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Nach der Debatte um Jens Spahn Legalize Leihmutterschaft!

Lotte Laloire

Kommentar von

Lotte Laloire

Das Verbot ist verlogen, paternalistisch und oft wirkungslos. Frauen sollten selbst entscheiden, ob sie für andere ein Kind austragen wollen.

J ens Spahn ist als Unionsfraktionschef weg, aber die Debatte über Leihmutterschaft kocht weiter. Erstaunlich, wie einig sich viele über das hierzulande geltende Verbot sind: Von Rechtsextremen über Konservative bis hin zu Teilen der Linken wird das Austragen von Kindern für andere geframt als „Ausbeutung“ des weiblichen Körpers, vor der Frauen geschützt werden müssten.

Doch das Verbot schützt Frauen nicht vor ökonomischen Zwängen, es nimmt ihnen lediglich die Freiheit zu entscheiden, auf welche Weise sie sich im Kapitalismus ausbeuten lassen. Wenn eine Frau lieber ein Kind austragen möchte, als Klos zu putzen, wieso sollte sie das nicht dürfen? Weil ein Kind zu gebären etwas anderes ist, argumentieren Paternalisten.

Stimmt. Vielen Frauen wäre es zu krass, ein Kind auszutragen und direkt nach der Entbindung abzugeben. Wer das nicht will, muss es nicht tun. Genauso wie bei Sexarbeit und Abtreibung sollte das jede Frau selbst entscheiden können. Frauen sind mündige Wesen, sie wissen selbst, was gut für sie ist und was nicht. Und es gibt Leihmütter, die gerne schwanger sind und diese Tätigkeit mögen.

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Würde es der Regierung tatsächlich um den Schutz von Frauen vor Ausbeutung gehen, müsste sie Lohnabhängige und den Sozialstaat stärken, etwa ein Grundeinkommen einführen oder wenigstens ein ordentliches Bürgergeld. Dann müsste keine Frau ihren Körper für Geld zu einem „Brutkasten“ machen, wie Geg­ne­r:in­nen gern formulieren. Eine Wortwahl, die Leihmütter zu Tieren herabwürdigt.

Wie viele Verbote unterbindet auch dieses nicht das Phänomen, sondern verlagert es – in Länder, in den Leihmutterschaft erlaubt ist, oder in die Illegalität. Das ist das eigentlich Gefährliche, denn Auf­trag­ge­be­r:in­nen sind in der Tat oft reicher und mächtiger. Gerade deshalb braucht es klare Regeln, transparente Verträge und soziale Absicherung. Legalize Leihmutterschaft!

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Lotte Laloire

Lotte Laloire

Lotte Laloire ist Mitte 30 und immer noch links. Als taz-Redakteurin im Ressort "taz.eins" sowie im Online-Ressort "Regie" interessiert sie sich besonders für politische Strategien, Feminismus, Antifa, Die Linke und die Türkei. Sie ist Herausgeberin des Buchs "Trouble on the Far Right: Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe" (Transcript, 2016) und ausgebildete Surflehrerin.
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12 Kommentare

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  • Momentan sieht es politisch nicht so aus, als würde in absehbarer Zukunft ein Grundeinkommen o.ä. eingeführt.



    Was bleibt, ist eben das Ausmaß der Ausbeutung gesetzlich zu begrenzen.



    Mehr Ausbeutungsmöglichkeiten zu schaffen, damit Menschen in Not mehr Entscheidungsfreiheit haben, wie sie sich ausbeuten lassen, spielt ja den den Ausbeutern zu.



    Ich beobachte in meinem Umfeld, dass sich Frauen nach einer Schwangerschaft teilweise sehr stark für den Rest des Lebens körperlich verändern. Ein hoher Preis.



    Ich befürchte, dass bei einer Erlaubnis, viele Frauen in Not sich darauf einlassen, obwohl sie es nicht wirklich wollen.

  • Ich bin immer wieder überrascht, in welcher Intensität und Selbstverständlichkeit der Kapitalismus die Debatte über Leihmutterschaft dominiert. Ja, Frauen sollten über ihren Körper entscheiden dürfen. Aber ohne wirtschaftliche Zwänge. Das ist ein Faktor. Zudem stellt sich aber auch die Frage, ob ein derart extremer Kinderwunsch nur auf diese Weise erfüllt werden kann. Stichwort Co-Parenting. Und es geht eben nicht um die beteiligten Frauen, sondern insbesondere um das Wohl der Kinder. "Hat mich die Frau, die Du bezahlt hast um mich zu bekommen, lieb gehabt?" "Nein, sie war nur für mich schwanger und dafür haben wir Dich jetzt lieb".



