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Deutsches Model in Epstein FilesWo ist Michele?

Seit 2015 wird das deutsche Model Michele vermisst. Wurde sie von dem nun tot aufgefundenen Modelscout Daniel Siad ins Epstein-Netzwerk geschleust?

Kurz vor ihrem Verschwinden im Jahr 2015 hatte Michele ihren Vater in Mecklenburg-Vorpommern besucht. Es gibt davon sogar ein Foto, auf dem sie lachend in einem Gartenstuhl zu sehen ist. Es ist das letzte bekannte Foto von ihr.

Michele war damals 22 und ist seither spurlos verschwunden. Von den Behörden haben die Eltern nichts über den Verbleib ihrer Tochter gehört. Erst in diesem Frühjahr, als sich eine Gruppe Journalisten und Journalistinnen von ZDF und Spiegel bei ihnen meldete, erfuhren sie, dass ihre Tochter in den Epstein Files  auftaucht.

Nach deren Veröffentlichung im Januar 2026 durch das US-Justizministerium wurde das Ausmaß des Netzwerkes rund um den verurteilten Sexualstraftäter Jeffery Epstein und die Beteiligung von Adeligen, Politikern, Diplomaten, Rechtsanwälten, Unternehmern, Wissenschaftlern und Künstlern in seiner ganzen Größe offenbar. Epstein selbst hatte 2019 im Gefängnis Suizid begangen.

Die Journalisten von ZDF und Spiegel hatten den Namen von Michele in den Epstein Files entdeckt und ihre Identität ausfindig gemacht. Sie kontaktierten die Eltern von Michel, die ihnen eine brisante Information gaben: Michele stand bereits seit 2012 im Kontakt mit Daniel Siad. 2013 hatte die Mutter ihre Tochter sogar in Dubai besucht, wo sie von Siad zu einem Essen auf einem großen Schiff eingeladen worden waren.

ZDF-Doku zeigt Mail von Siad

In der ZDF-Doku „Vermisst. Deutsche in den Epstein Files“ wird eine E-Mail von Siad gezeigt, in der der Modelscout Jeffrey Epstein eine junge Deutsche anbietet, die ihm gefallen wird und bei der es sich mutmaßlich um Michele handeln soll.

Der in Frankreich lebende Modelscout Siad steht im Verdacht, eine europäische Schlüsselfigur im Epstein-Netzwerk gewesen zu sein. Sein Name taucht in den Epstein Files mehr als 1.800 Mal auf. Gegen den bei Paris lebenden Schweden mit algerischen Wurzeln wird in Frankreich wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Vergewaltigung ermittelt.

Seit Mittwoch muss man sagen: wurde. Siad wurde laut seiner Anwältin am Montag von seiner „Mitbewohnerin“ in seiner Wohnung bei Paris tot aufgefunden. Er sei mutmaßlich an einem Herzinfarkt gestorben. Der Leichnam wird obduziert.

Auf Anfragen des ZDF und des Spiegels, die seit Februar zu Michele und Siad recherchierten, hatte er nie reagiert.

Als die Eltern 2015 die Vermisstenanzeige aufgaben, habe die örtliche Polizei untersucht, ob Michele in einem angrenzenden Bundesland oder in einem Nachbarland aufgegriffen worden sei. Eine aktive Suche habe laut einem Polizeisprecher nicht stattgefunden, weil es keine Hinweise auf ein Verbrechen gegeben habe.

Zurückhaltende Behörden

Noch im Frühjahr 2026 sagte die Polizei dem ZDF und dem Spiegel, eine öffentliche Fahndung nach Michele sei weiterhin nicht geplant. Nach den Recherchen prüften die Behörden, ob ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Verbrechens eingeleitet werden könne. Bisher aber sieht die deutsche Staatsanwaltschaft keinen Anlass für weitere strafrechtliche Ermittlungen, da es keinen konkreten Hinweis auf ein Gewaltverbrechen gebe.

Die Doku über die Recherche zum Verbleib von Michele wurde am 10. Juni im ZDF ausgestrahlt. Nach Bekanntwerden des Todes von Siad lieferte das ZDF am Mittwoch noch mal eine Sendung, in der die beiden Journalisten Lucas Eiler und Alina Reissenberger über ihre Recherche zu Michele und Siad berichten.

Die deutschen Behörden – so die Meinung der beiden Journalisten – seien anders als in Polen oder Frankreich, viel zurückhaltender was die Aufklärung möglicher Verbrechen in Zusammenhang mit dem Epstein-Netzwerk betrifft. In den beiden Nachbarländern sei beispielsweise die Bevölkerung dazu aufgerufen worden, sich mit Hinweisen zu möglichen Epstein-Verbindungen an zentrale Stellen zu wenden.

Mit dem Tod von Daniel Siad ist nun möglicherweise eine der wichtigsten Quellen gestorben, die mehr über den Verbleib von Michele hätte wissen können.

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3 Kommentare

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  • Es wäre wirklich gut, wenn der Tod von Siad extrem gründlich aufgeklärt wird, einschließlich auch ungewöhnlicher Szenarien. Bzw. wer was weiß, sollte sofort alles auspacken und so kein Motiv für ein frühes Abtreten mehr lasen.

  • Wie's ausschaut, war das kein Modelagent, sondern einfach nur ein Zuhälter.

  • Warum wird der Verbleib des Daniel Siad erst nach seinem Tod bekannt? Da liegt doch der Verdacht sehr nahe, dass schützende Dreckshände am Werk waren, damit möglichst wenig an die Öffentlichkeit kommt. Falls Fremdeinwirkung vorliegt, dann wäre das ein Beweis der Vertuschung.