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Wegen Petition gegen Merz?Dobrindt stoppt Demokratieprojekt

Die Geschäftsführerin der Gruppe „Radikale Töchter“ initiierte eine Petition gegen Merz – nun stoppte das Innenministerium ihr Demokratieprojekt.

Straft er kritische Demokratieprojekte ab? Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Die Förderung war bereits seit Monaten zugesagt. Schon im Frühjahr 2025 hatte die Gruppe „Radikale Töchter“ eine vorläufige Zusage für ihr Projekt „Mut-Muskel-Training“ von der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) erhalten, im Rahmen des Programms „Zusammenhalt durch Teilhabe“, das am Bundesinnenministerium angesiedelt ist. Der Antrag wurde „aus inhaltlicher Sicht positiv bewertet“, schrieb die BpB an die Gruppe. Angelegt war das Projekt bis Ende 2026, mit einer Fördersumme von 287.000 Euro. Alles schien auf dem Weg, ein erster Workshop war schon abgehalten.

Doch dann intervenierte das Innenministerium von Alexander Dobrindt (CSU) und stoppte in diesem Januar das Projekt – ohne jede Begründung. Aber die Projektleiterinnen haben einen Verdacht: Denn „Radikale Töchter“-Geschäftsführerin und Gründerin Cesy Leonard startete im vergangenen Oktober eine erfolgreiche Petition – gegen Friedrich Merz.

Zuvor hatte Merz seine Aussage, dass es mit Blick auf Mi­gran­t*in­nen ein „Problem im Stadtbild“ gebe, damit zu begründen versucht, dass man Töchter fragen solle, wie er das gemeint habe. In der Petition schrieb darauf Leonard: „Wir sind die Töchter und lassen uns von Ihrem Rassismus nicht einspannen, Herr Merz! Sie sprechen nicht für uns.“ Der Kanzler solle aufhören, Rassismus „salonfähig zu machen“. Vielmehr müsse er benennen, dass es ein strukturelles Problem mit Gewalt gegen Frauen gebe.

„Ihre Worte haben Gewicht – und Ihre jüngsten Aussagen werden der Verantwortung dieses Amtes nicht gerecht“, heißt es weiter. „Im Gegenteil: Sie schaden unserer Demokratie und spalten ‚das Volk‘.“ Die Onlinepetition wurde von mehr als 250.000 Nut­ze­r*in­nen unterzeichnet. Vor der CDU-Parteizentrale, dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, gab es auch eine Demonstration – an der sich auch die „Radikalen Töchter“ beteiligten.

Mit Aktionskunst für die Demokratie

Auch mit ihren „Radikalen Töchtern“ setzt sich Cesy Leonard, einst aktiv beim „Zentrum für Politische Schönheit“, für feministische und demokratische Politik ein. Im Jahr 2019 gegründet, bot das gemeinnützige Projekt seitdem rund 400 Workshops in Schulen, Ausbildungsbetrieben, Jugendzentren oder kulturellen Zentren an – wiederholt unter Förderung der Bundeszentrale für politische Bildung. Das Ziel: Mit Aktionskunst Jugendliche zu mehr demokratischem Engagement zu motivieren.

Mit ihrem aktuellen „Mut-Muskel-Training“ wollten die „Radikalen Töchter“ daran anknüpfen. Und zunächst nahm alles erneut seinen eingespielten Lauf. Die BpB bewilligte das Projekt, noch unter Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) – vorbehaltlich allerdings noch der damals ausstehenden Bewilligung des Haushalts. In internen Unterlagen der BpB hieß es nach taz-Informationen: „Das ausgewählte Projekt ist mit dem BMI und der Hausleitung abgestimmt und entspricht der Förderrichtlinie.“ Der Projektstart werde ab 1. März 2025 zugelassen.

Dann aber forderte das Innenministerium, nach der Bundestagswahl nun unter Führung von Alexander Dobrindt, nochmal die Förderunterlagen an. Und am 5. Januar dieses Jahres stoppte das Ministerium plötzlich die geplante Förderung mit einem Erlass, unterzeichnet von Staatssekretär Sebastian Wüste – ohne jede Begründung. Verwiesen wurde lediglich darauf, dass dem Innenministerium bei der Förderung die „abschließende Entscheidung“ obliege.

Aufstand in der Bundeszentrale für politische Bildung

Schon im Oktober aber hatte das rechte Krawallmedium Nius skandalisiert, dass das Bundesinnenministerium die „Radikalen Töchter“ fördert, und damit „die linke NGO-Szene“ – trotz Kritik an Merz. Kurz darauf griff den Fall auch die AfD im Bundestag auf und fragte das Innenministerium nach der Förderung. Damals antwortete Staatssekretärin Daniela Ludwig (CSU) noch, die Förderung finde nach gesetzlichen Vorschriften statt. Und gefördert würden einzelne Modellprojekte, nicht die Träger als solche.

