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Klimapolitik und ZukunftDas Meckern über Moral

Der Klimaschutz sei zu moralisch, moralisierend, moralistisch, hört man oft. Aber wer profitiert davon, wenn man sich diesen Vorwurf zu Herzen nimmt?

Demonstranten von Fridays For Future bei einer Protestaktion vor dem Kanzleramt in Berlin Foto: Stefan Boness/Ipon

Z u den vielen Unwuchten im Politikbetrieb gehört es, dass das linke Lager jederzeit bereit ist, sich noch den billigsten Vorwurf des politischen Gegners zu Herzen zu nehmen – „Ui, haben die da doch einen Punkt?“ – und die eigenen Argumente durchzuflöhen. Auf konservativ-wirtschaftsliberaler Seite dagegen ist das selten bis nie zu beobachten. Das Bemühen um halbwegs widerspruchsfreie Begründungszusammenhänge bleibt ein linkes Hobby, und ebenso lange wird die Macht vermutlich auf der anderen Seite wohnen bleiben.

Das derzeit beeindruckendste Beispiel dafür ist die Klimapolitik. Der Durchmarsch der fossilen Lobby auch durchs bundesdeutsche Kabinett macht die Klimaziele zur Fata Morgana – einem Trugbild in der Wüste, als die wir uns große Teile Europas in der Zukunft vorstellen dürfen. Doch hadern KlimaschützerInnen weiterhin damit, ob und inwiefern die Vorhaltung wohl stimmt, dass Klimaschutz stets zu moralisch, moralisierend, moralistisch sei, eben mit einer „überhöhten Moral“ daherkomme, wie es Friedrich Merz als Noch-nicht-Kanzler über die Grünen donnerwortete.

wochentaz

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Wie bei vielem anderen ist Merz als Kanzler auch hierin längst vom Gas gegangen. Grünen-Parteichef Felix Banaszak bestätigte den Vorwurf jedoch indirekt noch einmal, als er im März programmatisch schrieb, das „Kampffeld“ müsse „von der Moralisierung von Lebensstilfragen“ weg verlegt werden, hin zur „Herausforderung schädlicher Machtverhältnisse“.

An genau dieser Stelle habe ich mich schon einmal mit meinem Kolumnenkollegen Peter Unfried verhakt. (Er: Moral raus aus dem Klimaargument! – Ich: Das Klimaargument geht nur mit Moral!) Umso glücklicher war ich deshalb, vorige Woche auf unserem Jahreskongress, dem taz lab, eine Diskussion mit zwei MoralexpertInnen führen zu dürfen. Wir hatten eine Auflösung. Kurz zusammengefasst: Man entkommt der Moral nicht.

Die Idee von einer besseren Zukunft

Die Schriftstellerin Anne Rabe, die jüngst das Buch „Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral“ geschrieben hat, sagte: „Vielleicht ist eine Politik, die sich an einem Ideal oder an einer Idee von einer besseren Zukunft ausrichtet, per se verdächtig.“ Doch genau deshalb sollten sich Progressive – gedacht bis in gemäßigte CDU-Kreise hinein – diese Vorstellung einer besseren Zukunft nicht nehmen lassen, sondern sie nur noch deutlicher formulieren.

Gegen Moral spreche dabei überhaupt nichts, sagte Rabe. Moral sei schließlich „ein Mittel, die Gesellschaft resilienter, intelligenter und besser zu machen, mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen“.

Über Moral zu meckern, sei ungefähr so schlau, wie sich über Schwerkraft zu beschweren, sagte auch der Philosoph Hanno Sauer. Er hat in „Moral. Die Erfindung von Gut und Böse“ die Entwicklung der Moral durch die Menschheitsgeschichte nachgezeichnet. „Die Behauptung, dass einem mit Moral unangenehm in den Nacken geatmet werde, ist abwegig“, führte Sauer in entzückender Metaphorik aus. Zwar gebe es Bereiche wie Kunst oder Sport, denen der „Import von Moral“ nicht unbedingt guttue. Das gelte aber nicht für die Politik. „Moral ist die Abwägung und Versöhnung von Interessen – auch von Menschen, die noch nicht geboren sind, und Menschen am anderen Ende des Planeten.“

Bleibt die Frage, unter welchen Umständen die WählerInnen es dulden, ihre Interessen etwa am Autofahren mit den Interessen noch nicht geborener Menschen abzugleichen. „Preise sind ein akzeptiertes Mittel“, sagte Sauer, „dann bräuchte man gar keine Moral, weil’s einfach zu teuer ist.“ – „Um das zu rechtfertigen, bräuchte man eine moralische Diskussion“, entgegnete Rabe. Wie erwähnt: Moral ist sowieso überall drin.

