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Entlastung von Bür­ge­r*in­nen9-Euro-Ticket war 2022 eine kosteneffiziente Hilfe vom Staat

Sozialer Wert und klimafreundlich: Warum Wis­sen­schaft­le­r*in­nen die Fahrkarte als kurzfristige Maßnahme empfehlen – nur nicht unbedingt auf Dauer.

Braucht Deutschland wieder ein 9-Euro-Ticket? Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Wie kann der Staat Bür­ge­r*in­nen in Krisenmomenten gut entlasten? Ein Beispiel haben For­sche­r*in­nen um den Volkswirtschaftler Mario Liebensteiner von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg in einer Studie genauer untersucht, die im Journal of Public Economics erschienen ist. Das 9-Euro-Ticket, das die Ampelregierung in der Energiekrise 2022 eingeführt hatte, war demnach eine „relativ kosteneffiziente kurzfristige Lebenshaltungskosten-Subvention“.

Mit der Fahrkarte konnten Pas­sa­gie­r*in­nen für 9 Euro einen Monat lang den gesamten öffentlichen Personennahverkehr in Deutschland nutzen. Das Angebot war vom 1. Juni bis zum 31. August 2022 befristet und kostete den Staat 2,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Tankrabatt m selben Zeitraum kostete 3,4 Milliarden Euro. Aus dem 9-Euro-Modell entstand später das Deutschlandticket, das ebenfalls als Flatrate für den ganzen deutschen Nahverkehr gilt – allerdings mittlerweile regulär 63 Euro kostet.

Auch aufs Klima hat sich das 9-Euro-Ticket 2022 positiv ausgewirkt. Es reduzierte den Autoverkehr der Studie nach um 1 bis 5 Prozent. Viel stärker hat es allerdings den Zugverkehr erhöht, nämlich um rund 35 Prozent. Das zeigt: Es gab eher wenig Verlagerung von der Straße auf die Schiene. Vor allem belohnte die Fahrkarte diejenigen, die ohnehin schon CO₂-arm die Bahn nutzten. Und sie ermöglichte Menschen klimafreundliche Ausflüge und Reisen, die sonst nicht stattgefunden hätten.

Lässt man diesen sozialen Wert außen vor und bewertet das 9-Euro-Ticket nur als Klimaschutzmaßnahme, so war diese vergleichsweise teuer. Rechnet man die staatlichen Zuschüsse auf die eingesparte Tonne CO₂ runter, kommt man laut Studie auf Kosten von 6.140 Euro. Im Verhältnis viel günstiger sind in dieser Hinsicht der Ausbau erneuerbarer Energien bei gleichzeitigem Abschalten fossiler Kraftwerke – oder im Verkehrsbereich etwa ein Tempolimit, das abseits von einigen neuen Schildern praktisch keine Investitionen erfordert.

Grüne fordern neues 9-Euro-Ticket

Die Stu­di­en­au­to­r*in­nen kommen denn auch zu dem Schluss: „Extrem rabattierte landesweite Flatrate-Tickets sind effektiv als kurzfristige Entlastungsmaßnahme bei den Lebenshaltungskosten, aber wenig geeignet als alleinige Klimapolitik.“ Das zeigt sich auch schon daran, dass das deutsche Zugsystem bislang nicht auf die Fahrgastzahlen ausgelegt ist, die das 9-Euro-Ticket angelockt hat. Laut der Untersuchung ging mit der erhöhten Nachfrage auch mehr Verspätung einher, sie stieg um rund 30 Prozent.

Die Grünenfraktion im Bundestag hat kürzlich in einem Strategiepapier für die aktuelle Energiekrise die Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets für drei Monate gefordert.

Bahnchefin Evelyn Palla will das nicht. Das Ticket sei nicht finanzierbar, sagte sie im April den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Selbst beim aktuellen Monatspreis von 63 Euro für das bundesweite Nahverkehrsticket seien noch riesige Zuschüsse von Bund und den Ländern nötig. Mit insgesamt 3 Milliarden Euro im Jahr liegen die natürlich deutlich niedriger als zu 9-Euro-Zeiten.

Im Rahmen der Energiekrise lässt die Bundesregierung allerdings durchaus Steuergeld springen – nur bisher nicht zur Förderung des öffentlichen Verkehrs, sondern für einen erneuten Tankrabatt. Bisher kommt die seit 1. Mai geltende Senkung der Mineralölsteuer nur teilweise an den Zapfsäulen an. „Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent von den 17 Cent Steuersenkung“, sagte Ifo-Experte Florian Neumeier am Dienstag.

