piwik no script img

Bundesmarine in der Straße von HormusDeutsche Minenräumer als Zielscheibe

Cem-Odos Güler

Kommentar von

Cem-Odos Güler

Durch den Deal zwischen Trump und dem Mullah-Regime könnten bald deutsche Soldaten nach Hormus entsandt werden. Das wäre ein riskantes Manöver, um den USA Stärke vorzugaukeln.

W as die Sicherung der Straße von Hormus angeht, ist Europa zu fast allem bereit. Die Betonung liegt auf dem Wörtchen „fast“, denn bei einer zentralen Frage wollen Frankreich, Großbritannien und Deutschland ganz bestimmt nicht mitmachen: die Meerenge im Zweifel freizuschießen, sollte Iran die Weltgemeinschaft nach dem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg weiterhin mit einer Seeblockade bestrafen. Das Vertrauen der europäischen Staaten, die den Hormus-Einsatz vorbereiten, in den skrupellosen US-Präsidenten ist groß.

Seit der vollmundigen Ankündigung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Deutschland könne sich an einer Mission beteiligen, wiederholt die ganze Regierung jedoch ein Mantra: Die deutsche Marine rückt erst aus, wenn die Kampfhandlungen in Iran enden. Mit dem Deal zwischen Donald Trump und dem Mullah-Regime am Freitag würden die Waffen dort tatsächlich erst einmal schweigen. Es könnte also wirklich bald zu einem Mandat für die Bundeswehr kommen.

Doch das Abkommen zwischen Iran und den USA ist keine Basis für eine europäische Mission. Es gefährdet das Leben der Sol­da­t*in­nen auf eklatante Weise, während es gleichzeitig kaum etwas zu gewinnen gibt. Wer glaubt denn ernsthaft, dass sich das iranische Regime von ein paar französischen Kampfjets und deutschen Minentauchern so sehr abschrecken lässt, dass es mit der Meerenge sein größtes Faustpfand gegen die USA aus der Hand gibt?

Das Logo der taz: Weißer Schriftzung t a z und weiße Tatze auf rotem Grund.
taz debatte

Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Die Führung in Teheran nimmt Israel für die Offensive im Libanon in Verantwortung. Premierminister Benjamin Netanjahu hält von Trumps Alleingang jedoch nicht viel und betrachtet das Abkommen mit Iran als für Israel nicht bindend. Durchaus denkbar wäre also, dass Iran das aggressive Vorgehen Netanjahus mit einem Angriff auf Israels engsten europäischen Partner rächt. Deutsche Minenräumer werden hier leichtfertig zur potenziellen Zielscheibe. Ein Angriff auf sie würde eine komplett neue Eskalationsstufe in dem Krieg bedeuten.

Der geplante Einsatz ist ein Harakiri-Manöver, das dazu dient, den USA europäische Kraft vorzugaukeln. Die hoffnungsvolle Gleichung lautet: Europa unterstützt die USA in Hormus, damit die USA in der Ukraine weiterhin zu Europa halten. Dass Trump dazu bereit ist, auch Alliierte unter den Bus zu werfen, ist spätestens seit dem Fiasko in Afghanistan bekannt, als er dort einseitig die US-Truppen abzog. Wer ein ähnliches Drama verhindern will, darf sich nicht auf diese undurchdachte Mission einlassen.

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Cem-Odos Güler

Cem-Odos Güler Redakteur

Berichtet seit 2023 als Korrespondent im Parlamentsbüro der taz über Verteidigungsthemen und die SPD. Studium der Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Köln, Moskau und London.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • "Wer ein ähnliches Drama verhindern will, darf sich nicht auf diese undurchdachte Mission einlassen."



    alles richtig. Es wird aller Voraussicht dennoch so geschehen.