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Bericht zu Antiziganismus„Ekelhafter und abscheulicher Rassismus“

AfD-Politiker*innen zwangen Roma in Gelsenkirchen, die Straße zu putzen. Nicht der einzige Fall, wie Zahlen der Meldestelle MIA zeigen.

Der Skandal war beabsichtigt – was die Aktion aber nicht weniger erschreckend machte. Mit rund zehn Par­tei­kol­le­g*in­nen fiel die AfD-Lokalpolitiker Enxhi Seli-Zacharias Anfang Juni im Gelsenkirchner Viertel Ückendorf ein. In teils heruntergekommenen Häusern leben hier viele Rom*nja, oft unter elendigen Lebensbedingungen. Die AfD-Truppe zwang alle, die sie für Rom*­nja hielt, dazu, mit Besen und Keller die Straßen zu putzen. „Diese Menschen müssen unsere Stadt verlassen“, sagt Seli-Zacharias in einem Video der Aktion.

Auch wenn der Vorfall in Gelsenkirchen ein besonders drastisches Beispiel ist: Antiziganismus ist Alltag in Deutschland. Das zeigt der Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA), den deren Leiter Guillermo Ruiz, Zentralratspräsident Romani Rose und der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung Michael Brand (CDU) am Dienstag vorgestellt haben. Demnach registrierte MIA im letzten Jahr mehr als 2.000 antiziganistische Vorfälle – rund ein Viertel mehr als noch im Vorjahr. Darunter waren 55 körperliche Übergriffe und 8 Fälle schwerer Gewalt.

Ruiz zog Verbindungen zum politischen Klima: „Rechtsextreme Akteure hetzen offen gegen Sinti und Roma“. Rose forderte: „Wir müssen die Demokratie heute verteidigen – Minderheiten sind ein Teil von ihr.“ Und Brand sagte: „Sinti und Roma werden von nationalistischen Kräften immer stärker ins Visier genommen.“ Dass die Zahl der registrierten Vorfälle steige, sei aber nicht nur ein schlechtes, sondern gleichzeitig auch ein „ermutigendes“ Zeichen dafür, dass die Anzeigebereitschaft steige. Es sei aber weiter von einer sehr hohen Dunkelziffer auszugehen.

Diese dürfte auch damit zu tun haben, dass Betroffene auch bei Behörden Antiziganismus befürchten müssen. Bei rund einem Viertel der registrierten Vorfälle waren staatliche Behörden involviert. Insbesondere Po­li­zis­t*in­nen spielen hierbei eine große Rolle, teils unmittelbar, durch diskriminierende Kontrollen und Hausdurchsuchungen, teils indirekt, etwa wenn sie sich weigerten Anzeigen wegen antiziganistischer Taten aufzunehmen. Ruiz dazu: „Es bleibt viel zu tun, um Polizei, Staatsanwälte und Gerichte zu sensibilisieren, damit sie Antiziganismus erkennen können.“

Elend als Vorwand für Hetze

Rund ein Drittel der Betroffenen war minderjährig. Das erklärt sich auch daraus, dass gerade an Schulen besonders viele Vorfälle stattfanden. Diskriminierung und Übergriffe gingen dabei nicht nur von Mit­schü­le­r*in­nen der Betroffenen aus, sondern oft auch von Lehrer*innen.

Und auch im Bereich Wohnen erfahren Sin­ti*z­ze und Rom*­nja oft Diskriminierung und Übergriffe. Das beginnt bei offener Diskriminierung durch Vermieter*innen, die teils offen aussprechen, dass sie nicht an Sin­ti*z­ze oder Rom*­nja vermieten wollen. Schaffen die Betroffenen es dennoch, eine Wohnung oder ein Haus zu finden, werden sie häufig von Nach­ba­r*in­nen weiter drangsaliert.

Vor allem zugewanderte Rom*­nja enden so häufig in heruntergekommenen Mietshäusern, deren Ver­mie­te­r*in­nen ihnen Wuchermieten abpressen. Unter der Bezeichnung „Schrottimmobilien“ dienen diese Elendsquartiere – und die mit Armut oft einhergehende Kriminalität – dann wiederum konservativen und rechten Po­li­ti­ke­r*in­nen als Vorwand für antiziganistische Hetze. So wie in Gelsenkirchen bei der „Putzaktion“ der AfD.

