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Greenpeace-Berechnung zu KerosinFliegen ist schon lange nicht mehr schön

Simone Schmollack

Kommentar von

Simone Schmollack

Durch den Irankrieg wird das Kerosin knapp. Um Flugbenzin zu sparen, hilft nur eines: weniger fliegen und sinnlose Flugverbindungen canceln.

Innereuropäisch kann man locker auf den Flieger verzichten Foto: Pat Meise/plainpicture

S pätestens ab Juni dürfte in Europa das Kerosin knapp werden. Die Internationale Energieagentur jedenfalls ist alarmiert. So wie die Ursachen für den Kerosinmangel klar auf der Hand liegen – der Irankrieg –, sind es auch die Folgen: Es wird weniger Flüge für weitaus höhere Preise geben. Oder anders formuliert: Fliegen wird (wieder) Luxus.

Wer dabei an Klima und Umwelt denkt, könnte sich jetzt freuen: So what? Weniger Flüge schützen das Klima, ist doch super. Aber so einfach ist das wie so häufig nicht. Denn Reiche und Besserverdienende fliegen trotzdem und die Airlines verbrauchen weiterhin massiv Flugbenzin, wollen sie doch so viele Flüge wie möglich verkaufen.

Wie der Kerosinmangel behoben werden könnte, hat jetzt Greenpeace ausgerechnet: Würden Luxusflüge und überflüssige Verbindungen gestrichen, würden 38 Prozent des Treibstoffs eingespart werden können. Hilfreich ist auch, wären Privat- und Inlandsflüge tabu.

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Das ist jetzt keine wahnsinnig überraschende Erkenntnis, jede schwäbische Hausfrau (so es sie noch gibt) kann sich das mit einem Blick ins Haushaltsbuch rasch ausrechnen. Aber hilfreich ist der Greenpeace-Move trotzdem, weil er Inlands- und Privatflüge als das benennt, was sie sind: sinnlos und schädlich.

Von Berlin nach München muss man nicht fliegen, der ICE schafft diese Strecke mittlerweile in vier Stunden. Okay, okay, wenn der ICE nicht mal wieder viel zu spät ist oder die Deutsche Bahn kurzfristig Züge streicht.

Auch innereuropäisch kann man locker auf den Flieger verzichten. Von München nach Bologna kommt man mit dem Zug in sechs Stunden, im Bordbistro gibt es caffé italiano vero und die Aussicht auf die Alpen gratis. Wer von Rostock nach Paris will, muss zugegebenermaßen etwas mehr Zeit einplanen. Aber auch diese Strecke bewältigt man an einem Tag. Und mal Hand aufs Herz: Rechnet man Anreise zum Airport, Check-in, Sicherheitskontrolle, Gepäckabfertigung zusammen, lässt man Nerven und vertrödelt viel Zeit. Fliegen ist schon lange nicht mehr schön.

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Simone Schmollack
Ressortleiterin Meinung
Ressortleiterin Meinung. Zuvor Ressortleiterin taz.de / Regie, Gender-Redakteurin der taz und stellvertretende Ressortleiterin taz-Inland. Dazwischen Chefredakteurin der Wochenzeitung "Der Freitag". Amtierende Vize-DDR-Meisterin im Rennrodeln der Sportjournalistinnen. Autorin zahlreicher Bücher, zuletzt: "Und er wird es wieder tun" über Partnerschaftsgewalt.
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15 Kommentare

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  • Und ein schwäbischer Hausmann ist zu blöd dafür? Was für ein herrlich nutzloses Klischee. Dabei wollen wir Schwaben einfach koi Geld für Klomp zom Fenschter naus schmeissa und da gehören Inlandsflüge schon längst dazu. Deshalb wurde in Stuttgart auch nie die zweite Startbahn gebaut.

  • Meine Rede!



    Fliegen ist unnötig.



    Wer sich auch noch „ wegen der Kinder“ rausreden will, handelt verantwortungslos.



    Ich werde, wie viele Andere der „Elterngeneration“ wahrscheinlich keine schwerwiegenden Konsequenzen bzgl. Klima mehr erleben müssen.



    Die Kinder schon.



    Es gab und gibt klimafreundliches Reisen.



    Wenn Jed*Er mit dem Klimaschutz bei sich selbst beginnt, wird das auch noch was.



