Antwort auf Verkehrsminister Schnieder: Bahn-Bashing? Nicht mit uns!
Nun lästert selbst Verkehrsminister Schnieder über die Deutsche Bahn. Da sollte er mal diesen Text lesen: Nur Gutes über den bundeseigenen Konzern.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat der Funke Mediengruppe gesagt, der Zustand der Deutschen Bahn (DB) „geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung“. Ja, der bundeseigene Konzern muss besser werden, aber dieses mittlerweile übliche In-Grund-und-Boden-Reden ist übertrieben.
Die meisten (!) Fernzüge kommen pünktlich: 2025 erreichten laut Konzern 60,1 Prozent der DB-Fernverkehrszüge pünktlich das Ziel. Der Abstand zum Flugverkehr ist geringer, als viele denken: An den vier größten Flughäfen Deutschlands starteten im vergangenen Jahr dem Fluggastrechteportal Flightright zufolge zwar 72,5 Prozent der Verbindungen pünktlich. Aber da gilt eine Abweichung von mindestens 15 Minuten als verspätet, bei der Bahn sind es nur 6 Minuten.
Wer früh bucht, fährt konkurrenzlos billig: zum Beispiel für 47 Euro mit BahnCard 25 und 2 Kindern selbst an einem Großreisetag wie dem Beginn der Winterferien von Berlin an den Vierwaldstättersee in der Schweiz.
Kinder bis inklusive 14 Jahre reisen im Fernverkehr kostenfrei mit einer Begleitperson, die mindestens 15 Jahre alt ist. Das gibt’s weder im Flugzeug noch im Bus oder bei den meisten Bahngesellschaften in Europa.
Gepäck ist anders als bei Billigfliegern inklusive.
Mit dem City-Ticket (bei vielen Fernverkehrstickets dabei) ist die Fahrt mit S-Bahn, Tram oder Bus zum Startbahnhof und vom Zielbahnhof zum Hotel in rund 140 Städten bereits kostenlos enthalten.
Die Bahn ist oft viel schneller als das Auto oder der Bus. Von Berlin Hauptbahnhof nach München Hauptbahnhof braucht die Bahn 4 Stunden, das Auto 6:15 Stunden der Bus 7:40 Stunden (plus Fahrt zum Zentralen Omnibusbahnhof).
Während das Auto zur Ferienzeit unweigerlich im Stau steht (was die 6:15 Stunden nach München schnell auf 9 Stunden verlängert), fährt die Bahn auf ihrer eigenen Trasse einfach vorbei.
Bei der Bahn verliert man keine Zeit bei Sicherheitskontrollen wie am Flughafen.
Bahnhöfe sind mitten in der Stadt – nicht außerhalb wie viele Flughäfen.
Die Bahn ist nach Berechnungen des Umweltbundesamts von 2024 das klimafreundlichste der wichtigsten Verkehrsmittel. Pro Kilometer und Person stößt sie im Fernverkehr im Schnitt nur 26 Gramm CO₂-Äquivalente aus, der Fernbus 30, das Auto 164 und der Inlandsflug 290 Gramm.
Die Bahn ist das sauberste der wichtigen Verkehrsmittel. Pro Kilometer und Person produziert sie im Fernverkehr demnach im Schnitt nur 0,03 Gramm Stickoxide und 0,001 Gramm Feinstaubpartikel. Das Auto zum Beispiel liegt bei 0,29 Gramm Stickoxiden und 0,012 Gramm Partikeln.
In der Bahn ist die Gefahr von Unfällen viel niedriger als in Bussen oder Autos. „Im Zehnjahresschnitt von 2015 bis 2024 war das Risiko für Reisende, mit dem Zug tödlich zu verunglücken, 52-mal geringer als für Insassen eines Autos“, schreibt die Allianz pro Schiene. Vergleicht man die Sicherheit von Zug und Auto pro Personenkilometer, ist das Risiko einer schweren Verletzung bei jeder Autofahrt gut 140-mal höher als bei einer Bahnfahrt.
Die Deutsche Bahn zahlt Entschädigungen bei Verspätungen meist problemlos. Fluggesellschaften dagegen verweigern sich regelmäßig.
Vielfahrer bekommen Freigetränke in der Bordgastronomie: Wer mit dem Bahnbonus-Programm binnen 12 Monaten mindestens 1.500 Statuspunkte (1 Euro Umsatz = 1 Punkt) sammelt, hat den Silber-Status und bekommt 8 Getränke gratis. Wer noch mehr fährt, erhält noch mehr.
