Afrika gegen Infantino : Das ist wirklich groß
Die Kritik an Fifa-Präsident Gianni Infantino wächst weiter. Nun stellen sich afrikanische Verbände gegen ihn – und er könnte gestürzt werden.
Foto: Mathias Delacroix/ap
E s war kein gutes Wochenende für Gianni Infantino. 15 Nationalverbände aus dem sicher geglaubten Rückhalt Afrika haben sich vom Fifa-Präsidenten losgesagt und der Rebellion vieler Verbände Europas, Asiens und Nordamerikas angeschlossen. Es gibt Gespräche mit Fifa-Generalsekretär Mattias Grafström über eine Gegenkandidatur. Fanverbände Europas, Afrikas und Nordamerikas haben ein Bündnis geschlossen, das Infantino stürzen will und Fan-Mitsprache bei der Fifa fordert.
Derweil verkündeten die Uefa und Nordamerikas Concacaf Pläne für eine gemeinsame Nations League ohne die Fifa, ein weiterer Affront. Und Infantino, der bei einem Jugendturnier in der Karibik auf Stimmenfang gehen wollte, wurde dort ausgeladen. Es wird wahrscheinlicher, was lange undenkbar schien: Infantino könnte stürzen. Der Fußball, wo man normalerweise frei nach Lenin für eine Revolution erst ein Ticket kaufen geht, erlebt eine beispiellose globale Protestbewegung.
Das ist wirklich groß. Es geht nicht mehr nur um taktisches Geschacher, es geht vielen Engagierten auch ums Prinzip: Zu viel Macht hat Infantino angesammelt, zu viele Alleingänge unternommen, zu gern Werkzeuge aus dem Diktaturbaukasten genutzt. Gelingt der Sturz, könnte das die Fifa tatsächlich etwas demokratisieren. Wichtig ist vor allem die Fanbewegung, die echte Chancen für globale Kämpfe eröffnet.
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Überhöhte moralische Erwartungen an eine Ära nach Infantino braucht man allerdings nicht zu haben. Afrikanische Verbände haben bereits klar gemacht, dass, wer ihre Stimme haben will, mindestens so viel Kohle bieten muss wie Infantino. Allen Verbänden geht es zuvorderst um mehr Geld. Und mögliche Gegenkandidaten wie Bahrains Herrscherspross Scheich Salman, gegen den es Foltervorwürfe gibt, sind auch keine besseren Demokraten.
Die Bewegung also hat einen gemeinsamen Feind, aber sehr heterogene Interessen. Die in Einklang zu bringen, wird die größte Schwierigkeit. Gelingt es nicht, kann Infantino womöglich den Kopf aus der Schlinge ziehen – am besten mit mehr Geldversprechen.
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