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Trans-Debatte im US-SportAnlasslose Agitation

Die Basketballliga der Frauen wird von rechten Kulturkämpfern als Bühne für Transphobie genutzt. Ex-NBA-Profi Enes Kanter tut sich besonders hervor.

V iel besser hätte es für Enes Kanter Freedom kaum laufen können. Der ehemalige NBA-Profi türkischer Herkunft besuchte am Sonntag das Frauenbasketballspiel zwischen den Chicago Sky und den Indiana Fever. Der Grund für sein Kommen war auf seinem schwarzen T-Shirt nachzulesen: „WOMAN noun. adult human female.“ („FRAU – Substantiv. Erwachsene menschliche Frau.“)

Mit Kanter Freedom hat sich eine schrille Persönlichkeit an die Spitze einer Anfang August aufgekommenen Debatte gesetzt. Ein Mann, der sich als Frauenschützer inszeniert und gegen Transgender-Sportlerinnen in der WNBA kämpft, obwohl es in der über 30-jährigen Geschichte der Liga eine solche im Spielbetrieb noch nie gegeben hat.

Weil seine Anwesenheit insbesondere Chicagos Spielerin Natasha Cloud provozierte und es in einer Spielpause an der Seitenlinie zwischen beiden zu einem Wortgefecht kam, wurde Kanter Freedom der Halle verwiesen. Es dauerte nicht lange, bis er sich über seine Social-Media-Kanäle als Opfer inszenierte: „Ich wurde von der WNBA aus der Halle geworfen, weil ich Frauen unterstütze.“

Diese Geschichte könnte für rechte Kulturkämpfer zu einem Lehrstück werden, wie anlasslose politische Agitation im Sport am besten ihre Wirkung entfaltet.

Ausgelöst hatte die Debatte Sophie Cunningham, die für die Indiana-Fever spielt. In einem Interview mit ESPN hatte sie erklärt, junge Mädchen sollten nicht gegen „biologische Männer“ antreten müssen und in der Umkleidekabine geschützt werden.

Männliche Provokateure

Wenige Tage später schrieb Kanter Freedom die WNBA an, er wolle sich beim nächsten Draft anmelden. Bei einer Veranstaltung also, die Basketballteams nutzen, um sich die Rechte für die größten Talente zu erwerben. Kanter Freedom argumentierte, wenn die WNBA das Geschlecht als gesellschaftliches Konstrukt behandle und Transgender-Athletinnen nicht grundsätzlich ausschließe, könne er sich ja als Frau bewerben. Der ehemalige NBA-Profi Royce White folgte seinem Beispiel.

Die Debatte scheint nun völlig aus dem Ruder zu laufen, wie der jüngste Vorfall beweist. Wenige Tage vor der Partie hatte Kanter Freedom über Instagram bereits angekündigt, es würden sich acht weitere Männer für den nächsten WNBA-Draft bewerben, sollten Transgender-Sportlerinnen nicht generell ausgeschlossen werden. Er hätte mit zwei weiteren ehemaligen NBA-Profis, drei Spieler der untergeordneten G-League sowie drei europäischen Spielern gesprochen, die sich zu diesem Vorhaben bekannt hätten.

Kanter Freedom, der vor vier Jahren seine NBA-Karriere beendet hat, wird eine Aufmerksamkeit zuteil wie lange nicht mehr. Wobei er schon zu seiner aktiven Zeit eher als politischer Aktivist für Schlagzeilen sorgte. Den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete er einst als „Hitler unseres Jahrhunderts“. Nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei erklärte ihn die Regierung zum Terroristen. Wenig später annullierte sie seinen Pass. Kanter wurde 2021 zum US-Staatsbürger und gab sich den Nachnamen „Freedom“. Bei den NBA-Funktionären machte er sich mit seiner massiven China-Kritik und seinen Einsatz für ein freies Tibet und die Uiguren unbeliebt, weil das Land der wichtigste internationale Markt für die Liga ist. Sein politisches Engagement bescherte ihm ein frühzeitiges Karriereende.

Nun scheint Kanter Freedom eine neue Mission als Kulturkämpfer der MAGA-Bewegung gefunden zu haben. Im Visier hat er jetzt Freiheiten, die seiner Ansicht nach beschränkt werden sollten. Dieser Tage hat er sich von Lara Trump, der Schwiegertochter von US-Präsident Donald Trump, in der WNBA-Angelegenheit interviewen lassen, die als Moderatorin für den rechtskonservativen Nachrichtensender Fox News arbeitet.

Die Nachrichtenagentur AP berichtete am Dienstag, die WNBA würde Kanter Freedom und Royce White nicht für den Draft zulassen. Man berief sich auf Aussagen einer mit dieser Angelegenheit vertrauten Person in der WNBA.

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Johannes Kopp taz-Sportredakteur

Jahrgang 1971, bis Ende März 2014 frei journalistisch tätig. Seither fest mit dem Leibesübungen-Ressort verbunden.
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1 Kommentar

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  • Cornelia Gliem

    Nicht vorhande Probleme aufputschen, das ist Politik der Rechten... schade.