piwik no script img

Tierschutzbund verklagt DeutschlandSind so viele Tiere

Das Tierheim Osterode würde gern mehr Hunde und Katzen aufnehmen. Der Bedarf ist da. Aber es fehlt an Platz und Geld. Deswegen klagt es gemeinsam mit dem Tierschutzbund.

Friederike Gräff

Aus Osterode

Friederike Gräff

D as Büro von Alanis Sieger ist voller Tische, voller Kisten und voller Hunde. Wie auch nicht, das ganze Tierheim platzt aus den Nähten, das ist ja das Problem. In 95 Prozent der Fälle, sagt Sieger, müssen sie ablehnen, wenn Anrufende ein Tier bei ihnen unterbringen wollen. Deshalb verklagt das kleine Tierheim Osterode, am Rande des Harzes in Niedersachsen gelegen, nun die Bundesrepublik Deutschland. Genauer, das Tierheim Osterode mit drei anderen Tierheimen und dem Deutschen Tierschutzbund.

Die Argumentation der Klage: Wenn im Grundgesetz stehe, der „Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere“, dann müsse er dafür auch ganz praktisch Geld geben. Die Kassen der Tierheime in Deutschland sind klamm und es wird nicht besser, sondern schlechter, weil immer mehr Tiere abgegeben oder gefunden werden, gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter. Der Tierschutzbund spricht von „Kollaps“.

Im Büro von Alanis Sieger haben gerade vier Hunde Unterschlupf gefunden, ein Chihuahua sitzt auf ihrem Schoß und wird ihn in der nächsten Stunde auch nicht wieder verlassen, ein weiterer Chihuahua, ein Border Collie und ein Schäferhundmix haben sich im Raum verteilt. Die Chihuahuas sind Hundegreise, 18 und 20 Jahre alt, und Alanis Sieger hat sie bei sich aufgenommen, obwohl sie schon zwei Hunde hat. „Alle, die hier arbeiten, nehmen Tiere bei sich auf, sagt sie.

Wer im Tierheim arbeitet – meist sind es Frauen – muss Idealistin sein. Natürlich fahren sie nachts los, wenn ihnen eine verletzte Katze am Straßenrand gemeldet wird. Es macht ja sonst niemand. Dabei verdienen die Mitarbeitenden gerade mal Mindestlohn, und selbst die Leitungen bekommen nur dann mehr, wenn sie gut verhandeln. Alanis Sieger bekommt nicht mehr, aber das Thema Lohn erwähnt sie gar nicht. Was sie sich wünscht, ist Geld für eine Trainer:innen-Stelle: eine Person, die mit schwierigen Hunden arbeitet, damit sie anschließend vermittelt werden können.

Schwierige Hunde sind solche, die aggressiv sind, wie Vicky und Jacky, mittelgroß, knopfäugig und unberechenbar, aber auch solche wie die schmale Atina, ein „Angsthund“, sagt Sieger, „sie beißt nicht, aber Menschen sind nicht ihr Ding“. Als wir an den Räumen für die Hunde vorbeigehen, liegt ein junges Mädchen neben Atina und berührt vorsichtig deren Hinterläufe. Es gibt eine andere Ehrenamtliche, die sich stundenlang mit einem Buch zu den scheuen Katzen setzt, um sie an menschliche Nähe zu gewöhnen.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

„Die Ehrenamtlichen sind Gold wert“, sagt Maira Gebel, die Vorsitzende des Osteroder Tierschutzvereins. Sie sind Gold wert, aber natürlich können sie keine professionellen Trai­ne­r:in­nen ersetzen. Und manchmal ist die Vorgeschichte eines Tieres so schwierig, dass die Narben bleiben. Atina, Vicky und Jacky werden wohl ihr Leben im Tierheim verbringen und damit sind drei der fünfzehn Hundeplätze in Osterode dauerhaft belegt.

