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Die SPD und ihre frühere Kernklientel„Ich arbeite, ich liefere – das ist, was zählt“

Kommentar von

Tung Doan

Warum wenden sich immer mehr Ar­bei­te­r:in­nen der AfD zu, obwohl deren Politik ihnen schadet? Ein Blick in eine Kleidungsfabrik in Rheinland-Pfalz.

Die SPD hat in Rheinland-Pfalz deutlich an Luft verloren Foto: Emmanuele Contini/imago

A uf den ersten Blick ist es unerklärlich. Bei der Landtagswahl in meiner Heimat Rheinland-Pfalz hat die AfD am stärksten unter Ar­bei­te­r:in­nen abgeschnitten. Dabei hilft den Ar­bei­te­r:in­nen eine rechtsextreme Politik garantiert nicht. Gleichzeitig laufen der SPD scharenweise die Ar­bei­te­r:in­nen davon. Während die SPD das schlechteste Ergebnis ihrer Landesgeschichte einsteckte, konnte die AfD ihr Ergebnis verdoppeln.

Ich kenne die Menschen, die hinter diesem Trend stehen. Mein Vater arbeitet in einer Kleidungsfabrik in Rheinland-Pfalz. Einige seiner Kol­le­g:in­nen wählen AfD. Es ist eine irrationale Wahlentscheidung. Aber eine, die auf eigenen Erfahrungen beruht.

Da ist zum Beispiel ein junger Kollege meines Vaters: Er hat bei der letzten Bundestagswahl die SPD gewählt, bereut es jedoch in unserem Gespräch letzten Sommer. Er würde sich nun eindeutig für die AfD entscheiden. „Warum ihnen nicht eine Chance geben? Schlimmer kann es eh nicht mehr werden“, sagte er mir. Hoffnung, dass sich durch gemeinsames Anpacken etwas verändern könnte? Fehlanzeige. Stattdessen dominiert in der Fabrik eine fatalistische Abstiegsangst.

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taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten, linken Meinungsspektrums.

Laut einer aktuellen ARD-Umfrage glauben 71 Prozent der Befragten nicht mehr, dass die SPD eindeutig auf der Seite der Ar­beit­neh­me­r:in­nen steht.

Rechtes Erfolgsrezept

Was daraus folgt? Manche nehmen diese Trends als Antrieb für eine härtere Gangart gegenüber So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­r:in­nen und Migrant:innen. Und genau das ist das Erfolgsrezept der AfD, Tugenden wie Fleiß und Leistungsbereitschaft anzusprechen – genau jene, die Ar­bei­te­r:in­nen für sich beanspruchen. Es ist ihr Weg, ihren Platz in der Gesellschaft zu behaupten.

Ja, die Kol­le­g:in­nen meines Vaters stören sich an Menschen, die aus ihrer Sicht nur beziehen und nichts leisten. „Ich habe nie einen Cent an Sozialleistungen genommen. Ich arbeite, ich liefere – das ist, was zählt“, sagt mir einer von ihnen.

Aber dass sie ihre Abneigung nach unten richten, hat viel damit zu tun, dass sie nach oben erfolglos waren, Anerkennung für sich zu erkämpfen: Niederlagen bei Lohnverhandlungen gegenüber dem Fabrikbesitzer, ein Management, das Arbeitsprozesse verändert, ohne die Ar­bei­te­r:in­nen mit ihren Erfahrungen zu beteiligen, oder auch eine simple und dennoch ungehörte Forderung nach einer Klimaanlage in der Produktionshalle für Hitzetage.

Aus ihren Berichten verstehe ich: Jede dieser Niederlagen versagt ihnen ein Stück gesellschaftliche Anerkennung. Jahrzehntelange gesellschaftliche und ökonomische Entwicklungen hatten ihre Verhandlungsposition als Gruppe geschwächt.

Schwache Gewerkschaften

Und Eliten in Politik und Verbänden tragen auch Schuld daran: Im Betrieb meines Vaters entstand die kollektive Schwäche auch durch den großflächigen Einsatz von Zeitarbeiter:innen, die oft gehen, kurz nachdem sie kamen – politisch ermöglicht durch die Flexibilisierung des Arbeitsmarkts zu Beginn der 2000er Jahre. Entsprechend sind nur wenige in dieser Fabrik Gewerkschaftsmitglied, die Gewerkschaften können so kaum Schlagkraft entwickeln.

Wie stünde die SPD nun eindeutig an der Seite meines Vaters und seiner Kol­le­g:in­nen? Indem sie Bedingungen schafft, unter denen Ar­bei­te­r:in­nen die Machtverhältnisse in der Arbeitswelt zu ihren Gunsten ändern können. Es wäre ein Anfang, prekäre Beschäftigungsverhältnisse abzuschaffen und eine stärkere Mitsprache im Betrieb zu ermöglichen. Um sich anerkannt zu fühlen, brauchen Ar­bei­te­r:in­nen ihren Blick dann nicht mehr nach unten zu richten.

