Entlassungswelle im US-Kabinett: Chavez-De Remer tritt zurück, Patel im Visier
FBI-Direktor Kash Patel soll ein Problem mit dem Alkohol haben. Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer ist am Montag nach Vorwürfen zurückgetreten.
Als Kash Patel nach dem olympischen Eishockey Finale gemeinsam mit den US-Spielern in der Kabine auf deren Sieg anstieß, war für jeden Beobachter offensichtlich, dass der Mann kein Anfänger ist. Die Art und Weise, wie er die Bierflasche an den Hals setzte, sie in einem Zug leerte und danach ekstatisch brüllend mit der Faust auf den Tisch trommelte, verriet Expertise. Der FBI-Direktor hat eindeutig Erfahrung in solchen Dingen.
Dass Patel das Trinken oft übt gehat, bestätigt nun eine Recherche des Magazins The Atlantic. Unter Berufung auf Dutzende Mitarbeiter, Vertraute, Lobbyisten und Bedienungspersonal berichtete The Atlantic, eine der ältesten und renommiertesten politischen Periodika der USA, dass Patel regelmäßig alkoholischen Exzessen frönt. Der Chef der Bundespolizei, so hieß es, sei ein schweres nationales Sicherheitsrisiko.
Zu einigen der kolportierten Episoden gehören Gelage im privaten Club Ned’s in Washington sowie im Poodle Room in Las Vegas, wo der 46-Jährige gerne seine Wochenenden verbringt. Patel habe im vergangenen Jahr häufig Termine absagen lassen oder sei nicht erreichbar gewesen, heißt es weiter, insbesondere am Vormittag. Einmal habe sogar eine Einsatztruppe des FBI Patels Wohnung aufbrechen müssen, weil er trotz beharrlichen Klingelns, Klopfens und Anrufens nicht reagiert habe.
In anderen politischen Zeiten wären solche Vorwürfe einer renommierten Publikation Grund für eine Untersuchung und eine wenigstens temporäre Freistellung eines Amtsinhabers gewesen – besonders in sensiblen Positionen wie der Patels.
Patel geht in die Gegenoffensive
Derlei Untersuchungen gab es immerhin gegen Arbeitsministerin Lori Chavez-DeRemer, die am Montag zurücktreten musste. Chavez-DeRemer wurde ebenfalls Alkoholkonsum während der Arbeitszeit vorgeworfen sowie die Verwendung von Staatsmitteln für Privaturlaube und die mögliche Nötigung von weiblichen Angestellten zu sexuellen Diensten für ihren Mann und ihren Vater.
In Patels Fall blieb das Weiße Haus jedoch bislang still. Patel folgte derweil dem Drehbuch seines Chefs Donald Trump, indem er in die Gegenoffensive ging. Anstatt auf die Vorwürfe einzugehen, verwies er auf seine vermeintlichen Erfolge, etwa, dass er die Verbrechensraten in den USA auf einen „historischen Tiefstand“ gebracht habe, eine Leistung, die wohl kaum möglich gewesen sei, wenn er nicht rund um die Uhr im Einsatz gewesen wäre. Tatsächlich begann die Mordrate bereits während der Amtszeit von Ex-Präsident Joe Biden zu sinken.
Kurz darauf reichte Patel eine Diffamierungsklage über 250 Millionen Dollar gegen The Atlantic ein, eine von bisher mindestens acht Klagen der Regierung Trump gegen Medienunternehmen. Ganz im Sinne von Trump sagte Patel dem Sender Fox, es gelte den Sumpf von Desinformation trockenzulegen, bei dem es nur darum ginge, die Regierung und somit das Land zu schwächen.
Ob Patel den Skandal als FBI-Direktor übersteht, ist dennoch fraglich. The Atlantic hatte bereits vor den Enthüllungen berichtet, dass Trump nach der Entlassung von Justizministerin Pam Bondi und Heimatschutzministerin Kristi Noem weiteren Personalwechsel in seinem Kabinett plane.
Patel angezählt
Dazu passt die Anekdote, dass Patel sich in der vergangenen Woche einen Ausraster geleistet hatte, nachdem es ihm nicht gelungen war, sich in seinen Computer einzuloggen. Offenbar war der oberste Polizist vollkommen durchgedreht, weil er geglaubt hatte, er habe bereits seinen Job verloren.
Die Reaktion zeigte, wie schmerzlich es für Patel wäre, wenn auch er der Säuberungswelle im Kabinett zum Opfer fiele. Seine Karriere hatte er wie kaum jemand anderes auf bedingungslose Treue zu Trump aufgebaut. Noch vor dessen zweiter Amtszeit hatte Patel ein Buch namens „Government Gangsters“ über die vermeintlichen Verräter des „Deep State“ geschrieben.
Als FBI-Chef hatte er einen Großteil seiner Energie darauf verwendet, Mitarbeiter loszuwerden, die an der Untersuchung gegen Trump wegen des versuchten Staatsstreichs am 6. Januar 2021 beteiligt waren. Derartiges Lakaientum hatte allerdings auch Pam Bondi und Kristi Noem nichts genützt. Diejenigen erst recht zu erniedrigen, die sich schon selbst erniedrigt hatten, gehörte schon zu den beliebtesten Spielen Donald Trumps, bevor er in die Politik einstieg. Patel wäre nur der neueste Name auf der Liste.
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