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+++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++Kyjiw überrascht Moskau mit eigenem Vorstoß zu Waffenruhe

Mit der unerwarteten Ankündigung einer eigenen Waffenruhe vor dem russischen Feiertag am 9. Mai setzt die Ukraine Russland unter Druck. Mehrere Tote nach russischem Raketenangriff.

4. Mai in Moskau: Vorbereitungen für die Militärparade zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland laufen Foto: Ramil Sitdikov/reuters

Selenskyj kündigt ukrainische Feuerpause an

Vor dem für Russland besonders wichtigen Tag des Sieges am 9. Mai hat nach Moskau überraschend auch Kyjiw eine eigene Waffenruhe angekündigt. „Wir verkünden eine Waffenruhe, beginnend ab 0.00 Uhr (23.00 Uhr MESZ) in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai“, teilte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Sollte sich die russische Seite nicht ebenso daran halten, werde Kyjiw spiegelbildlich reagieren. Eine zeitliche Begrenzung für die Waffenruhe nannte er dabei nicht. Zuvor hatte Russland eine Feuerpause für den 8. und 9. Mai angekündigt.

Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die ukrainische Initiative zu unterstützen. „Der Frieden kann nicht auf ‚Paraden‘ und ‚Feiertage‘ warten“, schrieb er auf X mit Blick auf die jährliche Militärparade anlässlich des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland am Samstag. Falls Moskau bereit für ein Ende der Kämpfe sei, könne dies bereits morgen geschehen. „Der 6. Mai zeigt, ob Moskau es ernst meint und was es wirklich will: Frieden oder Militärparaden.“

IAEA: Drohne beschädigt Messgeräte an AKW Saporischschja

Eine Drohne hat nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) meteorologische Messgeräte am russisch besetzten Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine beschädigt. Die UN-Atomaufsichtsbehörde teilt mit, ein Expertenteam habe die Schäden ‌an einigen Geräten des externen Strahlungskontrolllabors beobachtet. Die Geräte seien nicht mehr betriebsbereit. IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi habe erneut zu größter militärischer Zurückhaltung in der Nähe aller Nuklearanlagen aufgerufen, um Sicherheitsrisiken zu vermeiden. Das Atomkraftwerk Saporischschja ist das größte in Europa und wurde in den ersten Wochen der russischen Invasion im Februar 2022 von russischen Truppen besetzt. Seitdem werfen sich beide Seiten regelmäßig ‌gegenseitig militärische Aktionen vor, die die Sicherheit der Anlage gefährden könnten. (rtr)

Ukraine: Sieben Tote und 30 Verletzte nach Raketenangriff auf Charkiw

Die Zahl der Toten ‌und Verletzten bei einem russischen Raketenangriff auf die Stadt Merefa am Montagvormittag ist stark gestiegen. Nach ukrainischen Angaben wurden bei dem Angriff auf die Stadt in der Region Charkiw sieben Menschen getötet. Mehr ‌als 30 Menschen seien verletzt worden, darunter ein zweijähriger Junge, teilt ⁠der Gouverneur der Region, Oleh Synjehubow, auf Telegram mit. „Der Einschlag war von großer Wucht, ‌im ‌Zentrum der Stadt, ⁠praktisch mitten auf den Straßen“, schreibt Synjehubow. Mindestens zehn ‌Häuser, ein Verwaltungsgebäude, ‌vier Geschäfte und eine Autowerkstatt seien beschädigt worden. (rtr)

Russische Armee verkündet einseitige Waffenruhe mit Ukraine am 8. und 9. Mai

Die russische Armee hat eine einseitige Waffenruhe mit der Ukraine für den 8. und 9. Mai verkündet. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte am Montag in der vom russischen Staat unterstützten Nachrichtenapp Max, dies geschehe „gemäß einer Entscheidung“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. Am 9. Mai wird in Russland feierlich an den Sieg der Sowjetunion über Deutschland im Zweiten Weltkrieg erinnert.

Zugleich drohte das russische Verteidigungsministerium mit einem Vergeltungsangriff auf das Stadtzentrum von Kyjiw, sollte die Ukraine die Feuerpause brechen. „Sollte das Kyjiwer Regime versuchen, seine kriminellen Pläne zur Störung der Feierlichkeiten zum 81. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg umzusetzen, werden die russischen Streitkräfte einen massiven Vergeltungsraketenangriff auf das Zentrum von Kyjiw starten“, erklärte das Verteidigungsministerium auf Max. (afp)

Analyse: Russland verzeichnet erstmals seit Sommer 2023 Gebietsverluste in der Ukraine

Erstmals seit fast drei Jahren hat Russland an der Front in der Ukraine im vergangenen Monat Netto-Gebietsverluste erlitten. Wie aus einer Analyse der Nachrichtenagentur AFP auf Grundlage von Daten des US-ansässigen Institute for the Study of War (ISW) hervorgeht, verlor die russische Armee im April unter dem Strich die Kontrolle über rund 120 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums. Insgesamt gewann die Ukraine demnach die Kontrolle über rund 0,02 Prozent ihres Staatsgebiets zurück. Der Ukraine gelang es laut den ISW-Daten, an mehreren Frontabschnitten vorzurücken. In den drei ostukrainischen Regionen Saporischschja, Charkiw und Donezk gewannen die Soldaten demnach jeweils rund 40 Quadratkilometer Gebiet zurück.

Russland rückte seinerseits in der Gegend um die Großstadt Kramatorsk in der Region Donezk vor. Insgesamt hält Russland den ISW-Daten zufolge etwas mehr als 19 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt. Darunter sind die bereits 2014 annektierte Halbinsel Krim und Gegenden in den Regionen Donezk und Luhansk, die bereits vor der Vollinvasion im Jahr 2022 von pro-russischen Separatisten kontrolliert worden waren. Den Großteil des restlichen Gebiets hatte Russland in den ersten Wochen nach Beginn des Kriegs im Februar 2022 erobert.

Der Vormarsch der russischen Armee hatte sich der Analyse zufolge bereits in den Monaten zuvor erheblich verlangsamt: Im März hatte Russland 23 Quadratkilometer Territorium eingenommen, im Februar 123 Kilometer, im Januar waren es noch 319 Quadratkilometern gewesen. Dem ISW zufolge haben insbesondere ukrainische Gegenangriffe und Probleme der russischen Armee mit Kommunikationstechnologie „bereits bestehende Probleme innerhalb der russischen Streitkräfte verschärft“. Im Februar 2026 hatte das US-Unternehmen SpaceX die Nutzung seiner Starlink-Satelliten durch das russische Militär unterbunden, die russische Führung schränkte zudem die Nutzung des Online-Dienstes Telegram ein. Auch der durch Tauwetter und Regen entstandene Schlamm habe womöglich das Vorrücken von Bodeneinheiten verlangsamt. (afp)

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