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Ulrike Winkelmann
Chefredakteurin
Chefredakteurin der taz seit Sommer 2020 - zusammen mit Barbara Junge und inzwischen auch Katrin Gottschalk. Vorher: Von 2014 bis 2020 beim Deutschlandfunk in Köln als Politikredakteurin in der Abteilung "Hintergrund". Davor von 1999 bis 2014 in der taz als Chefin vom Dienst, Sozialredakteurin, Parlamentskorrespondentin, Inlandsressortleiterin. Zwischendurch (2010/2011) auch ein Jahr Politikchefin bei der Wochenzeitung „der Freitag“.
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22 Kommentare

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  • Während Frau Herrmann und Frau Lehmann doch recht häufig in Talkrunden auftreten und dabei die Unverzichtbarkeit der TAZ in der Medienlandschaft manifestieren - ist Frau Winkelmann selten zu sehen: Schade; denn ich mag ihre Süffisanz und die nett hergeholten Wortspiele.

    Zurück zum Thema. Erst kommt das Tröpfeln - dann kommt die Moral. Ich tue mich schwer die Begriffe union und Moral zusammen zu denken (die verspäteten Koalitionsverhandlungen in BaWü legen Zeugnis ab).



    Bei alten Herrn ist es nun mal so, dass sie zum Tröpfeln neigen (wenn die Prostata nicht gänzlich zumacht). Und man hat uns einen Kanzler in intellektuell überreiztem Alter zu gewählt. Herr Merz neigt zu vorzeitigem Rede-Erguss, einem Symptom, dass eher jungen und unerfahrenen Hüpfern zugeschrieben wird. Und dann geht´s eben zum Urologen oder Coaching für Reflexion & Psychohygiene. Wenn die union sich Moral gern als Kreuz an die Wand hängt – diese, ihre Moral aber auf einem Merz`schen Bierdeckel Platz hat – wird es eng – an den Rändern. Oder die Gesellschaft wird Rand.

  • Deutschland erwärmt sich seit 30 Jahren um 0,5 Grad pro Jahrzehnt, und die globalen Treibhausgasemissionen sind immer noch jedes Jahr höher. Und der arktische Permafrost taut jetzt schon grossflächig - in dem ist 3mal so viel CO2 gebunden, wie die Menschheit bisher freigesetzt hat.



    In 100 Jahren liegen die Temperaturen in Deutschland also so hoch wie in Spanien am Ende des letzten Jahrtausends. Das ist faktisch schon nicht mehr vermeidbar. Es geht jetzt darum, zu verhindern, dass es NOCH VIEL SCHLIMMER wird.

  • "Moral" ist das falsche Wort. Es ist einfach nicht gesund, sich an Dingen zu erfreuen, die Anderen schaden. Insbesondere dann, wenn man sich auch an Dingen erfreuen könnte, die vor allem nützlich sind.

  • Der sog. Westen (mit seinem dualistischen Denken) hatte schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zu Moral.







    Die Buddhistische Weltsicht, bei der z.B. der Begriff des *Karma* eine zentrale Rolle spielt, ist da schon wesentlich eindeutiger.

    Moral ist seinem Wesen nach universell und baut auf das *Prinzip der Gegenseitigkeit* auf. Sie ist damit DIE entscheidende Instanz für Gerechtigkeit und sozialem Miteinander..sowie eine der zentralen Säulen der Lebenskunst.







    ..eigentlich..denn wie wir sehen, läßt sich Moral auch sehr gut instrumentalisieren, z.B. indem man anderen ein schlechtes Gewissen macht.. (und die Moral von der Geschicht: ich sage dir das tut man nicht).

    Und so arbeiten in der Jetztzeit ganze Thinktanks, Werbefirmen, Sprachdesigner, Verschwörungsideologen, usw. daran Moral in ihrem Sinne umzuframen und als Machtinstrument einzusetzen.