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60 Kommentare

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  • Im nordthüringischen Nordhausen schickt der SPD-Landrat jetzt Uniformierte los, um die faulen "Arbeitsverweigerer" (Anführungszeichen sind von mir) auf den rechten Pfad der Tugend zu bringen:

    Gegen sieben Uhr morgens klingelt der „Vollzugsdienst“ bei den Arbeitsverweigerern



    www.welt.de/politi...sverweigerern.html

    Das wird sicherlich die SPD retten (und natürlich auch die Seelen der Betroffenen und den Standort Deutschland).

    (Ich hab gerade noch rechtzeitig vor dem Abschicken gemerkt, dass ich wohl mittlerweile dazusagen muss: Der letzte Satz war nicht ironiefrei.)

  • Warum sich die Wähler leider der AFDingsbums zuwenden ist ganz simpel zu erklären:

    CDU/CSU/SPD/Grüne/FDP haben es allesamt die letzten Jahrzehnte in unterschiedlichsten Koalitionen nicht hinbekommen, das die Mehrheit sich gut vertreten fühlt. Es wurde immer nur erzählt: „jetzt wird’s besser“, „wir haben verstanden“, dann kamen noch „Wums“ und „Bazooka“……..



    CDU und SPD haben nun mehrfach gesagt das das jetzt die letzte Chance ist!

    Und nix war‘s! Ich befürchte das wird auch nix mehr!

    Die Wähler haben einfach genug, glauben verständlicherweise den Parteien nicht mehr und werden zu Protestwählern.



    Das verrückte ist, dass diese Pertei auch einen relativ hohen Anteil an nicht deutschstämmigen Wählern hat. Das mehr als die Hälfte derer die sie gewählt haben gar nicht wollen das die AFD mit regierte. Also demzufolge die meisten Wähler(innen) auch nicht rechtsextrem sind.

    Das darf man sich auch bei allen Parteien einmal wirklich Gedanken darüber machen.

  • Sorry, ich kapiere es immer noch nicht. Sich von der sPD abwenden? Klar, logisch.



    Aber sich der AfD zuwenden? Sich für härtere Maßnahmen gegen Bürgergeldempfänger einzusetzen, wenn man selbst durch den immer mehr zersetzten Arbeitnehmerschutz und die extreme neoliberale Politik von Arbeitsplatzverlust gefährdet ist? Was für ein schreckliches Virus hat da das Gehirn heimgesucht? Da muss man doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein.



    Und das sind ja nur die unempathischen egoistischen Argumente dagegen.



    Wir waren ja mal weiter und haben für mehr Verbesserungen gestritten. Wie ist es gekommen, dass die Gesellschaft jetzt alles abbaut, was gut war? Wir driften mit cdU/csU/AfD durch die 60er, die 50er und werden bald in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts angekommen sein.

    • @Jalella:

      Offenbar haben Sie (glücklicherweise) eine breitere Sichtweise auf die AfD.



      Die Bürgern die hier beschrieben werden, haben dies vermutlich (leider) nicht.



      Dies ist das produzierende gewerbe, hier wird Wert produziert, ein Mehrwert. Dafür arbeitet dort eine jede und ein jeder 8 Stunden am Tag mit derselben Beschäftigung. Mit göück darf man 5 Minuten Pause machen, die dann nachgearbeitet werden müssen.



      Da sehnt man sich ganz deutlich nach Anerkennung. Die gibt's aber nicht mal auf dem Lohnzettel. Stellen sie sich das einmal vor.

  • Die AfD ist nicht nur für Arbeiter attraktiv.



    Es war in der Geschichte der BRD noch nie möglich, eine Partei zu wählen, die frei sagt, wir lehnen die Verfassung ab, wir machen echte Politik, wir sch...en auf alles, was den anderen wichtig und heilig ist, wir wollen die 'fremden' Menschen abschieben, wegfliegen, notfalls kippen wir die in irgendein Meer.



    Besser kann man eine sehr negative Einstellung gegenüber der Regierung ja nicht artikulieren.



    Das ist der Reiz.



    Und der ist natürlich ein Trugschlus.



    Die AfD würde Arbeitnehmer 50-6ß Stunden bis 70 Jahre antreten lassen, weil es zu einem teilweisen Zusammenbruch der WIrtschaft kommen würde - Austritt aus dem EURO, aus der EU, aus Handelsabkommen, aus der NATO, Deutschland würde so schnell und so stark verlieren, dass es nur per Zwang ginge, die kapitalistische Wirtschaftsordnung aufrecht zu erhalten.



    Dazu müsste die AfD bei den Steuern auch zuschlagen, um den Staat funktionsfähig zu halten.



    K u r z : Nur ausgemachte Idioten wollen eine echte AfD-Regierung. Eigneltich verliert hier jeder.



    Aber spielt das eine Rolle? Wenn man sich wie ein Ar...h an einer Urne verhalten darf, macht das Wahlen wieder spannend.

  • Ich möchte stark bezweifeln, dass ein Großteil der Kommentatoren einen richtigen Arbeiter kennen bzw. mal in die Arbeitswelt rumgekommen sind. Anders sind diese Kommentare nicht erklären, vor allem, wenn viele wieder in der rechte Ecke gestellt werden.

