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Afrika gegen Infantino Das ist wirklich groß

Alina Schwermer

Kommentar von

Alina Schwermer

Die Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst weiter. Nun stellen sich afrikanische Verbände gegen ihn – und er könnte gestürzt werden.

E s war kein gutes Wochenende für Gianni Infantino. 15 Nationalverbände aus dem sicher geglaubten Rückhalt Afrika haben sich vom Fifa-Präsidenten losgesagt und der Rebellion vieler Verbände Europas, Asiens und Nordamerikas angeschlossen. Es gibt Gespräche mit Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström über eine Gegenkandidatur. Fanverbände Europas, Afrikas und Nordamerikas haben ein Bündnis geschlossen, das Infantino stürzen will und Fan-Mitsprache bei der Fifa fordert.

Derweil verkündeten die Uefa und Nordamerikas Concacaf Pläne für eine gemeinsame Nations League ohne die Fifa, ein weiterer Affront. Und Infantino, der bei einem Jugendturnier in der Karibik auf Stimmenfang gehen wollte, wurde dort ausgeladen. Es wird wahrscheinlicher, was lange undenkbar schien: Infantino könnte stürzen. Der Fußball, wo man normalerweise frei nach Lenin für eine Revolution erst ein Ticket kaufen geht, erlebt eine beispiellose globale Protestbewegung.

Das ist wirklich groß. Es geht nicht mehr nur um taktisches Geschacher, es geht vielen Engagierten auch ums Prinzip: Zu viel Macht hat Infantino angesammelt, zu viele Alleingänge unternommen, zu gern Werkzeuge aus dem Diktaturbaukasten genutzt. Gelingt der Sturz, könnte das die Fifa tatsächlich etwas demokratisieren. Wichtig ist vor allem die Fanbewegung, die echte Chancen für globale Kämpfe eröffnet.

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Überhöhte moralische Erwartungen an eine Ära nach Infantino braucht man allerdings nicht zu haben. Afrikanische Verbände haben bereits klar gemacht, dass, wer ihre Stimme haben will, mindestens so viel Kohle bieten muss wie Infantino. Allen Verbänden geht es zuvorderst um mehr Geld. Und mögliche Gegenkandidaten wie Bahrains Herrscherspross Scheich Salman, gegen den es Foltervorwürfe gibt, sind auch keine besseren Demokraten.

Die Bewegung also hat einen gemeinsamen Feind, aber sehr heterogene Interessen. Die in Einklang zu bringen, wird die größte Schwierigkeit. Gelingt es nicht, kann Infantino womöglich den Kopf aus der Schlinge ziehen – am besten mit mehr Geldversprechen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Alina Schwermer

Alina Schwermer freie Autorin

Jahrgang 1991, studierte Journalismus und Geschichte in Dortmund, Bochum und Sankt Petersburg. Schreibt für die taz seit 2015 vor allem über politische und gesellschaftliche Sportthemen und übers Reisen. Autorin mehrerer Bücher, zuletzt "Futopia - Ideen für eine bessere Fußballwelt" (2022), das auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres stand.
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2 Kommentare

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  • Il_Leopardo

    Sieht so aus, als stolpere er über seine Hybris!

  • Martin Sauer

    Ja, Infantino, wurde bei einem Jugendtunier ausgeladen. Interessiert ihn aber nicht, er ist trotzdem gekommen.

    www.spiegel.de/spo...-bd14-f7d69a6349d5

    Doch trotz dieser Ansage ist der Fifa-Chef zu einem U14-Event in die Dominikanische Republik geflogen – und postete demonstrativ Kuschelfotos.