    Ziel dabei ist immer die Eindeutigkeit der Welt zu spalten.



    Der relativ neue Begriff des "Narrativs", der suggeriert, es gäbe auch eine "alternative Realität" ist so ein Beispiel, Trumps "alternative Fakten" ein anderes..







    In Wirklichkeit gibt es aber nur EINE Realität und EINE (universelle) Moral. Die Physik wird uns daran erinnern..

    • @Wunderwelt:

      Ich betrachte Moral nicht als universell, sondern als kulturell hergestelltes nicht gänzlich festgeschriebenes Regelwerk, das sich in der echten Welt bewähren muss.



      Da Moral laut Dir auf Gegenseitigkeit beruht, werden die Leute, die mithilfe von Moral herrschen wollen auch selber mithilfe der Moral beherrscht. Moral engt alle Beteiligten ein. Natürlich muss sich eine Gesellschaft fragen, wie viel Moral sie erfüllen kann, und welche Moral sie erfüllen muss, um überhaupt stabil funktionieren zu können.

      Tierschützer sind beispielsweise sehr moralisch, aber Leute, die keine Ahnung haben, wie sie vegan leben können, können so hohen moralischen Ansprüchen gar nicht genügen. Hier haben wir also ein klassisches Beispiel für einen moralischen Aushandlungsprozess.

      Klimaschutz ist hingegen ein Beispiel für ein moralisches Ideal, das unverhandelbar ist, weil die Gesellschaft an sich ohne Klimaschutz nicht fortbestehen kann. Gleichzeitig lassen sich Klima"sünden" mit der Technik, die jetzt zur Verfügung steht, noch nicht vollständig vermeiden. Diesen Zwiespalt muss man aushalten, weil er materiell gegeben ist.

  • Moral ist ein Begriff der immer wieder von Interessengruppen für ihre Argumentation gebraucht wird und für das Gegenteil. Wir haben das zunehmende Problem das wir uns mit anderen Meinungen auseinandersetzen. Die Wichtigkeit des Klimaschutzes ist prinzipiell wenig umstritten. Die Frage ist der Stellenwert gegenüber anderen persönlichen Interessen. Beim Klimaschutz haben wir ein großes Problem mit der Verfügbarkeit von bezahlbaren Lösungen, dass können am ehesten Ingenieure der Energietechnik beurteilen, die sind aber sowieso nur die Erfüllungsgehilfen von RWE und Co. Da läßt man sich durch Sachargumente nich die Meinung vermiesen. Hersteller von Ökoenergieanlagen haben genauso wirtschaftliche Interessen, wie alte Energieunternehmen. Die Demokratie wird über Mehrheiten geführt. Leider ist die Mehrheit nicht bereit mehr als ein Eis pro Jahr und Person für den ökologischen Umbau zu zahlen. Seit Trittin ist der Eispreis auch massiv angestiegen. Deutschland sollte natürlich eine Vorbildfunktion im Umbau entwckeln. Auf Grund unserer Resourcen haben wir deutliche Probleme beim Wandel. Das Gefühl der Wähler das der Preis für den Ökuumbau unseriös dargestellt wird, macht es ebenfalls schwer.

  • Es ist gut, wenn Politik sich an Moral ausrichtet - Betonung auf 'ausrichtet'.

    Problematisch wird es durch das weit verbreitete Denken, gegen Moral dürfe nie verstoßen werden, sie sei etwas absolutes.



    Der absolute Anspruch gibt denen, die die moralische Deutungshoheit für sich reklamieren, ein tolles Herrschaftsinstrument in die Hände, mit dem gerne gespielt wird.



    Natürlich stößt das alle Anderen vor den Kopf.

    Schuld ist wahrscheinlich der kategorische Imperativ und die autoritärem Denken entspringende Angst, Ausnahmen würden sofort ein ganzes System zum Einsturz bringen.

  • Ohne Moral geht es nicht!



    Eine Gesellschaft ohne eigene Moralvorstellungen ist unmöglich.



    Das bedeutet nicht, dass Moralvorstellungen unveränderlich sind.



    Rauchen ist hier mal wieder ein schönes Beispiel: Bis in die 70er und 80er Jahre hinein war es allgemein üblich, dass jederzeit und allerorten geraucht werden durfte. Nichtraucher*Innen hatten sich dem zu fügen.