Auf den Förderstopp des Innenministeriums antwortete die Bundeszentrale für politische Bildung indes deutlich – mit einem Brandbrief. Man habe „erheblich rechtliche Bedenken gegen die Umsetzung dieses Erlasses“, schrieb nach taz-Informationen Abteilungsleiterin Cemile Giousouf, einst CDU-Bundestagsabgeordnete, an das Ministerium. Denn der inhaltliche Bewertungsprozess sei bereits abgeschlossen – und zu einem positiven Ergebnis gelangt. Informationen, die eine Neubewertung rechtfertigen würden, lägen nicht vor. Es sei „kein rechtlich tragfähiger Grund für eine Ablehnung erkennbar“.

Und Giousouf warnte vor den Folgen. Mit dem Erlass des Innenministeriums drohe ein Verstoß gegen das Willkürverbot – und eine „hohe Aussicht auf Erfolg“, sollten sich die „Radikalen Töchter“ zu einer Klage entschließen. Dann müsste das Projekt letztlich auch so bewilligt werden, so Giousouf. Auch könnten bereits getätigte Ausgaben als Schadensersatz geltend gemacht werden – und die BpB müsste zusätzlich die Gerichtskosten zahlen. Zudem sei ein öffentliches Interesse zu erwarten, das den Ruf der Bundeszentrale, des Ministeriums und des Förderprogramms „massiv schädigen“ könnte.

Doch: Das Bundesinnenministerium blieb bei seiner Entscheidung. Am 12. Februar 2026 verschickte die BpB schließlich den Ablehnungsbescheid an die „Radikalen Töchter“.

Die Bundeszentrale wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern, verwies auf das Innenministerium. Dort bestätigte ein Sprecher, dass die Förderung für das Projekt der „Radikalen Töchter“ seitens des Ministeriums „in der Gesamtschau der eingegangenen Förderanträge“ abgelehnt wurde. Weiter äußere man sich zu Einzelbewertungen grundsätzlich nicht.

Aber, so ein Sprecher: „Die Hausleitung des BMI behält sich vor, eigene Schwerpunkte in der aktuellen Förderperiode des Bundesprogramms ‚Zusammenhalt durch Teilhabe‘ zu setzen.“ Ob die Ablehnung mit der Anti-Merz-Petition zusammenhängt, ließ der Sprecher offen. Auf taz-Nachfrage erklärte er aber noch, dass das Projekt nicht vom umstrittenen Haber-Verfahren geprüft wurde.

„Ein absoluter Skandal“

Cesy Leonard von den „Radikalen Töchtern“ glaubt sehr wohl an einen Zusammenhang mit der Merz-Kritik. „Wenn politisch unliebsame Organisationen wie meine ohne Begründung ihre Förderung verlieren, ist das ein absoluter Skandal“, sagte Leonard der taz. „Eine starke Demokratie muss Kritik aushalten können, ohne sie abzustrafen.“

Leonard sieht dabei ein größeres Muster. „Wir erleben gerade ein mutwilliges Demontieren von demokratischem Engagement durch die Bundesregierung. Unser Fall wird kein Einzelfall bleiben, wenn wir uns jetzt nicht klar dagegen wehren.“ Leonards Gruppe legte inzwischen Widerspruch gegen die abgelehnte Förderung ein.

Die „Radikalen Töchter“ werden dabei auch vom Projekt „Gegenrechtsschutz“ von Frag Den Staat und der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF) unterstützt. Von einer „höchst zweifelhaften“ Entscheidung des Innenministeriums spricht dort GFF-Juristin Luise Bublitz. „Die bereits zugesagte Förderung ganz ohne Begründung doch noch abzulehnen, ist willkürlich und rechtlich nicht nachvollziehbar.“

Sollte es tatsächlich einen Bezug zur Petition einer der Geschäftsführerinnen gegen Merz geben, hätten die „Radikalen Töchter“ nichts falsch gemacht, so Bublitz: Auch gemeinnützige Organisationen dürften sich politisch äußern. „Der ganze Vorgang trägt zur Verunsicherung unter demokratisch Engagierten in der Zivilgesellschaft bei, die dort ohnehin schon groß ist. Das untergräbt das Vertrauen in die Verlässlichkeit staatlichen Handelns.“

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75 Kommentare

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  • Habe soeben gespendet

  • In der Stadtbibliothek gibt es Bastelbücher, politische Sachbücher und Ratgeber für sexuelle Minderheiten. Sollen die sich die Interessierten alle selbst kaufen?