    Wenn Jed*Er seine ganz persönliche Ausrede erfindet, wird es eben nichts mehr mit dem Klimaschutz!

  • Die Streichung von inlandsflügen und EU-Kurzstrecken kann durchaus nach hinten losgehen:



    Ohne gleichzeitige Streichung von Slots erhöht sich die Kapazität für Langstreckenflüge, was dann, statt zur Einsparung, zur deutlichen zusätzlichen Erhöhung des THGs führt.



    Das ist ähnlich wie beim Autoverkehr. Die Verlagerung der Kurzstrecken Binnenverkehre (bis 5 oder 7 km) auf Radwege spart nur sehr wenig ein, setzt aber Kapazitäten (Anti-Stau Effekt) für längere Strecken frei, was dann insgesamt de Fahrleistungen des MIV erhöht.



    Rebounds und Backfireeffekte müssen, das ist seit langem bekannt, stets mit einkalkuliert werden, erst dann werden die potentiellen Spareffekte auch real wirksam.

  • "Und mal Hand aufs Herz: Rechnet man Anreise zum Airport, Check-in, Sicherheitskontrolle, Gepäckabfertigung zusammen, lässt man Nerven und vertrödelt viel Zeit. Fliegen ist schon lange nicht mehr schön."

    Also ich fliege am Samstag mit meiner Familie nach Montenegro. Fugzeit: 2,5 Stunden. Plus 2 Stunden Check-In & Co. Wie lange fährt der Zug? Fliegen IST schön.

  • Es kann so einfach sein. Man muss nur in Schubladen denken und die Luxusflüge verbieten, schon ist dem Klimawandel ein Gefallen getan. Dann braucht man auch nicht zum Beispiel über die 33 Millionen Passagiere (bei circa 100 Flügen pro Tag) von und nach Mallorca diskutieren. Weil Billigflüge sind ja per Definition kein Luxus.

  • Anders als die Autorin meint, sind Inlandsflüge nicht überflüssig.

    Buche ich eine Pauschalreise in die Karibik, Fliege ich in der Regel zunächst von Berlin nach Düsseldorf, Frankfurt oder München. Kommt es dabei zu einer Verspätung und ich verpasse den Flieger, haftet der Veranstalter. Nehme ich dageben den Zug und es kommt auf der Zugfahrt zu einer Verspätung, muss ich mich um den Anschlussflug kümmern.

    Wenn man also Inlandsflüge streichen wollen würde, bräuchte es Änderungen am Reiserecht, mehr Direktflüge oder Fernreisen würden vertärkt über HUB's im Ausland abgewickelt.

    So einfach, wie sich das Greenpeace vorstellt, ist es im Ergebnis nicht.

    Statt meine sommerliche Reise zu canceln buche ich einfach eine Alternative in Deutschland mit entsprechender Stornierungsoption. Dann enstecheide ich einfach zwei Wochen vor der Reise, wo es am Ende hingeht.

  • Endlich trifft es uns dort, wo es am meisten weh tut: beim Kerosin. Was für eine herrlich zynische Pointe! Wir haben den Planeten so gründlich abgegrast, dass uns nun der Treibstoff fehlt, um zum nächsten All-inclusive-Buffet am anderen Ende der Welt zu jetten. Ein Hoch auf unser „großes Fressen“ – diese unersättliche Gier, die wir Fortschritt nennen.



    ​Es ist fast rührend, wie wir um die Flugpläne bangen, während wir gleichzeitig die Ressourcen verjubeln, als gäbe es kein Morgen. Aber keine Sorge: Wenn das Kerosin ganz ausbleibt, können wir uns ja immer noch gegenseitig beim Konsumieren zusehen, während wir in den Trümmern unserer Überflussgesellschaft sitzen. Wir fressen uns durch die Erde, als wäre sie ein Einwegartikel, und wundern uns dann ernsthaft, wenn der Tankwart des Untergangs die Zapfsäule sperrt. Ein Hoch auf die Dekadenz: Wir verhungern vielleicht irgendwann, aber wenigstens haben wir vorher ordentlich Meilen gesammelt. Mahlzeit!

  • Keine Flüge in Europa?

    HH-Venedig: 15,5 h netto, 3 mal umsteigen mindestens, ICE bis München (ca. 7 h), FlixBus bis Venedig (ca. 8 h). Jeweils best case. Mit zwei Kindern.

