Sahra Wagenknecht : Die Zerstörerin
Das BSW zerlegt sich, weil die Thüringer Landtagsfraktion der Parteispitze nicht gehorchen will. Schuld am Untergang ist allein die Gründerin selbst.
Foto: Christoph Soeder/dpa
N och steht die Brombeer-Koalition in Thüringen, und zwar gegen den Willen von Sahra Wagenknecht. Der Vorstand der von ihr gegründeten Partei hatte von der Erfurter Landtagsfraktion verlangt, die Koalition mit CDU und SPD zu beenden – diese widersetzte sich. Die Rebellion gegen die Parteispitze markiert den Anfang vom letzten Akt des BSW. Die Partei steht vor dem Aus, sie droht bei den Landtagswahlen im Osten unterzugehen und mit ihr der Mythos Wagenknecht. Schuld daran ist nur sie selbst.
Schade für die engagierten Mitglieder. Die Selbstverzwergung Wagenknechts ist hingegen kein Verlust – an Populist:innen mit destruktiver Agenda besteht in Deutschland kein Mangel. Wagenknechts politische Karriere zeigt zudem, wie Populismus wirkt: Sie hinterlässt eine Spur der Zerstörung.
Seitdem sie als Last-Minute-SED-Mitglied begann, sich politisch zu engagieren, lautete Wagenknechts politisches Credo: dagegen. Sie war gegen die Wiedervereinigung, gegen die Aufarbeitung des Stalinismus in der SED-Nachfolgepartei, gegen den Zusammenschluss mit der WASG zur Linken, gegen die Öffnung der Linken für jüngere Wähler:innen.
In Abgrenzung zur Parteiführung gründete sie 2018 die Sammlungsbewegung Aufstehen – und verließ sie nach einem Jahr, als Aufstehen nicht wie geplant abhob. Und immer waren andere schuld an Misserfolgen. Noch kurz vor der Bundestagswahl 2021 veröffentlichte sie einen Bestseller, in dem sie die eigenen Genoss:innen als Lifestyle-Linke verhöhnte.
Erst nachdem sie die Partei verlassen hatte, ging es mit der Linken wieder bergauf. Auch das 2024 gegründete BSW schaffte ad hoc den Einzug in drei Landtage und beteiligte sich an zwei Regierungen – doch die zersetzende Kraft Wagenknechts und ihrer Jünger setzte sofort ein. Die Brandenburger Fraktion und mit ihr die Koalition zerbrach.
Seit einiger Zeit wirbt Wagenknecht nun für eine Regierungsbeteiligung der AfD und bietet das BSW, das die Alternative zur Alternative sein wollte, als Mehrheitsbeschafferin an. Hoffentlich bereiten die Wähler:innen dem Spuk bald ein Ende.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
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