  • Mir fällt dazu ein Interview des britischen Ökonomen Guy Standing ein:



    „Die Linke hat das gesamte Prekariat im Stich gelassen“



    “La izquierda ha fallado a todo el precariado”



    alternativaseconom...todo-el-precariado

    Man merkt es auch hier im Artikel und in den Kommentaren, dass völlig realitätsferne Vorstellungen von der Welt, von Wirtschaft und Produktivität und von Arbeit vorherrschen.

    Z.B. "Es wäre ein Anfang, prekäre Beschäftigungsverhältnisse abzuschaffen und eine stärkere Mitsprache im Betrieb zu ermöglichen."



    Ist doch völliger Unsinn, die Welt braucht nicht die Abschaffung prekärer Beschäftigungsverhältnisse, sondern die Einführung eines Systems der Sozialen Sicherung, das wirklich alle trägt.



    Aristoteles meinte sogar, wenn man schon seine Existenz von Erwerbsarbeit abhängig machen (muss), dann darf sie nicht "sicher" sein, denn das führe zu eine Sklavenmentalität. Aber es gibt in einer Welt im ständigen Wandel sowieso keine "sicheren Arbeitsplätze".

    Ich empfehle sehr die Beschäftigung mit Guy Standing.

  • Ohh Leute, in den Kommentaren fängt genau wieder das an, was die Rechten stark macht: Schön alle in die Faschoecke schieben. Unsolidarische Arbeiter. Alle Blöd…

    Vielleicht kann man ja mal anerkennen, dass bei einem großen Teil der Arbeiter und Angestellten, Dauertransferbezieher ohne ausgeprägte Erwerbsbiografie und rumhängen in Männergrüppchen nicht geil ankommt. Zudem ist Identitätspolitik auch nicht das Topthema.

    Die SPD muss einfach WAHRNEMBAR die Prioritäten ändern:



    (1) Fokus auf Arbeiter und kleine Angestellte



    (2) Sozialleistungen und SozialeInfrastruktur für Leute die Ranklotzen



    (3) Frauenrechte



    (4) Recht und Ordnung im Öffentlichen Raum



    (5) Rassismus /Klassismus

    Dann erst Klima, Identitätspolitik und Fluchtmigration.

    Um es klar zu stellen: Ich persönlich halte Klima, Identitätspolitik und Fluchtmigration für sehr wichtig, aber nicht die verlorene Wählerschaft.

    • @Andi S:

      Dauertransferbezieher ohne ausgeprägte Erwerbsbiografie, Rumhängen in Männergrüppchen, Sie meinen damit nicht zufällig Migranten?



      Warum jemand dauerhaft Transferleistungen bezieht interessiert Sie offenbar ebenso wenig wie so manchen Textilarbeiter aus Rheinland-Pfalz. Mag ja sein, dass es dafür gute Gründe gibt.



      Und mit wem ich wie rumhänge, ist das die Sache von Textilarbeitern aus Rheinland-Pfalz oder sonstwem?



      Sozialleistungen und Infrastruktur also nur für die Ranklotzer, der Rest hungert und fährt keine Bahn mehr? Wie viele Überstunden dürfen es denn sein pro Woche, damit ich dabei sein darf? Wie nützlich muss ich sein?



      Frauenrechte, super Idee, natürlich rennen Sie da bei den Ranklotzern in den Fabriken offene Türen ein, alles top Feministen.



      Mal im Ernst: vielleicht sollte man die Scheiße in den Köpfen bekämpfen, zum Beispiel mit Aufklärung, anstatt sie zum Schokoladenpudding zu erklären?

    • @Andi S:

      "Ich persönlich halte Klima, Identitätspolitik und Fluchtmigration für sehr wichtig, aber nicht die verlorene Wählerschaft."



      Ich möchte behaupten, dass 'den Arbeitern' Klimapolitik durchaus nicht unwichtig ist. Wenn das allerdings ausschließlich auf deren Kosten zu gehen scheint, werden sie - völlig zu Recht - unwillig. Ähnliches gilt für die anderen Themen.

  • Arbeiter wählen keine Arbeiter:innenpartei. Ganz einfach. Wenn man den ganzen Tag Stress von Mittelschicht-Figuren mit Mittelschicht-Sprache in Mittelschicht-Kleidung bekommt, dann wählt man die nicht auch noch. Und wenn man keine Hoffnung hat, mit dem "System" jemals auf einen grünen Zweig zu kommen, dann wählt man halt die, die am glaubhaftesten versprechen, das "System" abzufackeln. Ist nicht besonders schlau, weil es mit der AfD garantiert noch schlimmer wird, aber nachvollziehbar. Was ich hingegen überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist, wieso dieser Mechanismus auch Jahrzehnte nach den erfolglosen Agitationsversuchen der 68iger am Fließband auf der Linken immer noch nicht erkannt wird. Das schärfste Argument gegen Sozialismus ist der durchschnittliche Sozialist, wusste schon Orwell. Alles längst benannt und trotzdem ist des verwirrten Kopfkratzens keine Ende auf der Linken.

    • @Claude Nuage:

      "Wenn man den ganzen Tag Stress von Mittelschicht-Figuren mit Mittelschicht-Sprache in Mittelschicht-Kleidung bekommt, dann wählt man die nicht auch noch."

