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Forderungen an den KoalitionsausschussLinke SPDler präsentieren ihre Evergreens

Der Koalitionsausschuss will am Mittwoch Kompromisse für die Sozialreformen finden. Eine Gruppe SPD-Abgeordneter möchte ein Zeichen gegen Kürzungen setzen.

Am Mittwoch kommen Union und SPD im Kanzleramt zum Koalitionsausschuss zusammen, um sich bei den geplanten Reformen zu einigen. Während die Rentenkommission geräuschlos gearbeitet hat und die Ergebnisse von der Koalition bislang ebenso geräuschlos übernommen wurden, möchten einige in der SPD nicht so still sein.

Fünf SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem linken Flügel stellen schon jetzt weitreichende Forderungen an den Koalitionsausschuss. Unter den Abgeordneten sind der Arbeitspolitiker Jan Dieren und Annika Klose, die selbst Teil der Rentenkommission war. Der Rentenkompromiss wird in der Stellungnahme der fünf SPD-Politiker:innen auch nicht direkt kritisiert.

Dennoch geht es im Papier ans Eingemachte: „Wir brauchen Reformen nicht um der Reformen willen“, heißt es dort. Die SPD werde an Zustimmung verlieren, wenn die Interessen der Menschen ignoriert würden und keine Verbesserungen in Aussicht stünden. Der Weg der Kürzungen für die Bevölkerung sei nicht alternativlos, man solle extrem Reiche stärker in die Pflicht nehmen. Konkret wollen die SPD-Abgeordneten eine einmalige Abgabe auf Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro. Die Erbschaftssteuer soll künftig erst ab einem Erbe von 1 Million Euro greifen – alle Erbschaften darüber sollen dafür stärker besteuert werden.

Schluss mit „Zweiklassensystem“

Daneben wollen die Abgeordneten die Schuldenbremse weiter lösen, was angesichts einer nötigen Zweidrittelmehrheit im Bundestag unwahrscheinlich ist. Für eine Mehrheit ohne AfD bräuchte die Regierungskoalition noch die Stimmen von Grünen und Linken – mit denen die Union nicht (noch mal) abstimmen möchte. Auch die Verteidigungsausgaben wollen die SPD-Linken senken.

Längere Arbeitszeiten, die durch ein Aufweichen des Acht-Stunden-Tags im Raum stehen, lehnen die Au­to­r:in­nen genauso wie Leistungskürzungen im Gesundheitssystem ab. Es müsse Schluss sein mit einem „Zweiklassensystem“ in der Kranken- und Pflegekasse. Der Gesetzentwurf zur Krankenkassenreform, der aktuell im Parlament liegt, sieht allerdings kein Ende der privaten Krankenversicherung vor.

Die Abgeordneten wollen verhindern, dass strategisch wichtige Unternehmen aus der Stahl-, Chemie- oder Automobilbranche ins Ausland abwandern. Jan Dieren, einer der Au­to­r:in­nen des Papiers, sagt der taz: „Wenn Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, brauchen wir eine Lösung für die Beschäftigten und ihre Familien.“ Die zurückgelassenen Anlagen könnten dann in öffentlich-rechtlichen Unternehmen weitergeführt werden, sagt Dieren.

Neben einem bundesweiten Mietdeckel fordern die fünf Po­li­ti­ke­r:in­nen außerdem, die Preise von Sprit, Strom, Energie und Lebensmitteln zu deckeln. Krisengewinne sollen mit einer Übergewinnsteuer abgeschöpft werden. Die Bafög-Reform, die zuletzt ins Stocken geraten ist, ist aus Sicht der Abgeordneten notwendig. Bundeskanzler Merz hat in diesem Punkt bereits eine Einigung in Aussicht gestellt.

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6 Kommentare

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  • "Neben einem bundesweiten Mietdeckel fordern die fünf Po­li­ti­ke­r:in­nen außerdem, die Preise von Sprit, Strom, Energie und Lebensmitteln zu deckeln. Krisengewinne sollen mit einer Übergewinnsteuer abgeschöpft werden."



    Sind auch alles gute Vorschläge, nur, vor dem Hintergrund der aktuellen SPD, stellt sich doch die Frage, ob die Politiker:innen mit ihren Forderungen nicht besser bei Die Linke aufgehoben wären als in ihrer aktuellen Partei. Da kann man dann als Berufspolitiker:in natürlich schlechter Karriere machen, aber gut.

    Es zeigt mir aber auch, dass diese Forderungen selbst für die SPD aktuell viel zu links sind. Eigentlich könnten sie ja grundständige Themen einer sozialdemokratischen Partei/Politik sein, die thematisch an die Lebenswelt ihrer Wähler:innen anknüpfen möchte. Dass diese Forderungen aber derart "special" sind, zeigt, dass die SPD den Bezug zu den Betroffenen verloren hat und an sich ganz andere Themen für relevant hält.