    In zwei bis drei Jahrzehnten ist es gelungen,



    die Moralvorstellungen dahingehend zu verändern, dass Rauchen in Gesellschaft unangebracht ist, da es auch die Gesundheit Anderer gefährdet.



    Da kommen wir zum Thema Klimaschutz, der uns eben auch Alle betrifft.



    Ein „Mach doch was Du willst“ wäre hier kontraproduktiv.



    Nur gemeinsame Anstrengungen sind letztlich erfolgreich.



    Das bedeutet nicht, das es falsch wäre, mit gutem Beispiel voran zu gehen.



    Wer seinen Garten in eine grüne Oase verwandelt, kann mit Vogelgezwitscher, Schmetterlingen und erholsamem Schatten für die Idee Klima- und Umweltschutz werben.



    Wer allerdings Klimaschutz fordert und dann in den Urlaubsflieger steigt, betreibt Antiwerbung.

    • @Philippo1000:

      Ich möchte noch weiter gehen: Mir ist aufgefallen, dass gerade diejenigen, die viel 'rum kommen, diesen Planeten besonders schätzen lernen. Wer für einen Urlaub in den Flieger steigt, die Natur, die er oder sie dort vorfindet als unerwartet schützenswert erkennt, und sich danach den Garten, das Haus und das Dach zu einer grünen Oase transformiert, und sich darüber hinaus auch noch gesellschaftlich engagiert, hat viel mehr für den Erhalt der Umwelt und des Klimas erreicht als jemand, der oder die aus Klimascham zuhause geblieben ist, die totgespritzte Kulturlandschaft zuhause weiter für eine naturnahe Umgebung hält, und sich zum Erhalt dieses "Idylls" womöglich auch noch gegen Windräder einsetzt, weil ihm oder ihr der Blick aufs große Ganze fehlt.

  • Es geht doch weniger um Moral, als die oft genug an den Tag gelegte Doppelmoral. Wenn sich Menschen für den Schutz des Klimas auf der Straße festkleben (mal von der Sinnlosigkeit dieses Tuns abgesehen) und dann nicht vor Gericht erscheinen können, weil sie zur Selbstfindung nach Bali geflogen sind, dann bekommt man keinen Zuspruch. Wenn nur Lösungen präsentiert werden, die unter Berücksichtigung aller Opportunitätskosten für einen Großteil der Menschen nicht leistbar sind und eine insgesamt sehr fragwürdige Umweltbilanz haben, dann gewinnt man keine Mitstreiter. Oder wenn man in D die Atomkraftwerke abschaltet um dann Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen zu importieren. Die Liste ist lang. Und ganz grundsätzlich scheitert die Klimabewegung daran, dass sie keine funktionierenden Konzepte für den Klimaschutz hat und die Konzepte, die funktionieren, aus vermeintlich moralischen Gründen ablehnt.

    • @Samvim:

      "...wenn man in D die Atomkraftwerke abschaltet um dann Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Polen zu importieren..."







      2001 (Höhepunkt) lieferten deutsche Atomkraftwerke 171,3 Mrd. kWh Strom. Dagegen ist die 2025 importierte Atomstrommenge mit 5,1 Mrd. kWh lächerlich gering.







      Aus Polen kamen 2025 rund 330 Millionen kWh Kohlestrom. Der Höchststand in Deutschland lag 1991 bei 312,2 Milliarden (!) Kilowattstunden, also um den Faktor 1000 mal höher.







      Und in 10 Jahren sind selbst diese unrelevanten Mengen wahrscheinlich gar nicht mehr notwendig. Wenn das für Sie Scheitern der Klimabewegung ist, dann weiß ich auch nicht mehr. Man kann auch alles schlechtreden.

  • Die PV-Module kosten heute unter 70 €, 2023 waren es über 400 €.



    Die Speicherpreise sind ungefähr bei einem Drittel der Kosten von 2023. Mehrwertsteuer-Befreiung nach wie vor für PV-Anlagen auf Häusern. Damit rechnen sich diese PV-Anlagen mehr denn je!