      Das mag ein glänzendes Argument sein, cdU/csU/sPD und Grüne nicht zu wählen. Aber wie kommt man auf den krummen Ast, die AfD dann zu wählen? Weil Chrupalla immer betont, er sei Handwerker? Wenn man sich die Baggage der Afd ansieht, dann trifft die Beschreibung oben sehr gut auf sie zu. sowas kann man nicht mit diesem Argument wählen.

      Einen Ansatz der Erklärung sehe ich bei den Thesen von Aladin El-Mafaalani. Dass die Misstrauischen unter sich vertrauen, weil alle "denen da oben" misstrauen. Die AfD wird nicht als "die da oben" gesehen - ein echter Zaubertrick. Ratio wird das Wahlverhalten nicht erklären, denke ich.

  • Wenn man sich die Wurzeln anschaut aus denen Linke Parteien, Linke Strömungen in Deutschland entstanden sind sind es fast ausschließlich die Universitäten. Von daher war die Abgrenzung zu einfachen Arbeitern schon immer gegeben. Arbeiter wurden als braver Wähler und Mehrheitsbeschaffer geduldet, mehr aber auch nicht. Jetzt plötzlich, da man diese Stimmen nicht mehr automatisch erhält, bricht das große kümmern aus. Ist halt nur nicht recht glaubwürdig !

  • Eigentlich ist es nicht nur ein SPD-Problem, schließlich stellen sich alle 'bürgerlichen' Parteien inkl. der Grünen als ratlose Parlamentarier in einer Zeit, in der sich herausstellt, a) dass 'wir' über unsere Verhältnisse leben, insbesondere weil unser Lebensstandard das Klima zerstört, aber auch, weil wir den zu vielen Autoverkehr im wahrsten Sinne des Wortes auch gar nicht verkraften können, wenn wir die Strassen schneller kaputtfahren als reparieren oder neue bauen können mit unseren Steuermitteln und b) reiche Investoren die Unterschiede zwischen arm und reich zerstören, indem sie die gesellschaftliche Produktivität allein zu ihren Gunsten ausnutzen, ja sogar den Abhängigen den Boden unter ihren Füßen wegnehmen, indem sie Jobs und Auskommen einsparen und -paradox- damit die Binnenmärkte, auf die selbst die Globalisten angewiesen sind, zerstören. 'Volks'wirtschaft kennt leider nur die Unternehmen und ihre Märkte und nicht die Notwendigkeit, für ein Auskommen der ganzen Gesellschaft zu sorgen, das geht nur nach dem Prinzip einer Gemeinwohlökonomie. Die SPD kannte einmal eine Neue Heimat oder Coop und hat sie den Märkten geopfert! Und selbst die Grünen kennen nur den Kapitalismus

  • taz: *Laut einer aktuellen ARD-Umfrage glauben 71 Prozent der Befragten nicht mehr, dass die SPD eindeutig auf der Seite der Arbeitnehmer:innen steht.*

    Dazu braucht man keine ARD-Umfrage, denn seit Gerhard Schröder ist die SPD keine Arbeiterpartei und auch keine Partei der kleinen Leute mehr - weshalb sollten die Arbeiter die SPD also noch wählen? Aber muss man deshalb dann gleich die AfD wählen?

    Die Arbeitslosenzahl wird trotz "Schönung" der Bundesagentur für Arbeit/Jobcenter immer größer, aber der CDU/CSU/SPD-Koalition fällt nichts anderes ein, als die Arbeitslosen mit Verschärfungen noch mehr in die Arme der AfD zu treiben.

    In dieser hochtechnisierten Welt voller Maschinen, Computer, Regelungstechnik und Automation - und der stetig ansteigenden Künstlichen Intelligenz (KI) und durch KI gesteuerte humanoide Roboter - wird es in naher Zukunft immer weniger Jobs für Menschen geben; aber darüber reden Politiker, von denen geistig immer noch viele in den 1950er Jahren leben, natürlich nicht gerne.

    Dann kommt noch die Springerpresse hinzu, die ja auch lieber alles Linke und Soziale verteufeln, als sich endlich mal gegen die AfD zu positionieren.

    • @Ricky-13:

      Was viele nicht verstehen ist, dass sich Arbeiter nicht mit Arbeitslosen gleichsetzen, dass heißt Verschärfung bei Arbeitslosen sehen Arbeiter nicht als Politik gegen sie. Diese "Arbeiter profitieren auch davon oder indirekt davon"-Politik der linken mag richtig sein, kommt beim Arbeiter aber nicht an. Was ankommt ist, dass Politik für Minderheiten schön und gut ist, den Arbeiter aber kaum betrifft. Das Klimapolitik richtig ist, aber heute nur als finanzielle Not bei dem arbeitet ankommt, während der Gutverdiener einfach sagt "ich wollte mir eh schon lange eine Wärmepunpe einbauen lassen und 30000 ist ein Schnäppchen". SPD und Linke können noch so oft sagen, dass mit ihnen mehr Netto bleibt, das ist nur belanglos wenn hohe Energiepreise und inflation alles sofort auffressen. SPD und Linke haben ihren schlechten Ruf unter Arbeitern nicht, weil Springer sie verteufelt.