  • Sie sollen einfach gegen die marktradikale Austeritätspolitik ihrer eigenen Partei und der schwarz-roten Regierung stimmen.

    Und gemeinsam neoliberale Geister wie Klingbeil und Bas vom Hof jagen und durch sozial denkende und handelnde PolitikerInnen vom Schlage Esgen/Borjans ersetzen.



    Mit denen hat die SPD immerhin die vorletzte Wahl gewonnen.

    NACH dieser Erneuerung hat die SPD vielleicht in 10 Jahren wieder eine Chance.



    OHNE diese Erneuerung wird vielleicht sogar die 5% Hürde zum Thema in kommenden Landtagswahlen.

  • Richtig gruselig finde ich den Vorschlag, dass der Staat Fabriken übernimmt um dort zu produzieren.



    Konsequenzerweise sollte man dann zur Auslastung des Baugewerbes eine Mauer um Deutschland errichten.

  • Reform der Erbschaftssteuer und Besteuerung von hohen Vermögen sind allerdings Forderungen, die die SPD nicht erst seit heute stellt.



    Finanzminister Klingbeil stellte bereits im Mai derartige Ideen vor.



    Es ist nicht ganz nachvollziehbar, dass das hier kritisiert wird, angeblich weil die Union andere Vorstellungen hat.



    Die SPD macht ihre Positionen öffentlich.



    Ist doch klar, dass das nicht der Kompromiss ist, der am Ende der Verhandlungen steht.



    Hinzu kommt, dass offenbar über mehrere Reformvorhaben im Paket diskutiert wird.



    Warum sollten ähnlich lautende Vorschläge aus der Opposition „ mehr wert“ sein, als die einer Koalitionsfraktion?



    Weil die dann überhaupt keine Aussicht auf Erfolg haben?



    Ein bisschen weniger Parteipolitik und ein bisschen mehr Konstruktives wäre wünschenswert.



    Das finden Teile der Grünen übrigens auch, wie aus einem tagesaktuellen Artikel der Taz hervorgeht…

  • Derzeit sitzen im Bundestag 120 SPD Abgeordnete.

    Von denen stellen ganze FÜNF (=4,17%) angeblich "weitreichende" Forderungen.

    Dabei geht es nicht etwa um die revolutionäre Umverteilung von Vermögen, sondern um moderate Beteiligung der Vermögenden an allgemeinen gesellschaftlichen Aufgaben, wie dem Schutz vor Altersarmut, dem Schutz vor Verlust der eigenen Mietwohnung und



    ein Ende der Zwei-Klassen-Medizin.

    Früher, als die Sozial - Demokraten noch für lohnabhängig Beschäftigte, für Rentner*innen und für den auf soziale Transferleistungen angewiesenen Teil der Bevölkerung wählbar waren, hätten diese Forderungen die Unterstützung einer Mehrheit der SPD-Abgeordneten im Bundestag gehabt.

    Bleibt nur zu hoffen, dass die 4,17% nicht die Zielmarke sind, auf die die einstmals stolze und wirklich SOZIALdemokratische Partei bei den nächsten Wahlen zusteuert. waren, hätten diese Forderungen die Unterstützung einer Mehrheit



    Ein Wunder wär`s nicht - aber schade.



    Als Alternative, wenn sich an der Politik der Parteiführung nichts ändern sollte, bliebe linken SPD-Mitgliedern auf Bundes-, Landes-, oder Regionsebene sonst nur, die Linkspartei zu unterstützen, notfalls per Parteiübertritt.

  • Ich finde das gut, frage mich aber, was diese Abgeordneten in einer Mitte-Rechts-Partei machen, die sich klar auf die Seite der Arbeitgeber und Kapitalbesitzer geschlagen hat. Diese Regierung greifft die Arbeitnehmer auf der ganzen Linie an und begründet dies mit eher banalen Sachverhalten: Weniger qualifizierte Arbeitskräfte verfügbar, mehr Rentner (was immer mehr hier sein soll), hohe Kosten allgemein und für alles und der innige Wunsch, Deutschland besser aufzustellen.



    Und wie ist den Deutschland aufgestellt:



    Die Regierung würgt BIP-Wachstum mit aller Kraft ab, die Regierung hat keine Idee, wie das Deutsche Wirtschaftsmodell in Schwung gebracht werden kann, die Kapitalrentenidee wird BIP-Wachstum fressen und zwar nicht zu knapp. Die ganzen Ideen dieser Regierung sind Schrott und zwar schon jetzt.



    Wie wollen diese Abgeordneten diese Idiotie wenden - beenden geht wohl nicht. Dazu fehlt mir eine Idee und ein Ansatz.



    Es läuft doch darauf hinaus, dass die Regierung Finanzknappheit selber schafft und damit dann immer mehr Arbeitnehmerrechte frisst. Immer mehr Errungenschaften werden hier fürs Kapital geopfert ...