    Es stellt sich mir auch die Frage, ob ein extremer, nicht erfüllbarer Kinderwunsch nicht schwerwiegendere Probleme maskiert.

  • Logik des Artikels: Es gibt Ausbeutung im Kapitalismus. Daher: Plädieren für die Entfesselung von mehr Formen der Ausbeutung, denn das ist "emanzipiert" und "freiheitlich" und nutzt besonders finanziell Bessergestellten.

    Ich halte nichts davon, sich hinter Identitäten zu verschanzen und jeder Meinung, die mir nicht passt, paternalistische Absicht zu unterstellen. Es ist auch arg herbeikonstruiert, die Gegner der Leihmutterschaft als scheinheilige und verlogene Gegner einer besseren sozialen Absicherung von Frauen darzustellen, um sich an einem imaginären Feindbild abzuarbeiten.

    Ich bin Feministin und für eine bessere Absicherung von Frauen aber ich bin auch gegen Leihmutterschaft und Prostitution.

    Es ist keine "Beleidigung" zu benennen, dass die Leihmutter Brutkörper - Funktion für das Eigentum der Zahlenden hat. Juristisch wird das im Problemfall so verhandelt werden. Gesetzlich definiert ist sie keine Mutter. Wenn sich die Autorin empört, dass die Benennung des Sachverhaltes "entwürdigend" ist, sollte ihr das evtl Aufschluss darüber geben, dass die Praxis dies ist. Nettere Worte zu erfinden, um jur. Tatsachen zu verschleiern, ist Selbstbetrug.

  • Bravo, Frau Laloire.



    Ich ergänze:



    1) Kinder brauchen unbedingte Liebe und Vertrauen und zuverlässige Beziehungen. Das kann gern auch eine eine Ehrliche Patchworkfamilie sein, zu der natürlich auch die Leihmutter, wie eine Verwandte gehört. Kinder verstehen und akzeptieren das.



    Nur Erwachsene haben ein Problem damit.



    2) Die Vater-Mutter-Kind-Familie wird von Leihmuttergegnern über alle maßen idealisiert und ist keine Garantie dafür, dass ein Kind ein Wunschkind ist und geliebt wird.



    3) Es müssen natürlich Gesetze zum Schutz von Mutter und Kind geschaffen werden: Die Leihmutter darf niemals zu einer Abtreibung gezwungen werden können. Es muss außerdem klar sein, dass Zwillinge / Mehrlinge entstehen können. Es muss klar sein, dass auch behinderte Kinder ein Lebensrecht haben usw.



    4) Es lebe die Autonomie der Frauen und nicht der uralte Neid der Männer auf die Fähigkeit, Kinder zur Welt zu bringen, welches ein Hauptmotiv für patriarchale Gewalt und Herrschaftsansprüche darstellt.



    Das sage ich als Mann.

  • Es ist an Doppelmoral kaum zu überbieten bei jeder Gelegenheit sich damit zu brüsten das die Anteile an Frauen in der Politik oder in Großen Firmen als eine Art Marketing mißbraucht werden, große Teile der Gesellschaft dann noch immer den betreffenden Menschen Vorschriften machen will und das auf Grundlage von Märchenbüchern....

    Wird die Frau nicht gerade von der Kirche und ihrem Vasallen in der Politik schon wieder mit dem angeblich benötigtem Schutzmantel gegenüber einem Mann kleiner gemacht und in ihren Rechten beschnitten?

  • Nein, es ist wie mit Prostitution, ein System in dem es immer Zwang, Sklaverei und Menschenhandel geben wird. Es geht nicht nur um Frauen, die "selbst entscheiden", es wird auch immer welche geben, die es unfreiwilig machen und nur ein Verbot (das sollte auch für Prostitution gelten) schützt diese Frauen.

  • Wie war das nochmal beim Organhandel. Er ist verboten! Die Organentnahme muss aus einer freiwilligen und unentgeltlichen Spende stammen.



