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Pflegereform und EinsparungenZeitenwende in der Sozialpolitik

Barbara Dribbusch

Kommentar von

Barbara Dribbusch

Die Pflegekassen sind im Defizit. Ein Finanzausgleich zwischen der gut ausgestatteten privaten und der sozialen Pflegeversicherung könnte die Situation verbessern.

D er Gesetzentwurf zur Pflegeversicherung, den Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgelegt hat, bedeutet eine Zeitenwende in der Sozialpolitik, die in ihrer Bedeutung an die Einführung der Hartz-IV-Gesetze erinnert. Denn vieles, was in den vergangenen Jahren verbessert wurde, wird wieder zurückgefahren.

Pflegehaushalte sollten vor Armut bewahrt und Pflegekräfte vernünftig bezahlt werden, außerdem sollten alte Menschen keine Angst mehr haben müssen, dass die erwachsenen Kinder im Pflegefall für sie zahlen müssen all das waren Anliegen, die durch die Pflegeversicherung und andere Gesetze in den vergangenen Jahrzehnten zumindest teilweise umgesetzt wurden. Und die jetzt auf dem Prüfstand stehen.

Doch Empörung allein hilft nicht weiter, denn die Milliarden fehlen ja. Wie kann man unter dem Einsparungsdruck also noch sozialpolitisch navigieren?

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Es braucht eine Diskussion über die Einnahmeseite. Denn ein Finanzausgleich zwischen der gut ausgestatteten privaten Pflegeversicherung und der sehr viel schlechter ausgestatteten sozialen Pflegeversicherung könnte die Einnahmesituation der Letzteren verbessern.

Ja, das Vermögen und damit das Erbe wird belastet, wenn ein alter Mensch zum Pflegefall wird. Das wird so bleiben. Aber wenn – wie geplant – auch die erwachsenen Kinder wieder finanziell herangezogen werden sollen, wenn ein Elternteil ins Heim muss, sollten zumindest große Freibeträge bleiben und die eigene Alterssicherung und Immobilie der Kinder nicht angetastet werden.

Auch sollte die geplante Erschwernis bei der Einstufung in Pflegegrade zumindest in den höheren Pflegegraden nicht erfolgen. Denn hoch belastete Pflegehaushalte mit Schwersteingeschränkten und Heime würden dadurch weniger Geld bekommen – und das kann nicht sein.

Das ist alles sehr unerfreulich und beängstigend, aber jetzt geht es darum, wenigstens einen Rest Vertrauen zu retten, dass es auch in Zeiten des Sparzwangs noch einen öffentlichen Verteilungsdiskurs gibt. Alles andere ist ein politischer Offenbarungseid.

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Barbara Dribbusch

Barbara Dribbusch Redakteurin für Soziales

Redakteurin für Sozialpolitik und Gesellschaft im Inlandsressort der taz. Schwerpunkte: Arbeit, soziale Sicherung, Psychologie, Alter. Bücher: "Schattwald", Roman (Piper, August 2016). "Können Falten Freunde sein?" (Goldmann 2015, Taschenbuch). Kontakt: dribbusch@taz.de
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3 Kommentare

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  • Die Kosten steigen. Man kann nur die Beiträge anheben, den Selbstzahler-Anteil erhöhen oder die Leistungen kürzen. Das ist eine vertrakte Situation, wo kein Politiker für sich oder seine Partei Punkte sammeln kann.



    in alter Zeit wurden Arme von Ordensleuten gepflegt, für einen Platz im Kloster und guten Chancen auf das Himmelreich. Die Zeiten, wo man nennenswert Arbeitskräfte zum Gotteslohn-Preis bekommt, sind vorbei. Jetzt müssen wir gute Hilfe bezahlen. Und ohne durch zu hohe Lasten die Konjunktur abzuwürgen.



    Was die Leistungen anbetrifft, sind wir auch bald beim Evangelium: Egal wie lange jemand gearbeitet hart, es gibt nur einen Denar. Es wird weitere Kürzungen geben. Denn die Gemeinden wollen auch nicht mehr bezahlen. Berlin-Pankow macht es schon vor mit extra langen Wartezeiten auf Sozialhilfeanträge für Heim-Bewohner.

  • Der Vorschlag stößt an die Grenzen des GG; es wäre eine Enteignung. Und wenn man jetzt die Kapitaldecke privater Versicherungen angreift, wie sollen diese dann später ihrerseits ihre Verträge erfüllen?

    • @DiMa:

      Ganz einfach - wer privat vorgesorgt hat, ist vermutlich besser gebildet, lebt daher gesünder (wird also nicht gebrechlich) und hat mehr Vermögen (das in Anspruch genommen werden kann) und reiche Kinder (die man ebenso ausnehmen kann). So jedenfalls stelle ich mir die Gedanken der Autorin vor.