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Proteste am Flughafen in MünchenEs ist eine Black Box

Kommentar von

Martin Sökefeld

Am Münchener Flughafen soll ein Terminal für Abschiebungen entstehen. Mittel für Deutschkurse und die Asylberatung werden hingegen gestrichen. Ein Armutszeugnis.

Byern plant für Abschiebungen ein eigenes Terminal zu eröffnen – dagegen regt sich Protest Foto: CinSoledad/imago

A uf die Idee muss man erst mal kommen: für Abschiebungen ein eigenes Terminal zu eröffnen. Genau das ist für den Flughafen München geplant. Über 45 Initiativen haben einen Appell gegen den Bau des Abschiebeterminals initiiert und rufen für heute Nachmittag zu einer Demonstration auf.

Das Terminal soll Ende 2027 fertiggestellt werden. Bis zu hundert Menschen könnte man pro Tag dort abschieben. Das wären bei voller Auslastung 36.500 Abschiebungen im Jahr. Zum Vergleich: 2025 wurden von deutschen Flughäfen insgesamt 22.787 Menschen abgeschoben. Da nicht zu erwarten ist, dass über die anderen Flughäfen dann weniger abgeschoben wird, werden voraussichtlich deutlich mehr Menschen Deutschland verlassen müssen.

Mittel für Deutschkurse und die Asylberatung streichen, aber massiv in Abschiebeinfrastruktur investieren, das ist die Politik dieser Regierung. Dafür wird munter daran gearbeitet, „abschiebbare“ Menschen zu produzieren. Das BAMF senkte zum Beispiel die Anerkennungsquote alleinstehender Männer aus Afghanistan von 95 Prozent im Januar 2024 auf 16 Prozent im Januar 2026. Hat sich die Menschenrechtslage in Afghanistan gebessert? Keineswegs. Aber die Bundesregierung paktiert mit dem Unrechtsregime der Taliban, um Abschiebungen zu ermöglichen. Ebenso hemmungslos werden Somalier, Jesiden und viele andere in extrem gefährliche Situationen abgeschoben. Es gibt nicht einmal einen bundesweiten Abschiebestopp für Iran.

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Ein eigenes Abschiebeterminal, damit wären Abschiebungen dem kritischen Blick der Öffentlichkeit vollends entzogen. Abschiebungen aus München sind ohnehin eine Black Box. Im Unterschied zu anderen Airports gibt es hier kein unabhängiges Abschiebemonitoring. Der Protest fordert vom Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft, in dem die Stadt München vertreten ist, den Plänen nicht zuzustimmen. Ob das Erfolg hat, ist sehr fraglich. Der nach der Kommunalwahl angezählte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) lehnt das Terminal nicht ab.

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5 Kommentare

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  • Abgesehen von dem sehr fragwürdigen und kritikwürigen Umgang mit Menschenrechten würde mich mal ganz nüchtern folgende Gegenüberstellung Interessieren, vielleicht kann man hier mal recherchieren:



    Was spart man durch das streichen der Mittel für Asylberatung und Deutschkurse und was kostet der Bau dieses Terminals plus die jährlich geschätzen Abschiebungen (inklusive Abschiebungen in anderen Teilen Deutschlands). Sollte hier nämlich herauskommen, dass die Abschiebungen wesentlich teurer sind, als die Unterstützung für die Migranten kosten würde, wäre das ein gutes Agument gegen Abschiebungen mit dem man glaube ich auch bei vielen Menschen ein Umdenken erreichen könnte.



    Die Menschenrechtssituation scheint viele leider nicht mehr zu interessieren, wenns aber um den Geldbeutel und Steuergelder geht ist die Aufregung schnell groß.

  • Deutschkurse und die Asylberatung brauche ich ja nur für Menschen mit Bleibeperspektive. Rückführungen und Abschiebungen stehen doch auf einem vollkommen anderen Blatt. Angesichts der Entwicklung in Syrien ist zu erwarten, dass die Abschiebungen auch ansteigen. Da diese Flüge nicht mit Geschäfts- und Urlaubsreisen vergleichbar sind, erscheint ein eigenes Terminal durchaus als sinnvoll.

  • Wir erleben derzeit einen erschreckenden moralischen Dammbruch. Getrieben von der hasserfüllten Rhetorik der AfD wird das Grundrecht auf Asyl zu einer bloßen Verhandlungsmasse herabgewürdigt. Wer Menschen in Not nur noch als „Belastung“ oder „Abschiebe-Objekte“ begreift, hat den moralischen Kompass unserer Verfassung verloren. Es ist die Rückkehr einer Kälte, die wir in Deutschland längst überwunden glaubten: Eine Politik, die das Schicksal des Einzelnen dem völkischen Ressentiment opfert.



    ​Ein humanes Asylrecht ist kein Gnadenakt, sondern das Fundament einer zivilisierten Gesellschaft. Wer Schutzsuchende pauschal kriminalisiert und Abschiebungen in Folterstaaten fordert, zerstört das ethische Rückgrat unserer Demokratie. Die AfD will uns einreden, dass Abschottung Sicherheit bringt – doch in Wahrheit sät sie nur Zwietracht und Unmenschlichkeit. Wir dürfen nicht zulassen, dass Angst und Hetze unser Handeln bestimmen. Menschenrechte sind universell und unteilbar. Wer sie für Geflüchtete infrage stellt, stellt sie letztlich für uns alle infrage. Wehren wir uns gegen die Normalisierung der Grausamkeit!

  • Ja, aber ... !!! Die christlichen Akteure in der Politik werden doch sicher für die Menschen beten, die sie in Elend, Folter oder noch Schlimmeres abschieben. Das ist doch was!

  • Das ist Beihilfe zum Völkermord. Ich hoffe, Deutschland wird zur Rechenschaft gezogen. Wer glaubt, Jesiden seien in ihren Heimatländern sicher, der irrt sich.