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Pläne zur Zuckersteuer auf Getränke Steilvorlage für die Zuckerlobby

Kommentar von

Jost Maurin

Auch wenn Finanzminister Klingbeil teilweise zurückrudert: Die wohl geplante Ausdehnung der Zuckersteuer auf mehr Getränke würde nach hinten losgehen.

D as Bundesfinanzministerium hat dem sinnvollen Anliegen einer Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke einen Bärendienst erwiesen. Die von SPD-Chef Lars Klingbeil geleitete Behörde lieferte in einem Eckpunktepapier den Gegnern der Abgabe eine wahre Steilvorlage: Denn das Papier ist in sich nicht schlüssig, es verstößt gegen die Beschlusslage der Koalition und provoziert Widerspruch, der das gesamte Projekt gefährdet.

Das Kabinett hatte nur beschlossen, „eine Abgabe auf zuckergesüßte Getränke einzuführen“. Die Reformkommission zur gesetzlichen Krankenversicherung („Finanzkommission Gesundheit“) hatte genau das empfohlen. Also für Limonaden oder Softdrinks, von denen schon eine Flasche ein Vielfaches der empfohlenen Tageshöchstmenge Zucker enthalten kann. Modellrechnungen prognostizieren bei Einführung einer solchen Steuer zum Beispiel pro Jahr mehrere tausend weniger neue Fälle von Typ-2-Diabetes.

Doch das Eckpunktepapier wollte etwa auch Fruchtnektar, Kaffee-, Milch- und pflanzliche Getreidedrinks mit der neuen Steuer belegen, wenn sie mindestens 4,5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthalten.

100-prozentiger Fruchtsaft soll von der Zuckersteuer ausgenommen werden, weil er anders als Softdrinks wertvolle Nährstoffe wie Vitamine liefert. Wenn diese Säfte aber mit Wasser zu einer Schorle verdünnt werden, könnte die Steuer sie eventuell doch erfassen.

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Immerhin hat Klingbeil einen Tag nach Bekanntwerden des Papiers einen der Eckpunkte kassiert: Getränke mit Süßstoffen sollen doch nicht der Zuckersteuer unterliegen. Verbraucherschützer würden zwar auch gern Cola Zero und Co besteuert wissen, damit die Menschen sich nicht an sehr süße Getränke gewöhnen.

Eine Ausweitung bedroht die Kernidee

Doch dann würde eben eine Zuckersteuer für Produkte ohne Zucker fällig. Das lässt sich schwer kommunizieren – und wäre in einer Koalition mit der Union derzeit nicht durchsetzbar. In der Folge hat zum Beispiel Hessens CDU-Ministerpräsident Boris Rhein die Zuckersteuer insgesamt abgelehnt.

Mit solchen Reaktionen musste auch das Finanzministerium rechnen. Klingbeil kann sich nicht damit herausreden, dass das Eckpunktepapier „intern“ gewesen sei. Schließlich hat sein Ministerium es schon beispielsweise an das Agrarressort geschickt, das die Abgabe von Anfang an abgelehnt hatte. Deshalb ist diese Frage nicht ganz abwegig: Wollte das oft sehr wirtschaftsnahe Finanzministerium die Zuckersteuer durch eine absurde Vorlage sabotieren?

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Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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24 Kommentare

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  • DerzuWirDuEs

    Vielleicht war es nicht die Sabotage, sondern mehr der Zuckerlobby die Angst zu nehmen, was das Finanzministerium damit bezwecken wollte.



    Werden alle Getränke besteuert, werden alle gleichermaßen teurer und der Kunde greift dann doch zur Zuckerlimo 🤷🏼‍♀️

  • Dirk Christoph Lubien

    Ach schön, der Staat belohnt also finanziell, auf potenziell krebserregende Zucke-Ersatzstoffe zu setzen. Naja, wenn irgendwem an der Gesundheit insbesondere auch weniger finanzstarker bevölkerungsteile gelegen wäre, würde man ja auch auf preiswerte Schwimmbäder setzen.

  • echt jetzt

    Das hat System: Tabaksteuer auf E-Liquids für E-Zigaretten ist genauso sinnfrei. Zumal die nicht an Jugendliche verkauft werden dürfen. Da greift nicht mal das Thema Jugendschutz.

    • DerzuWirDuEs

      @echt jetzt:

      Versteh deinen Einwand nicht. Man könnte das ganze auch Nikotinsteuer nennen 🤷🏼‍♀️ aber in dem Fall macht es doch deutlich mehr Sinn 🤔

  • FtznFrtz

    Natürlich komplett widersinnig, es sei denn man sucht irgendeinen Steuertatbestand. Genauso könnte man das Atmen oder die Benutzung der Toilette besteuern. Die Steuerungswirkung jedenfalls ist völlig obsolet.