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Ruiz sagte am Dienstag zu dem Vorfall, dieser „erinnert an Demütigungspraktiken der Nationalsozialisten gegenüber Juden“. Rose nannte den Vorfall am Dienstag einen von „ekelhaftem und abscheulichem Rassismus“. Er verwies außerdem auf einen Fall in Österreich, bei dem eine lokale Polizeibehörde aufgerufen hatte, nicht bei Rom*­nja einzukaufen, um sich vor Betrug zu schützen. „Das zeigt, wie wenig wir aus der Geschichte gelernt haben.“

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56 Kommentare

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  • Kurze Ergänzung zu der Bemerkung von Herrn Ruiz: Nein, es erinnert nicht einfach an die Demütigungen der Juden im NS, es erinnert an die Demütigungen, die damals direkt und in derselben Brutalität den Rom*nja und Sinti*zze angetan wurden. Ich will das nicht aufbauschen, aber hier schimmert etwas Unbewusstes durch, nämlich dass nicht im kollektiven Bewusstsein verankert zu sein scheint, dass auch diese Gemeinschaft fast vollständig vernichtet wurde. Nur dass man noch 1956 gerichtlich feststellen durfte, sie seien an ihrem Schicksal selbst mit schuld.



    Der "Vorfall" müsste ja eigentlich heftige Strafen zur Folge haben. Bin gespannt.

  • Nuja, am äußersten rechten Rand gibt es eine fast 100-jährige Tradition von Frauen, die begeistert diese Rolle spielen. Lässt bei einer Machtergreifung der AfD so einiges erwarten.

    • @Kaboom:

      Die AfD wird keine Macht ergreifen, sie wird gewählt werden.

      So ging es schon Hitler.

      Weil er die Demokratie verachtete, nannte er es lieber "Machtergreifung".

      Klang so schön kraftvoll.

      Wenn Sie meinen, dass es NS-Framing für Sie bringt ...

      • @rero:

        Hitler wurde keineswegs gewählt. Die NSDAP hatte nie die Mehrheit. Er wurde von den Konservativen zum Reichskanzler gemacht.



        Aber da Sie offenbar nicht wissen, was die Machtergreifung war, hier ein Link zum Einstieg in das Thema für Sie:

        de.wikipedia.org/wiki/Machtergreifung

        zit.:



        "In der Regel gehen die Historiker aber davon aus, dass die „Machtergreifung“ kein punktuelles Ereignis war, sondern ein längerer Prozess, durch den die NSDAP die Demokratie abschaffte und ihre eigene Herrschaft festigte."

  • Hierzu fällt mir nur noch das berühmte Max-Liebermann-Zitat ein: "Ick kann jarnich soviel fressen, wie ick kotzen möcht."

    • @Volker Scheunert:

      Immer schön die Reihenfolge einhalten. Erst das Vorgehen gegen Minderheiten, dann die Fackelzüge, dann die Lager.



      Wir sind gerade erst bei Phase 1.



      Und es sind noch nicht mal Uniformen und/oder Peitschen im Einsatz. Nur, wie die Videos zeigen, ein Schlägertyp, der im Hintergrund mitläuft.



      Viel spannender sind die Reaktionen in den sozialen Medien. Noch wird der rechte Arm nicht gehoben, das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

  • Redet doch mal über den Antiziganismus in den deutschen Medien, auch beim ÖRR. Einfach mal nach dem Code "Rumänen und Bulgaren" plus Gelsenkirchen oder Hagen googlen. Dann findet man z.b. vom WDR "Erfolgsmodell: Gelsenkirchen bekämpft Armutszuwanderung - Ganz NRW guckt nach Gelsenkirchen. Die Stadt gilt als Vorreiter im Kampf gegen Zuwanderer, die das Sozialsystem ausnutzen wollen." Das geht dann so in dem Ton weiter.

