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Hitze in den OzeanenRekordtemperaturen in den Meeren steigern Angst vor El Niño

Heißer als 2026 waren die Ozeane im Juni seit Messbeginn noch nie. Für For­sche­r kommt das nicht überraschend: Schuld ist ein Wetterphänomen.

Noch nie seit Messbeginn waren die weltweiten Meere und Ozeane im Juni so heiß wie in diesem Jahr. Das teilte der europäische Erdbeobachtungsdienst Copernicus am Mittwoch mit. Die Durchschnittstemperatur der Wasseroberfläche betrug am 21. Juni 20,86 bis 21 Grad. Sie knackte damit um einige Zehntelgrade die Rekorde der Jahre 2023 und 2024, die bereits als Extremjahre galten.

Laut Copernicus waren die Ozeane außerhalb der Polarregionen in den vergangenen drei Jahren zwischen 0,35 und 0,73 Grad heißer als im langfristigen Schnitt. Sie nehmen etwa 90 Prozent der Erderhitzung auf, die durch menschliche CO₂-Emissionen verursacht wird.

Heißere Meere liefern Stürmen mehr Energie und machen sie zerstörerischer. Sie verdunsten außerdem mehr Wasser, dadurch werden Starkregen und Überschwemmungen wahrscheinlicher. Weil sich Wasser mit steigender Temperatur ausdehnt und Eis schmilzt, steigt obendrein der Meeresspiegel und bedroht Küstenregionen.

Copernicus zufolge führen steigende Meerestemperaturen auch zu mehr marinen Hitzewellen. Sichtbar wurde das zum Beispiel im vergangenen Jahr rund um Europa: Während in den 1980ern noch etwa 40 Prozent der dortigen Meere jedes Jahr eine Hitzewelle erlebten, waren es laut Copernicus in den vergangenen drei Jahren jeweils 98 Prozent. Heftige und extreme Hitzewellen, die es vor 40 Jahren noch kaum gab, trafen 2025 36 Prozent der europäischen Meere.

Rekordtemperaturen kamen nicht überraschend

Das führt unter anderem dazu, dass Seegraswiesen absterben. „Sie sind Hotspots der Artenvielfalt, wichtig als Brutstätte für verschiedene Meerestiere und um Küsten vor Erosion und Sturmfluten zu schützen“, sagte Claire Scannell vom irischen Wetterdienst.

In den vergangenen 50 Jahren sei die Ausbreitung der Mittelmeerart Posidonia oceanica um 34 Prozent zurückgegangen, dem Copernicus-Bericht zum europäischen Klima 2025 zufolge könnten bis 2050 aufgrund des Klimawandels 75 Prozent des geeigneten Lebensraums der Art verloren sein.

Werden die Seegraswiesen allerdings geschützt, könnten sie zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Klimaschutz beitragen, sagte Scannell: „Sie speichern CO₂ 30-mal schneller als tropische Regenwälder.“ Ähnlich gefährlich sind marine Hitzewellen für viele andere Tier- und Pflanzenarten. Dadurch schaden sie auch den Fischer*innen.

Die Rekordtemperaturen im Juni kamen für Copernicus nicht überraschend. Die Weltwetterorganisation WMO und die Wetterbehörde der USA, NOAA, haben beide den Beginn des Wetterphänomens El Niño bekannt gegeben. Veränderte Luft- und Meeresströmungen sorgen während der El-Niño-Monate zum Beispiel für heftigere Monsunniederschläge in Indien, Dürren in Ostafrika – und steigende Meerestemperaturen im Pazifik.

Copernicus-Direktor erlaubt sich Seitenhieb auf Trump

UN-Generalsekretär António Guterres warnte deshalb, dass El Niño „Öl ins Feuer der sich erhitzenden Erde“ gießen werde. „Die einzige effektive Reaktion ist ein Klimaschutz, der der Krise gerecht wird“, sagte er. Guterres forderte, die „Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen“ zu beenden, erneuerbare Energien schneller auszubauen, die am stärksten Betroffenen besser zu schützen und Frühwarnsysteme für alle zur Verfügung zu stellen.

Angesichts der derzeitigen Meerestemperaturen und des sich abzeichnenden El Niños „werden in den kommenden Monaten wahrscheinlich weitere Temperaturrekorde gebrochen werden“, fürchtet Copernicus-Direktor Carlo Buontempo. Dass die Messungen seiner Behörde die Vorhersagen von WMO und NOAA bestätigen, zeige „die Stärke europäischer Wissenschaft – und warum offene, robuste Daten heute wichtiger sind denn je“.

Buontempos Äußerungen sind vor dem Hintergrund US-amerikanischer Wissenschaftspolitik zu verstehen: Dort drohte die Regierung unter Präsident Donald Trump, 900 Instrumente in der Tiefsee abzuschalten. Sie ermöglichen es Wis­sen­schaft­le­r*in­nen laut CNN, Veränderungen in der chemischen Zusammensetzungen der Ozeane und von Meeresströmungen zu messen. Der US-Senat verbot es der Regierung jedoch, das Messsystem abzubauen.

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