    Also die Afd will die Bundeszentrale für politische Bildung abschaffen - also auch die Stadtbibliotheken schließen? Margret Thatcher kam nicht auf diese Idee. Aber heute gibt es darin einen Überbietungswettbewerb - aus allen Ecken.

  • Eine Bundesregierung wird zwar nach dem Mehrheitsprinzip gewählt, ist aber nicht ausschließlich für eine einzige Sympathisantengruppe da, sondern für alle Einwohner. Das nennt sich öffentlich-bürgerrechtliche Struktur. Steht in der Verfassung.



    Jede Streichung dieser Gelder ist antidemokratisch - egal ob dies wegen persönlicher Rache motiviert ist oder nicht.

  • 287.000 € für was?

  • Übrigens werden alle oppositionellen Aktivitäten mit eigenen Spenden oder Mitgliedsbeiträgen finanziert. Nur das reicht nicht aus, weil die Gebenden selbst nur ganz wenig Geld haben.

  • Diese Leute, die der Streichung der Demokratieförderung zustimmen, glauben also, dass so etwas wie Gesellschaft nicht gibt. Nur die Private Villa. Dann haben die aber viel Zeit zum Kommentieren. Reichtum wird doch durch eigenen Fleiß erarbeitet.



    Wie viele Peitschenhiebe möchten Sie denn den Arbeitslosen verpassen?

  • Wie sieht es eigentlich mit Steuelgeldern für Rechtsblinker aus?

    "Mehr als 120 Millionen Euro Steuergeld für Rechtsextreme

    Die Gesamtsumme, mit der der Staat jährlich die rechtsextreme Partei dabei unterstützt, die Demokratie von innen auszuhöhlen, ist beträchtlich. Mit mindestens 123.094.065,40 Euro finanzieren die deutschen Steuerzahler*innen im Jahr 2025 die rechtsextreme Partei. Dazu kommen weitere Millionen auf Länderebene.

    Dieses Geld fließt, direkt oder indirekt, zu gewaltbereiten Nazi-Kadern, in neurechte Thinktanks, rechtsterroristischen Reichsbürgergruppierungen, internationale rechtsextreme Netzwerke sowie rassistische, antisemitische, antifeministische und klassistische Kampagnen.

    Die tatsächliche Höhe staatlicher Mittel, die die AfD jährlich erhält, liegt über dieser Summe. Aufwandsentschädigungen für bestimmte Posten im Parlament wie der Ausschussvorsitz, Erleichterungen wie die BahnCard100, Pflege- und Krankenversicherungen oder Altersentschädigung sowie die höheren Zuwendungsanteile aus zunehmenden Mitglieds- und Spendenbeiträgen sind in der Gesamtsumme noch gar nicht enthalten."



    Mehr Infos unter



    www.amadeu-antonio-stiftung.de/steue

  • Wenn man sich die Wahlergebnisse der AfD anschaut sind solche Programme zwar teuer dafür aber Erfolglos. Das man Demokratisch ist MUSS normal sein und darf nicht vom Geldgeschenken des Staates abhängig sein.,

    • @Günter Witte:

      Das ist sicher richtig. Allerdings frage ich mich, was genau an



      Zusammenarbeit durch Teilhabe so schlimm ist, dass es nicht gefördert werden kann. Zumal die Förderung schon genehmigt war.



      "www.zusammenhalt-durch-teilhabe.de/"

  • Halbwegs OT, aber scnr:

    Erinnert noch jemand an das gefügelte Wort vom Verschwinden von links und rechts? Die Postmoderne, die alles gleich macht? Das überall und nicht zuletzt bei den Grünen die große Mode war?



    ROTFLMAO!

    • @Kaboom:

      ts ts ts Lesens die taz edel🪶 con 🧹🧹🧹🤦‍♂️



      Peter Unfried nicht? Das petz ich! Gelle 😂

    • @Kaboom:

      was heißt scnr?



      Was heißt ROTFLMAO?

  • Seit langen versuchen NGOs erfolglos den Rechtsruck mit allen Mittel und vor allen dingen mit Steuergeldern zu bekämpfen. Aber mit welchem Erfolg?



    Die Wähler in Ost und West stimmen immer mehr für die AfD - also sind die Projekte nicht besonders erfolgreich.



    Dann ist es doch besser, die Gelder für andere Dinge einzusetzen. Z.B kostenloses Mittagesse an den Schulen, guter ÖPNV auf dem Lande und vieles mehr,



    Auch bei gutgemeinte Projekten muss auch mal der Erfolg hinterfragt werde.