Zu wenig Raum für die Tiere

Und damit ist man bei dem Problem, dass das Tierheim Osterode umtreibt: Sie haben dort zu wenig Raum für all die Hunde und Katzen, die einen Platz bräuchten. Und der Raum, den sie haben, genügt nicht mehr den Vorschriften. Außerdem bröckelt er ihnen unter den Händen weg. Aber das Tierheim kommt gerade so über die Runden, woher sollte das Geld für einen Umbau oder sogar einen Neubau kommen?

Maira Gebel hat einen Zettel mitgebracht, auf dem die Finanzen aufgelistet sind. Das Tierheim bekommt pro Jahr eine Fundtierpauschale von 55.000 Euro von der Stadt Osterode und der Gemeinde Bad Grund. Aber diese Pauschale ist nicht kostendeckend. Die Hunde werden meist relativ schnell abgeholt und brauchen kaum medizinische Versorgung. Bei den Katzen sieht das anders aus: Viele haben keinen Besitzer, sind oft krank und bleiben über Monate im Tierheim. Gebel schätzt, dass eine Katze pro Tag einen zweistelligen Betrag kostet.

Damit argumentieren sie nun bei ihrer Klage: dass der Staat ihnen eine Aufgabe gegeben hat, für die er ihnen nicht das notwendige Geld gibt

Die Jahresausgaben liegen bei 200.000 Euro, die Hälfte davon sind Personalkosten. Der nächste große Posten sind die Tierarztkosten: 42.000 Euro, Tierheimbedarf 22.000 Euro und Energiekosten 11.000 Euro. Wenn man die 42.0000 Euro Tierarztkosten denkt, muss man sich nicht wundern über die Freude, mit der Maira Gebel von der Katze mit den chronischen Darmproblemen erzählt, die glücklicherweise in einer Studie der tierärztlichen Hochschule unterkam. Sonst wäre der Preis für diese eine Behandlung schnell vierstellig geworden. Was man sich auch vorstellen muss: 40 Prozent seiner Kosten bestreitet das Tierheim ohnehin durch Spenden.

Daher die Tombolatüten fürs Sommerfest, die sich im Büro stapeln, daher die Boxen für Futterspenden in den umliegenden Supermärkten. In Osterode freuen sie sich über jeden Euro. „Der Spendenanteil macht mehr aus, als er sollte“, sagt Gebel, aber bei den anderen Tierheimen ist es das Gleiche. Und damit argumentieren sie nun bei ihrer Klage: dass der Staat ihnen eine Aufgabe gegeben hat, für die er ihnen nicht das notwendige Geld gibt.

Wahrscheinlich ging das so lange, weil der Tierschutz Menschen anzieht, die nicht wegen des Geldes arbeiten. Weil sie nicht nur in Osterode Zäune mit der Hilfe von Ehrenamtlichen aufstellen und die Risse in den Wänden selbst verputzen. Aber das hat Grenzen: Maira Gebel und Alanis Sieger haben bei einer Bauingenieurfirma angefragt, um der Ursache für das Auseinanderbröckeln des Hundetrakts auf den Grund zu gehen: Die Untersuchungen würden 5.000 bis 50.000 Euro kosten – und am Ende wüssten sie nicht einmal, ob sich die Ursache beheben ließe.

Zahl der heimatlosen Tiere wächst

Das bröckelnde Haus ist ein greifbares, ein lokales Problem. Die Zahl heimatloser Tiere wächst bundesweit. Jedes Jahr werden rund 25 Prozent mehr Tiere abgegeben, schätzt Alanis Sieger. Woran das liegt? Tierhandel ist lukrativ und deswegen gibt es nicht mehr nur Züchter:innen, die sich an Standards halten, sondern auch Leute, die Sieger abfällig „Vermehrer“ nennt. „Es war noch nie so leicht, ein Tier zu bekommen“, sagt sie. „Und es war auch nie so leicht, sich vorher zu informieren.“

Das tun aber nicht alle. Hinterher sind das oft die Leute, die beim Tierheim anrufen. Ihre Tiere sind chronisch krank oder aufwendiger in der Haltung als gedacht. „Die Leute sagen: Wir haben schon alles versucht“, meint Sieger. „Aber wenn ich dann frage: Waren Sie beim Tierarzt, um mögliche Schmerzen abzuklären? Waren Sie beim Hundetraining? – Nein.“ Kein Wunder, dass nach einer Umfrage des Deutschen Tierschutzbundes nur noch 18 Prozent der Tierheime Kapazitäten haben, fast die Hälfte ist voll oder sogar „übervoll“.

