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+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Großbritannien erwägt Beteiligung an Milliarden-Darlehen

Am Montag startet das Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft. Ukraines Präsident Selenskyj pocht auf eine rasche Auszahlung der EU-Milliarden.

Keir Starmer (r.) trifft Wolodymyr Selenskyj (l.) im Vorfeld des Gipfels der Europäischen Politischen Gemeinschaft Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa

Selenskyj wünscht sich rasche Auszahlung der EU-Milliarden

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj setzt auf eine rasche Auszahlung des Kredites über 90 Milliarden Euro von der Europäischen Union. „Es ist nötig, dass das Geld so schnell wie möglich eintrifft und die Ukraine ihr Programm zur Widerstandsfähigkeit in Vorbereitung auf den Winter umsetzen kann“, schrieb er auf der Onlineplattform X.

Vor dem Gipfeltreffen der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) in der armenischen Hauptstadt Eriwan traf sich Selenskyj im engeren Kreis mit den europäischen Partnern, die ihm in Gesprächen mit Washington zur Seite stehen. Dazu zählten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der britische Premier Keir Starmer und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Wegen des Irankriegs stockten die Friedensbemühungen für die Ukraine, sagte Selenskyj. „Wir haben diskutiert, wie dieser Prozess wiederbelebt werden kann, über die Kontakte mit den USA und über Europas Rolle darin.“

Die europäischen Partner hätten anerkannt, dass die militärische Lage der Ukraine stärker geworden sei, sagte Selenskyj. Am Boden hat die ukrainische Armee zuletzt dank ihrer Drohnen den russischen Vormarsch ins Stocken gebracht. Zugleich hat sie Luftangriffe tief ins russische Hinterland verstärkt. (dpa)

Großbritannien erwägt Beteiligung an 90-Milliarden-Euro-Darlehen

Großbritannien erwägt eine Beteiligung an den Kosten des 90-Milliarden-Euro-Kredits der EU für die Ukraine. Die Diskussionen um eine britische Beteiligung würden derzeit geführt, sagte Premierminister Keir Starmer am Rande eines Treffens der Europäischen Politischen Gemeinschaft (EPG) am Montag. Das Darlehen sei „sehr gut“ für Großbritannien, weil es zu Arbeitsplätzen führe, erläuterte Starmer.

Eine Beteiligung an dem Kredit unterstreiche die „wachsenden Beziehungen im Verteidigungsbereich“ zwischen Großbritannien und der EU, hieß es in einer Erklärung aus London. Das Darlehen stärke „die Verteidigung der Ukraine und verschafft britischen Unternehmen entscheidenden Zugang zu künftigen Aufträgen“, hieß es weiter.

„Wenn das Vereinigte Königreich und die Europäische Union zusammenarbeiten, profitieren wir alle“, betonte Starmer. „Deshalb nehmen wir Verhandlungen mit der EU auf, damit die Ukraine die Ausrüstung erhält, die sie zur Verteidigung ihrer Freiheit braucht, und um zugleich Chancen für die britische Industrie zu schaffen, ihren vollen Beitrag zu leisten.“

Die Bedingungen über eine britische Beteiligung sollen nach Angaben aus London in den kommenden Wochen verhandelt werden.

Ein Sprecher der EU-Kommission sprach von einem „klaren politischen Signal“ aus London und einem „ersten Schritt“ auf dem Weg zu einer britischen Beteiligung. Beide Seiten müssten nun „eine Reihe verschiedener Punkte klären“. (afp)

Drohne trifft Moskauer Wolkenkratzer

Kurz vor den Feiern zum Tag des Sieges in Russland verstärkt ein ukrainischer Drohnentreffer auf ein Wohnhochhaus in Moskau die Sorgen wegen der geplanten Militärparade. Bürgermeister Sergei Sobjanin schrieb am frühen Morgen auf der Plattform Telegram, es habe keine Verletzten gegeben. Doch der Einschlagsort liegt nur etwa sechs Kilometer Luftlinie vom Roten Platz entfernt. Dort will Kremlchef Wladimir Putin wie jedes Jahr am 9. Mai die Militärparade zur Erinnerung an den sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg abnehmen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rieb aus der Ferne Salz in diese Wunde. Der Angreifer Russland sei nach mehr als vier Jahren Krieg geschwächt, während sein eigenes Land stärker werde, sagte Selenskyj beim Gipfeltreffen der EPG.

„In diesem Sommer wird der Moment kommen, an dem Putin entscheiden wird, was er weiter tun will, den Krieg auszuweiten oder den Weg der Diplomatie einzuschlagen“, sagte Selenskyj laut Mitschnitt seiner Rede. Bei der Parade werde Moskau zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Militärtechnik mehr zeigen können. „Und sie fürchten, dass Drohnen über den Roten Platz fliegen. Das sagt etwas. Es zeigt, dass sie jetzt nicht stark sind.“

Krieg in der Ukraine

Mit dem Einmarsch im 24. Februar 2022 begann der groß angelegte russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Bereits im März 2014 erfolgte die Annexion der Krim, kurz darauf entbrannte der Konflikt in den ostukrainischen Gebieten.

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Das russische Verteidigungsministerium hat schon Ende April mitgeteilt, wegen Sicherheitsbedenken finde die Militärparade am Samstag diesmal ohne Panzer und Raketen statt.

Beschädigt wurde ein markanter Wolkenkratzer, 213 Meter hoch, mit Luxuswohnungen, im Westen der russischen Hauptstadt. Fotos zeigten mehrere verbrannte Fenster eines Stockwerks auf halber Höhe. An der Straße Mosfilmowskaja gibt es auch mehrere Botschaften. Die deutsche Botschaft liegt knapp einen Kilometer vom Einschlagsort entfernt. Zwei weitere ukrainische Drohnen wurden Sobjanin zufolge von der Flugabwehr abgeschossen. (dpa)

Russisches Militär meldet, 117 Drohnen abgefangen zu haben

Für die Nacht zu Montag meldete das russische Verteidigungsministerium 117 angeblich abgefangene feindliche Drohnen über vielen Teilen des Landes. Ukrainische Drohnen fliegen immer wieder den Großraum Moskau an. Sie stören den Flugverkehr. Einschläge gab es eher selten, weil die Ukraine ihre Angriffe auf Militärobjekte und Anlagen der russischen Öl- und Gasindustrie konzentriert. (dpa)

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