    • @Bernd Simon:

      Da unterliegen Sie einem Fehlschluss: Demokratieprojekte können durchaus erfolgreich sein, aber das ist naturgemäß schwer zu messen. Aber gerade Projekte, die junge Leute ansprechen sind in der Regel recht gut wirksam. Ohne sie wären Rechtsextreme mit hoher Wahrscheinlichkeit noch erfolgreicher.



      Aber guckstu zu diesem Thema auch:



      www.volksverpetzer...e-niederlagen-afd/ (z. B.)

    • @Bernd Simon:

      Was ist denn das für eine Logik? Da müssten Sie ja auch allen Naturschutzprojekten die Förderung entziehen, denn bis jetzt hat die Förderung diese Projekte ja bei der Biodiversität und CO2 Konzentration keine Trendwende erreicht.

  • Der Staat sollte sich sowieso generell aus allen Förderungen dieser Art zurückziehen. Dann gibt es im Einzelfall auch keine leidigen Diskussionen mehr. Die Initiativen suchen sich dann einfach private Sponsoren. Das wäre für die Akzeptanz in der Bevölkerung sowieso viel besser. Hier bei uns gibt es ein historisch bedingtes Misstrauen gegen alles was aus Berlin kommt. Gäbe es Demokratieförderprojekte, die weniger elitär mit Rückhalt aus der echten Bevölkerung agieren würden, gäbe es auch eine Chance außer Alimentierungvon GenossInnen auch konkrete Fortschritte zu erreichen.

    • @Šarru-kīnu:

      Witzig. Und in der Pause werden dann die Produkte des oder der Sponsor(en) eingeblendet. Und wehe es sagt jemand was gegen einen oder mehreren Sponsoren. Die Sponsoren werden darauf hin, ihre "Gelder" glatt verdoppeln oder etwa nicht .... ?

    • @Šarru-kīnu:

      Sicher haben Sie schon Ihr Demokratieprojekt in Ihrem kleinen gallischen Dorf gegründet und sammeln bereits eifrig Spenden bei Ihren mit „historisch bedingtem Misstrauen gegen alles was aus Berlin kommt“ gesegneten Mitbürgern?

    • @Šarru-kīnu:

      Die Frage ist nur, wer leichter private Sponsoren findet: Initiativen, die finanzielle Interessen einer privilegierten Gruppe unterstützen oder Initiativen, die diese infrage stellen?

    • @Šarru-kīnu:

      Private Förderer bedeutet, dass nur noch gefördert ist, was reichen Sponsoren oder Unternehmen lieb ist. Das kann doch wirklich nicht sein, was Sie wollen.

      Der Erhalt und die Stärkung der Demokratie ist eine essentielle Aufgabe des Staates. Eine Abhängigkeit von den Interessen privater Geldgebern wäre fatal.

      Wo Sie bei Demokratieförderprojekten elitäres Gehabe, fehlenden Rückhalt und Alimentierungen finden, müssten Sie auch erstmal erklären.

    • @Šarru-kīnu:

      Ihr AFD Narrativ war erwartbar. Allerdings schon gruselig, wenn Rechte von der "echten Bevölkerung" faseln..

      • @Schleicher:

        Danke!

      • @Schleicher:

        Die echte Bevölkerung hier wählt seit diversen Wahlperioden jedenfalls nicht mehr die Regierungsparteien so viel steht fest. SPD, Grüne und Co liegen hier im Wahlkreis alle unter 5%. Das die ganzen Demokratiefördervereine aus Berlin hier keinen Rückhalt genießen, können sie schon glauben. So zu tun als würden die die Bevölkerung vertreten, hat schon die SED erfolglos versucht. Die haben im Wissen um die eigene Unbeliebtheit auch alle möglichen Vereine fingiert wenn es um Demoaufrufe ging. Lesen sie mal die Aufrufe zu Demos gegen Rechts die die SED in der Spätphase der Wende lanciert hat im Archiv der Berliner Zeitung. Dort finden sich eine ganze Latte an Unterstützern von Gewerkschaften bis zum Spartakusbund. Das war damals nicht die Bevölkerung und ist es heute auch nicht.

    • @Šarru-kīnu:

      Ja, man sieht gerade in den USA, wie wunderbar private funding funktioniert. Führt im Effekt dazu, dass in aller Regel die Superreichen die Projekte finanzieren, oder es keine Projekte gibt. Ein richtig schönes Beispiel ist die Heritage-Foundation mit ihrem Project 2025. Diverse hundert Seiten über das Thema, wie man die Demokratie in den USA abschafft. Die Finanziers kann sich jeder ergoogeln.



