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Offshore-Windkraft Ohne Förderung geht's nicht

Bernward Janzing

Kommentar von

Bernward Janzing

Manche Unternehmen haben sich verkalkuliert und zögern nun, eine Anlage zu bauen. Aber sie sollten Flächen für das Allgemeinwohl zurückgeben können.

E s ist eine Blockade mit Ansage. Unternehmen, die sich in den deutschen Seegebieten bei Auktionen Flächen zum Bau von Offshore-Windparks gesichert haben, dürfen sie bei Zweifeln an der Rentabilität bisher nicht wieder zurückgeben. Auch die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes, das jetzt als Entwurf vorliegt, will daran nichts ändern.

Nun sollte man den Unternehmen den Rückzug in der Tat nicht zu einfach machen, Verbindlichkeit ist nötig. Aber wenn ein Investor kalte Füße kriegt, warum ermöglicht man ihm dann nicht unter Auflagen, die betreffende Seefläche aufzugeben, damit sie in einer nächsten Auktion erneut vergeben werden kann? Konkrete Fälle wurden schon bekannt. Im Mai sickerte durch, dass die Konzerne TotalEnergies und BP mit der Umsetzung geplanter Projekte hadern. Überraschend ist das nicht: Seit die Unternehmen ihre Zuschläge erhielten, hat sich der Markt stark verändert – die Anlagenpreise und die Zinsen sind nach dem Ende der Niedrigzinsphase deutlich gestiegen.

Hinzu kommt, dass schwerer zu prognostizieren ist, wie sich die Erlöse am Strommarkt entwickeln. Denn nicht nur die Windkraftanlagen machen sich gegenseitig die Preise kaputt, weil immer dann, wenn viel Wind weht, der Strompreis im Großhandel verfällt. Auch negative Börsenpreise, die von der Photovoltaik verursacht werden, führen zunehmend zu Mindererlösen bei der Windkraft.

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Konzept mit zwei Seiten

Wer Flächen ersteigert hat, die er aufgrund veränderter Rahmenbedingungen zu den damals vereinbarten Konditionen nicht mehr nutzen kann, sollte sie deshalb auch wieder zurückgeben können – für andere Investoren. Die könnten dann aufgrund des neuen Ausschreibungsmodells auf die vermutlich attraktiveren Differenzverträge zurückgreifen und wären damit anders abgesichert als die bisherigen Investoren. Aus Sicht der Energiewende wäre das ein sinnvoller Schritt.

Doch das Konzept hat zwei Seiten. Die Differenzverträge senden ein Signal, das die Branche gern vermieden hätte: Von einer Finanzierung am Markt ist Offshore-Windkraft weiter entfernt als erhofft. So viel Ehrlichkeit muss dann auch sein.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Bernward Janzing

Bernward Janzing

Fachjournalist mit Schwerpunkt Energie und Umwelt seit 30 Jahren. Naturwissenschaftler - daher ein Freund sachlicher Analysen.
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14 Kommentare

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  • Zippism

    „Der Markt wird es schon richten“ funktioniert nicht – aber „mehr Erneuerbare machen den Strom automatisch billiger“ offenbar auch nicht.

    Der Artikel beschreibt selbst das Problem: Je mehr Windstrom gleichzeitig auf den Markt kommt, desto stärker fällt der Börsenpreis gerade dann, wenn die Windparks produzieren. Dazu kommen steigende Investitionskosten, Zinsen und die notwendigen Kosten für Netzausbau und Systemstabilität.

    Das ist kein Argument gegen Windkraft. Es ist aber ein Argument gegen die allzu einfache Rechnung, wonach man nur möglichst schnell möglichst viel Erzeugungskapazität bauen müsse und anschließend werde der Strom schon billiger.

    Wenn Offshore-Windkraft ohne staatliche Absicherung wirtschaftlich nicht mehr funktioniert, sollte man eben ehrlich über die Gesamtkosten des Systems sprechen – statt nur die niedrigen Grenzkosten einer einzelnen Kilowattstunde zu betrachten.

  • Karl Schmidt

    Wir haben letztes Jahr 80 Milliarden Euro für fossile Energieträger ausgegeben. Dieses Jahr werden es deutlich mehr sein. Geld, das wir in einem einzigen Jahr verbrennen. Im Vergleich dazu sind unsere Investitionskosten in Erneuerbare und in Netzinfrastruktur gering. Bereits heute sind wir bei 60% Eigenversorgung durch Erneuerbare. Je schneller wir den Umstieg auf Erneuerbare abgeschlossen haben, desto billiger wird es für uns.

