.

„Mit dieser Verteilaktion demaskiert sich die Partei jedoch selbst und verdeutlicht, was das eigentliche Ziel hinter diesen Einschüchterungskampagnen ist: Sie will Platz machen für ihre geschichtsrevisionistische und ultranationalistische Propaganda“, so Noetzel weiter. Zum Ziel der AfD, die Gesellschaft umzubauen, gehöre auch die Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen. „Dieser Comic ist wohl nur ein Vorgeschmack, was den Schulen blühen wird, wenn die AfD in Regierungsverantwortung kommen würde.“

AfD will Alleinregierung nach der Wahl

Auch Noetzels Fraktionskollege Daniel Trepsdorf, lange Zeit als Demokratieberater im Bundesland tätig, spricht von einer „ideologisch geprägten“ Darstellung im Comic, die an ein „nationalistisches Geschichtsbild“ anknüpfe. Dass dies gezielt Grundschulkinder anspreche, sei „besonders problematisch“ und mit demokratischen Bildungsprinzipien „schwer bis gar nicht vereinbar“, sagt der Linken-Politiker.

Die AfD liegt in Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September derzeit bei 37 Prozent – weit vor der SPD der Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD). Als Ziel gibt die Partei eine Alleinregierung nach der Wahl aus. Der Verfassungsschutz Mecklenburg-Vorpommern sieht die AfD als rechtsextremen Verdachtsfall.

Update: Der Text wurde um eine Stellungnahme von Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) ergänzt.

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15 Kommentare

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  • Einsammeln, wegschmeißen und den Kindern erklären warum.

  • Ich erwarte vom Bildungsministerium eine Unterlassungserklärung von ihm einzufordern.

    Das ist wirklich unter aller Kanone.

  • Was sagt unser Kulturstaatsminister Weimer (großes W, kleiner Eimer) eigentlich dazu? Oder ist rechtsextreme "Literatur" nicht so schlimm.

  • Vom Saulus zum Paulus. Oder besser: Vom Paulus zum Saulus.



    1980 trat er den Jusos und der SPD bei. 2013 trat er aus der SPD aus und wurde einer der Mitgründer der AfD.

  • So durchgeknallte Clowns wie Christoph Grimm werden, wie alle anderen Afdler, geduldet und geduldet und geduldet und obendrein noch bezahlt. Freunde aus dem Ausland fragen mich öfter, was mit den Deutschen los ist, haben die nichts aus ihrer dunklen Geschichte gelernt? Peinlich für mich denen die Story, den niemals gestellten Antrag zur Einschätzung dieser Partei dem Bundesverfassungsgericht vorzulegen, ständig zu erzählen.



    In Baden-Württemberg leben noch viele ehemalige Nazis, die damalige "Säuberung" im politischen und juristischen (Filbinger) hat die Normalbürger verschont. Die AfD hat dort großen Zulauf. Völlig irre.

  • Es ist wichtig & richtig wenn wenigstens die Linke Empörung zeigt, aber was ist denn mit unserem rechtstaatlichem Kanzler FriedrichMerz, hat Mr. BlackRocky auch schon Empörung geäußert & gezeigt ?

  • Was mir fehlt in dem Artikel ist eine Information darüber, wie die betroffenen Schulen und Kindergärten, das verantwortliche Schulamt und die zuständigen Behörden überhaupt damit umgehen.



    Wurden diese zu dem Sachverhalt um Stellungnahme gebeten?

  • Hat offensichtlich ein Faible für nationalistische Lektüre: der AfD-Bundestagsabgeordnete Christoph Grimm



    ----



    "Brüder hört die Signale!" fällt mir zum Artikel spontan ein!



    Btw. Wann traut sich BuTa, BuReg, usw. denn endlich mal, die Einschätzung dieser Partei dem BVerfG. vorzulegen!



    Es besteht mMn. die Gefahr, das sich die "Rechte Mitte" DENEN so weit annähert, das der Unterschied kaum noch feststellbar ist!



    Die Belege fürs o.a. sind so viele, das es müßig ist, die hier anzuführen!



    Mein Fazit: "Wehret den Anfängen!", auch wenn "die Anfänge" mMn, schon lange vorbei sind & wir es jetzt, nach zu langen Zögern, massiv schwerer haben! :-(

    • @Sikasuu:

      Wir werden bei den nächsten anstehenden Landtagswahlen sehen, dass diese Annäherung dann in einer Koalition csdU/Agd vollzogen wird. Die csdU hat schon die Begründung ausgedruckt in der Schublade liegen, etwa dass "man ja diese Wähler nicht den Rechten überlassen darf, dass man das Schlimmste verhindern wird und dass es ja schliesslich höchst demokratisch ist, Koalitionen einzugehen". Sobald Tag und Ort festliegen, kommt das Datum auf das Papier und das war's dann. Man hat auf diese Weise wieder ein Stück Macht erobert - bis die agD das Zepter ganz allein in die Hand nimmt. Dann hat außer denen keine andere politische Gruppierung mehr auch nur einen Zipfel von Macht. Ihr werdet sehen.

  • Ganz unabhängig davon, dass ich Pamphlet wie Aktion auch verabscheue, aber:



    "Entsprechend bedient sich der Titel „Eine Nation erwacht“ kaum verhohlen der verbotenen NS-Losung „Deutschland erwache“."



    -> ist irgendwie auch mit sehr viel Unbedingt-Wollen in ein Schablönchen gepresst, oder? Man muss nicht auf Biegen und Brechen Bezüge zu ganz ganz bösen Dingen herbeifabrizieren, wenn das faktisch vorhandene schon eklig genug ist.

    • @Kawabunga:

      Eine Nation erwacht, ist auf jeden Fall ein interpretationsfähiger Titel.



      Ich frag mich allerdings, ob die AfD dadurch behauptet, eine „woke“ Partei zu sein?

    • @Kawabunga:

      ... ist irgendwie auch mit sehr viel Unbedingt-Wollen in ein Schablönchen gepresst, oder? ...



      ----



      Das letzte politische BUCH eines "Politikers", das mWn. ohne die "Beschenkten" zu fragen, verschenkt wurde, war....... Na, errätst Du es?



      Wurde in der Nacht eines 8.Mai's dann schnell "verheizt", vergraben, je nach Einstellung des/der "Besitzer/s"! :-(



      Ps. "Einem geschenkten Gaul schaut man/Frau/kind nicht ins Maul!"



      Daran haben sich die "Trojaner" auch gehalten! Warum die dann bis HEUTE zum Sprichwort wurden, siehe "Weltgeschichte" Abt. Homer! :-(

    • @Kawabunga:

      Der Bezug ist so eindeutig, man muss sich schon anstrengen, um ihn nicht zu sehen.

  • Man darf gespannt sein, ob Herr Weimer und der Verfassungsschutz in diesem Fall mit ähnlicher Leidenschaft vorgehen, wie es bei linken Buchhandlungen der Fall war.

  • Generell hat Material von Parteien, Religionsgruppierungen, Unternehmen etc. nichts an Schulen und Kitas verloren.



    Das sollte man konsequent unterbinden.



    Man kann ja ggf im Unterricht Material von allen Parteien durchnehmen und analysieren, wenn das gerade auf dem Lehrplan steht. Mehr aber auch nicht.