      Das sollte man - ganz klar - unbedingt auch machen. Demokratie ist offenkundig nach Meinung vieler Wähler ohnehin überschätzt, wie das Wahlverhalten zeigt. Entsprechende Projekte nach o.g. Vorbild könnten den Wählerwillen (nicht selbst denken, sondern nachplappern) vermutlich viel besser widerspiegeln.

    • @Šarru-kīnu:

      Echt? Echt getzt mal! 🙀🤔🤦‍♂️

      Klar “…mit Rückhalt aus der



      echten Bevölkerung…“ ??? 🙀🤦‍♀️ Geht’s noch!



      Die echte - wa! die echte mit dem goldenen D!



      Is mir in echt langene nicht mehr untergekommen!

      kurz - Herr - wirf 🧠 vom Himmel •



      Dank im Voraus

      • @Lowandorder:

        "Die echte - wa! die echte mit dem goldenen D!"

        Aber in Fraktur. Golden allein reicht nicht.

    • @Šarru-kīnu:

      Was heißt denn "hier bei uns"?

  • Damit das Projekt weiterarbeiten kann, sollte man einen Spendenaufruf starten. Es geht auch dort um die dort arbeitenden.

    • @Joen:

      Ja genau, das wäre sowieso die beste Lösung für die Finanzierung. Ein MInister kann das Projekt ja gar nicht stoppen, höchstens die öffentlich Finanzierung.



      Es wäre ganz allgemein besser, wenn solche Projekte und NGOs über Spenden und nicht durch öffentliche Gelder finanziert würden.

      • @T-Rom:

        Der demokratische Staat hat seine eigene Erhaltung zu sichern. Deshalb ist er per Definition zur Finanzierung zivilgesellschaftlicher Projekte verpflichtet. Auch wenn das Untertanendenken weiterhin grassiert: Es wird erst widersprüchlich, wenn diese Unterstützung seiner selbst(!) nicht mehr passiert.

  • taz: **Dobrindt stoppt Demokratieprojekt**

    Das ist ja erschreckend. Die Union (CDU/CSU) segelt mit Merz im Gewässer der AfD und Dobrindt hat das Steuerruder in der Hand.

    "Wer die AfD stoppen will, muss die CDU/CDU stoppen", lese und höre ich jetzt des Öfteren - und das wird wohl auch stimmen.

  • Wir müssen unsere Demokratie und damit auch unsere Meinungsfreiheit schützen, nicht zuletzt, um -vorwiegend maskuline- 'Vertreter' , die nichts anderes 'gelernt' haben, um als Politiker Macht auszuüben, loszuwerden, da sie sich ansonsten nirgendwo in der Gesellschaft bewähren konnten und permanent darauf aufpassen müssen, in ihrem persönlichen Machtanspruch infrage gestellt zu werden: Ich fange in der Aufzählung schon einmal an: Dobrindt, Söder, Klingbeil, Spahn, Huber und und und.... (das wird eine kleine 'Revolution' mit der dringenden Bitte, dass sich auch Frauen bereit erklären könnten, die Leerposten auszufüllen). Wir brauchen für unser Gemeinwesen Vertreter, die sich schon einmal -ausserhalb althergebrachter 'Parteien'- bewährt haben, sonst wird das nichts...

  • Von einer Einseitigkeit in die andere: Das Pendel schwingt hin und her, je nachdem, wer gerade von den Wählern demokratisch ermächtigt wurde. Schade, dass es überhaupt so stark ausschlägt. Maß und Mitte wären mir persönlich am liebsten.

    Was Merz und Dobrindt betrifft haben die Wähler bei der nächsten Wahl wieder die Möglichkeit, die beiden zu entmachten.

    • @Winnetaz:

      Wenn ich mich recht erinnere, weiß kein Mensch, wie man die Staatspartei CSU entmachtet.

  • Ich finde, das ist ein ganz normaler Vorgang in totalitären Regimen. Da lässt man Organisationen und Bewegungen mit anderer politischer Meinung halt nicht zu. Wenn man möchte, dass das anders läuft, muss man halt in dieser anderen Regierungsform leben, wie heißt die noch? Ach ja: Demokratie. Da soll es so sein, dass es einen freien politischen Diskurs aller Meinungen gibt. Angeblich wird der sogar begrüßt, weil er die Entwicklung der Gesellschaft fördert und das stellt eigentlich erst die Legitimität der Regierung her. Krass, oder?

    Ein völlig verrückter Franzose soll ja im 18. Jahrhundert sogar sowas gesagt haben wie "ich bin nicht Ihrer Meinung, aber ich werde alles dafür tun, dass sie sie sagen dürfen". Wenn unsere Fossilienregierung mal im 18. Jahrhundert angekommen sein wird, bekommen wir das vielleicht auch. Bis dahin: bleibt stabil und wählt links!