    • Zippism

      @Karl Schmidt:

      Die Schlussfolgerung ist doch etwas merkwürdig: Wenn mehr Erneuerbare automatisch zu immer billigerem Strom führen, müsste sich das irgendwann auch beim Verbraucher bemerkbar machen. Stattdessen hatte Deutschland im ersten Halbjahr 2025 mit 38,35 ct/kWh den höchsten Haushaltsstrompreis der EU; im zweiten Halbjahr waren es sogar 38,69 ct/kWh.

      Natürlich sind fossile Energieimporte teuer, und natürlich brauchen wir mehr Erneuerbare. Aber zwischen günstigen Erzeugungskosten und einem günstigen Strompreis für den Verbraucher liegen noch Netzausbau, Netzentgelte, Steuern, Umlagen und weitere Systemkosten. Die Netzentgelte für Haushalte sind beispielsweise von rund 6 ct/kWh 2015 auf fast 11 ct/kWh 2025 gestiegen.

      „Je schneller der Umstieg, desto billiger wird es“ ist deshalb keine Schlussfolgerung, sondern zunächst einmal eine Behauptung. Entscheidend wäre die Frage, wann und auf welchem Weg diese erwarteten Einsparungen tatsächlich beim Stromkunden ankommen.

  • pumble

    Von einer Finanzierung am Markt sind auch konventionelle Kraftwerke und erstrecht Atomkraftwerke stets weit entfernt gewesen. Die wurden und werden auch mit staatlichen Fördermitteln gebaut. Im Gegensatz zu den Erneuerbaren stört das da aber komischerweise keinen.

    • Janix

      @pumble:

      Sehr richtig. In Ost- wie Westdeutschland wurde Energie immer künstlich billig gerechnet, und diese Marktverzerrung führte zu Industrie, die es ineffizient raushaute.



      Getragen hat es die Allgemeinheit - und die Umwelt. Was wir gerade ächzend spüren und noch schlimmer spüren werden.



      Danke für nichts, Fossildinos!

  • Budzylein

    Nachdem jahrzehntelang der Ausbau von Wind- und Solarenergieanlagen propagiert und gefördert wurde, entdeckt man jetzt, dass diese wetterabhängigen Energieerzeugungsformen sich gegenseitig die Preise kaputtmachen, weil der Wind für alle zugleich weht und auch die Sonne für alle hiesigen PV-Anlagen gleichzeitig scheint. Das hätte ja auch niemand ahnen können. Und nun lohnt es sich nicht mehr, obwohl Sonne und Wind doch keine Rechnung schicken und die Energiewende die Verbraucher nur eine Kugel Eis kosten sollte.

    Da wird dann wohl, wenn das Gas nicht reicht, irgendwann der Kohleausstiegstermin verschoben werden müssen, damit es weiterhin ein Backup für Wind und Sonne gibt. Und das wird dann auch ganz überraschend kommen.

    • Janix

      @Budzylein:

      Sie widersprechen sich evtl. gerade. Machen die Anlagen sich die Preise kaputt oder treiben sie die Preise hoch?



      Bitte beachten Sie auch den europäischen Stromverbund.



      Und schauen Sie mal, was Strom kosten würde, wenn Fossil und Atom noch dominieren würde. Nicht nur ökologisch und volkswirtschaftlich, sondern auch betriebswirtschaftlich (Merit Order mit Gaskraftwerk gibt Ihnen eine Idee).

  • Don Geraldo

    Windkraft ist ja jetzt keine neue Technologie, die noch einer Anschubfinanzierung bedarf.



    Könnte es sein, daß die ganze Energiewende Unsinn war ?



    Zumal die verantwortliche Politik ja komplett vergessen hat, irgendwelche Speichermedien bereitzustellen.



    Wäre eigentlich ganz sinnvoll gewesen bei einer Stromquelle, mal gar nicht und mal zuviel Strom liefert.

    Und die gleiche Politik hat auch den Unsinn verbockt, daß Firmen auf Flächen sitzen, die sie nicht brauchen. Und andere Firmen, sie nicht nutzen können.

    Welche Parteien waren das noch mal ?

    • Janix

      @Don Geraldo:

      Nein, mit (versteckt) teurem und gefährlichem Fossil und Atom weiterzumachen, das wäre gefährlicher Unsinn gewesen.