Die Branche verweist auf einen Übergangseffekt. Diese Möglichkeit räumt auch Neumeier ein: „Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert. Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer.“

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7 Kommentare

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  • Mir sind die Argumente der Landbevölkerung zu billig. Mieten gering ,aber trotzdem am meckern. Klar ist,das die paar Leute ,die verstreut auf dem Land wohnen niemals die Infrastruktur erwirtschaften,die sie selbstverständlich in Anspruch nehmen. Ein bisschen weniger Hass auf die Stadt Bewohner würde dem Land mal gut tun. I

    • @fmraaynk:

      Gerade als Berliner sollte man vorsichtig sein die anderen belehren zu wollen. Schließlich finanziert das restliche Land dieses ach so tolle wirtschaftlich erfolgreiche Ballungszentrum. Naja, sagen wir, der Süden finanziert das.



      Und der Hass kommt nicht einfach von der "Stadt". Sondern von den Fakt, dass des Land abgehängt wird. Kulturell, Strukturell und zum Dank bekommt man noch die Arroganz der Städter zu hören. Ja zieht doch einfach in die Stadt. Das ist das Problem. Übrigens, nicht dass des Land Volk nicht auch ihre Probleme hat. Das Problem ist, dass die Lebensrealität von Stadt und Landbevölkerung sich massiv zu Ungunsten der ländlichen Gebiete verändert hat.

  • "Das 9-Euro-Ticket... war demnach eine „relativ kosteneffiziente kurzfristige Lebenshaltungskosten-Subvention“.



    Ja, da hat "der Staat" (also der Steuerzahler) diejenigen subventioniert, die sowieso schon durch das Vorhandensein eines ÖPNV privilegiert waren bzw. sind. Freibier ist immer ein Erfolg, jedenfalls bei denen, die es bekommen



    "...die eingesparte Tonne CO2 runter, kommt man laut Studie auf Kosten von 6.140 Euro."



    Danke für die Angabe. Was wurde das damals (und wird das Deutschlandticket heute noch) noch als Klimaschutzmaßnahme hochgejazzt...

  • Sehr schöne Analyse.



    Erstes Problem: Man hat an alle nicht nur an Pendler das Ticket ausgereicht.



    Zweites Problem: Ich würde mir wünschen, dass eine ähnliche Srudie zu den gestiegenen Spritpreisen erstellt wird. Hier dürften die Effizienzgewinne deutlich (!) höher sein.



    ME muß der Verursacher seinen ökologischen Beitrag in der Geldbörse spüren. (Ach ja, seit dfm Preisanstieg sind die Bahnen deutlich voller ...)

  • Auf dem Land besonders hier im Osten wo in Deutschland statistisch die Ärmsten leben, bewirkt die soziale Maßnahmen des 9€ Tickets so gut wie nichts. In unserem ärmsten Landkreis des Landes hilft das Ticket Null. Wir freuen uns aber natürlich mit für die Linken in den Ballungszentren über ihre Monatskarten, die wir nur zu gern subventionieren.

  • Das 9-€ Ticket war und ist eine Subvention an diejenigen die eh schon mit der Bahn fahren.



    Also eine weitere Subvention der Stadtbevölkerung.



    wer mal mit 2 Kindern auf dem Dorf, Schule und Kindergarten und Arbeitsstelle und Arzt und Einkaufsmöglichkeit zu verbinden...mit dem Bus ... der braucht die 10fache Zeit, wenn überhaupt möglich und ist aufgeschmissen.



    Und es ist natürlich toll, wenn dann Großstädter vom Erfolg faseln die alles in Laufnähe bzw S-/U-Bahn Nähe haben und durch das Ticket einfach ihre Kosten senken konnten. Und die Landbevölkerung zahlt das mit.

    • @Duplozug:

      Ich, verwöhnter Stadtbewohner und Fahrradfahrer, zahle mit meinen Steuern ebenfalls für Infrastruktur auf dem platten Land, die ich kaum oder gar nicht nutze. Und nun? Vielleicht gibt es ja auch Steuerzahler, die behaupten, nie krank zu sein bzw. zu werden. Warum müssen die ihren Pflichtbeitrag an die Krankenkasse abführen? Wozu braucht es Kindergeld, wenn ich keine Kinder habe? Was Sie bemängeln, ist ein Solidaritätsprinzip, das es aus gutem Grund gibt und dafür sorgt, dass unsere Solidargemeinschaft im Großen und Ganzen funktioniert.