    • @Jalella:

      Wieso ? Keine Organisation oder Bewegung wurde verboten. Sie können weiter arbeiten und ihre Meinung verbreiten. Nur halt nicht mit der freundlichen Unterstützung von Steuergeldern. Wenn man die letzten Jahre betrachtet, hat es eh nichts gebracht und „Aktivisten“ in ihrer Blase fett werden lassen.

      • @Puky:

        🚲 Puky is son Kinderfahrrad - wa!

        kurz - Irgendwann sollte es im normalen Umgang für lange Hose reichen! Wollnichwoll



        Noch aber, isses noch nicht soweit •

      • @Puky:

        Ja? Sind Sie übergewichtig?



        Erstaunliche Kenntnisse haben Sie.

  • Mir ist diese Kombination aus pathetisch-gesellschaftskritischer Geste und inniger finanzieller Verbindung mit dem Staat suspekt. Mir scheint, dass der mangelnde Pragmatismus unseres Staates seine Wurzel auch darin hat. Trotzdem ist das Vorgehen des Innenministeriums kleinlich, rachsüchtig und illegitim. Das Problem muss anders angegangen werden.

  • Nuja, Demokratie nach CSU-Art ist, wenn man die gleiche Meinung hat wie die Schwatten. Ist halt ne Staatspartei.

  • Der Staat wird mehr und mehr zur Beute der Parteien. Wenn aber jede Wahl wie eine Kulturrevolution daherkommt mit Austausch aller Köpfe und Ideale sowie rechtswidrigen Maßnahmen wie Grenzschließungen, dann kann kein langfristiges größeres Projekt länger als vier Jahre überleben. Das macht die Demokratie kaputt. Es braucht fair play, man muss den Gegner auf dem Feld schlagen, nicht in der Kabine.

    • @hedele:

      Sehr gut aufgehoben den Punkt gebracht, Chapeau.

  • Die "Rhetorik unseres Bundeskanzlers" (sinngemäß) ist der nicht-kommentierte Elephant im semantischen Kontext.

  • Und weiterhin zerstört die Union Deutschland. Merz, Dobrindt und Spahn sind die Totengräber der Bundesrepublik

  • Die Ablehnung wurde nicht einmal begründet. Nun, da nun Widerspruch eingelegt wurde, muss eine Begründung nun geliefert werden.



    Ich hoffe, die taz verfolgt die Sache auch weiterhin und informiert uns Leser.

  • Gegenprobe:



    Welche Projekte und Organisationen hat die Ampel in diesem oder ähnlichen Programmen dauerhaft gefördert, die gegen die Ampel oder deren Regierungsmitglieder demonstriert haben?

    • @Frauke Z:

      Weder ist die Ampel damit aufgefallen, gezielt Kritikern durch entzug der Mittel mundtot zu machen, noch ist sie generell durch ständige Unterminierung der Demokratie in Erscheinung getreten.

  • Man sagt und macht es schon sehr lange: Wir folgen den Amis, nur mit etwas Zeitverzögerung, aber wir folgen ....

  • Es ist ein politischer Offenbarungseid mit Ansage: Dass Innenminister Dobrindt ausgerechnet in Zeiten einer galoppierenden Nazifizierung die Axt an bewährte Demokratie-Projekte wie die „Radikalen Töchter“ legt, ist kein Sparzwang – es ist Sabotage an unserer Zivilgesellschaft. Während Rechtsextreme die sozialen Netzwerke fluten und Räume besetzen, entzieht das Innenministerium jenen die Mittel, die jungen Menschen Mut zur Einmischung und zur Verteidigung unserer Werte machen.



    ​Wer politische Bildung als verzichtbares Luxusgut abtut, bereitet den Boden für die autoritäre Wende. Dobrindt agiert hier als nützlicher Wegbereiter für jene Kräfte, die er offiziell zu bekämpfen vorgibt. Es ist ein fatales Signal: Engagement wird bestraft, Resignation gefördert. Projekte, die Aktionskunst mit politischer Teilhabe verbinden, sind das Immunsystem unserer Demokratie. Wer dieses Immunsystem schwächt, nimmt die Infektion durch den Rechtspopulismus billigend in Kauf. Ein Innenminister, der die Brandmauer gegen Rechts durch Mittelkürzungen unterspült, hat seinen Eid auf das Grundgesetz faktisch aufgekündigt!

    • @amigo:

      so ist es!



      politische Bildung ist so notwendig wie nie zuvor und deshalb die öffentlich-rechtliche Finanzierung.