    • @Ricky-13:

      Sie sprechen die Millionen Arbeitslosen an, Sie sprechen die bevorstehende, gewaltige, Veränderung im Arbeitsmarkt an, für was brauchen wir dann noch Millionen von "Facharbeitern" aus den Ausland ??

      • @Günter Witte:

        Hierzulande haben viele kapiert, dass man als kleine(r)!Arbeiter(in) kein gutes Leben hat. Es reicht oft hier und dort finanziell nicht, wenn dann noch das biologische Bedürfnis von Nachwuchs dazu kommt, wird die Situation nicht besser. Ergo wollen einige diese Arbeiten nich mehr annehmen, aber sie ist ein Grundpfeiler der Wirtschaft.



        Aber auch in anderen Bereichen fehlen gut ausgebildetes und motiviertes Personal - zumeist Stellen, bei denen wenig unterschiedliche Aufgaben zu bearbeiten sind.



        Dafür sind viele dankbar um Facharbeiter, woher ist nicht so wichtig. Denken sie mal darüber nach!

        • @mokka flo:

          2,9 Millionen junge Menschen in Deutschland zwischen 20 und 34 Jahren sind ohne Berufsabschluss. Ca. 200000 Personen, davon 75 % mit Hochschullabschluss, wandern jedes Jahr in andere Länder aus. Wir hätten also schon genug Potenzial um unseren Arbeitsmarkt zu versorgen, wir müssen uns nur besser um die Menschen kümmern die schon da sind !

    • @Ricky-13:

      ""Dazu braucht man keine ARD-Umfrage, denn seit Gerhard Schröder ist die SPD keine Arbeiterpartei und auch keine Partei der kleinen Leute mehr - weshalb sollten die Arbeiter die SPD also noch wählen? Aber muss man deshalb dann gleich die AfD wählen?""



      ==



      Arbeiter, welche die agd wählen, behaupten das sich die SPD nur noch um Bürgergeld und um Bürgergeldempfänger kümmern - aber nicht um die Interessen der Arbeiter. Diese Ex-Spd Wähler wählen die agd weil sich die SPD um das Bürgergeld und um Bürgergeldempfänger kümmern - aber mit Sicherheit nicht deswegen, weil Schröder Harz4 eingeführt hat.



      =



      Klartext: Diese Ex-Spd Wähler die nun SPD wählen, haben sämtliche Solidarität zu gesellschaftlichen Gruppen verloren



      denen es schlechter geht.

      • @zartbitter:

        Korrektur - es muss natürlich heissen:



        Klartext: Diese Ex-Spd Wähler die nun agd wählen, .........

      • @zartbitter:

        Nach oben buckeln und nach unten treten, so kennt man den Deutschen. Und wenn er dann noch 'stramm marschieren' darf, dann ist der Deutsche vollends in seinem Element.

  • Hier wird behauptet der Arbeiter würde nicht mehr links wählen weil er desillusioniert ist vom scheitern.



    Das sehe ich nicht so. Vor allem nicht in der Masse.



    Der "Arbeiter" hat noch nie viel davon gehalten Leute mitzuversorgen die sich selbst versorgen könnten. Gerade diejenigen die hart für wenig arbeiten müssen sehen sich verarscht wenn man 40h sich mit nervigen und unfreundlichen Kunden rumplagen muss und wer anders sagt einfach ich habe keinen Bock und das ist auch gut so.

    Haben die Redakteure hier eigentlich schon Mal mit Verkäufern, DHL Fahrern, Logistikern, denjenigen in den Lagern und Werkstätten usw gesprochen?



    Ich glaube nicht.

    Die SPD sollte sich hüten noch mehr und wieder "nur" den Leistungsempfängern und Migrationsphantasien zu widmen. Die die das wollen, wählen die Linke und nicht die SPD. Möchte dir SPD wieder über 20% und mehr kommen, muss die mehr Schichten und Personen darüber hinaus ansprechen. Ob sie das schafft... Gute Frage...

    • @Duplozug:

      Scheitern und Arbeiterstolz sind seit jeher antagonistische Gegensätze. Diese Haltung lässt allerdings kaum noch Raum für das Scheitern als Lernprozess. So versteht man dann vielleicht nicht, dass sich Chefetagen und Unternehmensträger ohne Schwierigkeiten mitversorgen, wohingegen Migranten und Sozialleistungsempfänger kaum etwas abbekommen und zudem gar nicht mal so selten selbst unter den prekär beschäftigten Arbeitern sind. Davon steht in den bildungsfernen Medien nichts, weil man dem geneigten Arbeiter nicht gerade seine Geringschätzung offenbaren, sondern vielmehr sich und ihm seinen Arbeiterstolz erhalten möchte.

      • @Yes:

        "So versteht man dann nicht" Sie geben ein gutes Beispiel warum so viele Arbeiter mit links oder mitte-links nichts zutun haben möchten. Die Haltung der Arbeiter wurde nur nicht verstehen und wisse nicht, was gut für ihn ist, wird am Ende nur als die Geringschätzung empfunden, die sie auch is. Man redet lieber über die Menschen, als mit ihnen.

        • @JSch:

          Reden Sie mit mir oder über mich?

