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Transfermanager über Mensch und KI„Entweder hypen wir KI zu sehr oder wir schweigen sie tot“

Aljoscha Jacobi berät kleine Unternehmen, wie sie künstliche Intelligenz nutzen können. Der Mensch werde dabei keineswegs überflüssig, eher wichtiger.

Interview von

Noel Urcan

taz: Herr Jacobi, Sie helfen kleinen und mittelständischen Unternehmen kostenlos dabei, KI-Kompetenz aufzubauen und passende Lösungen für ihre Arbeitsabläufe zu finden. Womit fangen Sie an?

Aljoscha Jacobi: Wir erklären erst mal, was KI überhaupt ist, warum man keine Angst davor haben muss, aber warum es sich lohnt, sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Das läuft über eine Workshopreihe, die aufeinander aufbaut: erst die Grundlagen, dann die Integration im Unternehmen, dazu Fokus-Workshops. Spezialthemen wie den EU AI Act geben wir bewusst an externe Dozentinnen und Dozenten ab. Den Unternehmen selbst raten wir, klein anzufangen und Stück für Stück aufzubauen, statt direkt mit dem größten Prozess zu starten.

taz: Was sagt es über den Blickwinkel unserer Gesellschaft auf KI aus, wenn die meistgestellte Frage an Sie ist, welche die beste sei?

Jacobi: Sie zeigt, wie vereinfacht wir noch auf KI blicken, nämlich als gäbe es die perfekte Lösung auf Knopfdruck. KI verändert derzeit zwar in rasanter Geschwindigkeit die Prozesse und Art und Weise, wie wir arbeiten, nicht zwangsläufig den Output. Häufig schauen wir nur auf das Endergebnis, weil die Prozesse dahinter oft zu abstrakt wirken, und neigen daher dazu, KI zu über- oder unterschätzen. Es gibt Reasoning-Modelle fürs komplexe Nachdenken, kleine Modelle für einfache Aufgaben wie E-Mails und Spezialmodelle etwa fürs Programmieren. Das beste Modell gibt es nicht. Entscheidend ist, welches Problem man lösen will und wie das Ergebnis am Ende aussehen soll, denn wer den Output nicht klar definiert, setzt KI-Systeme nicht sinnvoll ein.

Im Interview: Aljoscha Jacobi

32, berät im Transferzentrum für Künstliche Intelligenz Bremen.AI Unternehmen in Sachen Künstliche Intelligenz.

taz: Viele Menschen kommen auch mit der Sorge zu Ihnen, KI ersetze zukünftig ihre Arbeitsplätze. Wie begegnen Sie diesen Menschen?

Jacobi: Auch diese Menschen sind in unseren Workshops willkommen, denn mit dem Einzug von KI in immer mehr Lebens- und Arbeitsbereiche entstehen neue Fragen nach Verantwortung, Vertrauen und Kontrolle. Überflüssig wird der Mensch dabei nicht, er wird eher wichtiger, weil der Wert standardisierter Arbeit sinkt, während Urteilskraft, Strategie und Verantwortung an Gewicht gewinnen. Den Modellen fehlt die Reflexionsfähigkeit, deshalb bleibt der Mensch der letzte Validierungsfaktor, häufig Human in the Loop genannt. Wir überschätzen die Geschwindigkeit dieser Innovation. Wir haben in Deutschland ja immer noch kein flächendeckendes Netz. Und wir unterschätzen ihre Tragweite, also all die Einsatzbereiche, die noch gar nicht umgesetzt sind. KI ist erfahrungsgemäß ohnehin nur zu einem Drittel die Lösung, die anderen zwei Drittel sind Menschen und Prozessverständnis.

taz: Viele nutzen im Alltag inzwischen Assistenten und Agenten. Was steckt technisch dahinter?

Jacobi: Ein Assistent ist im Kern ein gespeicherter Systemprompt. Ein Agent greift zusätzlich auf Werkzeuge zu, um eine Aufgabe wirklich zu erledigen. Tools können dabei alles sein, was wir im Arbeitsalltag an Software benutzen. Als Agenten können die Modelle diese Software auf Code-Ebene benutzen und Aktionen ausführen.

taz: Und was kann so ein System in einem Betrieb konkret übernehmen?

Kostenlose Workshops

Transferzentrum für Künstliche Intelligenz Bremen.AI, 26.8. KI & Data Engineering, 2.9. KI Basics & Praxis kompakt, jeweils 14 bis 17 Uhr. Weitere Info und mehr Workshops auf transferzentrum-bremen.ai

Jacobi: Whisper bringt gesprochenen Text in jedes Dokument. Auf Tastendruck spricht man ins Mikrofon und bekommt am Ende sogar vorsortierte Listen. Gamma baut aus Stichpunkten Präsentationen oder Flyer. NotebookLM fasst Textberge zusammen und macht daraus auf Wunsch einen Podcast. Ein Agent verbindet mehrere Tools und entscheidet mehr oder weniger autonom, welche zur Erledigung von komplexen Aufgaben nötig sind. Ein Handwerksbetrieb kann so eingehende Rechnungen erfassen und vorsortieren lassen, statt sie abends selbst abzutippen. E-Mails komplett automatisiert rauszuschicken würde ich trotzdem nicht empfehlen, weil dabei Fehler passieren, die schlecht ankommen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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