  • "Zudem sei ein öffentliches Interesse zu erwarten, das den Ruf der Bundeszentrale, des Ministeriums und des Förderprogramms „massiv schädigen“ könnte."

    Den Ruf der Bundeszentrale und des Förderprograms irreperabel zu schädigen scheint für die Union im allgemeinen und für Dobrint in speziellen Priorität zu haben.

    Wir müssen im Moment angesichts des erstarkenden Faschismus hart um die Demokratie kämpfen. Und die Union steht in diesem Kampf nicht an der Seite der Demokratie.

    • @pumble:

      Ja, das sage ich schon seit einigen Jahren. Aber immer wieder bin ich der gebetsmühlenartigen Versicherung begegnet, die cdU/csU sei eine demokratische Partei. Manche Verrückte behaupten sogar, sie sei eine "Partei der Mitte". Die arbeiten nicht in der Luftfahrtbranche. Wer so eine Auffasung von "Mitte" hat, bekommt kein Flugzeug austariert.

      • @Jalella:

        Nicht nur Sie. Wir hatten das in diesem Lande schonmal, dass die "bürgerlichen" Faschisten an die Macht gebracht haben. Und wir bewegen uns auf die Wiederholung zu.

    • @pumble:

      Die csdU kann sich nicht leisten, so nahe an der Demokratie zu stehen. Schließlich bereiten die eine Koalition mit den Anti-Demokraten vor, konsequent und sie versuchen das möglichst hinter dummen Sprüchen und Sonntagsreden zu verstecken.

  • Das Projekt wurde nicht "gestoppt", sondern es bekommt keine staatlichen Fördergelder.

    • @Dr. McSchreck:

      jeden Tag die gleichen nachgeschobenen Rechtfertigungen für die rechten Willkürakte. (Buchhandlungspreis)

    • @Dr. McSchreck:

      Das ist so ähnlich gängige Praxis beim Musterdemokraten Orban. Schönes Vorbild für die CSU. Auch Trump kann da als Vorbild dienen.

    • @Dr. McSchreck:

      Danke für den Hinweis.

      Es ist eben auch ein Unterschied, ob man mir das Autofahren verbietet oder mir lediglich nicht das Auto bezahlt und es mich stattdessen selbst bezahlen lässt.

      Typisches Clickbaiting eben.

      • @Carsten S.:

        Kleiner Unterschied: hier wurde denjenigen schon zugesagt ihnen ihr Auto zu bezahlen und auf dieser Grundlage wurde das Auto auch wahrscheinlich schon gekauft oder zumindest angezahlt und auch mit diesem Auto geplant. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre hätte man sich ja darauf einstellen können das Auto selber zu finanzieren. Hat mit Clickbait nichts zu tun

    • @Dr. McSchreck:

      Heißt das, dass Sie jetzt stattdessen das Projekt fördern? Denn wenn nicht, ist es gestoppt.

    • @Dr. McSchreck:

      Läuft das nicht auf dasselbe hinaus ...

    • @Dr. McSchreck:

      Was einem Stop gleichkommt, denn ohne die Fördergelder kein Projekt...

      • @PartyChampignons:

        Keineswegs, man muß sich dann nur um Spenden bemühen. Ist nur nicht so komfortabel und man muß das Projekt dann ehrenamtlich durchführen. Aber wenn man andere überzeugen kann, daß die Arbeit wirklich wichtig ist, finden sich auch Spender.

        • @Debaser:

          Das ist wirklich die unterste Schublade rechter bzw. neoliberaler Rethorik. Solchen Unsinn habe ich auch schon im Bezug auf die Kultur gehört: Wozu staatliche Förderung? Wenn Kultur gebraucht wird, dann wird sie sich schon selbst finanzieren, und wenn nicht, wird sie nicht gebraucht.



          Wenn wir den Ansatz noch auf Schulen ausweiten, wird deutlich, wie irre solche Aussagen sind.

        • @Debaser:

          Dass man nicht mal eben 218.000 € Spendengelder zusammen bekommt in der aktuellen Zeit wo keiner Geld zu viel hat sollte eigentlich jedem klar sein, völlig gleich wie gut dieses Projekt auch sein mag, abgesehen davon war das Projekt ja schon bewilligt, es wurde also auf einer ganz anderen Grundlage geplant.

  • Wenn staatliche Unterstützung davon abhängt, ob Kritik politisch passt oder nicht, erinnert das doch eher an den reflexhaften Umgang mit Kritik, wie man ihn aus dem Umfeld von Donald Trump kennt, als an eine gelassene, souveräne Demokratie.