    • @Mendou:

      Zum einen sind diese Rumänen und Bulgaren überhaupt nicht unbedingt Sinti oder Roma, sondern bei den Bulgaren gehören viele zu der türkischen Minderheit dort. Zum anderen wollen Sie ja wohl nicht als Antiziganismus bezeichnen, wenn wahrheitsgemäß über bandemmäßige Ausbeutung des Sozialsystems berichtet wird, ohne überhaupt einen Volksgruppenbezug herzustellen. Alle Parteien im Ruhrgebiet einschließlich Grüne und SPD benennen das Problem inzwischen - und hätten sie das weiter verleugnet, gäbe es sicher den erste AfD-Bürgermeister, gewählt von sehr viele Migranten.

      Enkeltrick darf auch nicht mehr erwähnt werden?

    • @Mendou:

      Ich muss es mir garnicht anschauen, um zu wissen, was von sich geht: Die angeblich vermüllten Flächen am Rande der Stadt, die Wohnwägen und Wohnanhänger, und das Herumlungern sollen verschwinden. Wegen angeblicher Kriminalität.

      Wer das alles verschwinden sehen will, will auch Sinti und Roma verschwinden sehen. Für immer. Klassischer Rassismus. Gelsenkirchen ist Spitzenreiter.

      • @Troll Eulenspiegel:

        Nein, es geht um überbelegte, teuer vermietete Schrott-Immobilien, wo viele Leute nur zum Schein leben, die Hintermänner kassieren dann die Sozialleistungen anteilig mit, für ihre Hilfe.

  • Genau so etwas wollen AfD-Wähler.

    Die Grausamkeit, die Gemeinheit und die Erniedrigung von Menschen sind nicht etwa Nebeneffekt der von ihnen gewünschten Politik, sie sind deren Zweck.

    Rechtsextremismus ist immer auch Appell an den inneren Schweinehund. AfD-Wähler fühlen sich durch so eine Aktion nicht etwa abgestoßen, nein, sie werden von einer nachgerade sexuellen Erregung ergriffen. Die finden so etwas geil. Deswegen werden sie immer AfD (oder noch extremeres) wählen, und wenn es ihnen auf anderer Ebene schaden sollte - sie wollen genau diesen Kitzel des Bösartigen, des Niedeträchtigen. Das ist für sie die Hauptsache.

    Und deswegen sollte man auch endlich die schwachsinnige Idee, man könne diese Leute irgendwie "abholen", ihnen "zuhören" und "inhaltlich stellen", begraben. Die wollen gar nicht überzeugt werden. Die wollen ihren Hass auf andere ausleben.

    • @Suryo:

      Leider hast Du vollkommen Recht mit diesen Ausführungen.

    • @Suryo:

      Ich formuliere mal abstrakter: Wenn der Mord wieder Staatsdoktrin wird - wie im Dritten Reich - dann werden sich wieder genügend Menschen finden, das das blutige Handwerk verrichten.

      • @Il_Leopardo:

        Man kann in den USA gerade wunderbar beobachten, dass es für jede Maßnahme einer rechtsradikalen Regierung mehr als genug rückgratlose Anhänger gibt, die es einen Sch**** interessiert, ob etwas legal ist, oder nicht. Der Krieg gegen den Iran dauert nun über 3 Monate. Hätte aber nach 60 Tagen durch das Parlament genehmigt werden müssen. Die Epstein-Files hätten gemäß des entsprechenden Gesetzes am 19.12.2025 veröffentlicht werden müssen. etc. pp.



        Es gibt keine Verletzung eines Gesetzes oder Artikels einer Verfassung, die NICHT von den Anhängern eines rechtsradikalen Regimes begangen würde.



        Sind wir auf sowas im Falle einer AfD-Machtergreifung vorbereitet? Wohl eher nicht.

        • @Kaboom:

          Stimme Ihnen da voll zu - möchte den Begriff "rechtsradikal" aber durch "autoritär" ersetzen. Auch in den kommunistischen Ländern gab es genügend Helfershelfer, die die Drecksarbeit für die Herrschenden erledigten.

      • @Il_Leopardo:

        "Vogelfrei" gegen Juden, gegen Muslime, gegen LGBT, gegen Antikapitalisten. Ungesühnt werden Morde, wenn der Zivilist jemanden sieht, den er einfach nicht mag. Kann er als "Grünen" brandmarken.

        So tief sind wir mittlerweile gefallen. Eine düstere Zukunft steht bevor. Auch ich habe euch gewarnt, neben den Vorpostern hier, bei denen ich mich natürlich bedanke.

