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Jens Spahn und die SonnenfinsternisWo ist Jens Spahn, wenn man ihn mal braucht?

Spahns teure Masken, Villen und Kinder hätten so schön ablenken können vom AfD-Höhenflug. Der wird stattdessen selbst von jenen befeuert, die es besser meinen.

M anchmal ist es doch ein bisschen schade, dass Jens Spahn zurückgetreten ist. Gerade in dieser Woche hätten wir unseren alten Lieblingskotzbrocken ausnahmsweise mal dringend gebraucht, als alle verzweifelt auf Schutzsuche durch die Straßen irrten und in allen Läden genervt abgewiesen wurden. Spahn hätte ganz bestimmt rechtzeitig vor der partiellen Sonnenfinsternis Milliarden Schutzbrillen beschafft, wie viele Netzspaßvögel anmerkten, denen ohne Spahn nun die letzten harmlosen Witze in diesem in jeder Hinsicht bedrohlichen Sommer auszugehen drohen.

Auch die Themen waren mit Spahn netter. Im Vergleich zur akuten Angst vor einer AfD-Machtübernahme, wie sie zumindest im September in Sachsen-Anhalt droht, vor noch mehr Krieg und Hitzewellen, vor weiteren Klimakatastrophen und vor deutschen Geheimdiensten, die erstmals seit 1945 wieder in Wohnungen einbrechen dürfen, wenn sie nicht gerade im Ausland Sabotageaktionen durchführen, waren die Spahn-Debatten über teure Masken, teure Villen, obskure Freunde in den USA und eine nicht parteikonforme Leihmutterschaft Erholung pur.

Jedenfalls war der abservierte Spahn trotz seiner diversen Ferkeleien wohl eher nicht „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Das ist laut aktuellem Spiegel-Titel auch nicht etwa AfD-Voldemort Björn Höcke, der Sahra Wagenknecht jetzt als neue Ministerpräsidentin von Thüringen vorgeschlagen hat, was diese erstaunlicherweise bisher noch ablehnt. Nein, der Spiegel-Coverboy ist Ulrich Siegmund von der AfD in Sachsen-Anhalt.

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Die taz ist eine unabhängige, linke und meinungsstarke Tageszeitung. In unseren Kommentaren, Essays und Debattentexten streiten wir seit der Gründung der taz im Jahr 1979. Oft können und wollen wir uns nicht auf eine Meinung einigen. Deshalb finden sich hier teils komplett gegenläufige Positionen – allesamt Teil des sehr breiten linken Meinungsspektrums.

Diese sachdienliche Information eines westdeutschen Magazins wird die Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ganz sicher schwer abschrecken und die AfD noch mehr demotivieren als die Verbotsforderungen direkt vor Landtagswahlen. Besonders hilfreich sind auch die zahlreichen Empörten, die den Mann im Spiegel als „AfD-Werbung“ kritisieren – und das Titelbild vor lauter Wut selbst eifrig weiter in der Social-Media-Welt verbreiten.

Wer AfD-Titelbilder kritisiert, sollte sie nicht selbst verbreiten

Aber es ist halt auch nicht einfach. Selbst wenn wir alle, die den Höhenflug der AfD furchtbar finden, immer die genau richtige Balance zwischen berechtigter Warnung und versehentlicher Werbung durch Belehrung finden würden, wäre die AfD vermutlich nicht ganz so schnell weg wie die Sonne am Mittwochabend und Spahn nach seiner Familiengründung.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Lukas Wallraff

Lukas Wallraff taz.eins- und Seite-1-Redakteur

seit 1999 bei der taz, zunächst im Inland und im Parlamentsbüro, jetzt in der Zentrale. Besondere Interessen: Politik, Fußball und andere tragikomische Aspekte des Weltgeschehens
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14 Kommentare

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  • PfoteMila

    Ich persönlich halte Alexander Dobrindt für mindestens genauso gefährlich.

  • Ricky-13

    taz: *Manchmal ist es doch ein bisschen schade, dass Jens Spahn zurückgetreten ist.*

    Spahn ist ja nicht richtig 'zurückgetreten'. Unser "Masken-Jens" hat sich sicherlich auch schon einen Plan zurechtgelegt, wie er wieder an die Spitze der CDU kommt. Jens Spahn, der sich sogar schon einmal für eine Normalisierung beim Umgang mit der AfD im Bundestag aussprach, ist ein Stehaufmännchen, der nicht nur ausgesprochen arrogant, sondern auch skrupellos in seinen Politikvorstellungen ist. Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere daran, das Jens Spahn vehement auf umfassende Sozialstaatsreformen drängt und für Verschärfung von Sanktionen beim Bürgergeld/Grundsicherung für arme Menschen ist, er selbst aber dem Steuerzahler zig Milliarden Euro kosten wird (Maskendeals).

    Im Grunde würde Jens Spahn sehr gut in die AfD passen, aber er ahnt wohl, dass er mit seinem Privatleben und seiner sexuellen Ausrichtung dort auf Dauer keine Zukunft hätte.

    Übrigens hat die AfD seit Merz' Kanzlerschaft erhebliche Stimmgewinne in der Bevölkerung bekommen. Der jetzige Erfolg der AfD kommt nämlich auch durch die unsoziale Merz-CDU-Politik, die viele Bürger in die Arme der AfD treibt.