    Das einzige, was gestrichen werden soll: Das Recht, zu jeder Tageszeit 20 Jahre lang zum garantierten Preis einspeisen zu können. Das kann man heute mit Speichertechnik und Apps so lösen, dass der Strom dann eingespeist wird, wenn es auch Verwendung gibt.



    FFF könnte also einfach aufrufen: PV-Anlagen auf Häusern sind so billig geworden, also baut sie drauf!



    Das passt aber nicht ins Weltbild, deswegen wird der Ausbau von FFF gebremst, weil den Leuten grob fälschlicherweise erzählt wird, es lohne sich nicht mehr.



    Das ist ideologisch verbohrt und der Sache nicht dienlich.

  • Moralinsaures Geschwafel von der Sorte "Wir sind allzumal Klimasünder" bringt den Klimaschutz nicht voran. Auf sowas kochen nur alle möglichen Schlangenölverkäufer ihr Süppchen.



    Kommt lieber mit einem praktikablen und bezahlbaren (== erwirtschaftbaren) Konzept. Wäre überzeugender.

  • Wenn man darüber nachdenkt, ist jemanden die Moral an sich verwerfen zu lassen ein todsicheres Mittel, die Person als den Bösewicht der Geschichte zu etablieren.

  • Ordentliche Linke wollen das System verändern, nicht gegen einzelne Menschen moralisieren. Konservative hingegen nutzen Moral fallweise, wenn es ihnen argumentativ in den Kram passt (z.B. wenn Klimakleber nach Bali fliegen). Und manchmal haben die Konservativen ein schlechtes Gewissen, das kriegen sie dann wieder klein, indem sie Linken vorwerfen, sie würden moralisieren.

    Etwas plakativ, aber ungefähr so, richtig?

  • Moral ist was man seit letztlich Jahrtausenden ausgehandelt hat. Aber nicht etwas mit was und womit man begründen kann. Begründungen sind entweder vernunftgeprägt oder schaffen wenig Akzeptanz. Moral ist allenfalls der Überbau.



    Zusammemfassend: falsche Argumentationsebene. Sonst bräuchten wir Moralgesetze und keine Gesetzbücher.

    • @Tom Farmer:

      Sind Gesetze nicht einfach die Formalisierung und Standardisierung bestehender Moralvorstellungen? Und manch Paragraf macht sich ja nicht einmal diese Mühe: Was ist sittenwidriges oder ehrenrühriges Verhalten Anderes als ein Bruch mit den Moralvorstellungen der Gesellschaft, wie man sich gesittet und würdevoll zu verhalten hat? Im Gesetz zu Beleidigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses steht das jetzt nicht gerade spezifisch drin, was das genau heißen soll.

  • Einerseits: Das Klima Schützende versuchen wenigstens, das richtige zu tun. Manchmal scheitern sie daran, aber das ist bei weitem besser, als es nichtmal zu versuchen.

    Andererseits: Moral ist die Moral der Gesellschaft. Auch „schütze mein Geld, mein Auto, meine Gasheizung“ ist Moral. Was Klimaschützer sagen ist, dass diese Moral falsch ist und dass die Gesellschaft ihre Moralvorstellung ändern muss.

    Klimaschützer reden über Moral, statt sich der Moral einfach zu unterwerfen.

    • @Arne Babenhauserheide:

      „Schütze mein Geld, mein Auto, meine Gasheizung“ ist insofern keine oder die falsche Moral, als die Verallgemeinerbarkeit, die Gültigkeit für alle eines der Axiome der Moral ist (d.h. man braucht/kann es nicht beweisen). Und warum sollte dann MEIN Auto mehr wert, schützenswerter sein als deins oder das der entfernt Lebenden oder Zukünftigen? Da kann ja jeder "Ich zuerst!" rufen. Und dann fragt der olle Kant wieder: Kann man das zur Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung machen? ;-)

    • @Arne Babenhauserheide:

      Die Klimaschützer haben die Gesellschaft lediglich auf die Klimakrise aufmerksam gemacht. Dass die Welt zu zerstören unmoralisch, und sie zu retten moralisch richtig ist, ist jetzt wirklich nichts Neues.

      • @Marvienkäfer:

        Der Klimawandel wird die Welt definitiv nicht zerstören, der Menschheit wird es sicher schwerer fallen. Aber die Welt überlebt alles.

  • Ich bin für Anstand. Wie ist es mit An-stand?