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Gute VorsätzeNicht mehr rauchen? Klar, vielleicht … oder doch nicht

Lukas Wallraff
Kolumne
von Lukas Wallraff

Mit festen Vorsätzen ist das so eine Sache. Die sind oft nicht so leicht umzusetzen. In gewissen Fällen wäre das auch gar nicht ratsam.

Hat es nicht so mit guten Vorsätzen: der französische Autor Michel Houellebecq bei einer Buchpräsentation Foto: Andreu Dalmau/dpa

H aben Sie auch ein schlechtes Gewissen, weil Sie am 1. Mai wieder nicht demonstriert haben, obwohl Sie doch zu den sensiblen 81 Prozent gehören, die es ungerecht finden, wie der Wohlstand im Land verteilt ist? Dann sind Sie nicht allein. Die allermeisten blieben trotzdem zu Hause oder haben sich sonst wo vergnügt, nur nicht bei einer Demo.

Dabei hatte doch eine spektakuläre Umfrage der ARD gerade erst ergeben, dass vier von fünf Deutschen ein Ungerechtigkeitsgefühl verspüren. 81 Prozent! Der Hammer! Man muss zwar nicht so weit gehen wie der Kollege René Hamann, der deshalb bei der taz-Titelkonferenz erfolgreich vorschlug, ganz Deutschland „gesichert linksextrem“ zu nennen. Der Mann hat als Ehrenpräsident des taz Panter FC qua Amt ein Herz für Schwache und sucht nach jedem Strohhalm.

Aber bemerkenswert war es schon, dass sich 81 Prozent der Deutschen mehr Gerechtigkeit wünschen, während die Regierung meist für das Gegenteil sorgt, die Reichen noch reicher macht, den Armen die Hautkrebsvorsorge streicht und das Bier verteuert. Warum also kämpft kaum jemand dafür, dass sich daran etwas ändert?

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Tja. Am 1. Mai wollten die meisten wahrscheinlich weder den langweiligen Reden auf den traditionellen DGB-Demos lauschen noch beim traditionellen Krawall mitmachen, also lieber lauschig im Biergarten sitzen. Und bei den Wahlen kommt den Gerechtigkeitsfreunden auch immer irgendwas dazwischen. Den Grünen-Fans zum Beispiel die Umwelt, die im Zweifel wichtiger ist. Die SPD kommt für mindestens 81 Prozent nicht mehr infrage, weil sie die SPD ist.

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Lieber nicht die AfD wählen

Die Linke ist für 90 Prozent zu links oder zu israelkritisch. Und der große Rest findet es im Zweifel wichtiger, die Wirtschaft anzukurbeln und Ausländer rauszuschmeißen, auch wenn sich das widerspricht. Feste Vorsätze sind eben schwer umzusetzen. Es haben auch schon 81 Prozent für mehr Klimaschutz votiert und dann jede Maßnahme abgelehnt, die sie betreffen könnte.

Gerade wir Linksgrünversifften fliegen gern weit weg von den Sorgen. Auch mindestens 81 Prozent der RaucherInnen wollen sicher aufhören, werden es aber trotz der Erhöhung der Tabaksteuer wohl nicht tun. So bleibt nur eine, zugegeben kleine Hoffnung: Vielleicht überlegen es sich auch die vielen Menschen, die in Umfragen „AfD“ sagen, noch mal anders, wenn es darauf ankommt.

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Lukas Wallraff
taz.eins- und Seite-1-Redakteur
seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens
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7 Kommentare

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  • Lieber Linksgrünversifft als ultrarechtsverwest.



    Hab ich als betrucktes T-Shirt.

  • Forderungen sind schnell gestellt, umsetzen sollen es die anderen.

    Ich habe am Bürgerrat Klima in Stuttgart teilgenommen, es war jedes mal eine gewisse Belustigung für mich, das Gesicht der Teilnehmer zu sehen, wenn es darum ging das Verzicht eine Option sein kann.

  • Was meint wohl Ralf dazu ?

    • @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Dem ist das egal. Er ist schon wieder besoffen.

  • Man muss zwar nicht so weit gehen wie der Kollege René Hamann, der deshalb bei der taz-Titelkonferenz erfolgreich vorschlug, ganz Deutschland „gesichert linksextrem“ zu nennen.



    ----



    Ganz Deutschland? Wirklich ganz...?



    Gib es nicht noch kleine Dörfer, auch was "Flecken" in denen DIE Leben die mit geliehenem Zaubertrank, viel doitschem Glauben & einem Barden aus dem Südgebirge, ... versuchen dem o.a. zu trotzen?



    Machmal mit "Passierschein 379, auch mit "Prügelei, aber immer mit Wildschwein, Wein usw. auf IHREM & der Freunde Tisch, gleich wie das für den Rest ausgeht?



    Nachdenklich über das "Whistleblowing" aus der TAZ-Konferenz. Wenn DAS der falsche Staatsminister hört, setzt es "VerfS" & keine Förderpreise nicht unter 10 Jahre!



    Btw. Bereit? Allzeit Bereit!



    Offen bleibt nur "für was"?



    Brummt Sikasuu



    (Heimatloser Linker)

  • 1



    Zur Überschrift bringe ich mal einen Kalauer: "Nichts ist einfacher, als mit dem Rauchen aufzuhören! Ich hab's schon tausendmal gemacht."



    2



    Warum das Bild von "Michel Houellebecq" neben dem Kommentar. Durch das übermäßige Rauchen steht der doch kurz vorm Herzinfarkt oder Hirnschlag. Für den Nachruf ist aber noch zu früh.



    3



    Zur Demo in Frankfurt waren nur ca. 5000 Leute erschienen - die Gastronomie ringsherum war dagegen gut besucht. Traurig! Ich bin gegangen, weil der Pro-Palästina-Block immer wieder versucht hat, die Demo zu übernehmen. Nur geht es beim 1. Mai um "internationale Fragen" und nicht so sehr um "nationale".



    4



    Wer die AfD wählt ist einfach nur d o o f !!!

  • Das epigenetisch verankerte Ungerechtigkeitsempfinden sagt allerdings wenig über die politsche Voriebe der sich zuhause vergnügenden.