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Männer-Demo gegen Gewalt gegen FrauenUnlearning Herrentag

Als Mann Verantwortung übernehmen für die Taten von Männern. Das fordert ein Bündnis und ruft zum Vatertag in Berlin zur Demo „Männer gegen Gewalt“ auf.

Demonstration gegen strukturelle Gewalt an Frauen, in München, am 29.3.2026 Foto: imago

Aus Berlin

Lilli Messer

Männerhorden, die mit Bollerwagen und viel Alkohol laut durch die Straßen ziehen – das ist das Bild, das man vom Vatertag hat, auch „Herrentag“ oder „Männertag“ genannt. Doch am 14. Mai, wenn der arbeitsfreie Donnerstag eigentlich auf Christi Himmelfahrt zurückgeht – ein Datum, das historisch für Besinnung stand, heute aber oft im alkoholisierten Gegröle versinkt –, soll es in Berlin einen Ort geben, an dem alles anders ist. Aktivisten wollen mit der Demonstration „Männer gegen Gewalt“ ein Zeichen setzen gegen (sexualisierte) Gewalt an Frauen und für mehr Verantwortung von Männern.

Die Demonstration Männer gegen Männergewalt

Die Demonstration „Männer gegen Männergewalt“ beginnt am Donnerstag um 14 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin. Die Schauspielerin Collien Fernandez rief am Dienstag auf Instagram zur Teilnahme auf und fragte dabei: „Männer, wo seid ihr? Ich hör euch nicht!“ Der Bundesvorsitzende der Grünen, Felix Banaszak, und der Bundessprecher der Grünen Jugend, Luis Bobga, riefen in einem gemeinsamen Video zur Teilnahme auf.

Die Mitorganisatoren Nick und Fritz, die nur beim Vornamen genannt werden wollen, wählen das Datum als Gegenentwurf zur machistischen Feierkultur, sie wollen öffentlichen Raum an prominenter Stelle einnehmen und für die Auseinandersetzung mit dem Thema nutzen.

männertaz

Männer bauen Autokratien auf, Männer bilden Manosphären, Männer üben Gewalt gegen Frauen aus. Aber: Männer leisten auch mehr Care-Arbeit als früher, Männer supporten Frauen, Männer gehen sogar in Therapie (manchmal). Alte Männlichkeitsbilder geraten ins Wanken, zugleich klammern sich manche Männer um so mehr ans Patriarchat und verklären die Vergangenheit. Ein Schwerpunkt über Manfluencer und Maskulinismus, Körperlichkeit und Vater-Sohn-Beziehungen, männliches Altern und diverse Männeridentitäten. Alle Texte der Ausgabe erscheinen unter taz.de/männertaz

„Gerade in Zeiten von Epstein, Pélicot oder Ulmen wirkt es absurd, Männlichkeit oder ‚Herren‘ einfach unkritisch zu feiern“, sagt Nick. Die Initiative entstand aus einem Unbehagen darüber, dass Männer sich bislang zu wenig sichtbar gegen sexualisierte Gewalt positionieren. Aus Gesprächen im Umfeld, Erfahrungen aus feministischen Kontexten und aktuellen Debatten – etwa rund um Proteste im Zusammenhang mit dem Fall Ulmen/Fernandes – entwickelte sich das Bedürfnis, aktiv zu werden und eine eigene Plattform zu schaffen.

Die Bildergalerie zur männertaz

Wie können wir Männlichkeit in ihrer Vielfalt darstellen und unterschiedliche Perspektiven zeigen? 14 Antworten von Fo­to­gra­f:in­nen der taz finden Sie hier in der Bildergalerie zur männertaz.

Dabei geht es nicht nur um politische Forderungen, sondern auch um persönliche und gesellschaftliche Veränderung. Die Organisatoren betonen, dass diese Arbeit nicht länger allein bei FLINTA*-Personen liegen darf, sondern als Aufgabe von Männern begriffen werden muss. Neben Redebeiträgen zu Präventionsarbeit, Manosphere oder kritischer Männlichkeit wird es bei der All-Gender-Demo auch Musikprogramm geben.

Verantwortung auf drei Ebenen

Als Mann, sagen die Organisatoren, könne man auf drei Ebenen Verantwortung übernehmen: erstens individuell, im Sinne eines Unlearning von sexistischen Mustern, die alle in einer sexistischen Gesellschaft erlernt hätten. Zweitens als Verantwortung unter Männern, die nicht nur bedeute, selbst kein Täter zu sein, sondern sich aktiv gegenseitig in die Verantwortung zu nehmen, Gespräche zu führen und das eigene Umfeld kritisch zu reflektieren.

Und drittens auf gesellschaftlicher Ebene, etwa durch strukturelle Veränderungen in Justiz, Polizei, Bildung und Prävention. Diese Forderungen sind von diversen feministischen Initiativen formuliert worden, denen sich die Gruppe anschließt.

wochentaz

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Zentral ist für sie der Gedanke: „Nur wenn es keine Täter gibt, wird es auch keine Betroffenen mehr geben.“ Diese Verantwortung könne nur von Männern mitgetragen werden, da sie statistisch überwiegend die Täter sind. Ziel sei es, Männlichkeit aus der passiven Zuschauerrolle zu holen und eine Bewegung zu etablieren, die patriarchale Gewalt dort thematisiert, wo sie entsteht – unter Männern.

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