Anleitung für Lachyoga: Selten so gelacht
Am 3. Mai ist Weltlachtag. Sie wissen nicht mehr, wie das geht? Unsere Autorin hat es mal mit Lachyoga probiert.
Im Schneidersitz sitze ich in einem großen Pavillon auf einem Polster auf dem Boden, draußen wiegen sich hinter einem Vorhang aus Mückennetzen Palmenblätter leicht im Wind. Etwa zwanzig Teilnehmer:innen sitzen mit mir im Halbkreis zusammen. Der Reihe nach lachen wir, egal ob uns danach ist oder nicht. Im Zweifel tun wir nur so, als ob – das ist so gewollt. Immer wieder durchbricht großes Gelächter die Reihenfolge. Das Lachen der anderen bringt uns zum Lachen, auch wenn es unecht ist. Ich bin in Indien für einen mehrwöchigen Yogalehrerinnenkurs. An jenem Abend steht Lachyoga auf dem Programm.
Das Prinzip von Lachyoga ist simpel, wie ich lerne. Die erste Person gibt ein „Ha“ von sich, die zweite ein „Haha“, die dritte ein „Hahaha“ – dann müssen bereits einige richtig lachen –, die vierte ein „Hahahaha“ und so weiter. Der Ansatz: Erst mal künstlich lachen, das echte Lachen folgt.
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Unser Körper kann nicht unterscheiden, ob wir wirklich lachen oder nur so tun. Denn in beiden Fällen spannt sich die Bauchmuskulatur an, das Zwerchfell bewegt sich, das Gehirn reagiert auf die Muskelbewegungen im Gesicht und schüttet Glückshormone aus. Das wiederum macht uns fröhlicher, ergo lachen wir tatsächlich.
Lachen ist gesund und gut für das Miteinander, das ist wissenschaftlich von der Gelotologie untersucht. Um darauf aufmerksam zu machen, hat die Lachyogabewegung den Weltlachtag initiiert, der jährlich am ersten Maisonntag stattfindet. Lachen ist ein Herz-Kreislauf-Training, erhöht die Sauerstoffaufnahme im Blut, macht uns deswegen wacher und kreativer. Beim Lachen wird das Stresshormon Cortisol abgebaut, unser Immunsystem wird gestärkt, eine schmerzstillende Wirkung setzt ein. Unser psychisches Wohlbefinden verbessert sich, denn wer lacht, kann sich nicht zugleich in negativen Gedankenschleifen verheddern.
Lachen erfüllt auch eine wichtige soziale Funktion. Es baut Spannungen ab und schafft Zusammenhalt. Deswegen lachen wir beispielsweise, wenn wir unsicher sind oder Konflikte entschärfen wollen. Jedes Lachen stärkt zudem die neuronalen Verknüpfungen im Gehirn, dadurch wird es schneller und spontaner abrufbar. Wer lacht, wird also immer häufiger lachen. Haha, hahaha.
Löwenpose und imaginärer Ballon
Welche Arten von Lachyoga gibt es noch?, frage ich mich einige Zeit nach jenem Abend in Indien, längst wieder in meiner Berliner Wohnung. Ich probiere ein paar Übungen aus dem Internet aus.
Löwenpose, ein weiter Kniesitz, den Oberkörper aufgerichtet. Die Hände soll ich mit gespreizten Fingern neben meinen Kopf halten, die Zunge rausstrecken und dabei „Hähähä“ lachen. Lustig ist das nicht, auch wenn es vermutlich so aussieht, aber ich spüre meinen Körper beben. Das ist tatsächlich ein gutes Gefühl.
Nächste Übung: Ich kreuze die Arme vor meiner Brust. Dann drehe ich mich nach links, öffne die Arme, lache, schließe sie wieder über der Körpermitte, wiederhole das Ganze auf der rechten Seite.
Dann puste ich alles, was mich stresst, in einen imaginären Ballon. Es werden acht Atemzüge: Arbeit, Arbeit, Arbeit, Arbeit, Bürokratie, Bürokratie, voller Kalender, auf Whatsapp-Nachrichten antworten. Ich verknote den gefüllten Ballon, lasse ihn davonfliegen, winke ihm hinterher und rufe „Hahaha“ in den Raum. Jemand, der mich dabei sähe, könnte zu dem Schluss kommen, ich sei wahnsinnig geworden.
Ich muss zugeben: Ich fühle mich munterer und positiver. Eine Routine wird es für mich dennoch nicht werden.
Denn dieses echte, spontane Lachen, das über einen hereinbricht, sodass man kaum noch Luft bekommt, das einen in seliger Erschöpfung und unvergleichlicher Lebendigkeit zurücklässt – das kann Lachyoga nicht ansatzweise ersetzen.
Aber vielleicht habe ich nur die Löwenpose noch nicht genug geübt.
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