    Mit Flugzeug waren wir brutto nach 6 h von Haustür zu Haustür.

    Bus und Bahn: Niemals.

    Nach Kopenhagen (wo Flug und Zug brutto etwa gleich sein sollten) übrigens: Erst 1 h Verspätung schon bei der Abfahrt, weil ein Junkie auf den Gleisen gewandert ist. Dann 5 Minuten vor neuer Abfahrt Wechsel des Gleises (Lautsprecher: krchz! Murmel - musste erst die App bemühen.)

    Keine funktionierende Klimaanlage bis zur dänischen Grenze- weil das DB-Personal sie nicht betreiben will. Auf dem Rückweg wurde sie nämlich ebenso in Deutschland wieder deaktiviert.

    Ich bekomme meine Familie für viele Jahre nicht mehr in einen Zug.

    • @Peter Rabe:

      Toll, aber Urlaub machen in Touristenhotspots, nicht wahr?



      Was sagen denn die Einheimischen dazu? Gibt es bei denen keine Probleme, weil Touristen ihre Länder und Städte überfluten? Die müssen sich, damit Touristen alles in den Arsch geschoben bekommen, auch mit Unannehmlichkeiten begnügen - ne nicht funktionierende Klimaanlage vielleicht inbegriffen.

      Da machen es Mallorca, einige Städte in Italien und viele weitere Orte es schon richtig.

    • @Peter Rabe:

      Dem kann ich mich nur anschließen. Egal ob mit der Familie oder beruflich auch mal alleine. Niemals mit der Bahn. Innerhalb Deutschlands halt mit dem Auto und wenn es weiter weg ist wird geflogen (aber nicht mit Ryan-Air).



      So lange die Bahn nicht zeigt, das sie ihren Fernverkehr ohne Verspätungen, Zugausfälle oder defektes Wagenmaterial (Klimaanalage/Toilette) auf die Reihe bekommt, ist dieses Thema erledigt.

      • @Oleg Fedotov:

        Und jedem Stau „nie mehr mir dem Auto“?

    • @Peter Rabe:

      Man kann sich ja die Frage stellen, ob es so dringend nötig und womöglich ein Grundrecht ist, innerhalb Europas überall in wenigen Stunden hinzukommen.



      Es kann natürlich mal passieren, dass auf Gleisen herumstolpernde Menschen oder Böschungsbrände den Zugverkehr beeinträchtigen und manchem den Urlaub versauen.



      Der Flughafen kann allerdings ebenso wegen Bombenverdachts in einem vergessenen Koffer oder sonstiger Unwägbarkeiten sehr lange lahmgelegt sein, dann geht der Flug vielleicht erst am nächsten Tag und mit der Bahn wär man doch schneller...

    • @Peter Rabe:

      Wieso denn per Bus ab München?🤔 Von dort fährt doch genauso direkt und sogar etwas schneller sowie wesentlich komfortabler der RailJet…ja, auch als Tageszug! Wie ein EuroCity halt…und auch mit nur einmal umsteigen, eben in München.

  • Der beschriebene Wegfall der Inlandsflüge macht laut Studie 3,6% Einsparung. Wenig, aber besser als nix.

    Die größte Einsparung würde es geben, wenn es nur noch eine Standardklasse, möglichst mit Reihenabstand ala Rynaair, geben würde. Wer darauf wettet, dass das kommen wird, dürfte Geld verlieren.

    Hat Michael o`Leary schon bei Trump protestiert, dass er sein Unternehmen in den Ruin treibt? Oder bleibt es beim Jammern über zu hohe Flughafengebühren?

  • Sinnlose Flugverbindungen

    Zitat: „Um Flugbenzin zu sparen, hilft nur eines: weniger fliegen und sinnlose Flugverbindungen canceln.“

    Die zivilen Flugverbindungen von Berlin und München für die Fatcats zu canceln ist ja schön und gut, wird aber den Kohl nicht fett machen. Es fallen einem da noch gewisse andere „sinnlose Flugverbindungen“ in einer mächtigen Branche menschlichen Tuns ein, auf die man total verzichten könnte, und zwar global - nicht nur im Interesse der Luftsäuberung und Emissionen-Reduzierung…