Japanischer Fantasy-Animefilm im Kino: Neues vom Schleimböbbel
„Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt – Tränen des azurblauen Meeres“ basiert auf einer Romanserie. Die ist komplex und herausfordernd.
Ermüdet von unzähligen Kämpfen mit Widersachern und von der Anbahnung von Allianzen beschließt der freundliche Dämonenkönig Rimuru Tempest für sich und seine Mitstreiter*innen die Einladung auf ein Inselresort anzunehmen. Der Urlaub scheint schon während der Anreise per Drachenluftschiff loszugehen, und auf der Insel winken der Gruppe Tage der Entspannung und des Strandlebens.
Doch wie es das Leben als Dämonenkönig so mit sich bringt: Die Bösewichter geben keine Ruhe und kaum ist die Gruppe dabei, sich auf die neue Freizeit einzulassen, donnert es über der Insel und ein Strahl hängt drohend im Himmel über ihnen. Yasuhito Kikuchis Anime „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt – Tränen des azurblauen Meeres“ ist der zweite Film aus dem japanischen Medien-Universum, das von der Wiedergeburt des Angestellten Satoru Mikami als Schleimböbbel erzählt. Als Rimuru Tempest kann er menschenartige Gestalt annehmen und steigt durch Güte, Schlagkraft und die Fähigkeit, Verbündete zu gewinnen, zu einem Dämonenherrscher auf.
Bei einem der Streifzüge über die touristische Innenstadt der Resortinsel trifft Gobta, ein Kobold aus dem Gefolge Rimuru Tempests, auf eine junge Frau, die der Gruppe folgt. Nachdem Gobta die junge Frau konfrontiert hat, findet er sich alleingelassen. Wenig später überfällt eine Gruppe schwarz gekleideter Kämpfer die beiden in einer Gasse. Die junge Frau entpuppt sich als Yura, Priesterin des Unterwasservolkes der Kaien, das nahe der Resortinsel auf dem Meeresgrund lebt.
„Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt – Tränen des azurblauen Meeres“. Regie: Yasuhito Kikuchi. Japan 2026, 104 Min.
Seit einer Weile rücken die Explosionen, die die mysteriösen Strahlen im Meer auslösen, immer näher an das Reich Kaien heran. Als schließlich noch der Wasserdrache, der der Behüter der Kaien ist, erwacht und einen Teil der Strahlen abfängt, ist unübersehbar, dass etwas geschehen ist in der Welt unter dem Meer. Yuru bittet Rimuru Tempest um Unterstützung.
Buchreihe mit 22 Bänden
„Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt“ begann 2013 als sogenannte Light Novel, als Roman mit Manga-artigen Illustrationen. Von der Reihe sind bislang 22 Bände erschienen. Es folgten Adaptionen als Manga und als Anime-Serie, jeweils mit diversen Spin-offs, die Seitenstränge des Universums verfolgen. 2022 entstand der erste Film aus dem Universum, „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt – Feuerrote Bande“.
Vor allem zu Beginn ist „Tränen des azurblauen Meeres“ mit seiner Vielzahl von Figuren und Hintergrundbezügen eine Herausforderung, wenn man mit dem Universum nicht vertraut ist. Doch spätestens mit dem Aufbruch der Gruppe, um Kaien zu unterstützen, wandelt sich die Erzählung hin zu einer klassischen Actionerzählung.
Formal bleibt der Film ein Pastiche von grafischen, filmischen und narrativen Elementen: Die Urlaubsszenen zu Beginn des Films erinnern an Soap-Operas, die Kampfszenen an Actionfilme und vor allem zu Beginn wird die Handlung von Splitscreens-Bildern und Einblendungen unterbrochen, in denen Raphael, eine Art künstlicher Intelligenz in Rimurus Hirn, ihn mit Informationen versorgt.
Empfohlener externer Inhalt
Trailer „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt“
Antike, Venedig und Barockbauten aller Art
Die Welten des Films sind angefüllt mit Referenzen auf die europäische Bau- und Kunstgeschichte: Die Bauten des Resorts sind ein Sammelsurium aus Antike, Venedig und Barockbauten aller Art; ein Bild zum Gründungsmythos von Kaien später im Film erinnert an den Jugendstil des tschechischen Künstlers Alfons Mucha.
Wenn man entweder zumindest in groben Zügen mit dem erzählerischen Universum vertraut ist oder zu Beginn gewillt ist, den Wust von Figuren über sich hereinbrechen zu lassen, wird man sich von „Tränen des azurblauen Meeres“ gut unterhalten fühlen. Wie im nicht animierten Mainstreamkino der Gegenwart stehen auch hier die Volten des Drehbuchs und das Bilderspektakel im Vordergrund.
Überlässt man sich diesem Spektakel, wird man mit viel Vergnügen durch den Film gespült. Für alle anderen ist „Meine Wiedergeburt als Schleim in einer anderen Welt – Tränen des azurblauen Meeres“ zumindest als Popkulturphänomen einen Blick wert.
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