Die Mit­ar­bei­te­r:in­nen geben ihr Bestes, um die Tiere zu vermitteln. Ein Trick: Manchmal tauschen sie Tiere mit anderen Tierheimen, damit die auch von anderen In­ter­es­sen­t:in­nen entdeckt werden können. In Luke etwa, einen Hund mit Maulkorbauflage, haben sich die neuen Be­sit­ze­r:in­nen beim Gassigehen „doll verliebt“, sagt Sieger, die sich an alle ihre Tiere zu erinnern scheint, und strahlt.

Aber wo ein Tier geht, warten bereits andere Tiere. Auch bei den Katzen ist nicht viel Platz. Der Tierschutzbund fordert schon lange eine Kastrationspflicht, aber noch ist sie nur in Schleswig-Holstein umgesetzt.

Auch das ist ein Punkt, den der Deutsche Tierschutzbund der Politik vorhält: dass sie weder die überforderten Tierheime unterstützt, noch die Ursachen der Probleme angeht. Viele halb verwilderte Katzen bekommen immer wieder Junge. „Es sind keine Wildtiere, die man sich selbst überlassen könnte“, sagt Alanis Sieger. Viele sterben, viele sind nicht an Menschen gewöhnt. „Diejenigen, die gar keinen Bock auf Menschen haben“, kommen an die beiden Auswilderungsstellen des Tierheims, wo sie regelmäßig Futter bekommen und versorgt werden.

Es fehlt am Verantwortungsgefühl

„Das größte Thema ist Verantwortungsgefühl“, sagt Alanis Sieger, und daran scheint es zunehmend zu mangeln. Der Hund mit den meisten Beißvorfällen, den sie in Osterode hatten, war kein Listenhund, also ein Hund der Rassen, die als potenziell gefährlich eingestuft werden, sondern ein Dackel – „eigentlich ein cooler Typ“, sagt Alanis Sieger. Im Tierheim wissen sie, dass es inzwischen Tier­ärz­t:in­nen gibt, die Hunde einschläfern, nicht weil sie krank sind, sondern weil es soziale Probleme gibt, die die Tier­be­sit­ze­r:in­nen nicht lösen können oder wollen.

Der Deutsche Tierschutzbund versucht, an den strukturellen Ursachen anzusetzen: Kampf gegen Qualzucht, einen bundesweit verpflichtenden Sachkundenachweis für künftige Tierhalter:innen. Aber jetzt will er die Bundesregierung, vertreten durch das Bundeslandwirtschaftsministerium, direkt zur Kasse bitten. „Der Beklagte wird verpflichtet, Investitionshilfen für Tierheime und tierheimähnliche Einrichtungen in Deutschland zur Verfügung zu stellen“, heißt es in der Klageschrift, die pikanterweise die Anwaltspraxis Röttgen, Kluge und Hund eingereicht hat. Nämlich jener Norbert Röttgen, der für die CDU/CSU Tierschutzberichterstatter war und mit Landwirtschaftsminister Alois Rainer nun einen Parteifreund verklagt.

In Osterode könnten sie das Geld für den überfälligen Um- oder Neubau sofort brauchen. Denn sie haben nur eine Ausnahmegenehmigung bis 2027 für Teile ihres Hundetrakts: „Unsere Quarantänebox hat 3,8 Quadratmeter“, sagt Maira Gebel, „dabei müsste sie für einen kleinen Hund mindestens 6 Quadratmeter haben.“

„Wenn Geld kein Thema wäre, hätten wir längst eine Lösung“, meint Alanis Sieger. Dann hätten sie ein Katzenhaus für 700.000 Euro und ein Hundehaus für 1,8 Millionen errichtet, die Vorschriften umgesetzt und endlich mehr Platz für die vielen Anfragen. Aber von den Kommunen haben sie bislang keinerlei Zusagen für Gelder. Deswegen planen und verwerfen sie nun schon seit Jahren.

