Hanta-Virus auf Kreuzfahrtschiff: Evakuierung läuft
In Teneriffa läuft die Evakuierung der vom tödlichen Hantavirus betroffenen MV Hondius auf Hochtouren. Die WHO schätzt die Gefahr als gering ein.
Das von Ausbruch des tödlichen Hantavirus betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius ist am frühen Sonntagmorgen im Hafen von Granadilla im Süden der spanischen Kanareninsel Teneriffa angekommen. Es ankert fern der Mole. Bis Montagnachmittag sollen alle über 140 Passagiere evakuiert und in ihre Herkunftsländer ausgeflogen werden.
Spaniens Regierung, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angefragt wurde, diese Operation zu übernehmen, als die Hondius noch vor dem drei Tage entfernten Kap Verde lag, setzte die Evakuierung gegen die konservative Regierung der Kanarischen Inseln durch. Deren Präsident, Fernando Clavijo, hatte sich geweigert – aus Angst vor einer großflächigen Ansteckung der Inselbevölkerung.
„Die Experten, die an Bord des Schiffes gegangen sind, teilen uns mit, dass die Passagiere weiterhin keine Symptome zeigen“, entgegnet die linksalternative spanische Gesundheitsministerin Mónica García. Der Hantavirus ist hochgefährlich aber – so die Gesundheitsbehörden und die WHO – bei weitem nicht so ansteckend wie Covid.
„Das Ankern ist trotz aller Herausforderungen erfolgreich verlaufen“, sagte García. Die Betroffenen werden auf dem Meer von Bord gehen, dann in kleinen Booten übergesetzt und mit Bussen zum 15 Autominuten entfernten Flughafen Teneriffa Süd gebracht. Sie werden die ganze Zeit über streng isoliert sein.
EU hilft bei Koordination der Evakuierung
Kontakt mit Menschen wird – bis auf Gesundheits- und Sicherheitspersonal – vermieden. Die spanische Regierung unter Pedro Sánchez hat die Operation gemeinsam mit den europäischen Gesundheitsbehörden und der WHO organisiert. Die Europäische Union schickte auf Antrag Spaniens im Rahmen des gemeinsamen EU-Katastrophenschutzes einen Rettungshubschrauber aus Norwegen. Außerdem befindet sich ein EU-Beamter vor Ort, um die Koordination zu unterstützen.
Zuerst gingen 14 Spanier von Bord. Um 9:40 Uhr Ortszeit nahm ein Schlepper die ersten Personen auf. Sie wurden unter Begleitung einer Polizeipatrouille an Land gebracht. Ein Bus der Notfalleinheit der spanischen Armee (UME) brachte sie zum Flughafen. Von dort geht es dann auf einen Militärflughafen bei Madrid. Die Spanier – unter ihnen auch ein Besatzungsmitglied – kommen in einem Militärkrankenhaus in Quarantäne. Diese kann bis zu 45 Tage dauern.
Als Nächstes sollen, so das spanische Gesundheitsministerium, die Passagiere aus den Niederlanden, Deutschland, Griechenland sowie ein Teil der Besatzung evakuiert werden. Insgesamt sind Passagiere aus 23 Ländern an Bord, darunter mindestens sechs Deutsche. Zuletzt sind wohl die Australier an der Reihe. Ihr Flugzeug kommt nicht vor Montag auf Teneriffa an.
Hondius muss in die Niederlande überführt werden
Falls am Montagnachmittag noch Passagiere an Bord sind, deren Länder sie nicht abgeholt haben, werden sie von den Niederlanden – wo das Schiff registriert ist – abgeholt. Mindestens 30 Besatzungsmitglieder müssen an Bord bleiben, um die MV Hondius in die Niederlande zu überführen, wo sie desinfiziert werden muss.
Ob dies in einem Hafen geschieht oder auf See, ist noch nicht geklärt. Das Wetter meint es gut mit der Operation. Anders als im restlichen Spanien scheint die Sonne und es ist weitgehend windstill. Insgesamt sind 358 Polizeibeamte unterschiedlicher Einheiten im Einsatz, um die Operation abzusichern.
Tedros Adhanom Ghebreyesus, WHO-Chef
Laut dem Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, wurden bisher acht Fälle des Hantavirus unter den Passagieren der festgestellt. Drei davon sind verstorben. Bei der Virusvariante handelt es sich um das Andes-Virus, die einzige bekannte Spezies, die in begrenztem Umfang von Mensch zu Mensch übertragen werden kann und auf engen und längeren Kontakt zurückzuführen ist.
„Obwohl dies ein ernster Vorfall ist, schätzt die WHO das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering ein“, erklärte Ghebreyesus bevor das Schiff auf Teneriffa ankam.
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