Straße von Hormus: Iran attackiert Emirate – USA starten Schutzmission
Trotz Waffenruhe greift Iran Ziele in den Emiraten an. Die USA starten eine Schutzmission im Golf und sprechen dennoch von begrenzten Angriffen.
„Die Waffenruhe ist nicht beendet“, sagt US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Das ist eine interessante Aussage, hat die Islamische Republik Iran doch am Montagabend die Vereinigten Arabischen Emiraten angegriffen – ein enger Verbündeter der USA und einer der hauptsächlich leidtragenden Staaten in diesem Krieg. Insgesamt 4 Drohnen, 3 Marschflugkörper und 12 ballistische Raketen habe Iran auf die Emirate abgeschossen, berichtet das Verteidigungsministerium in Abu Dhabi.
Die Angriffe zielten unter anderem auf den Hafen von Fujeirah ab. Dieser ist strategisch wichtig, ermöglicht er doch den Emiraten die iranische Blockade der Straße von Hormus zu umgehen. Denn der Hafen liegt östlich der Meerenge. Seit Beginn des Irankrieges erfolgen die emiratischen Ölexporte über Fujeirah.
Auch US-Truppen selbst habe Iran „mehr als zehnmal“ angegriffen, erklärte der hochrangige US-Militär Dan Caine. Die Islamische Republik hatte außerdem mindestens zwei Schiffe angegriffen, ein südkoreanisches und ein emiratisches. Caine erklärte aber: „Alle Angriffe lagen unterhalb der Schwelle, die zum jetzigen Zeitpunkt eine Wiederaufnahme größerer Kampfhandlungen rechtfertigen würde“.
Kleinere Kampfhandlungen gibt es aber seitens der USA wohl, so haben sie nach eigenen Angaben einige Schnellboote – welche die Revolutionsgarden Berichten zufolge zuvor zum Verlegen von Seeminen genutzt hatten – beschossen.
Zusätzlich hat am Montag die sogenannte Schutzmission der US-Streitkräfte mit dem Namen „Projekt Freiheit“ begonnen. Sie soll im Arabischen Golf gestrandete Handelsschiffe – bis zu 2.000 sollen es sein – dabei unterstützen, durch die blockierte Straße von Hormus in den Golf von Oman zu navigieren.
Das funktioniert so: Das US-Militär schützt die von iranischem Beschoss bedrohten Schiffe bei ihrer Fahrt durch die Meeresenge. Dabei sind laut dem Leiter des lokalen Kommandos Centcom, Brad Cooper, über 100 Flugzeuge im Einsatz, außerdem Raketenabschusssysteme und insgesamt 15.000 US-Soldaten. Auch Zerstörer der US-Marine sind im Einsatz. Berichten zufolge haben bislang mindestens zwei Schiffe unter US-Flagge so die Blockade überwunden.
Es ist möglich, dass das US-Militär im Rahmen dieser Mission bereits ein Flugzeug verloren hat. Berichten auf X zufolge hatte ein Tankflugzeug am Dienstag einen Notfall signalisiert und war anschließend aus dem Tracking verschwunden. Ein Kommentar der US-Streitkräfte steht noch aus.
Zudem scheint es am Montag und Dienstag Störungen bei der Übermittlungen von Schiffs- und Standortdaten in der Straße von Hormus gegeben zu haben. Davon berichtet unter anderem die Marine-Daten-Plattform Windward.
Betroffen sind wohl unter anderem die AIS-Daten von Schiffen. Zentral für die Überwachung der Berufsschifffahrt wie zu deren Kollisionsverhütung ist das seit dem Jahr 2000 obligatorische automatische Identifikationssystem (AIS). Es tauscht über ein Funksystem zwischen Schiffen wie Landstationen und Seeverkehrszentralen selbstständig Schiffsdaten aus wie Name, Kurs, Geschwindigkeit und Funkzeichen (MMSI – Maritime Mobile Service Identity) aus.
Das AIS berechnet auch, wann bei ausbleibender Kursänderung und gleichbleibender Geschwindigkeit eine Kollision erfolgen würde. Es schlägt bei gefährlicher Annäherung Alarm und ermöglicht so den Schiffsführern, rechtzeitig auszuweichen.
Durch die Übermittlung der MMSI können Schiffe auch schnell direkt über Funk Kontakt aufnehmen. Für Küstenstaaten bietet das System eine Möglichkeit, durch die Daten zu Schiffen und Ladung den Verkehr zu lenken und illegalen Fischfang zu überwachen. Das AIS ist eine sinnvolle Ergänzung zum Radargerät. Das liefert viele Informationen eines AIS nicht. Letztere kann im Gegensatz zum Radar auch Schiffe samt Daten orten, die sich etwa hinter einer Insel oder Flussbiegungen befinden.
Üblich ist es, AIS mit elektronischen Schiffskarten zu kombinieren, sodass dort die Schiffe samt ihrer Daten integriert sind und dann auch etwa gleich die Wassertiefe oder die Entfernung zu Seezeichen erkennbar ist. Inzwischen ist das benutzerfreundliche AIS auch in der Sportschifffahrt verbreitet.
Kriegsschiffe, die ja ganz bewusst einen marinegrauen Tarnanstrich haben, sind von der obligatorischen Nutzung des AIS befreit, das sie allerdings zur eigenen Sicherheit sehr wohl in Friedenszeiten nutzen. Wollen Schiffe unerkannt bleiben, etwa auch Fischer, die illegal in fremden Hoheitsgewässern Netze auslegen, schalten sie das AIS aus.
Auch kann das System von den Schiffen selbst wie von außerhalb manipuliert werden und dann etwa falsche Schiffs- wie Positionsdaten anzeigen. Dies wurde auch schon in Marinemanövern geübt. Die Manipulation von AIS-Daten und damit die Verschleierung der wahren Schiffsdaten ist zum Teil elektronischer Kriegsführung geworden.
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