Wann über die Klage des Deutschen Tierschutzbundes entschieden wird, ist nicht absehbar. „Wir sind darauf eingestellt, dass wir einen langen Atem brauchen werden“, schreibt Hester Pommerening, die Pressesprecherin des Tierschutzbundes. Bis dahin hat Alanis Sieger, die Eventmanagement studiert hat und nach einem Praktikum nicht mehr wegwollte vom Tierheim, wohl schon die Prüfung zur Tierpflegerin abgelegt. Danach kann sie selbst ausbilden – und dann ist schon mal eine Person mehr da, die sich um Tiere kümmert, um die sich sonst niemand kümmert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

26 Kommentare

 / 
  • rero

    „Es war noch nie so leicht, ein Tier zu bekommen“

    Diese Aussage ist einfach sachlich falsch.

    In den 80ern ist mein Vater in ein Tierheim gegangen, hat den Hund ein paar Mal gestreichelt, dann hat er ihn mitbekommen.

    Nachfragen vor Übergabe oder Kontrollen gab es nicht.

    Wie Tierheime Hunde heute abgeben, hat ToMuch bereits dargestellt.

    Ich habe auch Bekannte, die als Erstbesitzer nicht mit einem Welpen anfangen wollten.

    Aus dem Tierheim haben sie aber keinen Hund bekommen,

    Schließlich haben sie doch einen Welpen von einem Züchter gekauft.

    Früher wurden Hunde- und Katzenwelpen in Zoohandlungen verkauft.

    Da wurde nicht viel gefragt.

    Junge Katzen hat man aus unerwünschten Würfen geschenkt bekommen.

    Eher das Gegenteil ist der Fall.

    Noch nie war es so schwer, ein Tier zu bekommen.

  • ToMuch

    Tierheime machen sich allerdings auch einige Probleme selbst:

    2020 wollten wir uns einen Hund aus dem Tierheim holen. Ich arbeitete als Lehrerin in der örtlichen Grundschule…

    - Nein, sie sind täglich mehr als vier Stunden weg (ja sorry, arbeiten ist halt schon sinnvoll…)



    - sie kriegen keinen großen Hund, weil sie Kinder unter 12 haben



    - die Welpen geben wir erst mit einem halben Jahr ab (aha, wenn sie also keine Welpen mehr sind)



    - der Hund unterliegt der Kastrationspflicht (meine Tante ist Tierärztin, die würde das für uns umsonst machen, aber nein, selbst mit Bescheinigung von ihr hätte ich den Tierheim-Arzt zahlen sollen)

    Endergebnis: Alle meine drei Hunde sind aus dem Ausland oder vom Züchter. Dabei hätten drei aus dem Tierheim lebenslang einen schönen Platz bekommen.

    Fun fact: Meine Eltern hatten auf unserem Bauernhof früher Pflegeplätze für das Tierheim, zur Höchstzeit 11 Hündinnen parallel. Keine wurde jemals vermittelt, aber die Plätze bei uns vom Tierheim finanziert. Auflagen damals: scheissegal.

    • Ramaz

      @ToMuch:

      Das war leider auch meine Erfahrung.



      Ich bekam keinen Hund weil ich keinen Garten als Freilauffläche hatte. Ich wohnte direkt am Rhein neben der riesigen Hundefreilauffläche in Köln-Porz, Tür auf und Hund kann rennen. Das ist als wolle man ein Kind adoptieren.



      Also einen Hund aus dem Netz von überfordertem Frauchen.

    • Martin Rees

      @ToMuch:

      Das alles untermauert die große Notwendigkeit privater Initiativen und des persönlichen liebevollen Engagements.



      Bei den Gnadenhöfen ist es ähnlich...



      www.tierschutzhof-hannover-land.de/

      • rero

        @Martin Rees:

        Die Tierheime sind doch private Initiativen mit viel persönlichem Engagement.