  • Frau Enxhi Seli-Zacharias (AfD), ist eine gebürtige Albanerin, die den Deutschen sagen will, was Deutsch ist und was nicht.



    Na, vielen Dank!



    Ist halt so ähnlich, wie bei Menschen, die zur Katholischen Kirche konvertieren und anschließend päbstlicher als der Papst sind.

    • @Il_Leopardo:

      Ist das nicht ein wenig rassistisch, anderen Ethnien zu unterstellen, daß sie nicht die glorreichen Höhen teutscher Hirnweiche erreichen können?



      Scherz beiseite, es ist in diesem und in anderen Fällen total unerheblich, welche Herkunft, welches Geschlecht etc. diese Leute haben, damit schwächt man höchstens die eigene Argumentation, das Ausschlaggebende ist der vorliegende Sachverhalt.

      • @Wurstfinger Joe:

        Ich wollte nicht rassistisch sein, sondern, das können Sie im zweiten Absatz erkennen, lediglich darauf hinweisen, dass neue "Mitspieler" sehr häufig das Gefühl haben, sich besonders anstrengen zu müssen, um im "Team" akzeptiert zu werden.



        Immer den ganzen Kommentar lesen und nicht Stücke aus dem Zusammenhang reißen - bitte!

        • @Il_Leopardo:

          Der letzte Satz gilt auch für Sie, immer den ganzen Kommentar lesen. 😁 Ich habe lediglich einen Scherz gemacht, um den zweiten Teil einzuleiten, über den sich meiner Meinung nach eher ein wenig Nachdenken lohnt.

  • Disgusting und erwartbar. Wir sehen uns am 04.07. in Erfurt.

  • "Die AfD-Truppe zwang alle, die sie für Rom*­nja hielt, dazu, mit Besen und Keller die Straßen zu putzen."

    Das habe ich ehrlich gesagt nicht verstanden. Wodurch erfolgte der Zwang? Ja, es gibt in manchen Bundesländern/Städten die Vorgabe, dass Anwohner die Straße fegen und schneefrei halten müssen. (Oder zum Beispiel die "Rinnsteine" beikrautfrei halten müssen, um den Abfluss von Regenwasser zu gewährleisten, Schäden an der Bausubstanz zu verhindern und die allgemeine Verkehrssicherheit zu erhalten.) Gehörte in den Mehrfamilienhäusern, in denen ich wohnte, zur "Hausordnung". Kenne ich zur Genüge und muss ich auch jetzt in meinem Einfamilienhaus erledigen. Aber wie kann eine politische Partei (?) Anwohner dazu zwingen, die Hausordnung durchzuführen?

    • @*Sabine*:

      Wenn Sie das ernsthaft fragen, würde ich gerne wissen, wie alt Sie sind.

      • @Kaboom:

        Wäre "Sabine" mein echter Name, könnte leicht gegoogelt werden, in welchem Jahr dieser Name am häufigsten gewählt wurde. ;-) Ist es aber nicht. Da ich mich weder wegen Jugend noch wegen Alter Vorurteilen aussetzen möchte, teile ich Ihnen mein Geburtsjahr nicht mit ... außer wir sehen uns mal irgendwo im Nirgendwo in einer Bar.

    • @*Sabine*:

      Das ist jetzt hoffentlich nicht erst gemeint.

      Da kommen 10 Nazis und jemand stellt sich die Frage worin der Zwang bestand.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Da es ein Video zu geben scheint, werde ich versuchen es zu finden und dann daraus lernen ... ebenso wie aus Ihrem Hinweis und den Hinweisen anderer Kommentatoren.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ich ging davon aus, dass jemand im Auftrag des Hausbesitzers oder Hausverwalters den Mieter:innen m/w/d die Hausordnung vorgelesen/ggf. übersetzt und sie mit Arbeitsmaterial versorgt hat.

        • @*Sabine*:

          Menschen die man vom Aussehen her für Sinti und Roma hielt wurden gezwungen die Straße zu putzen, während man sie gegen ihren Willen filmte und abfällige Bemerkungen über sie machte.



          .



          Und Sie vergleichen das ernsthaft mit der Hausordnung?