    • Janix

      @FtznFrtz:

      Ohne O2 geht's gar nicht. Ohne Toilette lieber nicht.



      Ohne Zuckerzusatz schon.



      Wir haben derzeit in so viel derart viel Zucker dabei (ist billig), dass eine Steuer hier auch steuern sollte und könnte.



      Wo Rauchen und Alkohol hinuntergehen, ist Zucker/Süßstoff (plus Beweungsarmut) leider das nächste Thema. Auch in anderen Ländern bereits zu sehen.

      • FtznFrtz

        @Janix:

        Schon klar, ich bin ja auch dafür, stark zuckerhaltige Getränke höher zu besteuern, aber 4,5 Gramm ist doch eine arg niedrige Grenze, es riecht nach Säckel vollmachen.



        Zum Vergleich: die originale Coca Cola hat 27 Gramm, da macht die Besteuerung durchaus Sinn.

    • warum_denkt_keiner_nach?

      @FtznFrtz:

      Atmen kann man nicht vermeiden. Den Gang zur Toilette auch nicht wirklich.

      Zucker kann man vermeiden.

      • FtznFrtz

        @warum_denkt_keiner_nach?:

        Die Dosis macht wie immer das Gift, wenn Sie so total denken können Sie eigentlich alles ausßer Wasser besteuern. Die Grenze von 4,5 Gramm ist zu niedrig.

  • Sonntagssegler

    Bei genauem Hinsehen fällt auf, das die Regierung als Erstes die Einnahmen aus der Zuckersteuer verplant hat.



    Damit steht dann auch nicht die Gesundheitsförderung im Vordergrund.

    • Janix

      @Sonntagssegler:

      Wenn die Steuer greift, sind die Einnahmen geringer.

      Der CDU musste über ihre ungesunde Steuer-Verstopfung irgendwie rüber geholfen werden. Die Steuer ist eigentlich auch so fällig, UK zeigt es.

  • Metallkopf

    Wie kann man so eine einfache Nummer eigentlich vergeigen? Man kann natürlich auch dagegen sein, aber warum nicht einfach alles an Geträbken, was hinzugefügten Zucker (Saccharose, Fructose, Glukose, Maltose; Laktose) oder zugesetzte, zuckerhaltige Stoffe (Agavendicksaft, Maissirup, etc.) enthält, fällt drunter. Ausnahmen (auch in der Verwendung als Mischzusatz): Fruchtsaft und Konzentrat, auch in Mischung mit Wasser, Milch, Getreidedrinks. Fertig ist die Laube.

    Einfacher Merksatz: "Kippt ein Panscher Zucker rein, fährt der Staat die Steuer ein."

    Und ansonsten: Lasst die Verbraucher sich doch selbst schützen. Die Menschen sind - entgegen anderslautenden Gerüchten - überwiegend keine Idioten. Wer täglich 1,5l Cola und mehr trinkt, und das auch seinen Kindern gestattet, hat ohnehin andere Probleme, als die Zuckersteuer. Diese Menschen wird man im Übrigen auch nicht mit der Zuckersteuer davon abbringen, sich schlecht zu ernähren, die teuren Pfanddosen im Gebüsch zu entsorgen, oder sich sonstwie unklug zu verhalten.

    • DerzuWirDuEs

      @Metallkopf:

      Dann heißt es irgendwann "Siehst du Helmut, die geben ihr Geld wieder nur für Limo aus."

  • warum_denkt_keiner_nach?

    Ich kann nicht nachvollziehen, warum eine Zuckersteuer nicht auf alles erhoben wird, wo Zucker drin ist. Oder wesentlich unbürokratischer auf den Zucker selbst. Damit wäre alles erschlagen.

    • Bernd Bergstrom

      @warum_denkt_keiner_nach?:

      das ist auch mein Vorschlag

  • Herma Huhn

    Wie man es kommunizieren wollte, dass alkoholfreies Bier stärker besteuert wird als alkoholhaltiges Bier ist mir auch nicht in den Kopf gegangen.



    Aber warum es falsch sein soll, gezuckerte Milchmixgetränke mit der Steuer zu belegen, geht ebenso an meinem Verstand vorbei. Da werden zahlreiche ebenfalls als tägliches Getränk angepriesen und gekauft. Und die enthalten teilweise mehr Zucker als die verteufelten Softdrinks. Aber weil Milch dabei ist, sollen sie von der Steuer ausgenommen werden? Warum?



    Ebensowenig verstehe ich die Aufregung über die Besteuerung der Hafermilch. Auch hier gibt es unterschiedlich süße Varianten. Vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass Hafermilch deutlich mehr Zucker enthält, als Kuhmilch und andere Milchalternativen. Und dann gibt es auch noch gesüßte Varianten, die eben nicht nur aufgrund des Hafers Kohlehydrate enthalten. Hier steuerlich zwischen besonders süßen und mäßig süßen Drinks zu unterscheiden wäre durchaus im Sinne der Zuckersteuer.