    • @Duplozug:

      Wenn die 90 % solidarisch sind gegenüber den bonzigen paar Prozent und ihren Schranzen, dann erübrigt sich viel. Probieren wir das doch mal aus.

  • Gerhard Schröder SPD hat mit Agenda 2010 und Hartz IV die Arbeiter erniedrigt und entrechtet. Angela Merkel CDU hat 16 Jahre davon profitiert, aber eigene Reformen für den Witschaftsstandort Deutschland versäumt. Die SPD hat sich nie von Schröder distanziert, das war ein Fehler. Jetzt ist guter Rat teuer. Aber dass Arbeiter AfD wählen löst kein einziges Problem. Diese Partei denkt nur an sich selbst und wird wenn sie an die Regierung kommt Chaos verbreiten. Das ist ihr Kern.

    • @KLaus Hartmann:

      Ihre letzten beiden Sätze werden auch über die Grünen kolportiert.

      • @Reinero66:

        Das macht es ja nicht falsch. Der in D übermächtige Parteienstaat, welcher sich bis in die kleinsten Ziselierungen des Lebens der Bürger einmischt hat zwar verschiedene Ausprägungen (aka Parteinamen) funktioniert aber selbstähnlich. Daher kann man gleich Beobachtungen bei verschiedenen Parteien machen.

        BTW - im GG steht das die Parteien bei der Willensbildung des Volkes mithelfen - nicht das die Parteien die Bürger dominieren sollen wie es in D halt leider üblich geworden ist.

        & zum Thema Schröders Agenda 2010, es war ein gewolltes Ziel der SPD den Niedriglohnsektor auszubauen, auch als Konkurrenz zu den übrigen EU Staaten. Leiharbeit (aka Lohnsklaventum) war eine der politisch gewünschten Folgen.

  • Die "Arbeiterschaft" hat sich von der Sozialdemokratie verabschiedet



    Wählt sie jetzt die Linke? Nein, sie hat sich auch von der Solidarität verabschiedet



    Entgangen scheint der doch immer noch gutversorgten und sozial abgesicherten Industriearbeiterschaft, dass eine Partei, die etwas bewirken will, eine ordentliche parlamentarische Mehrheit benötigt.



    Unser ehemaliger Bundeskanzler Olaf Scholz hat als 1.Priorität dort gehandelt wo es am nötigsten war: Menschen am Rande der Gesellschaft ein einigermaßen würdevolles Dasein zu ermöglichen.



    Respekt auch gegenüber Menschen, die in der Leistungsgesellschaft zu den Verlierern gehören

    • @Oliver Wagner:

      Solidarität ist nicht das Ding. Das gibt es auch bei den Gewerkschaften und in den Firmen untereinander. Es geht eher darum, dass die Menschen die nicht arbeiten mit durchgebracht werden. Und wir reden nicht vom Kohlekumpel, dem sie die Zeche dichtgemacht haben und der jetzt umschulen muss zum Malochen, sondern von Menschen die sich bis jetzt noch nicht eingebracht haben.



      Solange das hier immer wieder in einen Topf geworfen wird (wie Asyl und Migration), ändert sich nix am Trend

      • @DerLurch:

        Nach unten treten und nach oben bücken ist keine Form der Solidarität

    • @Oliver Wagner:

      @Oliver Wagner



      Nein, die Arbeitnehmer haben sich nicht von der Solidarität verabschiedet, die Arbeitnehmer finden sich nur nicht mehr von den Parteien, die ihnen zur Auswahl stehen, gut genug vertreten. Eher kräftig in den Arsch getreten...

  • Tung Doan Vaters Stimmungswechsel in Kleiderfabrik zeigt exemplarisch, was in bundesdeutscher Wählerschaft fokussiert auf SPD geschieht mit vormals großer Stammwählerschaft, sie werden spätestens beim parteiübergreifenden Konsens von SPD, Grünen, CDU/CSU außer PDS rotgrüne Arbeitsmarktreform Agenda2010/Hartz IV 2003 im Bundestag durchzuwinken zu alleinigen Lasten Arbeitnehmer außer Beamten zugunsten privater, kirchlicher, kommunaler Arbeitgeber in kommunikativ systemische Double Bind Beziehungsfalle Paul Watzlawick(1921-2007) gelockt, indem SPD Spitze ihre Basis Open House gefragt, ihr habt die Wahl, SPD Spitze oder Arbeitsmarktreform Agenda Ja oder Nein. Wenn SPD Basis dann mit Nein Arbeitsmarktreform Agenda ablehnt, verfällt SPD Spitze verdruckst in Traurigkeit und jammert, ihr liebt uns nicht mehr. Worauf SPD Basis so angesprochen solange in Schuldgefühlen versinkt bis AfD 2013 wie beim Hütchenspiel wundersam vom Fleisch der Altparteien aus der Kiste springt von Schuld befreiend schrill Dissonanz Punkkokenkapell Posaunen Orchester anstimmt, das wahrhaftige Untermalung zur Agenda2010 ist, Retro Nestwärme garantiert, Stammwählerschaft Krötenwanderschaft zur AfD beginnnen lässt

  • Aus meiner Sicht ein sehr guter Artikel. Er beschreibt mit deutlich, dass fehlende Wertschätzung gegenüber dem Einzelnen dazu führt, dass er Politiker wählt, von denen er sich verstanden fühlt. Negatives Paradebeispiel ist für mich die Bundesagentur für Arbeit, die von Vollzeit- und Teilzeitkapazitäten spricht, wenn sie Arbeitnehmer meint. Dieses Entmenschende macht es den Entscheidern leicht, das individuelle Schicksal jedes Einzelnen zu ignorieren.

