Uwe Steimle unterstützt AfD : Der Wendehals
Der Dresdner Satiriker und Kabarettist Uwe Steimle verstand sich einst als links. Nun passt er sich geschmeidig dem gewandelten Zeitgeist an.
Foto: Jan Woitas/dpa
A nders als es in der politischen Rückschau gezeichnet wird, gab es für viele Ostdeutschen nach dem Mauerfall nicht viel zu lachen, denn nebst sogenannter Erwerbsbiografien gingen auch Identitäten zu Bruch. Einer verstand es, diese Gefühle vieler Ostdeutscher in Satire auszudrücken: Uwe Steimle. Seine Rolle als „Polizeiruf“-Kommissar Hinrichs machte ihn bekannt, seine Honecker-Imitation berühmt. Gelacht werden durfte bei ihm über die Feinheiten der sächsischen Mundart, die bürokratisch-autoritären Duktus des DDR-Regimes, später zunehmend über die gegenwärtig Mächtigen.
Nur bei einer Sache verstand er keinen Spaß. Als ihn 2018 die ökumenische Friedensbewegung als Schirmherrn hinausschmiss, weil er ein Shirt von dem rechtspopulistischen Compact-Magazin mit der Aufschrift „Ami go home“ trug, wehrte er sich empört. Der Slogan gehörte früher zur „internationalistischen Linken“, so Steimle. Den Ostdeutschen und sich selbst attestierte er ein besonderes Gespür gegenüber diktatorischen Umtrieben.
Nun scheint ihn sein Gespür direkt in die Arme einer rechtsextremen Partei getrieben zu haben. Kürzlich lud er den sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund in seine Sendung „Aktuelle Kamera“ ein. Wenig später trat Steimle bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in Dessau neben Siegmund und Tino Chrupalla auf. Dort stimmte er die DDR-Nationalhymne an und sagte: „Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“
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Einen größeren Gefallen kann er den Nazis in Ostdeutschland kaum tun, denn die Verbindung ostalgischer Gefühle mit rechtsextremer Politik ist deren populistische Königsdisziplin.
Dass der Wind im Osten nun vermehrt von rechts weht, dürfte Steimle auch an seinem Publikum bemerkt haben. Für jemanden, der seine Gesinnung je nach aktuell politischer Lage ausrichtete, kannten die DDR-Bürger*innen übrigens auch ein schönes Wort: Wendehals.
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