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Konsequenzen aus der Ahrtal-FlutVon einer Klimakatastrophe zur nächsten

Susanne Schwarz

Kommentar von

Susanne Schwarz

Fünf Jahre nach der Ahrtal-Flut leben wir mitten in einer neuen Klimakatastrophe. Die Anti-Klimapolitik von Schwarz-Rot ist vor diesem Hintergrund ein Hohn.

F ünf Jahre ist es nun her, dass das Tief „Bernd“ über das Ahrtal herfiel. Der extreme Regen ließ die friedlich plätschernde Ahr zur zerstörerischen Flutwelle mutieren. In den vom Unwetter betroffenen Regionen von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem belgischen Wallonien starben mehr als 200 Menschen. Tausende An­woh­ne­r*in­nen wurden obdachlos.

Tausende Gebäude, zahlreiche Brücken und Straßen wurden weggespült. Versicherungen zahlten Milliarden, der Bund stellte bis zu 30 Milliarden Euro für einen Aufbau-Fonds bereit. Armin Laschet (CDU) kicherte und fiel unter anderem deshalb im Rennen um die deutsche Kanzlerschaft zurück, die schließlich Olaf Scholz (SPD) einigermaßen überraschend gewann. Die Ahrtal-Katastrophe war auf vielen Ebenen ein Einschnitt für Deutschland.

Das gilt auch, weil es eine der ersten Klimakatastrophen war, die in der Öffentlichkeit breit als solche benannt und wahrgenommen wurde. Wis­sen­schaft­le­r*in­nen haben klar gezeigt: Das war kein Zufall, kein normales Wetterchaos. Das waren mindestens zum Teil der Mensch und seine Treibhausgasemissionen aus Kohlekraftwerken, Autos, Gas-Pipelines oder Rindermägen.

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Den Starkregen, dessen Niederschlagsmengen die bisherigen Extremwerte in den Wetteraufzeichnungen weit überstiegen, hatte die Klimakrise um das 1,2- bis 9-Fache erhöht. Der Mensch war zudem nicht nur schuld an den extremen Regenfällen, sondern auch daran, worauf sie prasselten – nämlich viel zu oft auf Beton. Dort versickert Wasser nicht, sondern wird zur Überschwemmung. Insgesamt: Das war ein menschengemachtes Desaster.

Die Anti-Klimapolitik von Schwarz-Rot ist auch vor diesem Hintergrund ein Hohn: das Abwürgen des klimafreundlichen Heizungsaustauschs, geplante Hürden für die Energiewende, das angekündigte Stopfen von Haushaltslöchern mit Geld aus dem Klima- und Transformationsfonds des Bundes – die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sieht es nicht als Priorität, derartiges Unglück in Zukunft abzuwenden.

Ver­tre­te­r*in­nen fossiler Branchen fordern jetzt auch noch eine Verschiebung des deutschen Zieljahrs für Klimaneutralität. Statt 2045 solle Deutschland das europäische Zieljahr 2050 übernehmen, sagten etwa der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliadis, und RWE-Vorstandschef Markus Krebber gerade der Welt am Sonntag.

Was für ein Zeitpunkt: Schließlich jährt sich nicht nur die Klimakatastrophe im Ahrtal – wir leben mitten in einer aktuellen. Schon bis Ende Juni dieses Jahres gab es in Deutschland 5.120 Hitzetote. Allein am 28. Juni sind bei rund 40 Grad 4.452 Menschen gestorben.

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Susanne Schwarz

Susanne Schwarz Leiterin wirtschaft+umwelt

Jahrgang 1991, leitet das Ressort Wirtschaft + Umwelt und schreibt dort vor allem über die Klimakrise. Hat ansonsten das Online-Magazin klimareporter° mitgegründet.
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10 Kommentare

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  • Für die schier unerträgliche Ignoranz, Dreistigkeit und Dummheit der Bundes- und Landesregierungen aus Union und SPD, getrieben von industriellen Lobbyverbänden und einer kaum minder klimaleugnenden IGBCE kann man kaum noch Worte finden.

    Fast noch unverständlicher ist das Verhalten der WählerInnen.