    • @Olaf Schröder:

      Sehr richtig.



      In dem Unternehmen , bei dem ich angestellt bin, heißt die Abteilung für die Mitarbeitenden "People".



      Das war und ist der erste mächtige Unterschied im Gegensatz zu H(uman) R(essources).

  • Es entsteht bei dieser Lektüre der Eindruck, als würde der „klassische Arbeiter“ als jemand dargestellt, der zu schlicht sei, um komplexe Zusammenhänge zu verstehen.

    Dabei liegen die Ursachen tiefer. Die wachsende Ersetzbarkeit durch Zeitarbeit ist letztlich nur ein Symptom einer lange kaum hinterfragten Globalisierung, deren Dynamik bereits in den 1980er-Jahren an Fahrt aufnahm: das systematische Ausspielen nationaler gesellschaftlicher Interessen durch eine international agierende Wirtschaft.

    Und ist der „Genosse der Bosse“ schon vergessen? Unter Gerhard Schröder wurden die Weichen gestellt für eine Politik, die viele Lohnabhängige nicht nur ökonomisch unter Druck setzte, sondern auch gesellschaftlich entwertete – Stichwort Hartz IV.

    Realsozialdemokraten wie Lars Klingbeil („kein Recht auf Faulheit“) und andere haben wenig dazu beigetragen, dieses Narrativ im Nachhinein ernsthaft zu demontieren. Hoffnungen wie Kevin Kühnert, die zumindest an den Grundfesten rütteln, blieben eher Randerscheinungen.

    Warum also einer SPD nachtrauern, wenn sie zentrale Realitäten so lange nicht erkannt hat?



    Mein Tip: Programmatisch erneuern – glaubwürdig, mit neuen Köpfen statt alten Reflexen.

  • Politik für So­zi­al­hil­fe­emp­fän­ge­r und Migranten ist EIN Punkt für die SPD, einer von vielen wichtigen. Die taz aber suggeriert schon wieder, dass die SPD dies zur ihrer Hauptaufgabe machen soll, dem ich widerspreche. Weil die SPD genau deswegen als Partei der Transferleistungsempfänger gekommen ist, hat sie bei Arbeitern und Angestellten viele Stimmen verloren.



    Wer will, dass die SPD überhaupt noch genügend Wähler zurück gewinnen kann, sollte sie nicht wieder einseitig auf dieses Podest stellen. Denn 20% und ausgeglichene Politik sind wichtiger als 4,x% und Rechthaberei, siehe Linke in BW und RP.



    Ist aber nur meine Meinung als Nicht-SPD Wähler. Meines Erachtens ist der Zug schon abgefahren, die SPD wird nie wieder die Volkspartei, die sie mal war.

    • @Hans Dampf:

      Ich glaube, der Artikel beschäftigt sich mit der erfolgreichen rechten Agitprop, nicht mit dem realen Agieren der SPD.



      Aber es ist IMO äußerst interessant, dass dies offenbar ein ziemlich relevanter Punkt für viele ehemalige SPD-Wähler ist. Könnte es sein, dass sich hier in D die gleiche Motivation findet wie bei Mamdanis Wahlkampf in New York? Stichwort Affordability?

    • @Hans Dampf:

      Vielleicht kann man das so auf den Punkt bringen: Rechthaberei zu gar jedem Thema in jeder Verästelung führt zu steigenden Prozenten bei den Rechten.



      Je mehr Rechthaberei, desto weniger Wählerstimmen.... BSW, Linke, FDP, SPD.... als Hauptprotagonisten.

      • @Tom Farmer:

        Könnte was dran sein.

  • also erstmal: die Arbeiter, die früher SPD gewählt haben, waren nie links. Die waren immer latent weit rechts, "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeit weg" etc. Es ist zwar geradzu erschütternd dämlich, als vom Wirtschaftsliberalismus in die Ecke gedrängter Lohnsklave eine Partei zu wählen, die genau diesen Wirtschaftsliberalismus komplett enthemmen will, aber naja, wenn dein Weltbild von Springer und Fratzenbuch definiert wird, was will man erwarten. Hauptsache, die tun was gegen die Ausländer!

    Die SPD ihrerseits war auch immer maximal auf dem Papier des Grundsatzprogramms links, spätestens seit Schröder ist die SPD neoliberal und vertritt im Wesentlichen die Interessen der "Märkte". Das die sog. "kleinen Leute" nicht mehr SPD wählen, ist nachvollziehbar (es ist ja ohnehin eher schwierig, einen Grund zu finden, die noch zu wählen.)

    • @John Zoidberg:

      Finde ich beeindruckend. Erst sind die arbeitenden zu doof um die Pläne der SPD zu verstehen und jetzt sind sie eh alle schon immer rechts gewesen. Verdammt, man sollte uns wirklich aus diesem schrecklichen Leid erretten.