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Ich habe die selbe (ernstgemeinte) Frage, was genau ist da passiert? so wie es angedeutet ist, klingt es nach einer schweren Straftat für die jemand ins Gefängnis gehört.

      • @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Frage ist sogar hochgradig wichtig.

        Gerade auch für die Frage, ob hier Frau Seli-Zacharias hier eine Straftat begangen haben könnte oder sie sich voll im Normbereich bewegte.

        Unten wurde das Parteiverbot ja schon angesprochen.

        Da ist eine korrekte Einordnung wichtig.

        • @rero:

          "Die AfD-Truppe zwang alle, die sie für Rom*­nja hielt, dazu, mit Besen und Keller die Straßen zu putzen."

          Ist es naiv vom mir, wenn ich annehme, dass die Nazis in U-Haft sitzen? Soweit ich informiert bin, ist Zwangsarbeit nicht erlaubt.

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Es wurde nicht gezwungen, es wurde dazu aufgefordert laut anderen Quellen.

            • @Suchender:

              Ach so ist das? Dann kann der Bankräuber sich damit rechtfertigen, dass er lediglich zur Geldherausgabe "aufgefordert" hat und alles ist OK. Sub-geniale Einschätzung....

            • @Suchender:

              Man kommt mit 10 Leuten, um aufzufordern...

          • @warum_denkt_keiner_nach?:

            Sie wissen schon was der Begriff bedeutet, oder?

            • @Ralf Inkle:

              Euer Eben! Forderte die Kassiererin nur auf mir das 💰 aus der Kasse zu geben. Das war kein Überfall! Eher eine höfliche Bitte... Mit Nachdruck.

  • Es ist bezeichnend, wie verlässlich das historische Drehbuch der Menschenverachtung wieder aufgeführt wird. Wenn der gesellschaftliche Frust steigt, reaktivieren enthemmte rechte Horden zielsicher ihre ältesten Feindbilder. Dass die Angriffe auf Sinti und Roma massiv zunehmen, ist kein Zufall, sondern das folgerichtige Ergebnis einer systematischen Verrohung.



    ​Diese Schlägertrupps agieren auf der Straße wie die fünfte Kolonne der AfD. Während die Herren in den Parlamenten im feinen Zwirn den rassistischen Boden bereiten und von „Deportationen“ raunen, setzt der Mob die völkische Ideologie auf dem Asphalt in nackte Gewalt um. Sinti und Roma, die seit Jahrhunderten zu den am stärksten marginalisierten Gruppen gehören, dienen wieder als die ersten Opfer, an denen die extreme Rechte ihre neu gewonnene Macht austestet. Ein perfides Schauspiel: Eine vorgeblich „bürgerliche“ Partei liefert die Stichworte, und die Straße liefert die blutigen Ergebnisse. Wehret den Anfängen? Wir sind längst mittendrin.

  • Vor allem muss man erstmal die Verbrecher schnappen, die die Leute unter Vorspiegelung falscher Tatsachen hierher bringen und ihnen das Geld über die überhöhten Mieten abnehmen.

    PS: Ist der Text jetzt auch ein bewusster Kontrapunkt zu KI und Rechtschreibprüfung?



    "... die AfD-Lokalpolitiker Enxhi ...", "... mit Besen und Keller die Straßen zu putzen. ..." usw.

    • @Axel Schäfer:

      Ist schön, dass wenigstens einer hier die wirklich relevanten Sachen anspricht.

    • @Axel Schäfer:

      Was das angeht, kann die AfD ja mal bei ihrem Gönner in der Schweiz nachfragen. Wie man aus Schrottimmobilien maximalen Profit zieht, dürfte er aus eigener Anschauung berichten können.

  • Ich freue mich schon drauf, wenn die Bürgerlichen hier ankommen und erzählen, das sei doch eine tolle Initiative für ein besseres Stadtbild.

    • @nihilist:

      Hier gibt es nichts zu freuen, gar nichts.....

  • Das sind genau die Situationen, die wir zu erwarten haben wenn diese Faschisten erst mal an der Macht (beteiligt) sind. Mir wird immer unerklärlicher, wie ein halbwegs denkender Mensch solche Leute wählen kann - Unzufriedenheit hin oder her. Das ist ein NO GO!!!