        Das ist doch genau das Problem.

  • Martin Rees

    Ein vorerst positives Signal aus Aachen:



    "Hilferuf wegen Hitze



    Klimageräte an Tierheim in Aachen gespendet"



    Der Kontext:



    www1.wdr.de/nrw/aa...ge-spende-100.html



    "Also kühlen die Pfleger die Räume mit den Geräten ab, schalten sie dann eine Weile aus, damit die Katzen den kühleren Raum genießen können und wenn sie wieder aufgeheizt sind, geht das Spiel von vorne los.



    Langfristige Lösungen sind schwieriger



    Bungert hofft langfristig auf ein Sponsoring einer Firma, um möglichst bald echte, leisere Klimaanlagen einbauen zu können. Die Mittel, um das selbst zu finanzieren, haben Tierheim und Tierschutzverein schlicht nicht."



    Der Klimawandel als Problem und Politikum ist ja in der Bundesregierung als Thema angekommen, - ja, auch das ist der erste Schritt zum Politikwechsel im Klimawandel.

  • Sybille Bergi

    solange in Deutschland jedes Jahr Millionen von Wirbeltieren geschlachtet werden ist die Argumentation wohl nicht so besonders überzeugend.

    • Troll Eulenspiegel

      @Sybille Bergi:

      Genau das. Es ist einfach eine Heuchelei, wenn wenige Stunden später das Schnitzel auf den Teller kommt.

    • Ohne_Mitte_geht_nix

      @Sybille Bergi:

      Na ja, diese Millionen von Wirbeltieren werden ja zum größten Teil von uns Menschen gegessen....und der Rest geht ins teure Hunde -/Katzenfutter. Also alles ok.

  • Otto Mohl

    In NRW und dem Saarland dürfen Jäger keine wildernden Katzen mehr schießen. Wenn sie gefangen werden, müssen sie als Fundsache ins Tierheim.



    Das ist zumindest dort ein hausgemachtes Problem, um der urbanen Katzenfreundin zu gefallen.

  • vieldenker

    Spannende Frage: Ist es eine staatliche Aufgabe für die Folgen des privaten Hobbys von Bürger*innen aufzukommen?

  • David Lejdar

    Ähnlich auch in Berlin. Ich bin für wie Council Tax (aus UK) je Kreis, womit kommunale Dienstleistungen (wie Wasseranschluss) in einer Abrechnung, und da könnte um Euro berechnet werden, was an Tierheim geht. Da könnte zumindest bei Haustieren auch Kastration inklusive anbieten. Und bin gegen Wildzucht - wo man bei Registrierung eines Zuchthundes Nachweis fordern könnte, dass es von registriertem Züchter kommt, um die Parkplatz-Deals (und auch Diebstahl) konsequent zu unterbinden.

  • Cededa Trpimirović

    > Aber von den Kommunen haben sie bislang keinerlei Zusagen für Gelder.

    Die Kommunen haben ja auch kein Geld.

    Kastrationspflicht für Hunde und Katzen und Importverbot für diese Tiere ist das einzige, was helfen könnte. Die einzigen, die züchten dürfen, sind dann richtige Züchter, und die vermehren dann hoffentlich nicht wie bescheuert, und halten sich an die Auflagen und Rassestandards, und geben nicht an Leute ab, die unfähig sind.

    Hundeführerschein als Pflicht für alle, die sich einen Hund anschaffen wollen, und Hundeschulpflicht für alle neuen Besitzer/Hunde.

    Aber dann sind wir wieder bei Verboten, und Verbote sind uncool und die Parteien, die verbieten, werden abgewählt.

    Wird also nix. Sorry, Tierheime!

    • rero

      @Cededa Trpimirović:

      Wozu ein Importverbot?

      Wenn Sie einen mit anderen Hunden gut sozialisierten Hund suchen, sind Sie mit einem, der mehrere Jahre im Ausland in einem Zwinger mit 8 oder mehr anderen Hunden saß und vorher vielleicht im Rudel auf der Straße lebte, super bedient.

