World Naked Bike Ride: „Es geht nicht um Selbstdarstellung“
Die erste Nackt-Fahrraddemo Deutschlands findet am Sonntag in Berlin statt. Organisator Ralf Sprenger sagt, wieso es dabei vor allem um Selbstakzeptanz geht.
taz: Herr Sprenger, Sie rufen am Sonntag zum World Naked Bike Ride in Berlin auf, der ersten Nackt-Fahrraddemo in Deutschland. Gibt es in Berlin nicht schon genügend Orte, an denen Menschen nackt sein können?
Ralf Sprenger: FKK-Bereiche haben ein bisschen was von einem Reservat, ein abgegrenztes Gebiet, in dem man sich ausleben darf. Dabei ist Nacktheit etwas Natürliches, das man nicht wegsperren muss. Und dass man in Berlin auch in Clubs nackt sein darf, hat wenig mit dem Naturismus zu tun, wie wir ihn vertreten. Wir wollen zeigen, dass Nacktheit nicht mit Sexualität verbunden sein muss. Es geht nicht um Selbstdarstellung.
taz: Worum geht es Ihnen dann?
Sprenger: Zentral ist für uns die Selbstakzeptanz. Es hat unheimlich positive Effekte auf die Psyche, wenn man sich von den Schönheitsidealen aus den Medien, von der Bewertung Dritter löst. Vor allem junge Menschen stehen unter extremen Druck, was ihre Körper betrifft. Dabei sind wir alle keine Models, sondern ganz normale Menschen mit sehr normalen Körpern. Es hat etwas sehr Beruhigendes, wenn man sich nackt begegnet.
taz: Und warum nun Radfahren?
Sprenger: Mit unserer Nacktheit wollen wir auch die Verletzlichkeit von Radfahrern im Verkehr symbolisieren und auf einen besseren Schutz drängen. Aber eben nicht nur: Bei früheren Versuchen, Nacktdemos mit dieser Thematik zu veranstalten, hat uns die Polizei immer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Da hieß es dann, das könne man auch in Badehose. Aber durch den Fokus auf Toleranz, Selbstakzeptanz und Naturverbundenheit war das diesmal kein Problem.
taz: Das gilt dann nicht mehr als „Belästigung der Allgemeinheit“?
Sprenger: Nein, da steht das Versammlungsrecht über dem Ordnungswidrigkeitengesetz. Die Polizei hat sich bei der Planung, auch mit ihrer Begleitung durch eine Fahrradstaffel, sehr offen und kooperativ gezeigt.
taz: Wie viele Teilnehmer:innen erwarten Sie?
Sprenger: Auf unserer Webseite haben 1.100 Menschen ihr Interesse bekundet. Aber wenn wir am Ende 500 werden, bin ich überglücklich.
taz: Gibt es Erfahrungen mit solchen Demos?
Sprenger: Die Idee kommt aus dem Ausland, daher auch das Label „World Naked Bike Ride“. Entsprechende Veranstaltungen finden seit vielen Jahren in London, Brüssel und Amsterdam statt. In London war das teilweise so populär, dass sie es als Sternfahrt veranstalten mussten. Und da sehen wir, dass sich unheimlich viele junge Leute angezogen fühlen.
taz: Hierzulande ist klassisches FKK aus der Mode gekommen?
Sprenger: Fast alle FKK-Vereine erleben eine natürliche Überalterung. Das liegt auch ein bisschen daran, dass man sich neuen Trends nicht entsprechend öffnet. Wir wollen mit der Demo ausprobieren, ob der Naturismus wieder attraktiver werden kann.
taz: Die Route startet am Mauerpark und geht über 30 Kilometer durch die Stadt. Teilnehmer:innen müssen sich darauf einstellen, viel fotografiert zu werden, oder?
Sprenger: Ja, wir bewegen uns im öffentlichen Raum. Jeder, der teilnimmt, muss sich dessen bewusst sein, und darauf weisen wir auch immer wieder ausdrücklich hin. Ebenso gilt: Auch bei negativen Reaktionen wollen wir freundlich bleiben. Es geht darum, dass wir einen positiven Lebensstil bewerben.
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