    • @Perkele:

      ... Was glauben Sie, wie viele Menschen hier in Sachsen-Anhalt - so wie Sie und ich - Kenntnis von diesem Vorgang erhalten?



      Mal abgesehen davon gäbe es möglicherweise zumindest in Teilen solcher Lesender durchaus Verständnis - wurde doch schon vor Jahren medienwirksam von verwahrlosten Schrottimmobilien im Ruhrpott berichtet. Wenngleich da dann gern der Fokus auf deren Vermietern lag. - Aber wer kann sich das schon alles so genau merken?

      • @Der olle Onn:

        „Aber wer kann sich das schon alles so genau merken?"



        Wer will sich das schon alles so genau merken, wenn Informationen möglicherweise nicht zu den Vorurteilen passen? [/Ironie]

      • @Der olle Onn:

        Das ist ja das Schlimme! Des- oder Non-Information und dazu noch Gleichgültigkeit bis hin zu Beifall.

    • @Perkele:

      Als die Nazi-Schergen in Wien Juden zwangen, auf Knien rutschend die Straßen mit Bürsten zu putzen, standen Bürger darum herum und beömmelten sich. Einfach nur grauenhafte Bilder. Mir wird's ganz bange, wenn ich daran denke, dass so etwas wieder passieren kann.

      • @Il_Leopardo:

        Harald Welzer beschreibt, wie es dazu kommen konnte.



        Und die am wenigsten lernfähige Kreatur ist ja hinlänglich bekannt.

  • Es würde mich schon sehr wundern, wenn der Bezug zu den entsprechenden Bildern aus dem Dritten Reich nicht beabsichtigt war. Die AfD tritt mittlerweile offen rechtsextrem auf, Bezüge zur NSDAP und dem Nationalsozialismus sind allenthalben zu finden und werden kann bewusst eingesetzt.



    Mir ist unverständlich, warum die Union nach wie vor versucht, ein Verbotsverfahren zu verhindern. So ungebildet oder geschichtsvergessen kam niemand sein, nicht zu erkennen, wo dies hinführen kann.

    • @Flix:

      Wenn die übrigen Parteien im Bundestag tatsächlich zu der Überzeugung gelangt wären, dass die Voraussetzungen für ein Parteiverbot zweifelsfrei erfüllt sind, könnten sie ein Verbotsverfahren auch ohne Beteiligung der Union beantragen. Für einen entsprechenden Beschluss im Bundestag genügt eine einfache Mehrheit, die sich rechnerisch auch aus SPD, Grünen, FDP und Linken ergeben könnte. Die Union besitzt hier kein formales Vetorecht.

      Dass ein solcher Antrag bislang nicht gestellt wurde, spricht dafür, dass die rechtlichen und tatsächlichen Hürden von allen demokratischen Parteien als äußerst hoch eingeschätzt werden – nicht nur von der Union. Auch im Bundesrat wäre ein Antrag grundsätzlich möglich, sofern eine ausreichende Zahl von Landesregierungen zustimmt. Die Zurückhaltung ist daher weniger als parteipolitische Blockade zu deuten, sondern vielmehr als Hinweis darauf, dass bislang kein belastbarer Konsens darüber besteht, dass ein Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht mit hinreichender Sicherheit Erfolg hätte.

      • @Zippism:

        "Für einen entsprechenden Beschluss im Bundestag genügt eine einfache Mehrheit, die sich rechnerisch auch aus SPD, Grünen, FDP und Linken ergeben könnte."



        Ist das der letzte oder der vorletzte Bundestag, den Sie hier im Kopf haben? Im aktuellen ist weder die FDP noch gibt es eine mögliche Mehrheit gegen Rechts-Rechtsextrem. Im Bundesrat ist ohne Landesregierungen mit CDU-Beteiligung auch keine Mehrheit zu machen. Die fatale Untätigkeit, die Sie Zurückhaltung nennen, ist sehr wohl Ergebnis einer Blockade der CDU und lässt sich, mit Blick auf die Geschichte, durchaus als Wiederholung der konservativen Fehler vor der letzten faschistischen Regierung Deutschlands verstehen. Heute will Merz sie halbieren, damals wollte von Papen sie in die Ecke drücken, bis sie quietschen. Effektive Schritte sind jeweils ausgeblieben, stattdessen finden nach und nach mehr Kooperationen und Normalisierungen der Positionen der Faschisten statt.