Die DB Lounges an 13 Bahnhöfen haben super WLAN, kostenlose Getränke und sogar gedruckte Zeitungen. Der Zutritt ist gratis zum Beispiel für BahnBonus-Kunden ab Silber-Status.
Besonders Sechserabteile oder Vierertische sind kommunikativer als Bus oder Flugzeug. Da haben sich schon künftige WGs kennengelernt.
Bahngeschwindigkeit ist humaner als Flugtempo. Gerade bei sehr weiten Fahrten kann man viel mehr Gefühl für die Weite und Vielfalt Europas entwickeln.
Besonders die neuen ICE sind schick und komfortabel – inklusive Toiletten mit kontaktloser Spülung.
In der Bahn kann man sich viel mehr bewegen als in Auto, Bus oder Flugzeug. Das ist jetzt besonders wichtig bei Reisen mit Kindern.
Bei der Deutschen Bahn zahlt man sein Geld nicht an einen privaten Konzern, sondern an ein staatliches Unternehmen. Bahnkunden füttern nicht irgendwelche Reichen.
In der Bahn kann man die Zeit sinnvoll nutzen und muss nicht steuern.
In der Bahn muss man sich nicht anschnallen.
Im Zug gibt es keine Turbulenzen.
In der Bahn wird man nicht reisekrank wie viele Leute im Auto oder Bus.
Dank Steckdosen an fast jedem Platz (im ICE) und Tischen sowie WLAN ist die Bahn das einzige Verkehrsmittel, in dem man produktiv am Laptop arbeiten kann. Im Auto geht das gar nicht, im Flugzeug und Bus ist es oft zu eng.
Während Haustiere im Flieger oft in den Frachtraum müssen oder im Bus gar nicht erlaubt sind, können Hunde in der Bahn (angeleint und mit Maulkorb) unkompliziert mitreisen.
Nachtzüge sparen eine Hotelübernachtung ein. Man steigt abends in Berlin ein und wacht morgens in Paris, Wien oder Zürich auf – das bietet kein Auto und kein Flugzeug in dieser entspannten Form.
Moderne Züge wie der neue ICE L oder ICE 3neo ermöglichen Rollstuhlfahrern oder Eltern mit Kinderwagen einen deutlich einfacheren, oft sogar stufenlosen Einstieg als die engen Gänge und Treppen in Flugzeugen oder Bussen.
Bahnfahrer kommen im Stadtzentrum an und müssen keine horrenden Parkgebühren in Parkhäusern zahlen oder ewig kreisen, um das Auto loszuwerden.
Der ICE bietet spezielle Ruhebereiche, in denen lautes Telefonieren und Musik untersagt sind. Das gibt es weder im Bus noch im Flugzeug, wo man oft der Geräuschkulisse der Sitznachbarn ausgeliefert ist.
Im Bordrestaurant des ICE isst man nicht aus Plastikschalen wie im Flieger. Man bekommt sein Essen auf echtem Geschirr. Ist auch umweltfreundlicher.
Die Bahnstrecken führen oft durch Naturschutzgebiete, über historische Viadukte oder direkt an Flüssen (wie dem Rhein) entlang, die man von der Autobahn aus nie sehen würde.
ICE-Fahrgäste können sich jederzeit im Bordbistro einen frischen Kaffee oder Snack holen. Sie müssen nicht warten, bis der Servicewagen im engen Flugzeuggang endlich bei ihrer Sitzreihe ankommt.
Da Züge am Boden bleiben, gibt es keinen schmerzhaften Druckausgleich in den Ohren wie beim Start oder Landeanflug eines Flugzeugs – besonders für Menschen mit empfindlichen Nebenhöhlen ein Pluspunkt.
Im Gegensatz zum Flugzeug kann man im Zug sein Lieblingsshampoo in der 500-Milliliter-Flasche, eine Glasflasche Wein oder die Thermoskanne Kaffee mitnehmen, ohne sie bei einer Kontrolle abgeben oder umfüllen zu müssen.
Im Gegensatz zum Flugzeug müssen Bahnfahrer ihr Smartphone oder Tablet nie in den Flugmodus schalten oder weglegen. Es gibt kein Handyverbot wie beim Starten oder Landen eines Flugzeugs.
Die Deutsche Bahn kann über sich lachen. Die vom Konzern in Auftrag gegebene Webserie „Boah, Bahn! Wir sitzen alle im selben Zug“ mit Anke Engelke in der Hauptrolle nimmt auch die Tiefen des Bahnalltags selbstironisch auf die Schippe.
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