    Dabei sind es Steuergelder, die selbstherrlich verweigert werden für ein Projekt, welches den Richtlinien entspricht.



    Meine Hochachtung vor Cemile Giousouf.



    Ich hoffe, sie wird nicht das nächste Opfer sein.

    • @Stefan Schmitt:

      Das wäre keine "gelassendere Demokratie", das wäre überhaupt erst Demokratie. Die politische Meinung der anderen muss geäußert werden dürfen und das muss auch vom Staat unterstützt werden. Sonst könnte man mit der gleichen Argumentation die Finanzierung von Parteien, die einer anderen Meinung als die Regierung sind, streichen. Das wäre die Konsequenz einer cdU/csU-Politik, die nicht mehr viel mit Demokratie zu tun hat.



      Aber es erodiert auch an anderer Stelle, z.B. die Fördermittelaffäre der Schwach-Watzinger z.B. Allerdings muss man sagen, dass die Nähe der Ansichten von fDP und AfD inzwischen auch bestürzend ist.

  • Das Bundesinnenministerium bereitet alles schon mal schön vor für die AfD.

    • @Maradine:

      Wer cdU/csU regiert ist, braucht keine AfD. Ich verstehe nicht, warum die Leute immer an diesen drei Buchstaben kleben. Nicht die AfD ist das Problem, sondern ihr Weltbild und die Politik, die sie machen. Und das gilt eben nicht nur für die AfD, sondern offensichtlich auch zunehmend für cdU/csU.

      Und diese politische Haltung ist schon lange in der Exekutive angekommen. Die Leute sitzen schon lange in Behörden, Ämtern, Polizei, Bundeswehr, Staatsanwaltschaften, Gerichten. Viele Asylanträge gehen aus klarem Grund so schleppend voran oder werden abgelehnt, weil sie von bestimmten Menschen abgelehnt werden. Dass die AfD an die Regierung kommt, wäre nur der Abschluss des Faschismusprojekts. De facto herrscht ihre Politik längst vor.

  • Alles, was man strukturell nicht in den Griff bekommt, wird als „Importproblem“ dargestellt: Messerstechereien, Kriminalität im Allgemeinen, geschlechtliche Ungleichheit und die damit verbundene Gewalt usw.

    Es sind Politikerinnen und Politiker der regierenden Parteien CDU/CSU und SPD, die dieses Narrativ bedienen.



    Im Grunde denken all diese Leute – angefangen bei Merz, Söder, Klingbeil und Dobrindt bis hin zu Bärbel Bas – wie Chrupalla oder Weidel, tun aber so, als seien sie etwas Besseres.

    Diese Heuchelei der Politik: Einerseits wird von morgens bis abends über Demokratie gesprochen, andererseits werden Institutionen der Zivilgesellschaft ins Visier genommen, Mittel gekürzt oder ganz gestrichen – mit dem Ziel, all das durchzusetzen, was die AfD eigentlich fordert.

    Eine klare Haltung haben diese Leute schon lange nicht mehr. Und wie bei den Skandalen um den Kulturstaatsminister Weimar bleibt auch hier alles ohne Konsequenzen.

    Weiter so, Deutschland!

    • @Okay:

      "Im Grunde denken all diese Leute – angefangen bei Merz, Söder, Klingbeil und Dobrindt bis hin zu Bärbel Bas – wie Chrupalla oder Weidel, tun aber so, als seien sie etwas Besseres." - der Verdacht drängt sich in der Tat auf.



      Die Union ist "demokratisch" nur noch in einem anspruchslosen Sinne: Wahlergebnisse werden akzeptiert. Das ist nicht nichts. Aber es gibt keine Idee, die auf eine Mehrung der Freiheit für alle hinausliefe.

  • Dieser Mann stoppt nicht nur die Demokratieförderung, der ist dabei, gleich die Demokratie mit zu stoppen. Er hält sich nicht an Gesetze und schon gar nicht an Zusagen. Andere Meinungen als die seine, bestenfalls noch die der csU und der AgD sind nicht schutzwürdig.

    • @Perkele:

      Von einem Untergang der Demokratie sind wir in Deutschland zum Glück weit entfernt. Das beste Merkmal einer funktionierenden Demokratie sind faire Wahlen und geordnete und friedlich vollzogene Machtwechsel, wenn Amtsinhaber Wahlen verlieren. Da hatten wir in Deutschland bisher keine Probleme.

      Auch einem Kanzler Merz traue ich zu, seinen Sessel anständig zu räumen, wenn er die nächste Wahl verliert - was durchaus passieren kann.

  • Das Demokratieverständnis von Herrn Dobrindt ist unzureichend.