Campact-Aktivistin über drohende Kürzung: „Der Anspruch auf Hautkrebsvorsorge muss bestehen bleiben“
Die Bundesregierung plant, die Hautkrebsvorsorge zu streichen. Deshalb ruft Campact am Mittwoch zum Protest auf. Annika Liebert erläutert die Gründe.
taz: Frau Liebert, Campact ruft für Mittwochmorgen zu einem Protest in Berlin auf. Das Motto lautet: „Keine Kürzung bei der Hautkrebsvorsorge“. Was genau haben Sie vor?
Annika Liebert: Wir planen eine Bild-Aktion vor dem Kanzleramt, weil Gesundheitsministerin Nina Warken ihr Reformpaket ins Kabinett einbringt. Unser Ziel ist es, gegen die Schieflage bei den Kürzungen zu protestieren – besonders gegen die Streichung der Hautkrebsvorsorge. Dafür ziehen wir uns symbolisch aus und tragen Schilder mit nackten Körpern, angelehnt an eine Vorsorgeuntersuchung. Darauf stehen Slogans wie „Gesundheit muss bezahlbar bleiben“ oder „Frau Warken, sparen Sie uns nicht krank“.
taz: Die Hautkrebsvorsorge für alle ab 35 könnte gestrichen werden. Ihre Petition dagegen haben 500.000 Menschen unterschrieben. Warum liegt das Thema so vielen so sehr am Herzen
ist Campaignerin bei Campact. Die Versammlung „Hautkrebsvorsorge retten“ soll am Mittwoch (29.4.) um 8.30 Uhr nahe des Kanzleramts starten.
Liebert: Krebs betrifft viele Menschen – sei es durch eigene Erfahrungen oder durch Angehörige. Zudem nehmen die Hautkrebsfälle stark zu. In den letzten 20 Jahren hat sich ihre Zahl fast verdoppelt. Die Menschen wollen nicht wegsehen.
taz: Was wollen Sie konkret mit der Aktion erreichen?
Liebert: Erstens soll die Hautkrebsvorsorge für alle Menschen ab 35 alle zwei Jahre erhalten bleiben. Verbesserungen, wie mehr Hinweise für Patient*innen oder häufigere Untersuchungen für Risikogruppen, begrüßen wir. Aber der Anspruch auf Vorsorge muss für alle bestehen bleiben. Zweitens muss Gesundheit bezahlbar bleiben – das betrifft das Krankengeld, das Kinderkrankengeld und die Zuzahlungen bei Medikamenten. Und drittens fordern wir, dass die Pharmaindustrie einen deutlich stärkeren Beitrag leistet. Pharmakonzerne können in Deutschland ihre Preise für neue patentgeschützte Medikamente weitgehend selbst bestimmen. Das treibt die Kosten im Gesundheitssystem in die Höhe. Hier ließe sich viel Geld sparen.
taz: Was würde passieren, wenn das Hautkrebs-Screening für alle ab 35 gestrichen wird?
Liebert: Wenn die Kosten nicht mehr übernommen werden, können sich viele die Untersuchung nicht leisten. Wir befürchten, dass weniger Menschen die Vorsorge ernst nehmen. Dermatolog*innen warnen bereits davor, dass Hautkrebsfälle seltener und vor allem später entdeckt werden. Das bedeutet für die Patient*innen belastendere Operationen und mehr Medikamente. Studien zeigen, dass das Screening Tumore in frühen Stadien erkennt. Das hilft den Patienten – und entlastet langfristig das Gesundheitssystem.
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