    Nach der unfassbaren Zerstörung durch die Flutkatastrophe, verstärkt das Totalversagen des damaligen Unions-Landrates, hat dort tatsächlich die CDU gewonnen, und zwar deutlich.

    Die Hoffnung Vieler, das es nach den ersten gravierenden Umweltkatastrophen in Deutschland ein Umdenken geben würde, haben sich nicht erfüllt.



    Auch nicht in Schleswig-Holstein, wo es 2023 eine schwere Ostseesturmflut gab, auf die unser Land, im Gegensatz zum Nachbarn im Norden, nicht vorbereitet war.



    Und bis heute ist die Deichlinie dort nicht angemessen ertüchtigt worden.

    In den meisten europäischen Nachbarländern gibt es teilweise einschneidende Klimaschutz-Maßnahmen.

    Die fehlende öffentliche Reaktion auf die tausenden deutschen Toten der letzten Hitzewelle zeigen was wir sind: Ein dysfunktionales, hilfloses Land.



    Das der Klimakatastrophe dank eigener Ignoranz unabwendbar ausgeliefert sein wird.

  • Tja Politiker wissen ja immer alles besser als Wissenschaftler. Darum sind sie beratungsresistent. Darin stehen deutsche Politiker auf einer Stufe mit dem „allwissenden“ Herrn Trump. Und was bleibt den Bürgern? Spenden bei jeder (an sich vermeidbaren) Katastrophe, obwohl dies den unvermeidbaren Ereignissen vorbehalten sein sollte.

  • Man sollte nicht vergessen, dass es ein vergleichbares Hochwasser rund 200 Jahre vorher, nämlich 1804, genau an derselben Stelle gab:



    de.wikipedia.org/w...r_am_21._Juli_1804



    Beim Hochwasserschutz reicht es also nicht, nur die Hochwasserereignisse der letzten 100 Jahre zu betrachten.

  • Man sollte sich doch an die Fakten halten. Der Maximalabfluss der Ahr während der Flutkatastrophe wird auf 400 bis 500 m3 pro Sekunde geschätzt. Im Jahr 1910 gab es ein Ereignis mit einem ähnlichen, evtl etwa höheren Abfluss und 1804 ein weitaus stärkeres Ereignis. Das hat also anscheinend weniger mit dem Klimawandel zu tun. Die zunehmende Versiegelung der Oberflächen und die darauf beruhende schnellere Anstieg der Flutwelle ist natürlich ein verstärkender Faktor. Alles das kann man in Berechnungen einfließen lassen. Bei der Ahr wurde allerdings für die Berechnungen der Flutabflüsse nur der Zeitraum berücksichtigt für den eine geschlossene Zeitreihe der Messungen vorhanden war, also seit 1948 glaube ich. Das Jahrhundertereignis 1910 wurde eben nicht berücksichtigt, deswegen waren die berechneten 100-jährigen Abflüsse nur bei etwa 280 m3/s wenn ich mich recht erinnere.

  • Die Analyse von Frau Schwarz ist allenfalls tagespolitisch geprägt. Letztlich ist das doch alles viel schlimmer. Als wäre irgendetwas besser wenn das Geld aus dem Klimatransformationsfonds nicht für das Stopfen von Haushaltslöchern genutzt würde.



    Was wir brauchen, das ist eine nationale Kraftanstrengung mit sicher mehreren hundert oder tausenden von Milliarden um das Land klimafolgenfest zu machen. Umbau der Städte, Dörfer, Straßen.... stabil für die Bevölkerung bei Hitze, Starkregen, Sturm.



    Zudem braucht es das global um die Klimakrise nicht weiter zu verschärfen.



    Mit fern in der Zukunft liegenden Zielen 2045 Klimaneutral oder doch erst 2055, aber heute mal so gut wie gar nix machen ist nicht hilfreich. Das muss alles endlich im Jetzt angepackt werden und keine 20 Jahrespfade oder Ziele oder wie auch immer tituliert. Jedes Jahr 5% pro Nase weniger CO2 bis wir bei 2 oder 3 t/ a Ausstoß sind. Jetzt.

