Erdüberlastungstag: Menschheit lebt ab Donnerstag auf Pump
Menschen verbrauchen zu viele Ressourcen. Mehr als 1,7 Erden wären nötig, um ihren Bedarf zu decken. Wie ließe sich der Erdüberlastungstag verschieben?
Foto: Wolfgang Borrs
dpa | Die Menschen haben bereits am Donnerstag die Rohstoffe aufgebraucht, die die Erde innerhalb eines Jahres erneuern kann. Den sogenannten Erdüberlastungstag berechnet die Organisation Global Footprint Network jedes Jahr aufs Neue.
Ab diesem Datum lebt die Menschheit ökologisch betrachtet auf Pump: Sie beansprucht mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald als rechnerisch zur Verfügung stehen, und stößt mehr Kohlendioxid (CO2) aus, als Wälder und Ozeane aufnehmen können.
Um den tatsächlichen Bedarf der Menschen zu decken, wären rechnerisch 1,73 Erden nötig. Wie die Naturschutzorganisation WWF erklärte, sind die Folgen der Übernutzung längst sichtbar, etwa durch Entwaldung, degradierte Böden, den Verlust biologischer Vielfalt und steigende CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre.
Im vergangenen Jahr lag der Erdüberlastungstag auf dem 24. Juli. Die Verschiebung geht laut WWF überwiegend auf aktualisierte Daten zurück und nicht darauf, dass die Menschheit nachhaltiger lebt.
Deutschland schadet der Erde mehr als die meisten Länder
„Dass der Erdüberlastungstag dieses Jahr sechs Tage später liegt als 2025, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir weiterhin deutlich über die ökologischen Grenzen unseres Planeten hinaus wirtschaften“, erklärte Björn Schulz, Experte für Kreislaufwirtschaft beim WWF Deutschland. „Tatsächlich wächst die Lücke zwischen dem hohen Ressourcenverbrauch der Menschheit und der Regenerationsfähigkeit der Erde weiter.“
Würden alle Menschen so konsumieren wie die Deutschen, wäre der Erdüberlastungstag bereits am 10. Mai gewesen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) fordert daher von der Bundesregierung einen raschen Ausbau der erneuerbaren Energien und eine Abkehr von Öl, Gas und Kohle.
BUND-Vorsitzender Olaf Brandt betont: „Unser Wirtschaftssystem frisst seine eigene Substanz und zerstört damit die Lebensgrundlagen für künftige Generationen.“ Der Erdüberlastungstag müsse als Weckruf verstanden werden.
Seit Anfang der 1970er Jahre, als der Erdüberlastungstag noch Ende Dezember lag, hat er sich im Kalender weit nach vorn verschoben. Allerdings lässt sich beobachten: Die Sprünge werden kleiner. Die Tage lagen in den vergangenen 20 Jahren alle in einem Bereich von viereinhalb Wochen.
Wie können mögliche Lösungen aussehen?
Das Global Footprint Network hat analysiert, welche Maßnahmen den Stichtag nach hinten verschieben könnten. Der mit Abstand größte Faktor sind CO2-Emissionen (60 Prozent), deswegen liegt dort der größte Hebel. Einige Beispiele:
• CO2-Preis erhöhen 63 Tage
• 75 Prozent des Stroms kommen aus CO2-armen Quellen (jetzt: 39 Prozent) 26 Tage
• Autofahrten um 50 Prozent verringern 13 Tage
• Halb so viel Fleisch konsumieren 17 Tage
• Verschwendung von Lebensmitteln halbieren 13 Tage
• 350 Millionen Hektar Wald wieder aufforsten 8 Tage
• Flugreisen zu touristischen Zielen halbieren 1 Tag
Den Erdüberlastungstag errechnet das Global Footprint Network, indem es analysiert, wie viel standardisierte Flächeneinheiten etwa für Essen, Holz, die Aufnahme des menschengemachten CO2 sowie Straßen und Häuser der Menschen nötig sind. Es bezieht zudem im Gegenzug die Kapazität der Erde ein, Ressourcen aufzubauen sowie Müll und Emissionen aufzunehmen.
Ähnlich wie bei Schätzungen des Bruttoinlandsprodukts sind diese Daten nicht vollkommen präzise. Die früheren Ergebnisse werden jährlich mit den neuesten Daten und weiteren Verfeinerungen aktualisiert, sodass sich die Erdüberlastungstage der vergangenen Jahre nachträglich verschieben können.
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