      Unproblematische Hunde in deutschen Tierheimen sind eher Mangelware. Wird im Artikel auch deutlich.

      Ausschließlich Hunde von Züchtern, die Rassestandards beachten, diese Vorstellung ist gruselig.

      In bemerkenswert vielen Rassezuchten werden noch immer Rassestandards gesetzt, die von manchen als Qualzucht betitelt werden.

      In anderen werden Erbkrankheiten bekanntermaßen seit Jahrzehnten weitergegeben.

      Da ist ein Mischling wirklich oft gesünder.

      Die praktische Prüfung beim Hundeführerschein wird erst gemacht, wenn Sie den Hund haben.

      Wer nicht besteht, gibt dann seinen Hund ins Tierheim ab?

      Hundeschulen sind mittlerweile ein großer Markt.

      Die Qualität kann sehr unterschiedlich sein.

      Ein Freund von mir hat es nacheinander mit drei Hundetrainern probiert.

      Einer sinnloser als die andere.

      Der Hund ist trotzdem nett geworden, weil er sehr regelmäßig im Hundeauslaufgebiet ist.

      Das Thema ist hat leider doch recht komplex.

  • Pawel_ko

    Ich drücke sämtliche Daumen, dass die Klage erfolg hat.

    Ich wäre z.B. für höhere Besteuerung von Feuerwerk, die dann komplett Tierschutzorganisationen zugute kommt.

    2025 - 26 wurden rund 192 Millionen € Umsatz mit Silvesterfeuerwerk in Deutschland gemacht. Wenn Menschen Tier und Umwelt zum Spaß schädigen, können diese ruhig etwas zurückgeben.

    Ebenso auf Fleischprodukte. Wer Tiere töten lässt, um diese zu verspeisen kann gerne auch den lebenden Tieren etwas zurückgeben.

    Ich wäre auch für verpflichtende Tierversicherungen für Halter. Das würde die Tierheime entlasten und vielleicht den ein oder anderen Halter bei Katzen dazu bewegen, freigänger Kastrieren zu lassen und Qualzucht zu beenden weil dann der Absatzmarkt kleiner wird.

    • Budzylein

      @Pawel_ko:

      Wer Tiere töten lässt, um sie zu verspeisen, gibt damit auch den lebenden Katzen und Hunden etwas zurück, denn die Teile der Tiere, die die fleischkonsumierenden Menschen nicht essen wollen, kommen ins Katzen- und Hundefutter.

      • Pawel_ko

        @Budzylein:

        Der Unterschied ist. Tiere benötigen Fleisch zum Überleben (zumindest Katzen um bei "klassisches Haustieren" zu bleiben). Der Mensch eben nicht. Ich will niemandem sein Steak oder seine Mortadella madig machen. Jeder soll essen was er möchte. Mir geht es darum etwas zurückzugeben.



        Und wenn es etwas teurer wird, dafür aber der Umwelt/Tierwelt zugute kommt. Dann umso besser.

  • Privatkundig

    Ich muss auch die Tierheime kritisieren, die sich nicht nur um die Tiere in unserem Land kümmern, sondern vermehrt Hunde aus anderen Ländern im Zuge der Tierrettung einführen, die dann oft die bereits überfüllten Tierheimen hier zusätzlich belasten. Man müsste hier genau trennen und für diese Tiere separate Unterkünfte mit Fördergeldern o.ä. errichten, denn alle ausländischen Hunde wird man nicht retten können, wenn die Herkunftsländer keine Lösung für ihr eigenstes Problem erarbeiten, auch im Sinne des Tierschutzes.



    Auch bzgl. der Einfuhr übertragbarer Krankheiten halte ich diese Praxis für bedenklich.



    Auf dieser Basis wieder nach dem Staat zu rufen, wo viele Kinder in unserem Land zu wenig Essensverpflegung bekommen und sich seit Jahrzehnten nichts daran ändert, halte ich das für unangemessen.