        • @Residente:

          Der Hinweis auf die aktuelle Zusammensetzung des Bundestages ist berechtigt. Ergänzend sollte man aber festhalten, dass auch in der vorherigen Legislaturperiode, als SPD, Grüne und FDP gemeinsam regierten und es rechnerisch möglich gewesen wäre, kein Verbotsantrag gestellt wurde. Die AfD war bereits damals in weiten Teilen offen radikalisiert, zahlreiche verfassungsfeindliche Positionen und Akteure waren öffentlich dokumentiert.

          Dass dennoch weder der Deutscher Bundestag noch der Bundesrat einen Antrag eingebracht haben, spricht dafür, dass die demokratischen Parteien auch zu diesem Zeitpunkt die Erfolgsaussichten eines Verfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht als zu unsicher eingeschätzt haben. Diese Einschätzung teilten offenkundig nicht nur die Union, sondern auch SPD, Grüne und FDP, die damals die politische Verantwortung trugen.

          Man kann diese Zurückhaltung politisch kritisieren – etwa mit Blick auf Normalisierungseffekte oder fehlende klare Abgrenzung. Sie allein als Blockade der Union zu deuten, greift jedoch zu kurz. Denn faktisch ist festzuhalten: Auch dort, wo ein Antrag ohne die Union möglich gewesen wäre, wurde er nicht gestellt.

          • @Zippism:

            Das ist alles nicht falsch, die Kritik muss sich auch an SPD, FDP und Grüne richten. Der Hauptverhinderer eines Verbots und Schleifer der Brandmauer bleibt aber die Union, denn festzuhalten bleibt auch: Mit einer überzeugt demokratischen CDU wäre der Aufstieg der Faschisten jederzeit aufzuhalten und die Afd zu verbieten gewesen.

            • @Residente:

              Ich halte auch die Vorstellung für problematisch, eine strengere Brandmauer hätte den Aufstieg der AfD automatisch verhindert. Die Wahlergebnisse der letzten Jahre sprechen eher dafür, dass die AfD trotz – oder teilweise sogar wegen – der formalen Abgrenzung auf Bundesebene stärker geworden ist. Politische Ausgrenzung ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung und keine Lösung realer Konflikte.

              Zugleich wird die Brandmauer auf kommunaler Ebene längst faktisch unterlaufen: In vielen Gemeinden und Kreistagen gibt es punktuelle Zusammenarbeit mit der Alternative für Deutschland, oft stillschweigend akzeptiert. Das zeigt, dass das Problem nicht allein bei der Union auf Bundesebene liegt, sondern tiefer reicht – in die politische Praxis insgesamt.

              Eine ehrliche Debatte müsste daher fragen, warum weder Abgrenzung noch Normalisierung bislang dazu geführt haben, die AfD politisch zu schwächen – und warum ein Parteiverbot weiterhin als rechtlich zu riskant eingeschätzt wird, quer durch die demokratischen Parteien.

              • @Zippism:

                "Politische Ausgrenzung ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung und keine Lösung realer Konflikte."



                Auch das ist wieder richtig, beide Elemente müssen sich ergänzen. Natürlich muss man eine faschistische Partei mit allen Mitteln von der Macht fernhalten, nur bringt das wenig, wenn die bürgerlichen Parteien (das schließt SPD, FDP und Grüne ausdrücklich ein) die rassistischen Standpunkte und "Lösungen" übernehmen und zu großen Teilen selbst umsetzen. Dann haben wir die Paradoxie aus formaler Abgrenzung und faktischer Normalisierung, die nicht funktionieren kann. Eine glaubwürdige, klare Abgrenzung scheitert jedoch schon daran, dass der Kanzler sich der gleichen Rhetorik bedient wie Alice Weidel und in wesentlichen Punkten (Schleifen des Sozialstaates und des Asylrechts, Unterstützung von Kriegsverbrechen bei Verbündeten, blinde neoliberale Wirtschaftspolitik, etc.) die gleiche extrem rechte Position einnimmt. Eine echte Ab-und Ausgrenzung der Afd hätte durchaus Wirkung zeigen können, nur ist sie leider nie vernünftig versucht worden.