    • Forist Grump

      @Ricky-13:

      »Im Grunde würde Jens Spahn sehr gut in die AfD passen, aber er ahnt wohl, dass er mit seinem Privatleben und seiner sexuellen Ausrichtung dort auf Dauer keine Zukunft hätte.«

      Was ist der Unterschied zu dem Privatleben und der sexuellen Ausrichtung von Alice Weidel?

      • Ricky-13

        @Forist Grump:

        Ich wusste das diese Frage kommt. 😀

        Alice Weidel ist ein "Vorzeigeobjekt", was dazu dient den Bürgern weiszumachen, dass die AfD nichts gegen Homosexuelle hat. Wie sich das alles entwickeln wird und welche Zukunft Frau Weidel in der AfD haben wird, kann man sich vorstellen, besonders wenn man sich anschaut welche negative Haltung die AfD jetzt schon gegenüber queeren Menschen (LGBTQ) zeigt.

  • Simon Lübbers

    Doch Jens Spahn war der gefährlichste Mann Deutschlands. Definitiv gefährlicher als Siegmund. Der könnte Ministerpräsident von Sachsen-Dingsda werden. Spahn hätte uns die erste AfD-Bundesregierung bescheren können.

    • Tiene Wiecherts

      @Simon Lübbers:

      "hätte"?



      Er wird sie uns bescheren; spätestens 1933 - äh 2033, vermutlich aber diesmal schon vier Jahre vorher.

    • Mondschaf26

      @Simon Lübbers:

      „Spahn hätte uns die erste AfD-Bundesregierung bescheren können."



      Hätte? Nix Konjunktiv II. Es ist noch nicht vorbei.

  • Martin Rees

    "Selbst wenn wir alle, die den Höhenflug der AfD furchtbar finden, immer die genau richtige Balance zwischen berechtigter Warnung und versehentlicher Werbung durch Belehrung finden würden..."



    /



    Egal, wer wo und wie diese besonderen "Duftmarken" setzt oder darüber eine Arbeit verfasst hat bzw dazu im Nachgang noch kommentieren will/muss:



    /



    Neulich bei zeit.de



    "In der Politik kommt es nicht auf die Abschlussnote an



    Die AfD spottet gern über Qualifikationen ihrer politischen Gegner. Nun gibt es Häme für Ulrich Siegmunds Bachelor an einer Fernhochschule. Hören wir damit auf. Alle."



    Ein Aufmerksamkeitsdefizit sehe und höre ich bislang nicht, ein Moratorium der Medien zur Risikoreduktion erst recht nicht.

  • Bürger L.

    Würden alle verantwortliche Politiker*innen, die jetzt panisch vor der "Machtübername" durch die Rechts-Nationalen warnen, stattdessen eine sozial gerechte, ökologisch sinnvolle und trotzdem nicht wirtschaftsfeindliche Politik machen, würde sich das Problem von selbst erledigen.

    Deshalb:



    Anstatt die Xte AFD Titelseite zu verbreiten, anstatt sich darauf zu beschränken das tausendste anti AFD Plakat zu malen, anstatt auf facebook millionenfach in der eigenen Blase zu beteuern, dass diese Partei Scheiße ist und verboten gehört...

    Tretet lieber den zurzeit Verantwortung tragenden Politiker*innen



    öffentlich (und nur im übertragenen Sinn) in den Hintern.

    Die AFD bekämpft man nicht, indem man selbst die Migrationspolitik verschärft, indem man Kürzungen im Sozial- und Gesundheitsbereich beschließt, indem man die eigene Bevölkerung als faul und nicht leistungsbereit diskriminiert, indem man klimagerechte und bezahlbare Energieproduktion behindert, indem man den Machtmissbrauch der Wohnungsbau Konzerne schützt........

    Alle Demos gegen Rechts sind sicher gut (gemeint) - ohne gleichzeitige Kampfansage gegen die aktuelle Politik in Deutschland, laufen sie allerdings vermutliche ins Leere.

    • nutzer

      @Bürger L.:

      richtig! Die AFD bekämpft man nicht, indem man selbst die XYZ verschärft, dei afd bekämpft man in dem man positive Inhalte setzt, ein Vorwärts schafft und nicht auf die Schlange starrt...



      aber genau das kann die aktuelle Politik, mit den vorhandenen Politikern nicht, weil die aktuelle Politik durch selbstgeschaffenen Restriktionen und lientelismus gar nicht vorwärts gehen kann.



      So lange dies so bleibt, wird es keine Umschwung, weg von den Braunen geben.

      • Gila Rosenberg

        @nutzer:

        Was erwarten die Leute eigentlich, wenn nach wie vor amerikanische Politik gemacht wird und jeder Blödsinn, der von drüben kommt, kritiklos adaptiert wird ....

  • Willi Müller alias Jupp Schmitz

    Es ist keine Ablenkung gefragt,



    AFD-VERBOT JETZT ❗️❗️❗️

    • Troll Eulenspiegel

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Eben!

      Wir dürfen nicht dieselben Fehler machen wie vor knapp 100 Jahren. Die NSDAP wurde demokratisch gewählt, niemand hat sie zuvor verboten, niemand heiligte Zweck zum Mittel, keine demokratische Notwehr von Millionen von Bürgern, und was passierte einige Jahre später? Das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte!

      Ludwig Aßner konnte in die fürchterliche Zukunft blicken. Zeit, das wir es auch können!

    • EchteDemokratieWäreSoSchön

      @Willi Müller alias Jupp Schmitz:

      Auch wenn es richtig wäre, ist es jetzt schon zu spät.

      Man sollte nach anderen Wegen suchen, den AfD-Stimmenanteil zu verringern.