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EU-Kommission zur NitratrichtlinieÜberdüngung mit Nitrat kostet die Allgemeinheit Milliarden

Verschmutztes Grundwasser, Algenblüten, Gift – die Schäden durch zu viel Stickstoffdünger kosten die Allgemeinheit bis zu 182 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Stickstoffverschmutzung aus der Landwirtschaft kostet die Gesellschaft in der EU nach Schätzungen 68 bis 182 Milliarden Euro jährlich. Das geht aus der ersten umfassenden Evaluation der Nitratrichtlinie von 1991 hervor, die die EU-Kommission nun veröffentlicht hat.

Zu hohe Konzentrationen der Stickstoffverbindung Nitrat aus Düngern „machen Süßwasser als Quelle für Trinkwasser ungeeignet oder verursachen zusätzliche Kosten für die Wasseraufbereitung“, heißt es in der Untersuchung. Denn Nitrat kann im Körper über Nitrit zu krebserregenden Stoffen umgewandelt werden. In Flüssen, Seen und Meeren wachsen Algen und andere Pflanzen laut Kommission wegen der Dünger übermäßig stark. „Das kann zu Sauerstoffmangel und zur Freisetzung giftiger Stoffe führen und so Wasser- und Meeresökosysteme schädigen.“

Deshalb legt die Richtlinie zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigung durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen einen Grenzwert für das Grundwasser fest. Außerdem verpflichtet sie die EU-Staaten, zu hohe Belastungen zu senken. Diese werden der Richtlinie zufolge vor allem von der Agrarbranche verursacht, also nicht etwa durch Kläranlagen. Pflanzen benötigen Stickstoff zum Wachstum, aber überschüssige Mengen aus Düngern gelangen in die Umwelt.

Weil sie zum Beispiel Probleme bei der Trinkwassergewinnung reduziert, erspare die Richtlinie laut EU-Kommission gesellschaftliche Schäden in Höhe von 10 bis 22 Milliarden Euro pro Jahr. Das sei 3- bis 7-mal so viel wie die 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro, die landwirtschaftliche Betriebe und Behörden die Umsetzung der Richtlinie koste. „Die Kosten für die Agrarbetriebe entsprechen weniger als 1 Prozent des gesamten landwirtschaftlichen Produktionswerts in der EU“, so die Untersuchung.

Weniger Dünger – meist gleich große Ernte

Das meiste davon müssten Tierhaltungsbetriebe zum Beispiel dafür zahlen, überschüssigen Wirtschaftsdünger wie Gülle oder Mist zu lagern oder zu entsorgen. Die Kommission stellt aber fest, dass die Kosten für eine ausgewogene Düngung „unbedeutend“ seien. „Dies liegt daran, dass sie in der Regel nicht mit Ertragsverlusten einhergehen.“ Viele Bauern haben das Gegenteil behauptet.

Insgesamt, urteilt die Kommission, habe die Richtlinie dazu geführt, dass die Landwirte Düngemittel effizienter nutzen. Das habe aber nur „teilweise“ die Wasserverschmutzung reduziert. Die Nitratkonzentrationen im Grundwasser und zu hohe Nährstoffniveaus in Oberflächengewässern blieben „große Herausforderungen“. In Deutschland hätten 2020 bis 2023 rund 25 Prozent der Grundwassermessstellen den Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter gerissen.

Auch deshalb hält die Kommission die Richtlinie immer noch für notwendig. Die Mitgliedstaaten müssten sie aber teils besser umsetzen, Agrarbetriebe ihre Nährstoffverluste in die Umwelt weiter senken. In der Bundesrepublik zum Beispiel habe der Stickstoffüberschuss pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche bei jährlich 41 Kilogramm gelegen.

Es gebe aber auch Potenzial, die Regeln zu vereinfachen, etwa weniger starre Sperrfristen, zu denen nicht gedüngt werden darf, heißt es in der Untersuchung.

Bauernverband fordert mehr Flexibilität

Dem EU-Bauernverband Copa/Cogeca sind die Vorschläge für eine „Vereinfachung“ der Richtlinie zu wenig und zu vage. Die Regeln müssten die „Düngemittelkrise“ – gemeint sind die gestiegenen Preise – und die „Notwendigkeit eines flexibleren Nährstoffmanagements“ berücksichtigen, forderte der Verband.

Organisationen wie die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) oder die Deutsche Umwelthilfe begrüßten, dass die Kommission sich hinter die Richtlinie gestellt hat. „Europa braucht keine schwächere Nitratrichtlinie, sondern ihre vollständige und wirksame Umsetzung in allen Mitgliedstaaten“, so der BDEW.

Das muss jedoch nicht das letzte Wort der EU sein. Der grüne Europa-Abgeordnete Martin Häusling jedenfalls warnte noch einmal „vor einer Flexibilisierung der Richtlinie“.

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