    • Metallkopf

      @Herma Huhn:

      Es geht um die Getränke, in denen _nur_ Milch beigefügt wurde, aber sonst kein Zucker. Milch enthält natürlich auch Milchzucker.

      Aber es wäre schön, vor allem die Getränke zu besteuern, in die noch zusätzlich Zucker reingerührt wird.

      Ob das letztlich am Markt zu einem Umdenken und geänderten Verbraucherverhalten führen wird, wage ich allerdings zu bezweifeln. Der ernährungsbewusste Mensch haut sich ohnehin nur in Maßen stark zuckerhaltige Lebensmittel rein. Der nicht ernährungsbewusste Mensch zahlt künftig die Zuckersteuer und reduziert damit weiter seine finanziellen Spielräume.

      • Herma Huhn

        @Metallkopf:

        Pure Kuhmilch enthält circa 4,5% Zucker.



        Wie wollen sie mit der Beimischung von Milch zu einem Zuckergehalt über dieser Grenze gelangen, wenn nicht das ursprüngliche Getränk ebenfalls so viel Zucker enthalten hat?



        Die Ausnahme von Milchgetränken von der Zuckersteuer führt nur dazu, dass Softdrinks Milchbestandteile zugefügt werden, um den Zucker nicht reduzieren zu müssen. (Es gab schon mal eine Fanta mit diesem Rezept)



        Und das Umdenken muss gar nicht zuerst beim Verbraucher geschehen. Wenn Hersteller den Zucker reduzieren, um billiger verkaufen zu können, führt das automatisch zu einer Verbesserung (Solange nicht durch Süßstoff einfach ersetzt wird, das ist eine weitere Geschichte, für die der Platz hier nicht reicht)

        • Janix

          @Herma Huhn:

          Nebenpunkt: War die Molke-Fanta nicht deswegen, weil man das eben da hatte? Rivella ist auch noch molkebasiert, meine ich.

          Und am besten viel Wasser und wenig Süße, aus welcher Quelle auch immer. Wenn's für Hersteller spürbar wird, geht es, siehe UK, am schnellsten.

  • Thomas Schnitzer

    Ach, nein, echt? Natürlich geht das nach hinten los.

    Wenn Hafermilch und alkoholfreies Bier aufgrund des Zuckers darin besteuert werden geht etwas genauso schief, wie bei zuckerfreien Getränken,

  • Janix

    Süßstoffe werden teils sehr kritisch gesehen. Das ist schon bedenkenswert.



    Doch mit Hochzuckerplörre beginnen ist wohl sinnvoll - damit wieder häufiger ein bisschen Zucker auch reicht beim Produzenten. Teils ist das Zeugs ja so übersüßt, dass der Durst quasi unverändert bleibt. Billiger Zucker statt echter Frucht, nu ja.



    Leitungswasser in der Karaffe wäre auch so ein Punkt, meinetwegen mit "Korkgeld" fürs Café.

  • Martin Rees

    "Mit solchen Reaktionen musste auch das Finanzministerium rechnen. Klingbeil kann sich nicht damit herausreden, dass das Eckpunktepapier „intern“ gewesen sei."



    Durchgestochen? Hatten wir bei der Ampel schon, so etwas führt gelegentlich auf einen politischen Hohlweg und für Gesetzesvorhaben zu sog. Deonymen.



    Damals bei der Ministerin von der Leyen witzelten viele über die "Berateraffäre", jetzt wären Experte:innen mit klugen Sachargumenten an dieser Stelle wohl hilfreich gewesen, die solche Eigentore dann durch gekonntes Stellungsspiel verhindern.

  • Frauke Z

    Süßstoffe auch zu erfassen, hat mich überzeugt.



    Wenn es um Gesundheit geht, sind Zuckeraustauschstoffe schädlicher als Zucker selbst.



    Wenn die Folge einer Zuckersteuer also ist, dass in Zukunft alle möglichen Saft-Misch-Getränke mit künstlicher Süße angeboten werden, ist es besser ohne die Steuer.

    • wortwart

      @Frauke Z:

      "Wenn es um Gesundheit geht, sind Zuckeraustauschstoffe schädlicher als Zucker selbst":

      Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass zu viel Zucker für den Menschen langfristige Schäden verursacht. Bei Süßungsmitteln -- von denen es ja auch viele verschiedene gibt -- ist das Bild keineswegs klar, eindeutige Beweise für eine Gesundheitsschädigung fehlen. Das schöne Glas Naturhonig vom Imker fühlt sich vielleicht gesünder an als die (mehr oder weniger) künstlichen Süßstoffe, aber nach aktuellem Stand der Wissenschaft ist es das leider nicht.

      Siehe auch: www.zdf.de/video/s...-x-suessstoffe-100