Offshore-Windkraft : Ohne Förderung geht's nicht
Manche Unternehmen haben sich verkalkuliert und zögern nun, eine Anlage zu bauen. Aber sie sollten Flächen für das Allgemeinwohl zurückgeben können.
E s ist eine Blockade mit Ansage. Unternehmen, die sich in den deutschen Seegebieten bei Auktionen Flächen zum Bau von Offshore-Windparks gesichert haben, dürfen sie bei Zweifeln an der Rentabilität bisher nicht wieder zurückgeben. Auch die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes, das jetzt als Entwurf vorliegt, will daran nichts ändern.
Nun sollte man den Unternehmen den Rückzug in der Tat nicht zu einfach machen, Verbindlichkeit ist nötig. Aber wenn ein Investor kalte Füße kriegt, warum ermöglicht man ihm dann nicht unter Auflagen, die betreffende Seefläche aufzugeben, damit sie in einer nächsten Auktion erneut vergeben werden kann? Konkrete Fälle wurden schon bekannt. Im Mai sickerte durch, dass die Konzerne TotalEnergies und BP mit der Umsetzung geplanter Projekte hadern. Überraschend ist das nicht: Seit die Unternehmen ihre Zuschläge erhielten, hat sich der Markt stark verändert – die Anlagenpreise und die Zinsen sind nach dem Ende der Niedrigzinsphase deutlich gestiegen.
Hinzu kommt, dass schwerer zu prognostizieren ist, wie sich die Erlöse am Strommarkt entwickeln. Denn nicht nur die Windkraftanlagen machen sich gegenseitig die Preise kaputt, weil immer dann, wenn viel Wind weht, der Strompreis im Großhandel verfällt. Auch negative Börsenpreise, die von der Photovoltaik verursacht werden, führen zunehmend zu Mindererlösen bei der Windkraft.
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Konzept mit zwei Seiten
Wer Flächen ersteigert hat, die er aufgrund veränderter Rahmenbedingungen zu den damals vereinbarten Konditionen nicht mehr nutzen kann, sollte sie deshalb auch wieder zurückgeben können – für andere Investoren. Die könnten dann aufgrund des neuen Ausschreibungsmodells auf die vermutlich attraktiveren Differenzverträge zurückgreifen und wären damit anders abgesichert als die bisherigen Investoren. Aus Sicht der Energiewende wäre das ein sinnvoller Schritt.
Doch das Konzept hat zwei Seiten. Die Differenzverträge senden ein Signal, das die Branche gern vermieden hätte: Von einer Finanzierung am Markt ist Offshore-Windkraft weiter entfernt als erhofft. So viel Ehrlichkeit muss dann auch sein.
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