  • > Der Mensch war zudem nicht nur schuld an den extremen Regenfällen, sondern auch daran, worauf sie prasselten – nämlich viel zu oft auf Beton. [...] Das war ein menschengemachtes Desaster.



    Ohne Zweifel trägt Kohlendioxid zu einem gewissen Anteil zum Klima mit bei. Aber gut, daß endlich auch Sie anfangen, daneben die wirklich großen menschengemachten Einflüsse anzusprechen. Erkennbare Wirkung zeigt das bisher leider nicht.



    Ganz konkret ist es nicht die Aufgabe der Kölner Stadtverwaltung trotz Kürzungen und Haushaltssperre die Balkonkraftwerke und Dachanlagen der Reichen mit bis zu 10 k€ im Einzelfall aus den Steuern derer zu bezuschussen, die sich das selbst nicht leisten können. Sehr wohl wäre es aber ihre Pflicht, die stetig eindringende Bebauung und Versiegelung des heute mehr als je gebrauchten und nötigen Adenauerschen Grüngürtels zu verhindern. Tun sie nicht. Pflege das überlebenswichtigen Stadtgrüns statt Ersatz von Bäumen durch Asphalt und Beton ist ebenfalls Fehlanzeige. Das führt dann selbst hier bei mir am Stadtrand zu Nächten mit unerträglichen 27 °C im kurzzeitigen Minimum während es an der Wetterstation im nicht zugebauten Flughafenumfeld unter 21 °C fiel.

  • Da ich selbst "Bernd" heiße, ist mir das mit dem Ahrtal natürlich besonders peinlich ;-)



    Scherz beiseite. Das Schlimme ist, dass die Menschen sich gar nicht mehr damit beschäftigen. Es geht nur noch Klimafolgenmilderung.



    Die Menschen denken "Mist, das ist jetzt die Klimakatastrophe, kann man nichts machen". Aber DAS ist nur das, was wir bekommen hätten, wenn wir alles daran gesetzt hätten, das 1,5°-Ziel zu erreichen. Denn das ist etwa die jetzige Erderwärmung.



    Aber da wir mit Überaufrüstung und fossilem Lobbyismus gepaart mit rückwärtsgerichteter Ignoranz die Katastrophe kräftig weiter pushen, werden wir nicht mal das 2°-Ziel erreichen. Wir steuern 3° bis 3,5° zu. Und dann wird es so aussehen, wie Harald Lesch hier beschreibt:

    youtu.be/f1wx5ks9g...i56DJvA0kTS7&t=612

    D.h., wir werden uns in 10 Jahren noch nach den 5000 Hitzetoten nach nur einer Woche im Juni sehnen.

    Aber positive thinking: wir leben in einer Demokratie und haben die Regierung, die wir gewählt haben. Gewählt nachdem rechte Profit-Medien grüne Ideen verhetzt haben. Pech, dass wir das zulassen. Denn Medien sind Staatsmacht #1 in einer Demokratie.

  • Ich bin etwas ratlos, wie man dem Klimawandel aktuell realistisch gegensteuern kann. Insbesondere angesichts der aktuellen weltweiten politischen Lage (USA, Russland, China, Indien). Ich weiss nur dass lokale "zero Emission" Anstrengungen in Westeuropa allein kaum einen messbaren Einfluss haben werden.

  • Leider verspielt diese Regierung auf vielen Ebenen die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, nicht nur beim Klimaschutz.



    Mit Blick auf die Katastrophe im Ahrtal und die gegenwärtigen Hitzewellen stellt sich schon die Frage, ob in der Regierung die Zusammenhänge nicht gesehen oder schlicht ignoriert werden.



    Wissenschaftliche Erkenntnisse und rechtliche Verpflichtung zum Klimaschutz scheinen keine Rolle mehr zu spielen, stattdessen unverhohlene Lobbypolitik und billiger Populismus.

  • Ja, und? Wer sorgt dafür, dass die wirklich großen CO2-Schleuder-Staaten sich bescheiden? Ich sehe Niemanden. Der CO2-Ausstoß erhöht sich weiterhin.