    • @John Zoidberg:

      "also erstmal: die Arbeiter, die früher SPD gewählt haben, waren nie links. Die waren immer latent weit rechts, "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen"," "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeit weg"

      Sie haben - sorry - offenkundig keine Ahnung vom Thema. Im Pütt, der ehemaligen Herzkammer der Sozialdemokratie, lebt man seit Jahrhunderten mit Einwanderern. Und eines gab es da - als relevante Strömung (abgesehen von der braunen Zeit) - nie: den ausländerfeindlichen Kontext, den Sie beschreiben.

      "Die SPD ihrerseits war auch immer maximal auf dem Papier des Grundsatzprogramms links, spätestens seit Schröder"

      ROTFL, die SPD hat 140 Jahre Geschichte vor Schröder. Wer da nichts Linkes findet, sucht nicht.

      • @Kaboom:

        " Und eines gab es da - als relevante Strömung (abgesehen von der braunen Zeit) - nie: den ausländerfeindlichen Kontext, den Sie beschreiben."



        Das kann ich aus eigener Erfahrung ausdrücklich nicht bestätigen. Als Kind eines Bergarbeiterhaushalts in der vierten Generation im Rheinischen Steinkohlerevier, geb. 63 erinnere ich mich sehr gut daran, wie die Bezeichnungen der verschiedenen Ethnien lauteten: Kümmeltürke, Polacken, Schlitzaugen, Spaghettifresser... Wie die Nachbarn sich die Mäuler zerrissen, als mein Bruder und ich uns in den späten 70ern und frühen 80ern mit den ghanaischen Asylbewerbern anfreundeten, diese auch noch von meiner (völlig unpolitischen) Mutter bekocht wurden,"...damit die armen Schweine was auf die Rippen kriegen." Die angebliche Solidarität, Kameradschaft und all die anderen den Bergleuten zugeschriebenen kollektiven Eigenschaften gab es nur, wenn überhaupt, als Überlebensstrategie in einer durch die wirtschaftlichen Zwänge geschaffenen Notgemein-schaft. Sobald ein gewisser Wohlstand geschaffen war, war es auch mit der guten Nachbarschaft und der Solidarität vorbei.

    • @John Zoidberg:

      Die waren immer latent weit rechts, "wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen", "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeit weg" etc.

      Diese Vorstellungen waren von Anfang an links.

      Schon bei Marx finden Sie die Idee, dass man durch seiner Hände arbeitet erst das Recht an der Teilhabe an den gesellschaftlichen Ressourcen erwirbt.

      Das Gegenstück waren damals halt nur andere nichtarbeitende Personen.

      Damals existierten keine Sozialleistungen in relevantem Maße.

      Auch im realexistierenden Sozialismus gab es eine Verpflichtung zur Arbeit als Beitrag zum Aufbau des Sozialismus.

      Deren Parteien waren deutlich links von der SPD.

      • @rero:

        Marx’ Grundsatz des Kommunismus lautete dann allerdings: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“

        • @Yes:

          Ja

          Aber Nichtstun ist nicht vorgesehen.

          • @rero:

            Verstehe ich Sie richtig, dass alles außerhalb der Erwerbsarbeit "Nichtstun" ist?

            • @Eric Manneschmidt:

              Es geht hier nicht um meine Meinung.

          • @rero:

            Es ging Marx um Selbstverwirklichung .

            • @Yes:

              Marx war kein früher Vertreter des Individualismus.

              • @rero:

                Das kommt auf den Individualismus an. Marx ging davon aus, dass die freie Entwicklung des einzelnen Voraussetzung für die freie Entwicklung aller sei. Man kann den Individualismus darin nicht ganz übersehen. Die klingbeilsche Austeritätspolitik hätte er dagegen ganz sicher als Klassenkampf von oben verstanden, weil sie nur dazu diene, (auch) in Krisenzeiten die Rentabilität des Kapitals zu erhalten.

        • @Yes:

          Oh, das war eigentlich als Antwort auf den Beitrag von rero ganz unten gedacht.

      • @rero:

        nur weil Rechte alles Linke mit Sozialismus und Kommunismus gleichsetzen, ist der Vergleich noch lange nicht richtig.

        • @John Zoidberg:

          Wollen Sie sich meinen Kommentar eventuell nochmal durchlesen?

          Ich habe nämlich gar keinen Vergleich drin

          • @rero:

            @rero



            Sorry, Sie bezeichnen die ehemalige Diktatur der DDR als " realexestierenden Sozialismus " und ziehen einen Vergleich zur Linken



            Zitat : " Und deren Parteien waren linker als die SPD "



            Eine völlige Fehlinterpretation der damaligen SED Diktatur, die aber sehr verbreitet scheint.



            Darum ist es so wichtig viel mehr Fördergelder von inserer Regierung für Projekte zur Förderung zum Demokratieverständnis bereitzustellen.

            • @Alex_der_Wunderer:

              Sorry, True-Scotsmen-Argumentationen helfen nicht weiter.

              Da nützenn auch Fördergelder nicht.

        • @John Zoidberg:

          @ John Zoidberg



          Ganz Ihrer Ansicht 👍👍