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Nach Naturschutz und Regen in der TürkeiDie Rückkehr der Flamingos

Der zweitgrößte See der Türkei war bis vor Kurzem wegen Dürre und Übernutzung so gut wie verschwunden – und mit ihm eine wichtige Flamingo-Brutstätte.

Jürgen Gottschlich

Aus Istanbul

Jürgen Gottschlich

Es sind ikonische Bilder, die derzeit im türkischen Fernsehen zu sehen sind. Im milden Licht der Abendsonne sieht man Abertausende rosa schimmernde Flamingos, wie sie in ihrem typischen staksigen Gang am Rand des zweitgrößten türkischen Sees entlangwandern, des Tuz Gölü. Die Bilder sind nicht nur ein ästhetischer Genuss, sie zeigen vor allem eine ökologische Sensation.

Der Tuz Gölü liegt in einer Senke mitten in Zentralanatolien. Er umfasst zwar 1.500 Quadratkilometer, ist aber extrem flach und misst an seiner tiefsten Stelle nur zwei Meter. Der See hat weder einen Zu- noch einen Abfluss. Sein Name bedeutet auf Türkisch „Salzsee“ und weist auf den extrem hohen Salzgehalt des Gewässers hin, der bei 33 Prozent liegt. An den Rändern des Tuz Gölü wird 70 Prozent des in der Türkei verbrauchten Salzes abgebaut. Doch vor wenigen Jahren, im Dürresommer 2021, flimmerte anstelle des Sees, von wenigen Wasserflecken abgesehen, nur noch eine Salzwüste in der Sonne.

Die Flamingos, die den See seit Jahrhunderten als einen der größten Brutplätze im ganzen Nahen Osten nutzen, waren verschwunden. Eine große Dürre und die Übernutzung des Grundwassers durch die Landwirtschaft hatten den See ausgetrocknet. Verschiedene Naturschutzmaßnahmen, vor allem aber die starken Regenfälle in diesem Frühjahr und Winter haben den See jetzt wieder zum Leben erweckt.

Und die Flamingos sind zurück, mehr von ihnen als jemals zuvor. Aus der Luft, mithilfe von Drohnen, haben Ornithologen mehr als 12.800 neu geschlüpfte junge Flamingos gezählt. Das sind mehr Jungtiere als in vielen Jahren zuvor. Mustafa Uzun, Chef der Naturschutzbehörde im Umweltministerium, ist sehr zufrieden mit der diesjährigen Situation am Tuz Gölü. „Der See ist voller Leben, die Flamingos haben genug Futter, um heranzuwachsen, um dann gegen Ende des Jahres nach Afrika zu migrieren. Im nächsten Frühjahr kommen sie dann zurück.“

Landwirtschaft durfte weniger Wasser nutzen

Viele Seen in der Türkei standen aufgrund von Dürre und Übernutzung in den Jahren 2021 und 2022 auf der Kippe. Den Tuz Gölü traf es aber besonders hart, weil er sich nur aus dem Grundwasser und von Regenfällen speist.

Es ist normal, dass der Tuz Gölü in manchen Sommern in Teilen trockenfällt, aber so katastrophal wie vor fünf Jahren war es seit Menschengedenken nicht. In der Folge wurde die Wasserentnahme durch Tiefenbohrungen für die Landwirtschaft etwas eingeschränkt und stattdessen Wasser in den See geleitet. Gerettet hat den See dann aber der üppige Regen in diesem Jahr.

Aber was, wenn es in den folgenden Jahren wieder weniger regnet, wie es auch der fortschreitende Klimawandel erwarten lässt? Vor einem Jahr hat das Umweltministerium deshalb dazu aufgefordert, Wasser effizienter zu nutzen. Moderne Bewässerungsmethoden für die Landwirtschaft und die Wiederaufbereitung von Wasser in den Städten und touristischen Ballungsgebieten an den Küsten sollen forciert werden. Für die Metropole Istanbul wird außerdem der Bau einer Meerwasserentsalzungsanlage diskutiert.

Erst einmal genießen die Naturliebhaber in diesem Sommer aber den wiederauferstanden Tuz Gölü. An seinem Ufer sind mehrere Öko-Camps für Vogelliebhaber entstanden. Außer den Flamingos sind am See auch wieder etliche Raubvögel aufgetaucht, darunter der seltene Steppenadler. Der See liegt sehr abgelegen mitten in dem Dreieck Ankara, Konya und Aksaray. Die nächstgelegene Stadt ist Aksaray, 50 Kilometer entfernt. Auch deshalb ist der See zu einem Hotspot für Ökotouristen geworden. Abseits der Zivilisation kann man hier gelegentlich noch so etwas wie ursprüngliche Natur genießen.

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