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Kreuzfahrtschiff mit HantavirusEin Schiff wird kommen

Das Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, auf dem das Hantavirus grassierte, soll bis Sonntag auf der Kanaren-Insel Teneriffa ankommen. Die Inselbehörde sieht das kritisch.

Ein Schiff wird kommen – und bringt nichts Gutes Foto: Arilson Almeida/ap
Reiner Wandler

Aus Madrid

Reiner Wandler

„Sie werden bis zur Ankunft ihrer Rückführungsflüge an Bord bleiben“, verkündete auf einer Pressekonferenz am Mittwoch der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Alle der über 140 noch an Bord verbliebenen Passagiere wiesen keinerlei Symptome auf, versicherte Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García. „Für die lokale Bevölkerung und für die Wirtschaft der Insel besteht keine Gefahr“, beteuert sie.

Im Fall der 14 spanischen Staatsbürger – 13 Passagiere und ein Besatzungsmitglied – wird das spanische Verteidigungsministerium nach einer ersten Untersuchung vor Ort die Überführung nach Madrid übernehmen. Dort kommen die Betroffenen ins Zentrale Militärkrankenhaus Gómez Ulla in Quarantäne. Aus dem Verteidigungsministerium heißt es, diese sei freiwillig. Ministerin García hingegen appelliert an den gesunden Menschenverstand der Betroffenen und macht klar, dass Maßnahmen bestünden, um eine Quarantäne von bis zu 45 Tagen zur Pflicht zu machen.

Spaniens Linksregierung unter dem Sozialisten Pedro Sánchez hatte sich nach einer Anfrage durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereit erklärt, das Schiff auf den Kanaren anlegen zu lassen. „Aus humanitären Gründen und aus Verpflichtung“, erklärte Innenminister Fernando Grande-Marlaska. Im Laufe des heutigen Donnerstages will sich Grande-Marlaska mit seinen europäischen Amtskollegen beraten, um die Evakuierung zu koordinieren. Außerdem habe sich die Zentralregierung bereits mit denen der beiden betroffenen Regionen – den Kanaren und der Hauptstadtregion Madrid – zusammengesetzt, um alles abzustimmen, so die spanische Regierung.

Auf den Kanarischen Inseln gibt es keine Krankenhausplätze für schwere Infektionsfälle

Inselpräsident Fernando Clavijo

Proteste von den Kanarischen Inseln

Protest kommt jedoch von der Inselregierung der Kanaren. Er fühle sich nicht richtig informiert, erklärte Inselpräsident Fernando Clavijo von der konservativen Regionalpartei Coalición Canaría. Auf den Inseln gäbe es keine Krankenhausplätze, um schwere Infektionsfälle zu behandeln, fügte er hinzu und verwies auf die Covidpandemie, auch wenn laut Gesundheitsministerium das Risiko beider Viren nicht vergleichbar sei.

Mittlerweile steht fest, dass es sich beim Hantavirus auf dem Schiff um einen Stamm handelt, der – anders als zuerst angenommen – nicht nur von Nagetieren auf den Menschen übertragen wird, sondern auch von Mensch zu Mensch – „über die Atemluft bei engem Kontakt“, so ein auf Virenspezialist im spanischen Rundfunk. Vermutlich wurde das Virus von Passagieren eingeschleppt, die im Süden Argentiniens an Land gegangen waren. Dort kommt es immer wieder zu tödlichen Infektionen unter der lokalen Bevölkerung. Unter der Regierung des Rechtspopulisten Javier Milei war Argentinien im vergangenen Jahr aus der WHO ausgetreten, aus Protest gegen die deren Covidpolitik. Milei ist Impfgegner.

Acht Infizierte, drei davon tot

Insgesamt sind bisher acht Passagiere des unter niederländischer Flagge fahrenden Luxuskreuzfahrtschiffes „MV Hondius“ am Virus erkrankt. Drei Passagiere verstarben an Bord. Zwei gingen bei einem Zwischenstopp vom Schiff und reisten nach Südafrika weiter. Eine davon verstarb dort.

Drei weitere Infizierte – zwei Besatzungsmitglieder sowie eine deutsche Passagierin – wurden bereits mit zwei Maschinen nach Holland ausgeflogen. Eine der beiden musste am Mittwoch auf Gran Canaria zwischenlanden, nach dem sich Marokko geweigert hatte, das Flugzeug aufzutanken. Einmal am Boden konnte der Flieger nicht erneut starten. Die an Bord befindlichen Ärzte stellten einen technischen Fehler an der Stromversorgung der medizinischen Einrichtungen fest. Mehrere Stunden später holte eine andere Maschine die Patienten und das Personal ab.

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