  • Budzylein

    Wieso verlangen die Kläger, dass der Staat den Aufwand der Tierheime bezahlt, aber nicht, dass er die Ursachen bekämpft? Es ist nicht schicksalhaft, dass hierzulande jeder nach Lust und Laune Haustiere erwerben und halten darf, ohne dafür qualifiziert sein zu müssen und ohne für ihren Unterhalt und ihren Verbleib verantwortlich gemacht zu werden. Und wieso sollte es überhaupt eine staatliche Aufgabe sein, die Betreuung ausgesetzter oder weggegebener Haustiere zu finanzieren? In der freien Natur leiden die Tiere auch, ohne dass der Staat dafür zahlt, deren Leiden zu mindern.

  • Christian Lange

    Marode Schulen oder fehlende Tierheimfläche? Da fiele mir die Entscheidung für Investitionen gar nicht schwer.



    Kinder sind unsere Zukunft und was sind die Tiere, die scheinbar nicht wieder in Umlauf gebracht werden können? (Den "besten Freund des Menschen" bringt man doch nicht ins Tierheim, oder?)



    Und: Wieviel tierische Nahrung wird für unsere Haustiere produziert, wo wir dem Fleisch mehr und mehr entsagen (sollten)? Vielleicht stellt auch die Haustierbranche, und mit ihr die Tierheime, mal auf ein ganzheitliches Konzept um? Zumindest dort sollte die Politik unterstützen ...

    • Pawel_ko

      @Christian Lange:

      "Marode Schulen oder fehlende Tierheimfläche? Da fiele mir die Entscheidung für Investitionen gar nicht schwer."

      Als könnte man nur entweder/oder bei den beiden Themen machen. 2,57 Milliarden für Kultur in 2026. Würde denke ich mal für Tierwohl und Schulen reichen. Wenn es dafür den ein oder anderen Deutschen Film weniger geben würde (alleine schon 250 Millionen), kein Verlust. Da haben wir, wie Sie richtig erkannt haben, dringendere Themen.

    • ToMuch

      @Christian Lange:

      Ganz interessant dazu ist Gut Aiderbischl in Bayern. Ein „Gnadenhof“ mit viel Prominenz aus dem umliegenden München.

      Mit geregten Schweine, Rindern, etc. Allerdings auch gerettet Katzen und Hunden, die dann wiederum das billigste Dosenfutter bekommen (hab in deren Mülltonnen geschaut, als ich unseren Müll entsorgen wollte) in dem dann die nicht geregten Rinder und Schweine drin stecken.

      Aber im Restaurant gibt es dafür nur vegetarisch und vegan… Das fand ich so dermaßen heuschlerisch, dass wir unsere Patenschaft wieder gekündigt und nie mehr dort gewesen sind.

      • Furth im Wald

        @ToMuch:

        Menschen sind freiwillig vegan oder vegetarisch. Stellen Sie mal Hund und Katz wahlweise was veganes und das billigste Dosenfutter hin. Was werden die wohl fressen?



        Und warum muss Dosenfutter teuer sein? Ich kaufe für mich auch meistens die billigeren Eigenmarken. Sind oft auch besser.

      • Vigoleis

        @ToMuch:

        "Mit viel Prominenz aus dem umliegenden München". Wer ist gemeint? Prominente Haustiere, die im Gnadenhof ihr Gnadenbrot erhalten? Oder geht es um prominente Menschen?



        Und: Wie kann ich mir in dem Zusammenhang ein "umliegendes München" vorstellen?



        Bitte, wenn möglich, etwas mehr auf präzise Sprache achten. Dies ist auch eine Frage des Respekts gegenüber anderen Foristen.

        • ToMuch

          @Vigoleis:

          Natürlich um die Porminenz aus München. Aber wie gesagt, Google hätte geholfen. Dort hätte man gesehen, wo Gut Auderbichl liegt und wenn man denkt, es gäbe prominente Tiere aus München, naja…

  • UliFr

    In anderen Ländern der Welt werden die Hunde und Katzen getötet.