      Gucken Sie mal nach draußen auf die Pflanzen und nach drinnen auf uns.

      Für Speichermedien gab es keinen Markt, weil die Anreize noch auf die alten Dinos eingestellt waren. Die, die übrigens eher unflexibel durchlaufen müssen.

  • Janix

    Es ist für Energieunternehmen das indirekt bezuschusste/ allgemeinschädliche Fossilgeschäft auch vielleicht ohne störende Windkraft-Energie noch profitabler? Stichwort: Merit Order.



    Auf der Anreizebene müssen bloße Blockade-Ersteigerungen, vor denen damals schon gewarnt wurde, klar unwirtschaftlich gemacht werden.

    • Zippism

      @Janix:

      Die Merit-Order erklärt, warum günstige Erneuerbare den Börsenstrompreis drücken können. Sie erklärt aber nicht, warum der Strompreis für den Endkunden in Deutschland trotzdem zu den höchsten Europas gehört. Zwischen Börsenpreis und Haushaltsrechnung liegen schließlich Netzentgelte, Steuern, Abgaben und die Kosten des gesamten Energiesystems.

      Und genau deshalb ist „mehr Windkraft = billiger Strom“ etwas zu simpel. Wenn der Ausbau gleichzeitig massive Investitionen in Netze, Speicher, Reservekapazitäten und Redispatch erfordert, sollte man die Gesamtsystemkosten betrachten und nicht nur den Grenzkosten-Vorteil der Windkraft.

      Die Frage ist also weniger, ob Windstrom an der Börse billig sein kann – das ist unstrittig –, sondern ob und wann dieser Vorteil tatsächlich beim Stromkunden ankommt.

  • Karl Schmidt

    Die Lizenzgebühren, die bei den Ausschreibungen geboten wurden, sind natürlich auch absurd hoch. Wenn BP und Total die nicht zu zahlen bräuchten (bisher haben sie das ja nur zu einem kleinen Bruchteil von um die 10%), würden sich die Anlagen sicher auch ohne Förderung lohnen.

    Ich denke, die Ausschreibungsverfahren sollten so geändert werden, dass die Gebühren zu 100% innerhalb von einem Jahr nach gewonnener Ausschreibung bezahlt werden müssen, nicht rückzahlbar sind und die Rechte verfallen, wenn die Anlagen nicht nach x Jahren errichtet worden sind.

    Natürlich würden dann bei den Ausschreibungen deutlich niedrigere Erlöse für den Staat herum kommen. Aber das ist vielleicht auch nicht das Dringendste Thema.

  • nutzer

    Wenn man ganz ehrlich ist, ist aktuell ein Ausbau wirtschaftlich nicht lohnend.



    Das Motto der Markt regelt es schon, hat uns dahin geführt.



    Wenn man nicht von Anfang an blind war, hätte man erkennen können, dass irgendwann Speichertechniken nötig werden und ein Netzumbau zwingend erforderlich sein wird. Auch, dass dieser nicht alleine vom Himmel fällt, hätte man wissen können, aber ja " der Markt wird schon dafür sorgen", hat er aber nicht. Das war aber auch absehbar.



    Wir sind bei einer Kapazität an Erneuerbaren angelangt, an dem ein Ausbau weiter nötig wäre, aber ökonomisch nicht mehr tragfähig. Hinzu kommt, die wechselnde politische Einstellung zu den Erneuerbaren, das macht Investitionen unsicher.



    Hauptsächlich sind es aber ökonomische Zwänge, die dies verhindern.



    Wenn man nur das Auto baut, die Straße aber von alleine entstehen soll, wird man nicht vom Fleck kommen.

    • Petzi Worpelt

      @nutzer:

      "Das Motto der Markt regelt es schon, hat uns dahin geführt."

      Nein, gerade EE haben wenig mit Markt zu tun, sondern sind subventioniert und staatlich ohne Ende geregelt. Die Klimabewegung und alle mit ihr verbundenen Politiker haben seit Jahren gepredigt, dass man nur unendlich viel weiter ausbauen müsse und dann wäre genug Strom im Netz und man bräuchte keine Speicher, weil ja irgendwo immer Wind weht oder die Sonne scheint.



      Wer auf die Speicherproblematik hinwies, war geradezu ein Leugner. Jeder "Leugner" aka Realist schmunzelt nun und weiß "die Realität gewinnt am Ende immer". ;-)