    OK. Passt nicht so ganz. Aber ein wenig schon. Die Leihmütter geben ihre Gebärmutter nicht weg - aber sie verleihen sie. Wenn es also, wie die Autorin schreibt, Leihmütter gibt, die gerne schwanger sind und diese Tätigkeit mögen, warum tun sie es dann nur gegen Bezahlung?



    Aber vielleicht ist das auch nur mein Neid. Ich habe halt keine Gebärmutter, die ich hin und wieder mal ausleihen könnte und muss daher weiter malochen gehn'. Klar, ich könnte meinen Samen vermarkten. Aber die Aufwandsentschädigung von 80 bis 150 € lohnt den Aufwand nicht.



    Wie soll denn eigentlich die Zukunft der Leihmutterschaft ausschauen? Wird da ein Ei der Leihmutter befruchtet, oder kann ich mir ein Ei einer fremden Mutter aus einem Katalog aussuchen und in die Mutter verpflanzen lassen? Und der Samen? Muss es mein eigener sein oder kann ich mir den auch aus einem anderen Katalog aussuchen? OK. Ich hätte gern ein Ei von dieser gutaussehenden Brasilianerin und den Samen dieses Nobelpreisträgers - wie hieß er noch gleich?



    Wunderschöne neue Welt!

  • Aus gutem Grund ist in Deutschland der Handel mit Organen, auch der eigenen, verboten. Anders als bei der Organspende gibt es beim Handel die Aussicht auf einen Gewinn (mit hoher Spanne). Der Missbrauch ist, wie bei allen Marktaktivitäten, letztlich nicht kontrollierbar.



    Auch die Leihmutter ist in gewisser Weise eine Organspenderin, indem sie ein bei jemandem anderem ein nicht vorhandenes oder voll funktionstüchtiges Organ ersetzt, wenn auch nur temporär.



    Und wie bei der Organspende gehört eben mein Körper in diesem Fall nicht mir, jedenfalls nicht im Sinne des Geld-damit-Verdienens.



    Es bestünde darüber hinaus auch die Gefahr, Menschen nur noch als Mittel zum Zweck zu benutzen, was der Menschenwürde im Sinn der Verfassung widerspricht.



    Richtig ist, dass bei der gegenwärtigen Gesetzeslage dieses Problem ins weniger kontrollierte Ausland verlagert wird. Ich bin deshalb für eine Gesetzesänderung, aber für eine Verschärfung, die Leihmutterschaft für deutsche Staatsbürger auch im Ausland so weit wie machbar verunmöglicht.



    Wer als Paar aus gesundheitlichen oder natürlichen Gründen keine Kinder bekommen kann, muss andere vorhandene Möglichkeiten nutzen, die ggf. zu erweitern wären.

  • Es geht nicht um die Frau. Es geht um das Kind.



    www.emma.de/artikel/das-kaufkind-340891

  • Der Kommentar liest sich so: Wir leben im Kapitalismus, anything goes.

    Lass es uns machen.

    Muss jetzt Hyperkapitalismus auch noch als Akt der Befreiung geframet werden?

  • "Brutkasten"? Wer behauptet denn so einen Quatsch?



    "Schwangerschaft – ein dynamischer Prozess



    Der Prozess einer Schwangerschaft ist in seinem dynamischen Verlauf einzigartig. In Abhängigkeit vom Gestationszeitpunkt muss der mütterliche Organismus kontinuierlich neuen Anforderungen gerecht werden. Dies erfordert eine Anpassung der Organsysteme, beispielsweise des kardiovaskulären Systems [22]. Der Fetus bzw. die Plazenta exprimieren vom Vater ererbte Antigene und sind damit als „semiallogen“ zu beschreiben [24]. Folglich herrschte im Hinblick auf die Anpassung des mütterlichen Immunsystems an die Schwangerschaft lange Zeit das Paradigma – welches in manchen Köpfen oft dogmatisch verfestigt war – dass die Abstoßung des Fetus durch die über den gesamten Schwangerschaftsverlauf aufrecht erhaltene, konstante mütterliche Immunsuppression verhindert wird [26]."



    Quelle:



    www.springermedizi...schen-pro/23267926



    Weiter:



    "...da es sich nicht um eine konstante Immunsuppression handelt, sondern um eine aktive und gezielte Anpassung des Immunsystems während der Schwangerschaft"



    Mehr Information tut not!

  • Dass das Kind zur bloßen Ware wird, stört hierbei wohl gar nicht.